Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 1
2. An-sich-Sein, Für-sich-Sein und Fürsichsein. 2
2.1. An-Sich und Für Sich. 2
2.2. Fürsichsein bei Hegel 4
3. Intersubjektivität bei Hegel und Sarte 6
3.1. Für Andere Sein 6
3.2. Hegels Herr- Knecht Dialektik und Seinsabhängigkeit 9
3.3. Kritik am erkenntnistheoretischen und ontologischen
Optimismus. 12
4. Die Negation 13
5. Fazit 15
1. Einleitung
Jean-Paul Sartre entfaltet in seinem Werk „Das Sein und das Nichts“ eine phänomenologische Analyse der Beziehung zum Anderen. Dabei ist die grundsätzliche Begegnung zwischen Mir und Anderen eine Begegnung zwischen Sein und Sein. Da Sartre eine grundlegende Dialektik des Für-sich-sein und des An-sich-Sein einführt, muss sein Ziel sein, beide in allen möglichen Strukturen zu erklären, also auch in der Beziehung zu Anderen. Bei Georg Friedrich Wilhelm Hegel findet sich historisch das erste Mal eine Dialektik. Sartre greift bei seiner Begründung der Negation auf Hegel zurück, ebenso findet sich auch bei Hegel schon in der Seins-Logik das „Fürsichsein“. In Sartres Arbeit ist ferner besonders interessant, dass das Für-sich-Sein sich nur durch den Anderen, einem anderen Subjekt, vervollständigen kann. Theoretisch kann es zwar ein Für-sich-Sein ohne ein Für-andere-Sein geben, aber dann wäre das Für-sich-Sein nicht menschlich. Ähnliches findet sich in der Herr-Knecht Dialektik bei Hegel, denn auch hier konstituieren sich die Subjekte gegenseitig. Demzufolge kommt dem Anderen, bei beiden Philosophen, eine besondere Bedeutung zu. Besonders das wechselseitige Verhältnis, also die gegenseitige Negation, stellt für Sartre einen entscheidenden Punkt dar. Nur durch die Anerkennung durch den Anderen konstruiert sich die Erkenntnis über sich selbst. Trotzdem folgt nach seiner Zustimmung eine doppelte Kritik an Hegels Dialektik, die an den Stichwörtern „erkenntnistheoretischer“ und „ontologischer Optimismus“ festgemacht werden können. Ziel dieser Arbeit ist es, Satres Verständnis des An-Sich-Seins, Für-Sich-Seins und Hegels Fürsichsseins zu erklären. Weiterhin das „Für-andere-Sein darzulegen und Hegels Herr-Knecht Dialektik darzustellen, sowie Sartres Zustimmung und Kritik an ihr zu erklären. Zum Abschluss wird das Thema der Negation erörtert, wobei zwangsläufig auf das dialektische Verständnis Sartres und seine Hegelbezüge eingegangen wird. Im Fazit soll gezeigt werden, wo Sartres Ansatz im Bereich der Negation logisch ist und ob seine intersubjektive Hegelkritik gerechtfertigt ist.
1
2. An-sich-Sein, Für-sich-Sein und Fürsichsein
Im Titel „Das Sein und das Nichts“ gibt Sartre vor, worum es in seinem Werk gehen soll. Das Sein und das Nichts sollen verbunden werden. Hierfür entscheidend ist der Dualismus zwischen den „Seinsheiten“ Ansich und Für-sich. Das An-sich ist das, was es ist 1 und unterscheidet sich elementar von dem Für-sich, „daß das zu sein hat, was es ist, daß das ist, was es nicht ist, und das nicht ist, was es ist.“ 2 Vor allem die Definition des Für-sich wirft Fragen auf und verweist direkt auf die Konstruktion des Nichts.
2.1. An-Sich und Für Sich
Das An-sich-Sein ist das Sein des Phänomens und dem Seinstyp des Für-sich-Seins entgegengesetzt. Das Sein ist durch drei Merkmale gekennzeichnet. Es ist erstens an sich, zweitens, ist es was es ist und drittens, ist es. Aus diesen drei Merkmalen lässt sich ableiten, dass das Sein an sich und in sich selbst begrenzt ist. Es kann zwar erfasst werden, aber zu was auch immer es in Bezug steht, geht nicht von ihm aus, sondern ist es nur durch den Verweis auf dieses. Letztendlich ist es nicht erschließbar für das Denken. Es ist in sich reine Positivität und in sich selbst begrenzt. Dadurch, dass es ist, was es ist, verweist es weiterhin nicht auf sich selber oder auf etwas anderes. Es steht in seinem Sein lediglich dem Bewusstsein offen, so dass nur auf es verwiesen werden kann. Weiterhin gibt es auch keinen Bezug zu dem, was es nicht ist und dementsprechend auch keine zeitliche Komponente. Denn dies würde implizieren, dass es einer Negativität zugänglich wäre, da ein Veränderung von Sein zu Sein ein Nicht-(mehr) sein-Sein impliziert. In dem Sinne „ist“ das Sein. Da jegliches Tempus fehlt, kann es sich auch nicht zu irgendwelchen Möglichkeiten hin entfalten. „Ist“ weist aber auch auf eine absolute Unbegründbarkeit hin, es widerspricht so, allen Gründen zu Sein. Es ist, „Ungeschaffen, ohne Seinsgrund ohne irgend-
1 Vgl.Sartre/ König/Wroblewsky 2008, S.42.
2 Ebd., S.42.
2
einen Bezug zu einem anderen Sein, ist das An-sich-sein zu viel für alle Ewigkeit.“ 3 Das Für-sich-sein ist aus diesem Sein herausgerissen und das An-sich-sein hat insofern auch „nur“ eine Bedeutung, in dem es im Bezug zum Für-sich-sein steht, auf welches das Für-sich-sein zustrebt. Es ist das nicht-sein des Für-sich. Mit diesem Moment tritt das Nichts auf. Doch zunächst muss gefragt werden, was das Für-sich-sein ist. Das bewusste Sein ist, im Gegensatz zum An-sich, Intention, eine Beziehung über sich selbst hinaus auf etwas Anderes, auf das Sein der Welt. 4 Indem der Mensch in der Welt gegenwärtig ist, also bei der Welt, ist er nie Für-sich. Aber er ist gegenwärtig bei etwas, ohne es zu sein. Über die Intention vermittelt, holt der Mensch die Welt in sich und erschafft somit einen Sinn über die Welt Für-sich. Das Für-sich ist also immer das, was es nicht ist und nichtet so das Sein. Genau das ermöglicht dem Für-sich seine Freiheit, denn durch die Negation des An-sich erkennt es erst, dass es sich auf „alles Mögliche“ richten kann. Es ist also frei und unbestimmt. Im Gegensatz zum An-sich ist das Für-sich zeitlich, was sich schon durch seine Intentionalität logisch ergibt. „Intention“ ist immer auf etwas gerichtet, was es noch nicht ist oder schon gewesen ist und somit entweder Zukunft oder Vergangenheit. Daraus resultiert erstens, dass das Für-sich zu sein hat und das zweitens etwas zwischen dem jetzigen und zukünftigen Sein existieren muss. Dies ist das Nichts. „Ich bin nicht der, der ich sein werde. Zunächst bin ich es nicht, weil mich Zeit davon trennt. Ferner weil das, was ich bin, nicht der Grund dessen ist, was ich sein werde. Schließlich weil überhaupt kein Existierendes genau das bestimmen kann, was ich sein werde. Da ich jedoch schon das bin, was ich sein werde (sonst wäre ich nicht interessiert, dieser oder jener zu sein), bin ich derjenige, der ich sein werde, nach dem Modus es nicht zu sein.“ 5
Der Mensch entgeht sich also selbst, strebt aber unermüdlich die eigene Vervollständigung an. Die Beziehung zwischen dem An-sich und Für-sich besteht darin, dass letzteres durch seine Anwesenheit beim An-sich genichtet wird. Dies tut es im Sinne einer reinen verneinten
3 {Sartre 2008 #2}, S.45.
4 Vgl. Holz 1968, S.33
5 Sartre/ König/Wroblewsky 2008, S.94f.
3
Identität, das heißt, dass das Bewusstsein das An-sich ermöglicht, indem es durch Nichts (im Wortsinne) vermittelt wird. Das Erkennen des Phänomens als Sein funktioniert nur durch diese reine Negativität. Sie ist aber nicht in diesem Sein als interne Negation vorhanden, sondern sie wird vom Für-sich auf das An-sich vermittelt. Da das Für-sich auf-grund seiner Definition sich nicht selbst setzen kann, bedeutet dies gleichzeitig, dass dieses Für-sich nicht ohne das An-sich sein kann, ohne es allerdings jemals selbst sein zu können.
2.2. Fürsichsein bei Hegel
Sartres Für-sich-Sein hat eine andere Struktur als Hegels Fürsichsein bzw. Selbstbestimmtsein. Hegels Fürsichsein leitet sich aus der Logik des Seins ab. Die gesamte Herleitung vom Sein zum Fürsichsein darzulegen würde über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen. Deswegen werde ich nur auf die wichtigsten Gedanken eingehen. Entscheidend für das hegelsche Verständnis des Selbstbewusstseins sind grundlegend das „Etwas“ und „Anderes“. Primär geht es dabei um die Abgrenzung bestimmter Qualitäten von Dingen. Eine Abgrenzung muss immer einen positiven und negativen Part beinhalten, ansonsten ist es nicht finit. „Etwas“ ist so und „Etwas“ ist nicht so. Damit ist „Etwas“ bestimmt. Dadurch tritt gleichzeitig „bestimmtes Anderes“ auf, denn dieses muss im Rekurs auf „Etwas“ selbst eine Qualität sein und zweitens von Beliebigem verschieden. Wenn „Anderes“ nicht bestimmt wäre, also beliebig, könnte es auch „Etwas“ sein und somit nicht mehr „Anderes“. Aus diesem Grund muss das „Andere“ bestimmt sein, damit „Etwas“ bestimmt sein kann. 6 Was das „Etwas“ und „Anderes“ verbindet ist die Grenzziehung zwischen beiden. Diese Grenze macht die Realität des Daseins aus und gleichzeitig ist sie die Negation dieses Daseins. Was „Etwas“ und „Anderes“ ist, ist für die Abgrenzung irrelevant, denn sie stehen, abgesehen von dem Negativbezug, in keinem Verhältnis zueinander. Dieser Bezug reicht aber aus, um objektiv zu werden, denn dies geschieht dem „Etwas“ durch das „Andere“. Aber die Negation
6 Vgl. Arndt/Iber 2000. S.236f.
4
Arbeit zitieren:
Christian Walter, 2009, An-sich-Sein, Für-sich-Sein und der Andere bei Sartre und seine Bezüge auf Hegel, München, GRIN Verlag GmbH
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