Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1. Problemstellung und Vorgehensweise 1
1.2. Sozial-kulturelle Rahmenbedingungen des Unterrichts 2
2. Schule als Institution 2
2.1. Unterschied zwischen schulischer Erfahrenswelt und Lebenswelt 2
2.2. Organisatorische Struktur der Schule 3
2.3. Leistungsbegriff in Schule und Gesellschaft 4
2.4. Schulklima 6
3. Sozialisation 7
3.1. Schichtbezogene Sozialisationsdefizite 7
3.2. Familiäre Strukturen 7
3.2.1. Grundlegungen 7
3.2.2. Scheidungen 8
3.2.3. Problemfamilien 9
3.3. Peer-Groups 10
4. Fazit und Schlussfolgerungen 11
Literaturverzeichnis II
I
1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Vorgehensweise
Unterrichtsstörungen gehören schon immer zum Unterrichtsalltag an Schulen. Jedoch häufen sich in den letzten Jahren die Beschwerden von Lehrern über immer intensivere Beeinträchtigungen des Unterrichtsverlaufs durch Störungen. Die pädagogisch-psychologische Forschung setzt sich schon seit langer Zeit mit dem Thema der Unterrichtsstörungen auseinander und hat empirische Ergebnisse hervorgebracht, die die Bedeutung dieses Themas unterstreichen. So ereignet sich alle 2,5 Minuten im Unterricht ein normunkonformes Verhalten 1 und ein Drittel der Schüler tut sich nach Lehrereinschätzungen mit der Aufmerksamkeit auf den Unterrichtsinhalt schwer. 2 Darüber hinaus greifen 5 bis 10 % der Schüler wiederkehrend Lehrer oder Schüler während des Unterrichts durch verbale oder auch körperliche Attacken an und stören damit den Unterricht. 3
Im Erscheinungsbild von Unterrichtsstörungen dominieren derzeit folgende Fehlverhaltsweisen: „Verbale Aktivitäten (Schwätzen, Dreinreden, Schreien), motorische Unruhe (Schaukeln, Spielen, Umherlaufen), Aggression (insbesondere verbale Entgleisungen), geistige Abwesenheit (Tagträumen, Schlafen, stofffremde Tätigkeiten) und Verweigerung (keine Mitarbeit, keine Hausaufgaben)“. 4
Für die Unterrichtsstörungen gibt es zahlreiche Ursachen. Sie werden zumeist im Verhalten der Schüler und Lehrer, bei den Eltern und in der Schule gesucht. Die letzten zwei gehören zu den sozial-kulturelle Rahmenbedingungen des Unterrichts. Sie bilden den Gegenstand dieser Arbeit und werden im Folgenden näher analysiert.
Dazu ist es notwendig, zunächst den Begriff der sozial-kulturellen Rahmenbedingungen des Unterrichts zu erläutern. In den Kapiteln 2 und 3 werden dann die sozial-kulturellen Rahmenbedingungen des Unterrichts als Störfaktor dargestellt. Dabei wird zunächst auf die Schule als Institution eingegangen. Eine ausländische Untersuchung des Wissenschaftlers M. Rutter hat die Auswirkungen von Schulsystem und Schulorganisation auf Lehrer und Schüler untersucht. Es wurden über eine Längsschnittanalyse zwölf Londoner Gesamtschulen betrachtet und zum Teil erhebliche Differenzen beim Schülerverhalten (Anwesenheitshäufigkeit, Kon-formität und Delinquenz) nachgewiesen. Diese Effekte werden mit zahlreichen Organisati-
1 Vgl.Züghardt (1961), S. 9
2 Vgl. Lauth / Schlottke (1995), S. 7
3 Vgl. Nolting (2002), S. 137
4 Keller (1997), S. 573
1
onsmerkmalen der Schule in Verbindung gebracht. Zu diesen zählen Leistungsorientierung, Lehrerverhalten und Mitverantwortung der Schüler. 5 Diese Punkte werden zum Teil unter den entsprechenden Gliederungspunkten noch einmal gesondert angesprochen. Im Anschluss daran wird auf die Sozialisation von Schülern als Störfaktoren eingegangen und diese näher analysiert. Im Fazit werden die Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst und kurz mögliche Schlussfolgerungen erläutert.
1.2. Sozial-kulturelle Rahmenbedingungen des Unterrichts
Paul Heimann und Wolfgang Schulz entwickelten das Modell der „Berliner Didaktik“. Demnach lässt sich Unterricht in Bedingungsfelder und Entscheidungsfelder einteilen. Die Entscheidungsfelder sind die Intention des Unterrichts, die Thematik, die Methodik und die Medienwahl. Auf die Entscheidungsfelder wirken anthropogene als auch sozial-kulturelle Voraussetzungen, wobei hier auf die ersten nicht weiter eingegangen wird. 6 „Der Terminus ‚sozial-kulturelle Bedingungen’ umfasst grundsätzlich alle im Leben eines Menschen relevanten sozialen, kulturellen, gesellschaftlichen, ideologisch-geistigen, politischen, rechtlichen, ökonomischen, ökologischen und historischen Kräfte, Gegebenheiten und Tendenzen, also alle das nähere und weitere Umsystem des Menschen konstituierenden und ausmachenden Momente, ausgenommen jedoch umweltspezifische physikalische und chemische Einflussfaktoren.“ 7 Diese sozial-kulturellen Voraussetzungen werden von Burbach in familiale sozialkulturelle Bedingungen 8 und lebens- und schaffensbedingte sozial-kulturelle Bedingungen unterschieden. 9,10 Diese sind Gegenstand der folgenden Ausführungen, wobei sie um die Institution Schule als Störfaktor ergänzt werden.
2. Schule als Institution
2.1. Unterschied zwischen schulischer Erfahrenswelt und Lebenswelt
Sowohl die Familie als auch die Schule sind Teil des Erziehungsprozesses von Kindern und Jugendlichen beziehungsweise Schülern. Dabei ist beiden Erziehungsinstitutionen gemein,
5 Vgl. Ulich (1991), S. 382
6 Vgl. Jank / Meyer (1991), S. 263-264
7 Euler / Hahn (2004), S.152
8 Familiale sozio-kulturelle Bedingungen: Familiengröße, Familienstruktur, Familieneinkommen, Lebensstandard, Wohnverhältnisse, Berufsstatus und Schulbildung der Eltern, familiäres Sprachniveau, häusliche Um-
gangssprache, Erziehungsverhalten der Eltern, Erziehungsklima
9 Lebens- und schaffensbedingte Bedingungen aufgrund: Schulform- und Schulzweig, Wohnort und Wohnge-
gend, Peer-Einbindung
10 Euler / Hahn (2004), S. 153
2
dass sie auf ein Leben außerhalb ihrer selbst vorbereiten. In den letzten Jahren wird die Aufgabe der Erziehung immer mehr von der Familie in die Schule verlagert. Dabei ist festzuhalten, dass die Normen und Regeln, mit denen Schüler in der Schule konfrontiert werden, sich von denen in der Gesellschaft, auf die die Schule vorbereiten soll, zum Teil massiv unterscheiden. Dieser Unterschied zwischen Schul- und Lebenswelt bietet den Vorteil, dass nur so auf die erzieherischen Bedürfnisse der Jugendlichen eingegangen werden kann und ihnen der Unterrichtsstoff sowie bestimmte soziale Normen und Werte vermittelt werden können. Der gravierende Nachteil der Trennung zwischen Schul- und Lebenswelt ist allerdings, dass die Schüler diesen Unterschied antizipieren. Sie merken, dass sie im Grunde doch für die Schule und nicht für das Leben lernen. Damit einher geht die Tatsache, dass in der Folge schulische Regeln, Werte und Normen nicht verinnerlicht werden und es aufgrund dessen zu Disziplinschwierigkeiten kommt, die wiederum in Unterrichtsstörungen münden. 11
2.2. Organisatorische Struktur der Schule
Die Organisationsstrukturen der heutigen Schulen richten sich an Modellen der allgemeinen staatlichen Verwaltung aus und die Schulen sind so organisiert wie Behörden. Richtlinien, Verordnungen und Gesetze bestimmen das Verhalten der in ihr vertretenen Personengruppen: Schüler und Lehrer. Lehrer sind als Beamte an die Weisungen von beispielsweise staatlichen Schulämtern gebunden und übernehmen bestimmte staatliche Funktionen. Dabei wird keine Rücksicht darauf genommen, dass Schulen auf eine andere Weise funktionieren als staatliche Behörden. Sie haben die Aufgabe, ihre Zielgruppe, die Schüler, auf gesellschaftliche Anforderungen vorzubereiten und sie zu mündigen und sozialen Menschen zu erziehen. Bezogen auf die kaufmännischen Schulen zielt sie auf die Vorbereitung auf sozio-ökonomische Lebenssituationen ab. 12 Diese Diskrepanz führt dazu, dass Lehrern nur ungenügende Entfaltungsmöglichkeiten für bestimmte pädagogisch-fachliche Fähigkeiten und Schwerpunkte eingeräumt werden. Die Lehrer verstecken sich dagegen hinter den Regeln und Normen, die ihnen durch ihre Position übertragen werden. Ein engagiert-eigenständiges Verhalten in Situationen, die sich für die Schüler nicht nur in der konkreten Unterrichtssituation, sondern auch auf ihr zukünftiges Leben auswirken können, wird unterbunden. Dieser Sachverhalt führt zu mangelnder Lernbereitschaft der Schüler, da ein Funke vom Lehrer nicht überspringt. Dies wiederum
11 Vgl. Moll-Strobel (1983); S. 96-97
12 Sozio-ökonomische Lebenssituationen sind Situation, bei denen es um die Bewältigung ökonomischer Prozes-
se und Aufgaben geht. Dies können die Eigentumsübertragung bei Käufen nach dem BGB, die kritische Ausein-
adersetzung mit Werbung oder die Finanzierung von Privatkäufen sein. Der Zusatz `Sozio´ soll unterstreichen,
dass diese Prozesse und Aufgaben immer in einem sozialen Kontext stattfinden.
Vgl. Euler / Hahn (2004), S. 75
3
Arbeit zitieren:
Diplom-Handelslehrer Sebastian Siegler, 2007, Soziokulturelle Rahmenbedingungen des Unterrichts als Störfaktoren, München, GRIN Verlag GmbH
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