Gliederung
1. Einleitung 3
2. Vorgeschichte und thematische Grundlagen 5
2.1 Zur annalistischen Tradition 5
2.2 Historischer Abriss 6
2.3 Vertragsgrundlagen 7
2.3.1 Lutatius-Vertrag 7
2.3.2 Ebro-Vertrag 8
3. Ursachenforschung 9
3.1 Vertragsbrüche 9
3.1.1 Im Zusammenhang mit dem Lutatius-Vertrag 9
3.1.2 Im Zusammenhang mit dem Ebro-Vertrag 11
3.2 Römerhass der Barkiden 13
3.3 Hegemoniebestreben und Expansionismus 14
3.3.1 karthagische Motive 14
3.3.2 Römische Motive 16
3.4 Verhältnis zwischen Rom und Sagunt 16
4. Anlässe des zweiten Punischen Krieges 18
5. Fazit 19
6. Quellenverzeichnis 20
7. Literaturverzeichnis 20
1. Einleitung
Ein brisantes Forschungsgebiet bei der Untersuchung von militärischen Auseinandersetzungen stellen immer die Ursachen und Anlässe eines Krieges dar. Am aktuellen Beispiel der Intervention der Vereinigten Staaten im Irak zeigt sich im besonderen Maße die Fülle von kontroversen Diskussionen über Schuld, Recht und Legitimation der Kriegsführung. Es ist daher nicht verwunderlich, dass bereits in der antiken Geschichtsschreibung die Frage der Kriegsschuld eine maßgebliche Rolle bei der Beurteilung von militärischen Konfrontationen spielte. Im Besonderen Maße gilt dies auch für die Erforschung der Ursachen und Anlässe des zweiten Punischen Krieges.
Denn bei der Betrachtung der Punischen Kriege steht die Geschichtswissenschaft vor dem Problem, dass einzig griechische (Pictor/Polybios) und römische (z.B. Livius) Quellen Auskunft über die damaligen Umstände und Geschehnisse geben können, weil durch die Zerstörung Karthagos im Jahre 146 v. Chr. keine karthagischen Zeugnisse überliefert sind. Deshalb muss die Objektivität der überlieferten Darstellungen stets hinterfragt werden, weil die Geschichtsschreiber unter Beobachtung der römischen Senatoren und unter dem Eindruck eines fast verlorenen Krieges wirkten. In den antiken Quellen lassen sich daher Tendenzen zur Verklärung des römischen Handelns unter dem Banner des gerechten Krieges auffinden, sowie die Zuschreibung an Karthago, als aggressive Macht die alleinige Schuld am Krieg inne zu haben.
Diese Hausarbeit soll den Wahrheitsgehalt der Überlieferungen bezüglich der Geschehnisse im Vorfeld des zweiten Punischen Krieges kritisch hinterfragen. Aus diesem Zusammenhang lautet meine Arbeitshypothese: Die römische Geschichtsschreibung versucht ihre Hände in Unschuld zu waschen und verdreht bewusst historische Tatsachen, um die alleinige Kriegsschuld auf die Karthager abzuwälzen.
Von zentraler Bedeutung wird die Untersuchung über den Gesprächsinhalt zweier vor Kriegsausbruch stattgefundener Unterredungen zwischen Hannibal bzw. dem karthagischem Rat und den Römern sein. Für das vollständige Verständnis der beidseitigen Argumentationen ist allerdings die Kenntnis der Vorgeschichte des zweiten Punischen Krieges unentbehrlich. Deshalb sollen im ersten Themenschwerpunkt zunächst thematische Grundlagen, von der Quellenlage über den historischen Abriss, bis hin zu den Bestimmungen der im Vorfeld getroffenen Verträge im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Meine Vorgehensweise in der Ursachen-forschung kann dann als vergleichende Betrachtung von antiker Quellenschilderung und moderner Geschichtsforschung beschrieben werden. Hierfür stelle ich die Ausführungen von Polybios in den Vordergrund, um sie darauf mit den Meinungen anderer Historiker bezüglich
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des Wahrheitsgehalts vergleichen zu können. Dadurch können sowohl karthagische, als auch römische Motive für den Ausbruch des Krieges angeführt werden. Im dritten Schwerpunkt sollen zur Vollständigkeit die Anlässe des Krieges zur Sprache kommen und im abschließenden Fazit die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und auf meine Arbeitshypothese zurückgekommen werden.
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2. Vorgeschichte und thematische Grundlagen
2.1 Zur annalistischen Tradition
Annalistik bezeichnet die „Geschichtsschreibung der mittleren und späteren römischen Republik, in der die Ereignisse nach Jahren angeordnet waren […].“ 1 Da uns karthagische Quellen nicht überliefert sind, ist die Geschichtswissenschaft auf die Auseinandersetzung mit den Schriften römischer Annalisten angewiesen. Bei der Beschäftigung mit den Punischen Kriegen ist Fabius Pictor als frühester Annalist zu nennen. Er lebte von ca. 254 v. Chr. bis 201 v. Chr. und war somit Zeitzeuge der römisch-karthagisch Auseinandersetzungen. Leider sind die Originalwerke des Pictor über die Jahre verloren gegangen, Polybios aber übernimmt gewisse Auszüge seiner Schriften bzw. bestimmte Inhalte seines Werks lassen sich auf Pictor zurückführen. Der allgemeine Vorwurf, welcher gegenüber Pictor in der modernen Geschichtsforschung erhoben wird, ist die subjektive Darstellung der Ereignisse aus römischer Sicht und die Vermengung von Mythos und Wahrheit.
Der in der Traditionslinie nachfolgende Annalist Polybios versucht hingegen eine unparteiische Darstellung und strebt nach objektiver Berichterstattung, sodass Polybios’ Schriften in unserem Zusammenhang als bedeutendste Quelle hervorzuheben sind, obwohl auch deren Wahrheitsgehalt stets zu hinterfragen ist. Polybios lebte von 200 v. Chr. bis 120 v. Chr. und versuchte die Geschehnisse um den Beginn des zweiten Punischen Krieges auch auf originalgestützte Dokumente aufzubauen. Diese Hausarbeit soll vorrangig die Schilderungen des Polybios als Grundlage für die Erforschung der Ursachen und Anlässe nehmen. Spätere römische Geschichtsschreiber, wie Livius, die ihrerseits erst viele Jahre nach Pictor und Polybios und unter dem Eindruck des römischen Weltimperiums schrieben, sollen in unserem Zusammenhang nur ergänzend erwähnt werden.
Es ist festzuhalten, dass eine unabhängige Überprüfung der wahren Hintergründe, die zum Ausbruch des zweiten Punischen Krieges geführt haben, heutzutage kaum realisierbar ist, weil karthagische Quellenüberlieferungen ganz und gar fehlen. Jedoch besteht die Möglichkeit, die Glaubwürdigkeit bestimmter Passagen in den römischen Quellen in Verbindung mit den bekannten historischen Tatsachen zu überprüfen und somit Wahrheiten und Falschaussagen aufzuklären.
1 Zimmermann (2005), S.3.
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2.2 Historischer Abriss
Die Macht Karthagos schwand durch die Niederlagen gegen Rom im ersten Punischen Krieg und im Söldnerkrieg durch die Verluste der Mittelmeerinseln Sizilien und Sardinien auf Grundlage des Lutatius-Vertrags aus dem Jahre 241 v. Chr. zusehends. Hamilkar Barkas, wichtigster karthagischer Stratege in den vergangenen Kriegen, traf deshalb ab 237 v. Chr. Maßnahmen für Expeditionen auf die iberische Halbinsel, um territoriale Verluste durch eine intensive Eroberungspolitik auszugleichen. Binnen weniger Jahre unterwarf er eine Vielzahl einheimischer Stämme auf der Halbinsel und konnte ein neues karthagisches Machtzentrum etablieren. Nach seinem Tod im Jahre 229 v. Chr. baute sein Schwiegersohn Hasdrubal die Vormachtstellung in Spanien aus und konsolidierte die neugewonnene Provinz. Die römischen Senatoren beäugten misstrauisch die neuen karthagischen Aktivitäten im Westen, waren aber selbst mit keltischen Einfällen im Norden beschäftigt. Daher schlossen die Römer aus Sicherheitsinteresse mit den Barkiden im Jahre 226/225 den Ebro-Vertrag, welcher den Fluss Ebro als Interessensgrenze zwischen römischem und karthagischem Einfluss in Iberien markiert.
Im Jahre der Ermordung Hasdrubals, 221 v. Chr., trat schließlich Hannibal in die Fußstapfen seines Vaters Hamilkar und bekam den Oberbefehl über die Truppen in Iberien zugesprochen. Er setzte die aggressive Außenpolitik fort und unterwarf bis zum bis zum Jahre 220 v. Chr. die letzten rebellischen Völker (Vaccaer und Karpesier 2 ) in der vertraglich festgesetzten Machtsphäre. Das gesamte südliche Gebiet bis zum Ebro konnte Hannibal somit unter seine Gewalt bringen. Ganz Iberien, so mag man an dieser Stelle metaphorisch feststellen dürfen, allerdings nur beinahe, denn die letzte Bastion, die sich Karthago in den Weg stellte und im weiteren Verlauf das Zünglein an der Waage sein sollte, war die südlich des Ebro gelegene Stadt Sagunt. Polybios stellt dazu zusammenfassend fest: Nach der Niederlage der Karpesier „wagte es diesseits des Ebro niemand mehr ohne weiteres, ihnen (den Karthagern) Wider- standzu leisen, mit Ausnahme der Saguntiner“. 3
Die Einwohner der Stadt Sagunt stellt Polybios also als letzte iberische Widersacher im Kampf gegen die barkidische Einflussnahme dar. Die Stadt Sagunt sah sich freilich nun fortwährend in ihrer Unabhängigkeit von den Karthagern bedroht und wendete sich deswegen mit Hilfegesuchen an die Römer. Zunächst soll der römische Senat darauf nicht eingegangen sein, jedoch schickte er bald darauf, im Winter 220/219 v. Chr., Gesandte mit der Forderung zu Hannibal, sich von Sagunt fernzuhalten bzw. von einer militärischen Intervention abzusehen.
2 vgl. Händl-Sagawe, Ursula, Der Beginn des 2. Punischen Krieges, Ein historisch-kritischer Kommentar zu Livius Buch 21, München 1995, S. 422.
3 Polyb. 3,14,1-2.
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Arbeit zitieren:
Erik Neumann, 2008, Ursachen und Anlässe des Zweiten Punischen Krieges, München, GRIN Verlag GmbH
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