Gliederung
1. Einleitung 4
2. Zielfindung. 9
2.1 Das Profil des kulturserver.de und erste Zielplanung. 9
2.2 Das Prinzip des Stakeholder Value. 12
2.3 Zielkonflikte. 18
3. Branchenanalyse 19
3.1 Umweltanalyse 19
3.1.1 Die makroökonomische Umwelt 19
3.1.2 Die technologische Umwelt. 19
3.1.3 Die rechtlich-politische Umwelt 21
3.1.4 Die soziokulturelle Umwelt. 24
3.2 Marktanalyse 26
3.2.1 Marktzugangsbarrieren. 26
3.2.2 Zielgruppen 27
3.2.3 Konkurrenz. 28
3.2.4 Lieferanten 28
4. Unternehmensanalyse. 29
4.1 Potentialanalyse 29
4.1.1 Das Produkt. 29
4.1.2 Die Redaktionen 30
4.1.3 Ausbau und Entwicklung 30
4.1.4 Der Finanzbereich 31
4.2 Lückenanalyse 32
4.2.1 Das Produkt. 32
4.2.2 Die Redaktion 32
4.2.3 Ausbau und Entwicklung 33
4.2.4 Der Finanzbereich 34
2
4.3 Konkurrentenanalyse 34
4.3.1 soundwarez.org 35
4.3.2 kulturlink.de 35
4.3.3 freizeitziele.hamburg.de 36
4.3.4 schatz-von-hamburg.de. 37
4.4 Stärke-Schwäche-Analyse. 38
5. Festlegung der Unternehmenszielsetzung anhand einer SWOT-Analyse. 41
6. Maßnahmenplanung. 44
6.1 Vorbereitende Maßnahmen 44
6.1.1 Kostenkalkulation. 44
6.1.2 Argumentationsplan 46
6.2 Aktive Integration der Interessensgruppen 47
6.3 Koordination der Realisierung 48
7. Fazit 49
8. Bibliographie 51
9. Anhang 56
3
1. Einleitung
„By the fruit the tree is to be known.“ 1
Hamburg erfreut sich national und international eines überaus guten Rufes, zum einen, aufgrund seiner von Wasser und reicher Vegetation geprägten Stadtstruktur, zum anderen durch seine Tradition und Geschichte. Man wird beneidet, in Hamburg zu wohnen, unabhängig davon, ob man sich in der In-Szene oder in der High-Society bewegt - das Hamburger Leben ist vielseitig, vielfältig, vielschichtig, die Hamburger Kultur ein Spiegel dessen, denn „Kultur ist die Lebensform des Menschen, die im Laufe der Menschheitsgeschichte immer differenzierte Ausprägungen gefunden hat. Prinzipiell schafft der Staat keine Kultur, sondern findet sie vor (...)“ 2 Doch was tut der Staat/die Regierung mit diesem Spiegel der Lebensformen, mit der Kultur? Geht er auf ihre Vielfalt ein? Nimmt er sie in ihrer Bedeutung und Funktion wahr? Oder ist sie ihm lästig? Nutzt er sie zur Profilierung, schützt er sie oder versucht er, sie zu verändern?
Diese Fragen stellen sich bei der Betrachtung der Hamburger Kulturpolitik der vergangenen zwei Jahre. Wie in den Medien zu verfolgen war, gestaltete sich das Verhältnis zwischen Kulturschaffenden und Regierung zunehmend angespannt und frustrierend. Die Kommunikation wurde mehr und mehr gestört, das kulturelle Gesicht Hamburgs verschwand aus der öffentlichen Menge. 3 Diesen Ist-Zustand griff Frau Prof. Dr. Karin von Welck, seit März 2004 amtierende Kultursenatorin, in ihrem ersten ausführlichen Interview mit dem Hamburger Abendblatt 4 auf:
1 Abraham Lincoln in einem Brief an Williamson Durley, in: Mario M. Cuomo, Harald Holzer, Lincoln on
Democracy, New York 1991.
2 Max Fuchs, NRW braucht Kultur, in: Materialien, Seminar: Konzeptionen und Theorien der
Kulturpolitik, SS 2001, HWP, S. 18. Im folgenden: Fuchs.
3 Vgl. hierzu: Stellungnahme zur Kulturpolitik von 200 freiberuflichen Hamburger KünstlerInnen und
der Freien Szene, Offener Brief an Ole von Beust, „Wachsende Stadt ohne KünstlerInnen?“,
11.03.2004, http://soundwarez.org/mailman/listinfo/echo, im folgenden: Offener Brief, und auch das
Interview von Helmut Söring mit Peter Dannenberg, dem Intendanten der Hamburger Symphoniker,
„Musikleben zwischen Skylla und Charybdis. Der Intendant der Hamburger Symphoniker über das Amt
und das Bewusstsein für Kultur in Hamburg“, in: Hamburger Abendblatt, 19. 04.2004.
4 Hans-Jürgen Fink, „Akzente: ‚Wenn alles perfekt wäre, hätte ich nichts zu tun.’ Das erste große
Interview mit Hamburgs neuer Kultursenatorin Karin von Welck“, Hamburger Abendblatt, 05.04.2004.
Während der Antrittsphase der neuen Kultursenatorin gab es in der Presse immer wieder Berichte
über Ansichten, Visionen und Ziele von Frau Prof. von Welck zur Kulturpolitik, so z.B. in Die Welt,
30.04.2004, einen Artikel von Helmut Peters über den Besuch der Senatorin im Kulturklub oder,
ebenfalls über diesen Besuch, in der Frankfurter Rundschau, 28.04.2004, einen Artikel von Frank Keil.
4
von Welck: Man muss die Kommunikation in der Stadt verbessern, selbstbewusster
auftreten und für die Kultur werben. Dafür brauchen wir bessere Konzepte. Hamburg muss wahrgenommen werden als Stadt, die nicht nur "Hochkultur" zu bieten hat, die hat sie ja zum Teil auf Weltniveau. Denken Sie an John Neumeiers Ballett oder an die großartigen Museumssammlungen. Aber das funktioniert nur durch die Pflege lebendigen kulturellen Lebens.
Abendblatt: Da zielen Sie wieder auf Kommunikation, und genau da gab es Schwierigkeiten.
von Welck: Ich bin von meiner ganzen Anlage her jemand, der seine Lebensaufgabe darin sieht, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen - da liegt eine meiner Stärken.
Abendblatt: Es gab harte Kontroversen über Konzepte - etwa ums Schauspielhaus. Wie weit wollen Sie sich hier einmischen?
von Welck: Wenn es Probleme gibt, werde ich mich zunächst vor diejenigen stellen, die sich für Kultur engagieren, und dann versuchen, die Kommunikation in die Stadt hinein zu verbessern. Ich war längere Zeit Museumsdirektorin und habe auch von meinem Kultur-Dezernenten erwartet, dass er sich vor uns stellt.
Vor ähnlichen kommunikativen Problemen in der Kultur stand das Kulturministerium von Nordrhein-Westfalen 5 am Ende der 90er Jahre und entwickelte als Lösungsmöglichkeit die Internetplattform kulturserver-nrw.de. 6 Basis dieser Plattform als Teil der bundesweiten Kulturdatenbank kulturserver.de 7 ist die Idee der Vernetzung und Kooperation in der Kulturarbeit. Kunst- und Kulturschaffende haben mit dieser Plattform die Möglichkeit, sich und ihre Arbeit im Internet zu präsentieren. 12.500 tagesaktuelle Termine, ca. 9.000 Adressen kultureller Einrichtungen und knapp 5.000 Mitglieder, die sich mittels Webvisitenkarten, Homepages - einschließlich eigener Domain - oder der Teilnahme an dem Terminkalender präsentieren, können derzeit allein für Nordrhein-Westfalen über den Kulturserver abgerufen werden. Ein Webmailsystem, ein Magazin mit Berichten, Nachrichten und Tipps zu aktuellen kulturellen Ereignissen, ein offenes Forum und die Option, einen wöchentlich erscheinenden Kulturletter zu abonnieren, vervollständigen das redaktionell betreute und für die Nutzer kosten- und werbefreie Angebot. Dieses richtet sich sowohl an
5
Heutiges Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport.
6 Vgl. Kapitel 2.1 und Anlage.
7 Vgl. Anlage.
5
diejenigen, die ihre Informationen verbreiten wollen als auch an jene, die wissen möchten, was das Bundesland spartenübergreifend kulturell bietet. Mit der Einrichtung des kulturserver-nrw.de wurde ein modernes Kommunikations- und Informationsmedium für die nordrhein-westfälische Kultur geschaffen, das aufgrund seines Erfolges als Lösungsvorschlag für die oben angeführten Mängel in der Hamburger Kultur in dieser Arbeit vorgestellt und erörtert werden soll. Es drängt sich die Frage auf, ob nicht die Einrichtung einer Redaktion des kulturserver.de in Hamburg (kulturserver-hamburg.de 8 ) ein Fundament zur Vernetzung und zum Austausch der Kulturschaffenden innerhalb Hamburgs darstellen würde. Gleichzeitig könnte auch über die Stadtgrenzen hinaus eine informative Plattform für Kulturinteressierte und eine Präsentationsfläche der vielfältigen Hamburger Kultur für Touristen, etc. entstehen. Um diese Frage fachgerecht beantworten zu können, wird in der vorliegenden Arbeit nach der Vorstellung des zugrundeliegenden Konzeptes des kulturserver.de und der Zielplanung (Kapitel 2) zunächst ein Schwerpunkt auf die Branchenanalyse in Bezug auf die Freie und Hansestadt Hamburg gelegt (Kapitel 3.1). Es wird erörtert, welche Chancen und Risiken sich aus dem bestehenden Umfeld ergeben könnten. Nach anschließender Skizzierung der Bedarfsanalyse wird ein zweiter Schwerpunkt auf der Darstellung des Unternehmens liegen (Kapitel 4). In diese Analyse fließen Betriebsdaten und Fakten aus der Chefredaktion des kulturserver.de in Aachen und der zuletzt eingerichteten Redaktion in Berlin (kulturserver- berlin.de) ein.Im Anschluß an diesen ausführlichen Analyseteil der Arbeit wird in Kapitel 5 die Unternehmenszielsetzung der Hamburger Redaktion des kulturserver.de mit anschließender Maßnahmeplanung (Kapitel 6) festgelegt. Das Fazit wird abschließend die Beantwortung der eingangs gestellten Fragestellung beinhalten.
Der im Folgenden verwendete Kulturbegriff ist notwendigerweise eng gefasst. In ihm enthalten sind primär alle Künste - Musik, Theater, Literatur, bildende Kunst - und sekundär alle Formen ihrer Vergesellschaftung, d.h. ein Teilbereich von Bildung und Wissenschaft. Am prägnantesten erklärt sich dieser Begriff durch sein hier skizziertes Umfeld: das oft benutzte Wort des ‚Kulturschaffenden’ verdeutlicht die Inhalte der angewendeten Begriffsdefinition. 9
Die in dieser Arbeit analysierte Art von Internetplattformen bietet an einem virtuellen Ort das, was Marktplätze in ihrer ursprünglichsten Form für das gesellschaftliche Zusammenleben darstellten: Einen Ort des Informationsaustausches, der Präsentation und Bekanntmachung. Hier können Verbindungen entstehen und Netzwerke geknüpft werden.
9 Ein weitgefasster Kulturbegriff wäre die Dialektik zwischen Natur und Kultur. Vgl. dazu
Geisteswissenschaften heute. Eine Denkschrift, hrsg. von Wolfgang Frühwald, Hans Robert Jauß,
Reinhart Koselleck, Jürgen Mittelstraß, Burkhart Steinwachs, Frankfurt/Main 1996, S. 138 ff.
6
Der Marktplatz ist keine reine Handelszone, sondern ein wichtiges Forum der Öffentlichkeit. „Die Öffentlichkeit ist, so wie der Markt selber auch, ein Medium der Versprechungen; ihr Metier ist die Bildung von Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit, aber auch Verlockung und Verführung. Diese sind psychische Energien, die den Willen zum Handeln mobilisieren können und sollen.“ 10 Ein Internetportal im Sinne des kulturserver.de ist also kein statisches, virtuelles Nachschlagewerk, wie das offizielle Internetportal der Freien und Hansestadt Hamburg hamburg.de, sondern ein Umschlagplatz und eine Stelle des Austausches, unbegrenzt zugänglich, offen für Kontakte und Informationen zum breiten Thema ‚Kultur’. Für die Realisierung des kulturserver.de wurde das Internet als zeitgemäße Technologie genutzt, die einerseits in der heutigen Zeit für jeden leicht zugänglich ist und andererseits flexibel und ausbaubar bleibt, um sich den Strömungen der Entwicklung anpassen zu können. Michael Donath, derzeitiger Mitarbeiter von hamburg.de, beurteilt in seiner Studie über das Internet als Instrument zur Stärkung der (US-amerikanischen) Zivilgesellschaft die Rolle des Mediums sowie seinen Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen wie folgt: „Als Techniken der Interaktion - das bedeutet Kommunikation und Transaktion - erweitern die Neuen Medien außerdem die Möglichkeiten, zwischenmenschliche Kontakte zu knüpfen und soziale Netzwerke zu bilden und zu bewahren, so dass sich gesellschaftliche Interessensgruppen besser formieren können und handlungsfähiger werden. Auch diese neuen Organisationsentwicklungen betreffen die gesellschaftlichen Machtverhältnisse natürlich in zentraler Weise. Denn wer über bessere Möglichkeiten für Kontakte und Kommunikation, für Kooperation und Koordination verfügt, der hat damit auch höhere Chancen, seine eigenen Interessen und die anderer zu verwirklichen.“ 11
Der Ausbau Hamburgs zur Kulturmetropole, wie im aktuellen Regierungsprogramm „Hamburg im Aufwind - die Zukunft der wachsenden Stadt gestalten“ 12 vorgesehen, bedeutet die Ermöglichung einer qualitativ und quantitativ facettenreichen Kultur, deren Kern keine kommerzielle Eventkultur der Musicalbranche sein darf, sondern „Teil des gesellschaftlichen Selbstverständnisses und Identifikationsfaktor“ 13 sein muss. Eine Verbesserung der Infrastruktur, die die Kulturschaffenden miteinander verbindet und einen anregenden Austausch ermöglicht, ist hierfür unerlässlich. Mit Hilfe dieser verbesserten
10 Peter Bendixen, Einführung in das Kultur- und Kunstmanagement, Wiesbaden 2001, S. 16. Im
folgenden: Bendixen.
11 Michael Donath, Demokratie und Internet, Neue Modelle der Bürgerbeteiligung an der
Kommunalpolitik - Beispiele aus den USA, Frankfurt am Main 2001, S. 14. Im folgenden: Donath. Vgl.
dazu auch: Klaus Kufeld, Wie viel Philosophie braucht die Kultur? Zur Programmatik der Innovation im
neugegründeten Ernst-Bloch-Zentrum in Ludwigshafen am Rhein, Paragraph „Netzwerke schaffen“, S.
59, in: Kulturpolitische Mitteilungen, Nr. 82, Bd. III/98. S. 58-59.
12 Regierungsprogramm 2004-2008 „Hamburg im Aufwind - die Zukunft der Wachsenden Stadt
gestalten“, Kapitel VIII „Kulturmetropole Hamburg ausbauen“, im Folgenden: Regierungsprogramm.
7
Infrastruktur kann die Kultur Hamburgs für die Kulturschaffenden, die Kulturinteressierten, für die Regierung, für Presse und Medien sowie für Außenstehende in ihrer ganzen Bandbreite greifbar, zugänglich und nutzbar gemacht werden.
13 Fuchs, S. 18.
8
2. Zielfindung
2.1 Das Profil des kulturserver.de und erste Zielplanung
In dem in der Zeitung Die Welt erschienenen Artikel „Kultur als städtischer Charakterkern -Vor der Wahl: Prominente Kulturschaffende fordern politischen Bewußtseinswandel“ 14 wird der Thalia-Intendant Ulrich Khoun zitiert, der in seiner Rede zu o.g. Thema auf die Missstände der Kulturpolitik Hamburgs hinweist: „Da fehlt das Bewusstsein für Kultur als Charakterkern einer Stadt. Das Phänomenale ist, dass ja alles da ist. Man müsste es nur vertiefen, bündeln, Verbindungen schaffen und dann - und das ist das nächste Defizitmüsste man es nach außen präsentieren, Stolz sein darauf und zudem die Wurzeln der Kultur pflegen, das heißt den Nachwuchs.“
Dieses Zitat macht deutlich, dass es zu Recht nach Meinung des Intendanten - und zudem in Übereinstimmung mit der ehemaligen Kultursenatorin Horakova 15 - der Freien und Hansestadt Hamburg nicht an kultureller Vielfalt mangelt. Das Manko muss vielmehr an anderer Stelle gesucht werden:
1. In der fehlenden Verbindung und Vernetzung der Kulturschaffenden untereinander und 2. in einem ebenfalls fehlenden, adäquaten Weg, der es der Kultur Hamburgs ermöglicht, in die Öffentlichkeit zu gelangen.
Die Lösung dieser Problematik sieht der Kulturökonom Peter Bendixen als eine der Hauptaufgaben des Arbeitsfeldes von Kulturmanagern: „Die Kunst, Kultur zu ermöglichen, ist eine Floskel, durch die das zuweilen recht harte Geschäft des Kultur- und Kunstmanagements einen spezifischen Anstrich von Bescheidenheit und Distanz erhält, denn es geht ja nicht darum, in der Kunst des ökonomisch Machbaren selber Kunst zu machen oder Kultur zu schaffen, sondern ‚lediglich’ Wege zu bahnen und Vehikel zu konstruieren, damit eigentliche, substantielle Kunst sich verwirklichen kann, indem sie an die Öffentlichkeit gelangt und angenommen wird.“ 16 Und weiter sagt er: „Kulturmanagement ist [...] angemessene [...] Organisation und Steuerung betrieblicher Einheiten der Kultur nach innen und [...] Umfeldgestaltung nach außen im Sinne der Wegbereitung für die jeweiligen kulturellen Anliegen und Aktivitäten.“ 17
14 Von Stefan Grund, Die Welt, 27.02.2004.
15 Vgl. Interview mit Dana Horakova im Hamburger Abendblatt, Frage: „ Gibt es in der Kulturszene
etwas, das Sie als störend empfunden haben?“ Horakova: „Störend nicht wirklich, aber ich habe das
Gefühl, dass die interne Kommunikation zwischen den Kulturschaffenden oft mager war.“ Hans-Jürgen
Fink, Armgard Seegers, „Vielleicht hätte ich diplomatischer vorgehen sollen. Kultursenatorin Dana
Horáková blickt zurück auf zwei Jahre im Amt“, Hamburger Abendblatt, 24./25.01.2004.
16 Bendixen, S. 27.
17 Ders., S. 43.
9
Auf diese von Bendixen angesprochene Wegbereitung und ‚Vehikelkonstruktion’ für die Kultur stützen sich Idee und Struktur des Internetportals kulturserver.de. Auf der Suche nach einer Lösung für die eben genannten Probleme in der Kulturarbeit, stieß das Kulturministerium des Landes Nordrhein-Westfalen 1998 auf das niedersächsische Internetportal kulturserver.de in Hannover 18 und auf das ‚virtuelle Stadtviertel’ heimat.de in Aachen. Beide Projekte betreuten Termin-, Personen- und Adressdatenbanken mit dem Ziel, Kulturschaffende zu vernetzen und ein Forum für gegenseitigen Austausch zu schaffen. heimat.de war aus einem realen Veranstaltungsort - der „Raststätte“ - heraus von dem Bildhauer Wolfgang Knauff 19 und dem Informatiker Christian Scholz entwickelt worden mit der Idee, das kulturelle Geschehen vor Ort für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aus dem Zusammenschluss der beiden bestehenden Datenbanken 20 sowie der Konzepte entstand und etablierte sich der bundesweit angelegte kulturserver.de mit der Sicherung der entsprechenden Domains für alle Bundesländer und der Vision einer schrittweisen Etablierung und Konsolidierung des Portals im gesamten Bundesgebiet, und, als Teil dieses bundesweiten Netzwerkes, der kulturserver-nrw.de als Präsentations- und Informationsfläche für Kulturschaffende, Kulturkunden und Kulturkonsumenten in Nordrhein-Westfalen. Organisiert und verwaltet wird dieses Netzwerk seit 2002 von der ‚Stiftung kulturserver.de gGmbH’ 21 mit Geschäftsniederlassungen in Aachen, Berlin und Hannover. Weitere Redaktionsstellen befinden sich in Wuppertal, Passau, Magdeburg und Apolda (Thüringen). Damit hatte das Kulturministerium des Landes eine Lösung gefunden, der Vielzahl und Vielfalt an Kunst und Kultur des regional zergliederten Bundeslandes eine bessere Kommunikation und Vernetzung untereinander zu ermöglichen und gleichzeitig einen zeitgemäßen Zugang zur Öffentlichkeit anzubieten. Realisiert wurde dieses Konzept zum einen durch eine starke Anbindung der Kulturschaffenden an den Kulturserver: Alle kulturellen Einrichtungen, Projekte etc., die vom Land Förderung erhalten, werden seit der Einrichtung der Plattform angehalten, mit dem kulturserver-nrw.de zu kooperieren. Dies impliziert eine Nutzung des Kulturservers als
18
Das niedersächsische Internetportal war 1997 auf Initiative des Landes Niedersachsen mit dem
Ponton European Media Art Lab - ein 1989 von einer Künstlergruppe gegründeter online-Dienstleister
- im Rahmen einer Studie über den interaktiven Austausch von Künstlern und Kulturschaffenden
entwickelt worden. Angelegt als dreijähriges Projekt ging der kulturserver.de 1998 online und verfügte
bereits zwei Jahre später über Redaktionen in Hildesheim, Magdeburg, Berlin und Prishta. Maßgeblich
an der Entwicklung beteiligt war Benjamin Heidersberger, einer der beiden heutigen Geschäftsführer
der Stiftung kulturserver.de gGmbH.
19 Einer der beiden heutigen Geschäftsführer der Stiftung kulturserver.de gGmbH.
20 CultureBase, die Datenbank von heimat.de, wurde als gemeinsame Datenbank weitergeführt.
21 Die Bezeichnung ‚Stiftung’ beinhaltet derzeit nicht die Gesellschaftsform. Diese ist eine
gemeinnützige GmbH. Anvisiert ist eine Stiftungsgründung im Laufe des Jahres 2004. Stifter werden
voraussichtlich die beiden Geschäftsführer, die die Nutzungsrechte übertragen. Zustifter wird das Land
mit etwa 100.000 €. Ziel ist, die Existenz des Kulturdatennetzwerkes langfristig zu sichern. Nachdem
10
Instrument der Öffentlichkeitsarbeit und eine beständige Eingabe und Aktualisierung der eigenen Daten und Veranstaltungen. Gleichzeitig wurde der Kulturserver verpflichtet, allen Interessierten - vornehmlich Städte, Gemeinden und Kommunen aber auch kulturelle Institutionen - online-Veranstaltungskalender, sogenannte Ausgabemodule, kostenfrei zu erstellen. 22
Zum anderen stellte eine dreijährige Förderung die finanzielle Basis für die Realisierung des Konzeptes dar und sicherte darüber hinaus auch die redaktionelle Betreuung, die die Befüllung des Portals durch die Kulturschaffenden begleitete. 23 Neben den öffentlichen Fördergeldern erwirtschaftet der kulturserver.de weitere Einnahmen durch agenturartige Leistungen für kommerzielle Projekte im Bereich der Kultur, z.B. für die Erstellung von Netzwerken für Museen. Durch dieses zweite finanzielle Standbein kann eine Ausweitung des Internetportals von der Stiftung kulturserver.de gGmbH vorangetrieben werden, ohne die öffentlichen Förderungen für diese Ziele in Anspruch nehmen zu müssen. Darüber hinaus werden durch die Aktivitäten der Agentur im kulturellen Bereich neue Partner für das Netzwerk gewonnen.
Die Struktur des Kulturportals basiert auf der online-Datenbank CultureBase mit einem kostenlos nutzbarem Redaktionssystem in Form einer online-Software, dessen Module kontinuierlich weiterentwickelt und erweitert werden. Jeder Kulturschaffende, der die Datenbank für seine individuellen Zwecke nutzen möchte, kann von jedem Internetzugang aus nach einfacher Anmeldung eigenverantwortlich seine Daten eingeben, diese bearbeiten, den großen Veranstaltungskalender erweitern, eine eigene Homepage bauen oder eine Webvisitenkarte erstellen. 24 Durch die einmalige Eingabe erscheinen die Termine o.ä. auf verlinkten Partnerseiten auf Landes- und Bundesebene, ohne dass sich der Nutzer an verschiedene Redaktionen wenden muss. Die zentralen Redaktionen in Aachen und Berlin koordinieren die unterschiedlichen redaktionellen Gruppen, die regionale oder projektbezogene Verantwortung für die jeweiligen Dateneingaben besitzen, so dass bei stetiger Erweiterung der Datenbank gleichzeitig immer eine Qualitätssicherung der
das Land das Projekt nun im vierten Jahr fördert, sollen auf diese Weise bereits unternommene
Bemühungen langfristig gesichert werden.
22 Eine Auswahl ist zu finden unter http://ausgabemodule.kulturserver.de . Weitere Informationen sind
hinterlegt unter http://presse.kulturserver.de .
23 In den Jahren 2001-2003 wurde der technische Betrieb der Stiftung kulturserver.de gGmbH mit
insgesamt 234.390 € gefördert (2001: 82.640 €, 2002: 79.276 €, 2003: 72.474 €), die Förderung der
redaktionellen Arbeit lag in ähnlicher Höhe.
Bis zum Ende des Jahres 2003 wurde die redaktionelle Betreuung des kulturserver-nrw.de von der in
Düsseldorf ansässigen Agentur Syrius im Rahmen eines Werkvertrages übernommen. Seit Januar
2004 übernimmt die Aachener Hauptredaktion diese inhaltliche Betreuung des Portals.
24 Vgl. hierzu Interview mit Wolfgang Knauff, geführt von Anja Stöcker, in: Berliner Gazette - das
digitale Mini-Feuilleton, 14.05.2003 und die Informationen unter www.kulturserver.presse.de.
11
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Julia zur Lippe, 2004, Hamburger Kultur im Netz, München, GRIN Verlag GmbH
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