Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Soziales Kapital 2
2.1. Definition des sozialen Kapitals nach Piere Bourdieu. 2
2.2. Soziales Kapital in der Netzwerktheorie 5
2.3 Die Sozialkapitaldefinitionen im Vergleich 7
3. Handlungskonzepte 8
4. Motivation individuellen Handelns in Netzwerktheorien und die
Einbindung des bourdieuschen Konzepts. 11
5. Schlussfolgerung 13
Literatur 15
1. Einleitung
Soziales Kapital ist ein zentraler Begriff der Netzwerktheorie, der die Beziehungen einer Person zu anderen Personen in einem Netzwerk beschreibt und bewertet. Das Konzept wurde in den letzten Jahren, vor allem mit Zunahme der Popularität der Netzwerktheorien, von vielen Standpunkten aus diskutiert. Dabei geht es zumeist darum, wie soziales Kapital erfasst, gebildet und erhalten werden kann. Ein weiterer Aspekt ist die Frage, ob Sozialkapital einem bestimmten Akteur oder einer Vielzahl von Akteuren gehört, also individueller Besitz oder allgemeines Gut ist. Definiert man Kapital nach Marx, dann handelt es sich, um einen Wert der investiert wird, um Gewinn zu erzielen. Marx bezieht sich natürlich auf Finanzwerte, bei denen eine mathematische Prüfung des Gewinns möglich ist. Die Kapitaldefinition nach Marx ist auf das menschliche Beziehungsfeld nicht ohne weiteres übertragbar. Eine erweiterte Definition ist notwendig, die sowohl auf mikro- als auch makrosoziologischer Ebene erklärt, wie Beziehungen zwischen Akteuren als Kapital genutzt werden können und wie sein Wert bestimmt werden kann. Eine Definition des sozialen Kapitals muss vier Fragen beantworten können: Wo ist der Ursprung des sozialen Kapitals? Wie vermehrt es sich? Was muss getan werden, damit es sich vermehrt? Nach welchem Prinzip können Beziehungen bewertet werden? In den Netzwerktheorien wird zur Beantwortung dieser Fragen in der Regel auf die Definitionen von Lin und Coleman zurückgegriffen. Allerdings sind die Begriffsbestimmungen nicht in einen größeren, gesellschaftstheoretischen Kontext gesetzt, sondern beziehen sich auf individuelles Handeln. Pierre Bourdieu hat den Begriff des sozialen Kapitals im Kontext seiner Feldtheorie, in Relation zum sozialen Umfeld definiert. Obwohl es einige Überschneidungen zwischen Coleman und Bourdieu gibt und Letzterer den Begriff sogar zuerst verwendete, wird weder in der Netzwerktheorie auf Bourdieu zurückgegriffen, noch verweist Coleman in der Ausarbeitung seines Konzepts auf ihn. In dieser Arbeit wird überprüft, ob die Definition Bourdieus in der Netzwerktheorie sinnvoll angewendet werden kann. Methodisch wird zunächst das soziale Kapital nach Bourdieu definiert und in Relation zur Verwendung des Begriffs in der Netzwerktheorie analysiert. Im zweiten Teil wird eine handlungstheoretische Analyse durchgeführt.
1
Dieser Schritt ergibt sich aus den definitorischen Fragen zum sozialen Kapital. Welche Handlungen sind nötig, um soziales Kapital zu erweitern? Dementsprechend werden die Handlungskonzepte der Netzwerk- und Feldtheorie gegenüber gestellt, um eine theoretische Grundlegung auf mikro- und makrosoziologischer Ebene zu ermöglichen.
2. Soziales Kapital
Der Kapitalbegriff wurde gesellschaftstheoretisch von Marx eingeführt. Bourdieu greift explizit auf Marx zurück, erweitert den Kapitalbegriff allerdings, in dem er ihn in ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital spaltet. Dadurch versucht er den Begriff im Sinne einer Anpassung an die soziale Welt zu nutzen. Implizit ist der Kapitaldefinition nach Marx, sowohl subjektive als auch objektive, Profitmaximierung. Bourdieu schließt an diese Definition an, indem er das Kapital zum Akkumulationspunkt im Machtgefüge der sozialen Welt erklärt. Je mehr Kapital vorhanden ist, desto elitärer ist die Position des Akteurs im sozialen Feld. Am entscheidendsten für die Position sind das ökonomische und das kulturelle Kapital. 1 Bourdieu ist nicht durchgehend konsequent, denn manchmal sind die beiden Kapitalsorten gleichwertig, meistens jedoch dominiert das ökonomische Kapital. Allen Kapitalsorten ist die Transformationsfähigkeit gleich. Durch Einsatz von „Transformationsarbeit“ kann eine Kapitalsorte in eine Andere konvertiert werden. 2 Bourdieu definiert und verwendet in seinen gesellschaftlichen Analysen das soziale Kapital nicht so explizit und anschaulich wie die anderen Kapitalsorten, wahrscheinlich weil es sich um einen relativ diffusen Wert handelt, der nicht einfach in Zahlen oder real existenten Materialien zu erfassen ist.
2.1. Definition des sozialen Kapitals nach Piere Bourdieu
„Das Sozialkapital ist die Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die mit dem Besitz eines dauerhaften Netzes von mehr oder weniger institutionalisierten Beziehungen gegenseitigen Kennens oder Anerkennens verbunden sind; oder, anders ausgedrückt, es handelt sich dabei
1 Vgl. Fröhlich (1994), S.34f.
2 Vgl. Bourdieu Pierre (1983), S.197 und Fröhlich (1994), S.347
2
um Ressourcen, die auf
der Zugehörigkeit zu einer Gruppe
beruhen.“
3
Das soziale Kapital lässt sich in Form von Adelstiteln besonders gut institutionalisieren.
4
Zum Einen ergibt sich aus der Definition, dass der Wert des sozialen Kapitals aus Beziehungen resultiert. Weiterhin verweist sie auf die aktuellen und potentiellen Ressourcen, welche aufgrund einer dauerhaften Zugehörigkeit in einem Netz vorhanden sind. Implizit ergibt sich daraus, dass soziales Kapital sowohl erweitert als auch verringert werden kann, dementsprechend eine individuelle oder kollektive Tätigkeit voraussetzt, die Beziehungen erhält, ausbaut oder durch Vernachlässigung auflöst. Kollektiv deshalb, weil das soziale Kapital der Akteure zu denen eine Beziehung besteht, auf den einzelnen Akteur zurückstrahlt. Gewinnt eine Gruppe also zusätzliches Ansehen, ergibt sich daraus auch Gewinn für jeden Einzelnen. Ein ganz entscheidender Punkt ist die Gruppenmitgliedschaft selbst. Die Voraussetzung für eine Mitgliedschaft ist eine gewisse Homogenität in der Kapitalverteilung, somit ist das soziale Kapital, wenn auch nicht ausschließlich, immer vom ökonomischen und kulturellen Kapital abhängig.
5
Weiterhin formuliert Bourdieu, dass die Kontakte mehr oder weniger institutionalisiert sein müssen. Damit bezieht er sich auf die Emergenz der Beziehungen, zum Beispiel durch den Familiennamen, der eine Beziehung zu anderen Gruppenmitgliedern deutlich macht. Das Sozialkapital ist nie materiell sichtbar, sondern immer nur symbolisch (deswegen nennt Bourdieu es vereinzelt auch symbolisches Kapital
6
) vor-handen, denn selbst durch die Institutionalisierungsakte bekommen die Verhältnisse nur eine „[…] quasi-reale Existenz […]“.
7
Grundlage der Verbindungen sind immer materielle oder symbolische Tauschbeziehungen. Je umfangreicher das Beziehungsnetzwerk ist, desto größer ist das soziale Kapital. Die besondere Eigenschaft des Sozialkapitals ist die Inhärenz eines Multiplikationseffekts. Das soziale Kapital steigt nicht nur mit den persönlichen Beziehungen, sondern auch mit dem Kapi-
3 BourdieuPierre (1983), S.190f. Anmerkung: Kursiv im Original.
4 Vgl. Ebd., S.185.
5 Vgl. Ebd., S.191.
6 Fröhlich (1994), S.37.
7 Bourdieu Pierre (1983), S.191.
3
Arbeit zitieren:
Christian Walter, 2009, Soziales Kapital bei Pierre Bourdieu und seine Verwendbarkeit in der Netzwerktheorie, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Jeder Gesellschaft ihren Staat
Wechselwirkungen zwischen Gese...
Kulturwissenschaften - Osteuropa
Essay, 14 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Europäische Integration - Ein historischer Überblick
BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Hausarbeit, 10 Seiten
Attac als internationale soziale Bewegung
Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände
Seminararbeit, 19 Seiten
Praktikumsbericht für das integrierte Betriebspraktikum (ISOP) am Allg...
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Praktikumsbericht / -arbeit, 13 Seiten
Entwicklung der industriellen Arbeitsorganisation: Ende der Arbeitstei...
BWL - Personal und Organisation
Hausarbeit, 17 Seiten
Tiergestützte Therapie im Kontext Sozialer Arbeit
Der heilsame Prozess in der Me...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 97 Seiten
Atypische Beschäftigungsformen - Chancen und Risiken- Leiharbeit
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Seminararbeit, 25 Seiten
Parteien und Parteiensysteme in Estland, Lettland und Litauen im Vergl...
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Hausarbeit (Hauptseminar), 35 Seiten
"Regional Security" am Horn von Afrika im Rahmen der IGAD: B...
Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Medienkonzentration und Konzentrationskontrolle
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Seminararbeit, 26 Seiten
Die Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund und ...
Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik
Hausarbeit, 34 Seiten
Die politische Kultur Russlands
Eine Bewegung zwischen Demokra...
Politik - Internationale Politik - Region: Russland, Länder der ehemal. Sowjetunion
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Die politische Kultur Russlands
Politik - Internationale Politik - Region: Russland, Länder der ehemal. Sowjetunion
Seminararbeit, 19 Seiten
Zur Struktur des Klatsches in Paarbeziehungen
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Zwischenprüfungsarbeit, 43 Seiten
Perspektiven der Demokratie in der Russischen Föderation
Politik - Internationale Politik - Region: Russland, Länder der ehemal. Sowjetunion
Magisterarbeit, 135 Seiten
Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO)
Probleme und Folgen
Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände
Seminararbeit, 22 Seiten
Romolus Remus gefällt Soziales Kapital bei Pierre Bourdieu und seine Verwendbarkeit in der Netzwerktheorie
Christian Walter's Text Soziales Kapital bei Pierre Bourdieu und seine Verwendbarkeit in der Netzwerktheorie ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Christian Walter hat den Text Soziales Kapital bei Pierre Bourdieu und seine Verwendbarkeit in der Netzwerktheorie veröffentlicht
Soziales Kapital als Ressource in Bildungsbiographien
Junge Erwachsene indischer Her...
Kathrin Klein
Sozialer Wandel, soziale Ungleichheit und Gesundheit
Die Entwicklung sozialer und g...
Lars Eric Kroll
Soziale Politik - Soziale Lage - Soziale Arbeit
Benjamin Benz, Jürgen Boeckh, Hildegard Mogge-Grotjahn
Familie, Soziale Netzwerke und Gesundheitspolitik
Family, Social Networks and He...
Klaus Eichner, Breno Fontes
Politisches Kapital, soziales Kapital und Humankapital in Ostdeutschla...
Die Bedeutung individueller Re...
Dieter Kulke
0 Kommentare