Inhaltsverzeichnis 2
XVDPPHQIDVVXQJ 4
1 Einleitung 5
2 Über die Relativität typologischer Systeme 7
3 Die Typologie von Carl Gustav Jung 9
3.1 Einführung 9
3.2 Das Kompensationsprinzip von C.G. Jung 11
3.3 Die vier Bewusstseinsfunktionen in der Typologie 13
3.4 Extraversion und Introversion 16
3.4.1 Extraversion 18
3.4.1.1 Einstellung des Bewusstseins 18
3.4.1.2 Einstellung des Unbewussten 19
3.4.1.3 Extravertierter Denktypus 21
3.4.1.4 Extravertierter Fühltypus 23
3.4.1.5 Extravertierter Empfindungstypus 25
3.4.1.6 Extravertierter intuitiver Typus 27
3.4.2 Introversion 29
3.4.2.1 Einstellung des Bewusstseins 29
3.4.2.2 Einstellung des Unbewussten 30
3.4.2.3 Introvertierter Denktypus 32
3.4.2.4 Introvertierter Fühltypus 34
3.4.2.5 Introvertierter Empfindungstypus. 37
3.4.2.6 Introvertierter Intuitiver Typus 39
3.4.3 Hauptfunktion und Hilfsfunktion 40
3.4.4 Zusammenfassung 43
4 Einführung in systemtheoretische Fachbegriffe 44
4.1 Code. 46
4.2 Autopoiesis 48
4.3 Selbstorganisation 49
4.4 Feedback 50
Inhaltsverzeichnis 3
5 Homöostase und Persönlichkeit 51
5.1 Zum Konzept der Homöostase in Bezug auf die Physiologie 51
5.2 Psychische Homöostase im psychologischen Kontext 53
5.3 Psychische Homöostase im systemtheoretischen Kontext 58
5.4 Über die Zweckmäßigkeit der Homöostase 63
5.5 Zusammenfassung 65
6 Homöostase und die Typologie von C.G. Jung 66
6.1 Homöostase, Selbstorganisation und Kompensation 67
6.2 Bewusstseinsfunktionen und Homöostase 69
6.3 Feedback und Homöostase 72
6.4 Störungen und Homöostase 77
6.5 Therapie und Homöostase 82
6.6 Zusammenfassung 84
7 Schlussbetrachtung 85
8 Literaturverzeichnis 87
9 Abbildungsverzeichnis 90
10 Internetquellen 91
Zusammenfassung
Zusammenfassung
Die vorliegende Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen dem Prinzip der Kompensation in der Typologie von Carl Gustav Jung und dem Konzept der Homöostase in Bezug auf Psychologie und Systemtheorie. Das Prinzip der Kompensation besagt, dass die Psyche sich beständig selbst reguliert und dadurch ein relatives Gleichgewicht aufrecht zu erhalten versucht. Auf die Typologie C.G. Jungs bezogen, beschreibt das Kompensationsprinzip einen beständigen gegenseitigen Ausgleich verschiedener Funktionen (Denken, Fühlen, Empfindung, Intuition), die das Bewusstsein zur Orientierung im Leben benutzt. Der Begriff der Homöostase ist in der Physiologie schon lange bekannt. Dieser beschreibt eine permanente Regulierung physiologischer Parameter wie z.B. Körpertemperatur, Blutdruck, Salzgehalt etc. durch bestimmte Ausgleichsmechanismen hin zu einem relativen Gleichgewicht. Diese Ansicht der Homöostase, wurde in der Mitte des letzten Jahrhunderts vermehrt auf psychologische Konzepte übertragen. Eine Analogie zum Kompensations - und Homöostasekonzept findet sich ebenso innerhalb der Paradigmen der allgemeinen Systemtheorie wieder, die von komplexen autopoietischen und sich selbstorganisierenden Systemen ausgeht. Diese Arbeit bringt die Konzepte dieser Disziplinen in Verbindung und zeigt, dass die Jungsche Typologie implizit ein homöostatisches Prinzip des psychischen Apparates mit seinen Bewusstseinsfunktionen annimmt und weiterhin, dass das Konzept der Homöostase einen weit reichenden Erkenntnisgehalt für die psychologische Forschung besitzt.
1. Einleitung
1 Einleitung
Mit diesem Zitat soll der Rahmen dieser Arbeit verdeutlicht werden: Die unmittelbare Tendenz einer Vereinigung der Gegensätze, die Erhaltung eines immanenten Gleichgewichts der menschlichen Psyche. Etwas genauer gesagt, die Tendenz der Gleichgewichtserhaltung zweier Orientierungsfunktionen des Bewusstseins, die durch äußere Umstände aus einer ursprünglichen Einheit in die Vielheit gedrängt wurden und ein Dasein in Spannung fristen, jedoch wieder nach Vereinigung streben. Diese für das Überleben eines Organismus so wichtige Tendenz des Ausgleichs, die C.G. Jung als Kompensation definierte, wird unter dem Begriff der Homöostase in einen höheren Kontext überführt, wobei die Konzepte der Systemtheorie als Bindeglied dienen. Denn bekanntermaßen ist die Systemtheorie eine Theorie von Systemen, so wie sie überall in der Natur vorzufinden sind. Auch die menschliche Psyche ist ein System, wenn nicht sogar das komplexeste überhaupt.
Seit der Definition durch Walter Cannon in den 30er Jahren wird der Begriff der Homöostase in Bezug auf den Körper des Menschen und dessen physiologische Regelungsmechanismen innerhalb der Physiologie vielfach angewandt. Doch in dieser Arbeit geht es nicht primär um den menschlichen Körper. Es soll dargestellt werden, dass Carl Gustav Jung, der Begründer der Analytischen Psychologie, in seiner Vorstellung von der Psyche, ein sich selbst regulierendes System voraussetzte. Ein System, dass in all seinen Erscheinungsformen nach einem Gleichgewicht, einer Homöostase strebt, genauso wie dies der Körper tut, um sein Überleben zu sichern. Hierbei ging Jung davon aus, dass das Unbewusste diejenige Instanz ist, welche einseitige Einstellungen und Neigungen des Bewusstseins korrigiert, um somit für das Individuum eine Lebensgrundlage zu schaffen, die sich in einem relativen Gleichgewicht bewegt. Es soll einerseits gezeigt werden, inwiefern die Psyche als ein autonomes System betrachtet werden kann und wie bestimmte Paradigmen der Systemtheorie auf das Kompensationsprinzip im Rahmen der Typologie C.G. Jungs
1. Einleitung
angewandt werden können; denn die Systemtheorie beschreibt die Psyche als ein komplexes, autopoietisches System, dass sich selbst steuert, reguliert und organisiert. Es finden sich hier weitreichende Hinweise auf eine Systemqualität der menschlichen Psyche.
Diese Arbeit besteht aus drei Teilen: Im ersten Teil erfolgt eine zusammenfassende Darstellung der Typologie von C.G. Jung, welche einen besonderen Schwerpunkt auf die kompensatorische Qualität der unterschiedlichen Typen legt. Im zweiten Teil wird etwas näher auf einige, für diese Arbeit relevante, systemtheoretische Fachbegriffe eingegangen und weiterhin die Erkenntnisse psychologischer und systemtheoretischer Wissenschaften bezüglich eines Konzeptes der Homöostase näher erläutert. Im letzten Teil dieser Arbeit wird das Kompensationsprinzip innerhalb der Typologie C.G. Jungs in einen Bezug zur Homöostase gesetzt. Hierbei spielen die systemtheoretischen Fachbegriffe der Autopoiese und Selbstorganisation von Systemen eine besondere Rolle. Weiterhin wird erläutert, in welcher Beziehung psychische bzw. physische Störungen mit Homöostase stehen und es werden zwei Therapieformen erwähnt, die sich mit diesem Konzept befassen.
2. Über die Relativität typologischer Systeme
2 Über die Relativität typologischer Systeme
Die Idee, Menschen konstante Persönlichkeitseigenschaften zuzuweisen, um diese besser verstehen und beschreiben zu können, ist nicht neu. Schon früh postulierten wache Geister verschiedene Typen von Menschen, die
sich z.B. durch die Ausprägungen ihrer ¾¾Körpersäfte½½
(Jung, 2003; Bents, R. & Blank, R., 2003). Mit jedem Körpersaft ± so wurde angenommen - gehen verschiedene Persönlichkeitseigenschaften einher, deren Eigenschaftsausprägungen durch diese determiniert sind. Neuere typologische Ansätze wie z.B. die Persönlichkeitstheorie der Big Five gehen ebenfalls von gewissen Eigenschaften aus, die sich unterschiedlich
im Individuum ausgeprägt haben. Es soll hier jedoch keine tiefgreifende geschichtliche Darstellung der Entstehung von Persönlichkeitstheorien erläutert, sondern lediglich illustriert werden, dass die Einteilung in Klassen oder Typen schon immer eine menschliche Tendenz war, die dem Zweck diente, die vielseitigen Facetten des menschlichen Charakters auf spezifische, konstante Eigenschaften zu reduzieren. Die Einteilung in bestimmte Typen von Menschen hat den Vorteil, einen allgemeinen Konsens zu schaffen, anhand dessen aus der Vielfalt menschlicher Individualitäten bestimmte psychologische Kriterien extrahiert werden können. Zu seiner Typologie sagt Jung:
Das von mir in Vorschlag gebrachte, auf praktischer Erfahrung beruhende typologische System ist ein Versuch, der bisher vorherrschenden, schrankenlosen individuellen Variation in der psychologischen Auffassungsbildung eine Grundlage und einen Rahmen zu geben. Beschränkende Bestimmungen irgendwelcher Art werden früher oder später im Gebiete unserer noch jungen Wissenschaft unumgänglich werden, denn einmal müssen sich die Psychologen auf gewisse, willkürlicher Deutung entzogene Grundlagen einigen, soll ihre Psychologie nicht ein unwissenschaftliches Zufallsgemenge individueller Meinungen bleiben. (Jung, 2003, S.25)
Wie im Späteren noch deutlich werden wird, geht mit einem bestimmten Typus ebenso ein spezifisches geistiges Ungleichgewicht einher. Im Rahmen dieser Arbeit ist es jedoch nicht möglich, auf alle Einzelheiten und Eigenschaften bis ins Detail einzugehen. Für eine genaue Darstellung der einzelnen Typen verweise ich auf Jungs Werk: Typologie.
2. Über die Relativität typologischer Systeme
Es stellt sich nun allerdings die prinzipielle Frage, ob es überhaupt möglich ist, den Menschen quasi in ¾¾Schubladen½½ zu stecken und aus der Mannigfaltigkeit der menschlichen Qualitäten eine gewisse Tendenz herauszufiltern, die auch einen entsprechenden Wirklichkeitsbezug hat. Dieser Nachweis gestaltet sich aus systemtheoretischer Sichtweise recht schwierig, da immer ein Betrachter vorhanden ist, der das zu Betrachtende auf das für ihn Wichtigste reduzieren muss. Anders gesagt: Weist man einem Objekt eine Eigenschaft zu, schließt man sein Gegenteil aus (Wilber, 1977/2000). Der Mensch schafft einen kognitivlinguistischen Sinnzusammenhang und setzt damit eine bestimmte Struktur oder Verhaltensweise des Systems voraus (vgl. Krieger, 1998). Dies sei laut Krieger (1998) notwendig, um die Komplexität der Umwelt zu reduzieren und diese für uns begreifbar und erfassbar zu machen. Kriz (1997 QHQQW GLHV ÄGLH 9HUEDQQXQJ GHV &KDRV³ (S.26), denn im Menschen bestehe seiner Ansicht nach eine Angst vor Unberechenbarkeit und Kontrolllosigkeit, die er mittels Einordnung in Kategorien auf das für ihn Wesentliche reduziert. Diese Reduktion lässt notwendigerweise Klassen von Objekten entstehen, denen eine bestimmte Eigenschaft zukommt. Diese Reduktion der Wirklichkeit muss notwendigerweise entstehen, GDPLW GDV %HZXVVWVHLQ ¾¾stabil½½ bleibt und nicht von Reizen überflutet wird. Demnach ist es für den Menschen wichtig, bestimmte Mechanismen zu entwickeln, die ihm eine gewisse Reizselektion ermöglichen. Allerdings haben Klassifikationssysteme auch einen entscheidenden Nachteil:
Klassifikationssysteme sind Formen der Beschreibung. Sie ordnen eine Vielheit und grenzen sie gleichzeitig ab. Klassifikationssysteme repräsentieren keine natürliche Ordnung, sie entstehen aufgrund analytisch eingeführter Unterscheidungen. Sie sind Konstruktionen eines Beobachters und spiegeln allein diesen Erkenntnisprozess wider. (Krüppers, 1996; zit. nach Tobler, 2001, S.31)
Es ist wichtig, hervorzuheben, dass jegliche Klassifikationssysteme immer aus der Sicht eines bestimmten Betrachters entstehen und in diesem Sinne keine Allgemeingültigkeit aufweisen, sondern durch die spezifischen kognitiv-linguistischen Zusammenhänge erst eine Form entstehen lassen, die nur im begrenzten Maße mit der Wirklichkeit in Verbindung steht. Dies sollte man sich stets vor Augen halten, da man sonst die Individualität eines jeden Menschen in ein Muster presst, welches diesem in keinster Weise gerecht wird.
3. Die Typologie von Carl Gustav Jung
3 Die Typologie von Carl Gustav Jung
In diesem Abschnitt soll es nun darum gehen, eine kurze Beschreibung der verschiedenen Typen und der Qualitäten zu geben, die sich durch die unterschiedlichen Ausprägungen der Bewusstseinsfunktionen ergeben. Im Rahmen dieser Arbeit wird es dennoch nicht möglich sein, zu einer umfassenden Darstellung der Typen zu gelangen. Hierzu wird auf das umfangreiche Gesamtwerk von Jolande Jacobi 1 verwiesen. Zunächst einmal einige grundlegende Informationen über C.G. Jungs Ansichten und seinem Verständnis der menschlichen Psyche.
3.1 Einführung
Carl Gustav Jung wurde 1875 in Kesswil (Schweiz) geboren und
starb 1961 in Küsnacht (Schweiz). Er war Mediziner, Psychologe und der Begründer der Analytischen Psychologie. Im Gegensatz zum Vorherrschen
psychologischen Forschung, ist C.G. Jungs Verständnis der menschlichen Psyche phänomenologisch ausgerichtet. Häufig wird
dies auch von anderen Wissenschaftlern kritisiert, da - ähnlich wie bei Sigmund Freud - seine Annahmen einen tautologischen Charakter besitzen und einer Operationalisierung der Wirkfaktoren
vielfach unzugänglich sind. Trotz Kritik ist die Analytische Psychologie weltweit verbreitet. Es gibt viele weiterentwickelte Techniken auf Basis der Jungschen Psychologie z.B. die Bioenergietherapie von Shirahama oder die körperzentrierte Imagination nach Remo Roth. Dennoch sind, wie Dieckmann (2002) bemängelt, die Fortschritte etwas stecken geblieben, obwohl es in jüngster Zeit eine Reihe von Studien gibt, die die Annahmen der Analytischen Psychologie stützen.
Typologie beschäftigt sich, wie der Name schon sagt, mit der Einteilung des Menschen in verschiedene Typen bzw. Arten von Menschen, die sich bezüglich bestimmter Persönlichkeitsmerkmale unterscheiden lassen. Es ist also eine Klassifizierung, die dazu dient, eine gewisse Ordnung zu schaffen und damit eine Basis für weitere Untersuchungen. Ein Gewähr für einen Wirklichkeitsbezug ist damit nicht gegeben - so sagt auch Jung (2002),
1 Die Psychologie von C. G. Jung: Eine Einführung in das Gesamtwerk
3. Die Typologie von Carl Gustav Jung
dass seine Einteilung in den extravertierten und introvertierten Typus sowie die vier Grundfunktionen keineswegs als die einzig mögliche angesehen werden kann, sondern ebenso gut auch eine andere Art von Beschreibung verwendet werden könnte.
Ein wichtiger Grundpfeiler der Analytischen Psychologie ist die Annahme eines Unbewussten. Dies ist für die gesamte Analytische Psychologie ± wie auch für die Psychoanalyse nach Freud ± eine wichtige Angelegenheit, da in diesen Schulen die Entstehung psychischer Störung in unmittelbarer Beziehung zum Unbewussten steht. Jung versuchte unbewusste Inhalte durch das Assoziationsexperiment zu entschlüsseln: Er stellte fest, dass auf bestimmte Reizwörter (z.B. Mutter) eine verlängerte Reaktionszeit folgte. Dadurch entdeckte er die Verwurzelung von Erfahrungsinhalten mit Emotionskomplexen, die das Individuum beeinflussen. Daraus schloss er, dass Komplexe 2 sich in ihrer unbewussten Intentionalität unterscheiden und den normalen psychischen Ablauf behindern können (Kast, 2003). Aus den Erkenntnissen des Experiments und vielen weiteren Untersuchungen an Patienten, formulierte Jung ein Prinzip, das er als eine wichtige Qualität des Unbewussten deklarierte: Die Kompensation.
2 Dieser von Jung formulierte Begriff, beschreibt Bündel aus miteinander Assoziierten und eng verbundenen
Erfahrungen und emotionalen Inhalten. Zum Beispiel wird jeder Erfahrung mit der Mutter, im Mutterkomplex
gespeichert. Diese Komplexe müssen allerdings nicht immer von pathologischer Natur sein.
3. Die Typologie von Carl Gustav Jung
3.2 Das Kompensationsprinzip von C.G. Jung
Jung (2003) ging davon aus, dass das Unbewusste 3 kompensatorisch im Hinblick auf die bewusste Einstellung des Individuums agiere. Das Psychologische Lexikon definiert Kompensation als Ä$XVJOHLFK(UVDW]ZHFKVHOVHLWLJH$XIKHEXQJHQWJHJHQZLUNHQGHU.UlIWH³ (Dorsch Psychologisches Lexikon, 2004, S.495). Jung definiert Kompensation folgendermaßen:
.RPSHQVDWLRQ EHGHXWHW $XVJOHLFKXQJ RGHU (UVHW]XQJ>«@:lKUHQG $GOHU VHLQHQ %HJULII GHU Kompensation auf die Ausgleichung des Minderwertigkeitsgefühles einschränkt, fasse ich den Begriff der Kompensation allgemein als funktionelle Ausgleichung, als Selbstregulation des psychischen Apparates auf. In diesem Sinne fasse ich die Tätigkeit des Unbewußten als Ausgleichung der durch die Bewußtseinsfunktion erzeugten Einseitigkeit der allgemeinen Einstellung auf. (Jung, 2003, S.157)
Das Bewusstsein sei laut Jung (2003) eine auswählende Instanz. Eine Auswahl erfordere gemeinhin eine Art von Selektion, die bestimmte Inhalte auswähle, bevorzuge und damit andere ausschließe. Daraus entstehe seiner Ansicht nach eine gewisse Einseitigkeit bzw. ein Ungleichgewicht der bewussten Orientierung, wodurch die nicht selektierten Inhalte ins Unbewusste abgedrängt bzw. ausgeschlossen werden. Je nach Grad des Ungleichgewichts entstehen unbewusst gewisse ausgleichende, regulierende Tendenzen, die Jung als kompensatorisch auffasste. Anders gesagt entsteht eine Spannung (bzw. ein energetischer Überschuss), welche durch das Unbewusste kompensiert respektive reduziert werde müsse (s. Abb. 3). Diese von Jung verfasste Tendenz zur Spannungsreduktion ± auch Kompensation genannt - ähnelt der von Freud formulierten Trägheitshypothese die besagt, dass ein System versucht möglichst spannungsfrei zu bleiben (Fuchs, 1998). Sofern die Einstellung des Bewusstseins nun kein allzu extremes Maß annehme, bleibe es bei einer kompensatorischen Beziehung von Seiten des Unbewussten, die dem Zweck einer Ausgleichung (oder Ergänzung) der bewussten Orientierung diene und zum Beispiel durch Träume einen Angleich derjenigen Inhalte bewirke, die im Wachzustand vom Bewusstsein ausgeschlossen werden.
3 Das Unbewusste definiert Jung, kurz gesagt, als all diejenigen Inhalte, die dem Ich nicht bewusst sind.
3. Die Typologie von Carl Gustav Jung
Gesundheit 5 . Hier erkennt man sehr deutlich die Jungsche Ansicht eines psychischen Gleichgewichts. Wie später noch näher erläutert wird, stellt der Kompensationsprozess einen Teilprozess innerhalb eines homöostatischen Systems dar ± welcher, aus dieser Sichtweise betrachtet, ein sich eigenständig regulierendes Gleichgewicht anstrebt. Auf eine Infektion erfolgt beispielsweise Fieber, welches das Gleichgewicht des Körpers wieder herzustellen versucht. Die Kompensation des Bewusstseins durch das Unbewusste diene also einzig und allein dem psychischen Gleichgewicht (Jung, 2003). Der Kompensationscharakter innerhalb des typologischen Prinzips macht sich dadurch bemerkbar, dass eine unterdrückte Funktion nach außen projiziert wird, sich dort entfaltet und dem Individuum zuwiderlaufende Ansichten und Wahrnehmungen vermittelt. Der nächste Abschnitt beschäftigt sich nun etwas näher mit den vier Grundfunktionen, die den verschiedenen Typen zugrunde liegen und deren Persönlichkeiten in verschiedenster Weise prägen.
4 Es ist nun nicht so, dass das Unbewusste aufhört zu kompensieren. Die Tätigkeit des Unbewussten ist ein
beständiges registrieren und justieren, vergleichbar mit den physiologischen Regelmechanismen unseres
Körpers.Auch dort wird jede Abweichung vom Idealniveau permanent registriert und diesem entgegengewirkt.
5 Man sollte sich dennoch im Klaren sein, dass eine oppositionelle Haltung des Unbewussten - aus der
Perspektive eines pathologisch orientierten Klassifikationssystems, eine psychische Störung zur Folge haben
kann und meistens auch hat. Der Zweck dieser Haltung allerdings, ist eine Regulierung und Ausgleichung der
bewussten Tätigkeit hin zu einem Normalniveau. In späteren Abschnitten wird dieses Normalniveau auch als
sogenannter ¾¾steady state½½ oder relatives Gleichgewicht bezeichnet.
3. Die Typologie von Carl Gustav Jung
3.3 Die vier Bewusstseinsfunktionen in der Typologie
In diesem Teil der Arbeit soll kurz auf die von Jung deklarierten vier psychologischen Grundfunktionen, also diejenigen Funktionen mit denen sich das Bewusstsein orientiert, eingegangen werden.
Die bewusste Psyche wird von Jung (2003) als eine Art von Anpassungsapparat beschrieben. Dieser besitze gewisse Grundfunktionen (Denken, Fühlen, Empfindung, Intuition) 6 , derer sich das Individuum zu seiner Orientierung bediene. Unter einer Funktion versteht Jung HLQH ÄXQWHU EHVWLPPWHQ 8PVWlQGHQ VLFK SULQ]LSLHOO JOHLFKEOHLEende 7lWLJNHLWVIRUP³ 6 'LH *UXQGIXQNWLRQen seien für ihn reine Erscheinungsformen der Libido. Alle diese Funktionen sollten idealerweise gleichermaßen an einer Orientierung des Bewusstseins des Individuums beteiligt sein. Jung beschreibt die Aufgabe der Funktionen in folgender Weise:
>«@ Gas Denken sollte uns das Erkennen und Urteilen ermöglichen, das Gefühl sollte uns sagen, wie und in welchem Grade etwas für uns wichtig oder unwichtig ist, die Empfindung sollte uns durch Sehen, Hören, Tasten und so weiter die Wahrnehmung der konkreten Realität vermitteln, und die Intuition endlich sollte uns alle mehr oder weniger verborgenen Möglichkeiten und Hintergründe einer Situation erraten lassen, denn auch sie gehören zu einem völligen Bilde des gegebenen Momentes.(Jung, 2003, S.113)
Allerdings seien in der Realität die Grundfunktionen
nur sehr selten oder nie gleichmäßig differenziert und in der Regel sei eine der Funktionen dominant, wohingegen
unentwickelt und minderwertig im Hintergrund (im Unbewussten) bleiben (Jung, 2003). Hier sollte noch erwähnt
Bewusstseinsfunktionen noch weiter ausdifferenziert. Er unterteilt weiterhin in eine urteilende und eine
wahrnehmende Funktion. Denken und Fühlen sind urteilende Funktionen, wohingegen Intuition und
Empfindung wahrnehmende Funktionen darstellen. Wie aus Abbildung 4 ersichtlich, können damit verschiedene Eigenschaften in Verbindung gebracht werden.
6 Jung wählte diese Begriffe, da er aus langjähriger praktischer Erfahrung feststellen konnte, dass diese sich nicht
aufeinander reduzieren lassen. So sei für ihn beispielweise das Prinzip des Denkens absolut verschieden vom
Prinzip des Fühlens und mit diesem nicht vereinbar (vgl. Jung, 2003).
3. Die Typologie von Carl Gustav Jung
Zunächst ist es nun wichtig, ein Verständnis dafür zu bekommen, wie Jung die verschiedenen Bewusstseinsfunktionen definiert und beschreibt:
Das Denken in der Jungschen Typologie steht für Rationalität und Logik. Es ist diejenige Funktion, die nach eigenen Gesetzen Vorstellungsinhalte in begriffliche (sprachliche) Zusammenhänge anordnen und ausdrücken kann (Jung, 2003). Das Denken entscheidet zwischen richtig und falsch. Jung differenziert zwischen einem aktiven und einem passiven Denken: Ä'DVDNWLYH'HQNHQLVWHLQ:LOOHQVKDQGOXQJGDs passive Denken ein Geschehnis³ (S.131). Das aktive Denken benötigt Energie und ist auch gemeinhin das, was man als Intellekt bezeichnen würde 7 . Das passive Denken tritt beispielsweise im Halbschlaf auf und benötigt keine Energie.
Demgegenüber steht das Fühlen bzw. die Fühlfunktion. Diese bezeichnet ±wie der Name schon sagt ± unser Gefühl. Durch eine gefühlsmäßige Konnotation erkennt das Individuum, was ein Objekt wert ist. Hier nähert sich Jungs Beschreibung dem Freudschen Lust/Unlust ± Prinzip deutlich an. Denn das Fühlen weist einem gewissen Inhalt einen Wert im Sinne von Lust/Unlust bzw. Annehmen/Zurückweisen zu (Jung, 2003). Jung (2003) unterscheidet weiterhin zwischen Affekt und Gefühl, indem die Steigerung der Gefühlsintensität einen Affekt hervorruft, der mit deutlichen Körperinnervationen einhergeht 8 .
Als weitere Grundfunktion beschreibt Jung (2003) die Empfindung. Die Empfindung ist diejenige Funktion, welche den objektiven bzw. physischen Reiz aufnimmt und verarbeitet. Ä(PSILQGXQJ LVW GDKHU LGHQWLVFK PLW 3HU]HSWLRQ³ (S.136). Für Jung bezieht sich die Empfindung nicht allein auf einen äußeren Reiz, sondern vermittelt auch die Perzeptionen, die aus dem eigenen Körper resultieren wie z.B. von den Organen (Jung, 2003). Jung charakterisiert die Empfindung in folgender Weise:
7 Jungs Verständnis vom Denken ist noch etwas weiter gespannt, so unterscheidet er wiederum zwischen einem
gerichteten (Intellekt) und einem ungerichteten (intellektuelle Intuition) Denken. Diese Unterscheidung ist jedoch
im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter erwähnenswert.
8 Jungs Verständnis vom Fühlen ist wiederum sehr weit gefasst. Er differenziert weiterhin zwischen einem
konkreten und einem abstrakten Fühlen. Diese Differenzierung ist jedoch für die späteren Ausführungen ebenfalls
nicht von Wichtigkeit. Es genügt hier eine kurze Charakterisierung des Fühlens zu geben.
3. Die Typologie von Carl Gustav Jung
Sie [die Empfindung] ist einerseits ein Element des Vorstellens, indem sie dem Vorstellen das Perzeptionsbild des äußeren Objektes vermittelt, andererseits ein Element des Gefühls, indem sie durch die Perzeption der Körperveränderung dem Gefühl den Affektcharakter verleiht. (Jung, 2003, S.136)
Vereinfacht ausgedrückt ist die Empfindung diejenige Funktion, welche die äußeren (und inneren) Reize wahrnimmt und verarbeitet.
Die Intuition ist nur schwer intellektuell zu erfassen. Bei ihr handelt es sich nämlich um einen transzendenten Faktor, der unmittelbar in Interaktion mit dem Unbewussten steht, in dem Sinne, dass eine Situation als ganzes erfasst werden kann. Die Intuition beschreibt Jung (2003) als diejenige Funktion, welche eine Wahrnehmung auf unbewusstem Weg vermittle, wobei Gegenstand dieser Wahrnehmung sowohl äußere, wie auch innere Objekte oder deren Zusammenhänge betreffen könne. Allerdings sei die Intuition weder Sinnesempfindung, noch Gefühl, noch intellektueller Schluss, könne aber ebenso in diesen Formen auftreten; sie vermittle eine Wahrnehmung, die größtenteils unbewusst sei und zum Beispiel durch die Denkfunktion oder eine andere Funktion in etwas konkretes, greifbares gefasst werde. Anders formuliert ist die Intuition ein sehr schneller, subtiler Berechnungsvorgang, der sich auf ein angesammeltes Wissensrepertoire bezieht. Zum Beispiel wird ein Physiker der mit dHU¾¾Materie½½ vertraut ist, am ehesten gewisse Ideen und Einfälle haben, die zu seinem Bereich gehören und vielfach komplexer sind als bei einem Laien, der kaum Kenntnisse über Physik besitzt. Zur Erscheinung der Intuition sagt Jung folgendes:
Die I. [Intuition] tritt auf in subjektiver oder objektiver Form; erstere ist eine Wahrnehmung unbewußter psychischer Tatbestände, die wesentlich subjektiver Provenienz sind, letztere eine Wahrnehmung von Tatbeständen, die auf subliminalen Wahrnehmungen am Objekte und auf durch sie veranlaßten subliminalen Gefühlen und Gedanken beruhen. (Jung, 2003, S.152)
Für die Belange dieser Arbeit genügt es, die Ansicht Jungs über die Funktionen vorerst bei diesen Ausführungen zu belassen, denn eine erschöpfende Darstellung der Grundfunktionen, würde den Rahmen dieser Arbeit um ein Vielfaches sprengen. Es bleibt allerdings noch zu erwähnen, dass jeweils zwei der Funktionen miteinander inkompatibel sind in dem Sinne, dass bei Tätigkeit einer Funktion, die andere unterdrückt werden muss (Jung, 2003; s. Abbildung 5 ).
3. Die Typologie von Carl Gustav Jung
Wie im Abschnitt 3.4.3 noch erläutert werden wird, ist im
Bewusstsein nicht nur eine Funktion dominant, sondern zwei relativ parallel zueinander, wobei beide benutzt werden können, aber nur eine als Hauptfunktion gilt. Die andere Funktion hingegen dient der Unterstützung der Hauptfunktion, um Informationen an diese zu vermitteln (Jung, 2003). Es ist hier noch erwähnenswert, dass für den äußeren Betrachter die Hauptfunktion nicht diejenige ist, welche am stärksten erscheint, sondern diejenige mit der das Individuum seine Beziehungen zum Objekt bewältigt und wahrnimmt (Dieckmann, 2002). Im nächsten Abschnitt wird nun
Hauptklassifizierungsmerkmale Typolologie, nämlich Extraversion und Introversion, eingegangen.
3.4 Extraversion und Introversion
Der eine läßt sich durch die Tatsache, daß es draußen kalt ist, sofort veranlassen, seinen Überzieher anzuziehen, der andere aber findet dies aus Gründen seiner Abhärtungsabsicht überflüssig. (Jung, 2003, S.30)
Dieses Zitat ist ein schönes Beispiel für zwei unterschiedliche Arten von Menschen. Jung (2003) veranschaulicht in seinem typologischen Prinzip zwei verschiedene Typen, die u.a. unterschiedliche intrinsische Motivationen bei der Art und Weise der Auswahl ihrer Handlungen besitzen. Er vermutete, ähnlich wie Hans Eysenck, dass diese Einstellungen zum großen Teil aus angeborenen Strukturen resultieren und mit der entsprechenden physiologischen bzw. neurophysiologischer Tätigkeit ebenso eine bestimmte
Weltanschauung einhergeht und damit auch eine bestimmte Art zu denken und zu handeln. Die Konstrukte ± welche Jung zur Klassifizierung dieser Typen verwendet, bezeichnete er als Extravertiert und Introvertiert. Beide sind in der wissenschaftlichen Literatur und Diagnostik reichlich belegt, man denke hierbei an Testverfahren wie z.B. das Freiburger Persönlichkeitsinventar oder den Gießen-Test. Jung (2003) spricht von einem Typus, wenn Äeine Einstellung habituell ist und dadurch dem Charakter des Individuums ein bestimmtes Gepräge verleiht³(S.191).
3. Die Typologie von Carl Gustav Jung
Der Extravertierte orientiere sich seiner Meinung nach an der äußeren Tatsache, während sich der Introvertierte eine Ansicht reserviere, die vorwiegend auf subjektiven Tatsachen beruhe. Der Introvertierte sei ferner ständig darauf bedacht (natürlich ist ihm das nicht bewusst) sich vom objektiven Einfluss zurückzuziehen, wohingegen der Extravertierte diesen nicht scheue 9 (Jung, 2003). Zentner (1993) stellt eine Reihe von Untersuchungen in Anlehnung an Kagan vor, die die biophysiologischen und neurologischen Korrelate der beiden Konstrukte nun auch empirisch untermauern. Hierbei wurden zwei Gruppen von Kleinkindern beobachtet, die 20-30 % der amerikanischen Population ausmachen und bereits im 2. Lebensjahr durch diejenigen Merkmale auffallen, die Jung als Extravertiert und Introvertiert bezeichnete und das nicht nur in Bezug auf psychologische Faktoren, sondern ebenso in Bezug DXILKUÄQHXURSK\VLRORJLVFKHV3URILO³ 10 (S.56).
Es sollte jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass diese Konstrukte die alleinigen unter den psychischen Funktionen darstellen. Jungs Forschungen basierten hauptsächlich auf einer empirischen Analyse von mehreren hundert Patienten, wobei Wille und Gedächtnis von Jung explizit nicht weiter in den Blickpunkt seiner Untersuchungen einbezogen wurden,
menschlichen Psyche darstellen können (Jung, 2003). Ebenso erwähnt Zentner (1993), dass die Dimensionen Extraversion/Introversion lediglich eine unter mehreren Kategorien ÄBewegungsdrang
Empfindlichkeit³ 6 seien. Abbildung 6 verdeutlicht einige Persönlichkeitseigenschaften beider Typen, wobei kein Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhoben werden kann, denn diese beziehen sich auf sprachliche Begrifflichkeiten, die dem Charakter des jeweiligen Typen nicht annähernd gerecht werden können.
9 Jung beobachtete schon bei kleinen Kindern eine unterschiedliche Art und Weise, sich unbekannten Objekten
gegenüber zu verhalten, was ihn dazu veranlasste, eine angeborene Struktur dahinter zu vermuten.
10 Jung räumt MHGRFKDXFKHLQGDVVHVHLQHQXQEHVWLPPWHQ7\SXVJLEWGHQHUDOV¾¾0LWWHOJUXSSH½½EH]HLFKQHW
(vgl. Zentner, 1993). Ebenso bezweifelt er, dass der Einfluss der Biologie alleinentscheidend für die Entwicklung
des Individuums sei. So sei es durchaus möglich die Einstellung zu wechseln.
3. Die Typologie von Carl Gustav Jung
3.4.1 Extraversion
In diesem Abschnitt wird näher auf den extravertierten Typus eingegangen. Zuerst werden die Eigenschaften des Bewusstseins und des Unbewussten näher ausgeführt. Danach wird etwas genauer auf die unterschiedlichen Typen eingegangen werden, die sich durch die jeweils ausgeprägte Grundfunktion ergeben.
3.4.1.1 Einstellung des Bewusstseins
Die Einstellung des Bewusstseins innerhalb der extravertierten Einstellung richtet sich nach dem Objekt, also nach dem objektiv gegebenen (Jung, 2003). Je nach dominierender Funktion (z.B. Denken), basieren die Anstöße der Denkvorgänge auf äußerlichen Objekten und Tatsachen (z.B. Politik, Mathematik, Physik). Dies steht im Gegensatz zur introvertierten Einstellung, die sich am subjektiv gegebenen orientiert. Hiermit soll jedoch keineswegs ausgedrückt werden, dass der Extravertierte ausschließlich extravertiert ist, denn bei jedem Individuum sind beide Einstellungen vorzufinden. Von einer habituellen Einstellung spricht Jung (2003) nur dann, wenn einer der beiden Mechanismen dominant ist bzw. überwiegt:
Wenn nun die Orientierung am Objekt und am objektiv Gegebenen vorwiegt in der Weise, daß die häufigsten und hauptsächlichsten Entschlüsse und Handlungen nicht durch subjektive Ansichten, sondern durch objektive Verhältnisse bedingt sind, so spricht man von einer extravertierten Einstellung (Jung, 2003, S.31).
Das bedeutet, der Extravertierte verwendet das Objekt, d.h. die objektiven Tatsachen als determinierende Größe in seinem Bewusstsein, welche den subjektiven untergeordnet sind und in seiner Entscheidungsfindung eine wesentlich geringere Rolle spielen. So beschreibt Jung (2003) im Weiteren die gefährliche Einseitigkeit des extravertierten Typus, welche durch eine entsprechende Kompensation von Seiten des Unbewussten ausglichen werden müsse. Denn die Orientierung des Bewusstseins dieser Art von Typus gehe so weit nach DXHQ GDVV VRJDU GLHÄVLQQIlOOLJVWHDOOHU VXEMHNWLYHQ 7DWVDFKHQ, nämlich das Befinden des Körpers³ Jung, 2003, S.32), als zu wenig objektiv, zu wenig im Außen nicht genügend in Betracht gezogen werde; er verdränge dadurch nämlich seine subjektiven Bedürfnisse und Notwendigkeiten, wodurch diese sich im Unbewussten ansammeln und das physische Wohlbefinden beeinträchtigen. In seiner Typologie geht Jung (2003) davon aus, dass die unterdrückten subjektiven Bedürfnisse einen introvertierten, entgegengesetzten Charakter annehmen und die kompensatorische Funktion des Unbewussten determinieren. Ein
Arbeit zitieren:
David Hofmann, 2009, Homöostase und Persönlichkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
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