Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 3
2. Theoretische Vorüberlegungen 4
2.1 Ausgangssituation und Stand der Forschung 4
2.2 Forschungsfrage und Hypothesen 6
3. Begriffserklärung „Offene Ganztagsschule“ 7
4. Methoden 8
4.1 Qualitative Forschung 8
4.2 Leitfadengestützte Interviews 8
4.3 Analyse von Leitfadeninterviews 9
5. Datenerhebung 10
5.1 Fallauswahl 10
5.2 Vorbereitung des Interviews 11
5.3 Durchführung des Interviews 13
5.4 Reflexion der Datenerhebung 13
5.5 Transkription 15
6. Auswertung 16
7. Fazit und Ausblick 18
Literaturverzeichnis 20
Anhang 22
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1. Einleitung
In den vergangenen Jahren erlebte der Ausbau der Ganztagsschulen in Deutschland einen starken Auftrieb. Aufgrund des schlechten Abschneidens bei internationalen Vergleichstests, wie zum Beispiel der PISA-Studie, wurde viel über Reformen im deutschen Schulwesen nachgedacht. Eine dieser Reformen beinhaltet den Ausbau der Ganztagsschulen; bisher galt die Halbtagsschule als Regelschule. Von der Einführung ganztägiger Betreuungssysteme erhofft man sich eine bessere Bildung der Schüler/Innen 1 . Sie soll die Möglichkeit einer individuelleren Förderung jedes einzelnen bieten sowie für eine sinnvollere Freizeitbeschäftigung der Schüler sorgen (Appel & Rutz 2004:22 ff.). Kinder und Jugendliche leben heutzutage in veränderten Bedingungen auf. Die Berufstätigkeit von Frauen hat stark zugenommen; oft sind beide Elternteile berufstätig und immer öfter wachsen Kinder in einer Familie mit nur einem Elternteil auf. Aufgrund dieser Veränderungen ist auch der Wunsch nach ganztägiger Betreuung stark gewachsen. Zusätzlich hat sich das Wohnumfeld von Kindern und Jugendlichen verändert und bietet nur noch im geringeren Maße Raum für Erfahrungen (Appel & Rutz 2004:24 ff.). Dorf- und Nachbarschaftsbeziehungen spielen eine immer geringer werdende Rolle; es ist eine zunehmende Anonymisierung innerhalb des Lebensumfelds von Kindern und Jugendlichen spürbar. Die Ganztagsschule bietet dagegen eine gute Möglichkei,t den Rückgang sozialer Kontaktmöglichkeiten zwischen Gleichaltrigen aufzufangen (Appel & Rutz 2004:25). Nachdem in den letzten Jahren viele neue Ganztagsschulen eingerichtet wurden, liegen auch die ersten Studien hierüber vor.
Die vorliegende qualitative Studie soll die Einführung der offenen Ganztagsschule aus der Sicht betroffener Jugendlicher im ländlich strukturierten Raum darstellen. Zu Beginn der Arbeit werden in Kapital 2 die Herleitung der Forschungsfrage sowie die Bildung der Hypothesen mit Hilfe der vorliegenden wissenschaftlichen Literatur zu den Themengebieten Ganztagsschule und ländlicher Raum beschrieben. Zum besseren Verständnis werden die verschiedenen Ganztagschulmodelle im dritten Kapitel kurz erläutert. In Kapitel 4 werden die verwendeten Erhebungs- und Auswertungsmethoden beschrieben und deren Wahl begründet. Die Erhebung der Daten und die Reflexion der Datenerhe-
1 DerEinfachheit halber wird im folgenden Text die Schreibweise „Schüler“ verwendet.
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bung erfolgen in Kapitel 5; das sechste Kapitel stellt die Ergebnisse der Studie dar. Im Kapitel 7 erfolgt ein Fazit sowie ein kurzer Ausblick auf weitere mögliche Vorgehensweisen.
2. Theoretische Vorüberlegungen
2.1 Ausgangssituation und Stand der Forschung
Die Grundlage einer Studie bildet jeweils eine Fragestellung (Vgl. Gläser & Laudel 2006:60). Laut Flick erwachsen solche Fragestellungen „nicht aus dem Nichts. Sie haben häufig ihren Ursprung in der persönlichen Biographie des Forschers und in seinem sozialen Kontext“ (2007:133). Dies ist auch in der vorliegenden Arbeit der Fall. Aufgrund der eigenen Erfahrungen mit jugendlichen Schülern, die eine offene Ganztagsschule im ländlichen Raum besuchen, entstand bei der Forscherin der Eindruck, dass bei vielen Jugendlichen die Akzeptanz der Ganztagsschule eher gering sei. Dieser Eindruck verwunderte, da die Einführung von Ganztagsschulen, wie in Kapitel 1 beschrieben, in erster Linie zur Verbesserung der Freizeit- und Bildungssituation der Schüler beitragen soll. Aus diesem Grund wird zunächst einmal die Freizeit- und Bildungssituation der betroffenen Jugendlichen dargestellt. Bei der Recherche nach Literatur zur Situation Jugendlicher im ländlichen Raum wurde deutlich, dass es nur wenige Untersuchungen gibt, die sich diesem Thema widmen. Diese Tatsache beklagt auch Deinet: „Untersuchungen zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit und die Jugendforschung haben insofern eine Gemeinsamkeit, als sich in beiden Bereichen die meisten Untersuchungen in der Vergangenheit auf den städtischen bzw. großstädtischen Raum bezogen“. Hier existiert seiner Ansicht nach „eine deutliche Schieflage zwischen urbanen und regionalen Bereichen“ (2005:411). Der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend herausgegebene „Zwölfte Kinder-und Jugendbericht“ gehört zu den wenigen Studien, die regionale Unterschiede im Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen näher beleuchten. So wird hier festgehalten, dass regionale Unterschiede in den letzten Jahren in Deutschland zwar tendenziell abgenommen haben, dass man jedoch noch nicht von angeglichenen Lebensverhältnissen zwischen der Stadt und der ländlichen Region sprechen kann; diese Unterschiede wirken sich auch auf das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen aus (BMFSJ 2005:86). So ist dort im Gegensatz zu
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den Städten vor allem die Infrastruktur noch immer geringer ausgebaut, dies führt zu einer schlechteren Erreichbarkeit von Schulen und Bildungsangeboten. Schulen sowie Freizeitangebote und -einrichtungen liegen meistens in größerer Entfernung zum Wohnort und sind aufgrund unzureichender öffentlicher Verkehrsmittel schlecht zu erreichen. Somit ist hier eine sehr starke Mobilität er-forderlich; Kinder und Jugendliche sind oft darauf angewiesen, von ihren Eltern gefahren zu werden. (Bundesamt für Raumwesen und Raumordnung 2000, zitiert nach BMFSJ 2005:89) 2 . Auf diesen Aspekt geht auch der Bericht „Ju-gendverbandsarbeit auf dem Lande“ ein. In dieser Studie wird gesagt, dass in der Freizeit längere Wege als „lästig bis nicht zumutbar empfunden“ werden (Landjugendverband Schleswig-Holstein 2008:25). Laut Hurrelmann beklagen viele Jugendliche die Freizeitangebote am Wohnort und nehmen deshalb oft lange Wege in Kauf, um ihren Freizeitaktivitäten nachzugehen, dies gelte besonders für Jugendliche auf dem Land (2007:139) Diese Ergebnisse veranlassen zu der Annahme, dass die Einführung der Ganztagsschule zu einem Gewinn bezüglich der Freizeitsituation der betroffenen Jugendlichen beitragen könnte, da durch die Nachmittagsangebote keine zusätzlichen Fahrtwege für Freizeitaktivitäten anfallen würden. Somit stellt sich die Frage nach der Nutzung der Ganztagsschule im ländlichen Raum. Hierzu gibt es bislang jedoch keine gesonderten Studien.
Die „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen“ (StEG) hat ergeben, dass die Nutzung der Angebote durch die Schüler allgemein eher noch gering ist. Dies trifft vor allem für ältere Schüler in der Sekundarstufe I zu, sowie für offene Ganztagsschulen (Holtappels, Klieme, Rauschenbach & Stecher 2007:358). Außerdem wird am Ende dieser Studie deutlich gemacht, dass noch weitere - auch qualitative - Forschungen zur Nutzung der Ganztagsschule notwendig sind, um Erklärungen für die ermittelten niedrigen Teilnahmequoten zu erhalten (Holtappels et al. 2007:377). Hier ist somit noch eine Lücke in der Forschung vorhanden.
Die Relevanz der vorliegenden Untersuchung ergibt sich aufgrund der zur Zeit geforderten Stärkung des ländlichen Raums durch Verbesserungen der Lebensbedingungen der dort lebenden Menschen (Vgl. Bundestags-Drucksache 16/5956 2007:4 f.). Dies soll einer zunehmenden Landflucht junger Menschen
2 Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung [Hrsg.] 2000: Raumordnungsbericht 2000. Bonn
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entgegenwirken. Die Einführung ganztägiger Bildungseinrichtungen im ländlichen Raum macht nur einen Sinn, wenn diese auch akzeptiert und somit genutzt werden. Die in dieser Arbeit ermittelten Ergebnisse können einen Hinweis darauf geben, an welchen Punkten angesetzt werden sollte, um die Nutzung von Ganztagsschulen im ländlichen Raum zu intensivieren.
2.2 Forschungsfrage und Hypothesen
Aus den oben genannten Überlegungen ergibt sich somit die Forschungsfrage der vorliegenden Arbeit:
Worin liegen mögliche Ursachen für eine Nichtteilnahme oder einer nur geringen Teilnahme jugendlicher Schüler an offenen Ganztagsschulen in ländlich strukturierten Gebieten?
Des weiteren empfiehlt sich auch für eine qualitative Studie die Bildung von sogenannten Vorab-Hypothesen. Diese sollen jedoch nicht mittels erhobener Daten überprüft werden wie in quantitativen Studien. Der Sinn qualitativer Studien ist die reine Hypothesenentwicklung aus den neu gewonnen Daten, „die Anfangshypothesen spielen dafür als erste Zugänge ... eine wichtige Rolle“ (Brüsemeister 2006:33). Sie sollen den Forscher für bestimmte Bereiche sensibilisieren.
In den vorliegenden Studien zur Situation der Jugendlichen auf dem Land wird immer wieder das Problem mehr oder weniger langer Schulwege angesprochen. So benutzen etwa zwei Drittel aller Schüler regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel, um zur Schule zu gelangen. Außerdem sind die Schüler länger unterwegs; so erreichen etwa 59% der Schüler/Innen in der Stadt ihre Schule innerhalb einer viertel Stunde, bei den Schülern auf dem Land sind es dagegen nur 37%. Dadurch vermindert sich oft die verbleibende freie Zeit für die Jugendlichen im Dorf (Landjugendverband Schleswig-Holstein 2008:25). Außerdem führt dies allgemein bei den betroffenen Jugendlichen zu einem längeren Schultag. Aus dieser Tatsache wird eine erste Hypothese entwickelt: Jugendliche im ländlichen Raum nehmen aufgrund des langen Schultags den Nachmittagsunterricht als zusätzliche Belastung wahr, so dass die Akzeptanz für den Ganztagsunterricht eher gering ist.
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Ein weiterer Grund für die Nichtteilnahme an Ganztagsangeboten wird in den Auswirkungen auf bestehende Freundschaften und Kontakte zu Gleichaltrigen vermutet. Auch die „StEG“ kommt zu dem Ergebnis, dass aufgrund der Nachmittagsangebote weniger Zeit zur Verfügung steht, die mit außerschulischen Freunden verbracht werden kann (Vgl. Holtappels et al. 2007:372). Freundschaftsbeziehungen haben in der Jugendphase einen recht hohen Stellenwert (Hurrelmann 2007:127). Auch wenn die meisten Freundschaften innerhalb der Schule entstehen, sind immerhin noch etwa ein Drittel der Freundschaften aus Nachbarschaftskontakten entstanden (Landjugendverband Schleswig-Holstein 2008:27). In der Zwölften Kinder- und Jugendstudie wird zudem die Einbindung in „ein überschaubares soziales Umfeld sowie in eine sehr fein differenzierte Vereinsstruktur zu Freizeitgestaltung“ (BMFSJ 2005:89) als Vorteil des Aufwachsens junger Menschen auf dem Land gesehen. Dadurch ergeben sich als weitere Hypothesen:
Jugendliche Schüler nehmen nicht an Nachmittagsangeboten teil, wenn sie aufgrund der dadurch verstärkten kurzen Verweildauer am Wohnort eine Verringerung der außerschulischen Kontaktmöglichkeiten mit Gleichaltrigen in der Nachbarschaft befürchten.
Jugendliche Schüler lehnen die Teilnahme an Angeboten im Rahmen der Ganztagsschule ab, wenn dadurch ihre Zeit für Aktivitäten in örtlichen Vereinen und Einrichtungen verringert wird.
3. Begriffserklärung „Offene Ganztagsschule“
Zum besseren Verständnis sollen zunächst die verschiedenen Formen der Ganztagsschule kurz dargestellt werden.
Bei der offenen Form des Ganztagsschulmodells handelt es sich um eine ganztägig geöffnete Schule mit einer grundlegend freiwilligen Teilnahme an den Angeboten (Vgl. Appel & Rutz 2004:102). Der Pflichtunterricht verteilt sich überwiegend auf die Vormittagsstunden, wobei der Unterricht im Vergleich zur Halbtagsschule in abgewandelter Form stattfindet, da die „Hausaufgabenpraxis nicht aufrecht zu erhalten ist“ (Appel & Rutz 2004:102). Im Anschluss an den Vormittagsunterricht wird die freiwillige Teilnahme am Mittagsessen angeboten. Die Gestaltung des Nachmittags besteht aus einer pädagogischen Hausauf-
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gabenbetreuung sowie unterschiedlichen Fördermaßnahmen und Arbeitsgemeinschaften. Bei der gebundenen Ganztagsschule verteilt sich dagegen der Unterricht auf den kompletten Schultag. Dies erfolgt in einer rhythmischen Tagesgestaltung, d.h. arbeitsintensive Phasen wechseln mit Phasen der Entspannung ab, so dass sich die Ganztagsschule besser der physiologischen Leistungskurve der Schüler anpassen kann. Die Teilnahme am Tagesprogramm sowie am Mittagstisch ist für alle Schüler verpflichtend. Schriftliche Hausaufgaben werden in den Schulalltag integriert; zusätzlich kann es auch mündliche Hausaufgaben geben, jedoch meist in geringerem Umfang (Vgl. Appel & Rutz 2004). Neben diesen beiden Grundmodellen existieren viele Ganztagsschulen mit gemischten Konzepten, d.h. sie enthalten Elemente der offenen sowie der gebundenen Form. Des weiteren lassen sich Ganztagsschulen finden, die beide Modelle - offen und gebunden - innerhalb eines Gebäudes vereinen (Vgl. Appel & Rutz 2004:111).
4. Methoden
4.1 Qualitative Forschung
Für die Beantwortung der Forschungsfrage wurden qualitative Methoden gewählt, da die qualitative Forschung die Rekonstruktion “subjektiver Sichtweisen“ (Helfferich 2005:19) zum Gegenstand hat. Das Ziel dieser Arbeit ist, die Einführung der Ganztagsschule aus der Perspektive jugendlicher Schüler/Innen auf dem Land darzustellen. Hierüber liegen noch keine Studien vor. Mit Hilfe der qualitativen Forschung lässt sich Neues, Unbekanntes entdecken, es geht dabei in erster Linie um eine Theorieentwicklung (Vgl. Brüsemeister 2006:28).
4.2 Leitfadengestützte Interviews
Ein wichtiger Aspekt der qualitativen Forschung ist die Gegenstandsangemessenheit. Dies ist auch bei der Wahl der Methoden zu berücksichtigen. Somit sind die Methoden am Gegenstand auszurichten und nicht umgekehrt und der Forscher muss überlegen, welche Erhebungsmethode zur Beantwortung seiner Frage angemessen wäre (Vgl. Brüsemeister 2006:35). Da es in der vorliegenden Arbeit um die Einführung der Ganztagsschule aus der Sicht jugendlicher Schüler im ländlichen Raum geht, wurde ein sprachlicher Zugang der zu ermittelnden Daten gewählt. Der verbale Zugang, das Gespräch, spielt in der qualita-
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Arbeit zitieren:
Angela Droste, 2008, Die Einführung der offenen Ganztagsschule aus der Perspektive jugendlicher Schüler/Innen im ländlichen Raum, München, GRIN Verlag GmbH
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