Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 2
2 Hermeneutik- begriffliche Herkunft, Definition und Entwicklungeschichte. 2
3 Grundlagen und Grundbegriffe. 3
3.1 Was ist Verstehen? 3
3.2 Der Unterschied zwischen Verstehen und Erklären. 5
3.3 Über die Notwendigkeit des Verstehens für die Pädagogik. 6
4 Drei Positionen zur Hermeneutik. 7
4.1 Die Hermeneutik Daniel Ernst Schleiermachers. 7
4.2 Die Hermeneutik Wilhelm Diltheys. 8
4.3 Die Hermeneutik Herman Nohls. 9
5 Kritik. 11
6 Schluss. 12
7 Literaturverzeichnis 13
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1 Einleitung
„Wir nennen den Vorgang, in welchem wir aus Zeichen, die von außen sinnlich gegeben sind, ein Inneres erkennen: Verstehen“ (Dilthey 1961, S.318). Was hier umschrieben ist, ist ein Vorgang, den wir mehr oder weniger bewusst täglich vollziehen. Wir verstehen Gesten, Musik, Aufforderungen und Texte im Uni-Alltag. Wir bringen Verständnis auf und verlangen, verstanden zu werden. Der Vorgang des Verstehens ist so alltäglich, automatisch und selbstverständlich geworden, „daß wir zurück treten müssen, um ihn wahrzunehmen“ (Danner 1979, S. 32). Vor allem Situation, die man glaubt, nicht zu verstehen oder gar missversteht, machen bewusst, welche Dimensionen das Verstehen eigentlich aufweist. Fragen wir nach dem Weg und der Gefragte zeigt in eine andere Richtung als er sagt, dann irritiert das, wir verstehen das Gesagte nicht. „Das Verstehen (ist) spekulativ, subjektiv, unexakt, willkürlich, empirisch nicht nachprüfbar. Trotz gewisser Regeln (sind) unterschiedliche Deutungen möglich“ (Gudjons 1997, S. 62), so die Kritik.
Wie kann man diesen Vorgang dann so zur Forschungsmethode umstrukturieren, dass er nützliche Erkenntnisse bringt? Genau dies wurde in der Hermeneutik realisiert und vor allem in der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik weiterentwickelt. Die folgende Arbeit gliedert sich in zwei große Teile: Zuerst sollen Grundlagen und Grundbegriffe geklärt werden, die zum Erfassen des Ausmaßes und der Notwendigkeit des Verstehens für die Pädagogik wichtig sind. Auf der Basis dieser werden im zweiten Teil die Ideen und Positionen dreier Personen vorgestellt, die die Hermeneutik entscheidend weiterentwickelt und vorangebracht haben: Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, weiterhin Wilhelm Dilthey, der Begründer der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik und Herman Nohl, der den Prozess des Verstehens in vier Schritte strukturierte. Aufgrund der Fülle der Informationen kann dies hier nur grob umrissen werden. Der hermeneutische Zirkel soll an dieser Stelle nicht noch einmal erläutert werden. Kritikpunkte an der Hermeneutik werden am Schluss der Arbeit angesprochen.
2 Hermeneutik - begriffliche Herkunft, Definition und Entwicklungeschichte
Hermeneutik, ursprünglich abgeleitet vom griechischen Verb hermeneúein, hat drei Bedeutungen: sagen, auslegen und übersetzen (vgl. Danner 1979, S. 29). Nach Schaub/Zenke (2007) leitet sich der Begriff vom griechischen hermeneutike techne ab, die
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Kunst der Textauslegung (vgl. Schaub/Zenke 2007, S. 283). Würde man jetzt vermuten, dies umfasse nur geschriebene Texte, so liegt man falsch, denn die Hermeneutik ist „nicht nur die Kunstfertigkeit, sondern auch die Theorie des sinngemäßen Auslegens von sprachlichen und nichtsprachlichen Sinnstrukturen (Texte, Musik, Bilder, historische Prozesse, Gesten u.a.)“ (ebd., S. 283), kurz: etwas soll verstanden werden. Erste Anwendung fand die Hermeneutik bereits in der Antike im Zusammenhang mit der Kunst der Rhetorik. Im Mittelalter wurde sie vorrangig als Methode zur Auslegung der Bibeltexte oder festgeschriebener Gesetze verwendet, also im juristischen und theologischen Sinne (vgl. Wulf 1984, S. 277). Die Hermeneutik wurde also eher als sprachliche Interpretationsmethode bestehender Texte verwendet. Erst mit Schleiermacher wurde der Hermeneutik eine psychologische Komponente zugewiesen, die auch den Hintergrund und Lebensbezug des Autors mit in die Interpretation einbeziehen sollte (vgl. Krüger 1997, S. 182). Dilthey, Philosoph und Begründer der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik, machte das strukturierte Verstehen zur zentralen Forschungsmethode seiner Theorie (vgl. ebd, S. 182).
Um die verschiedenen Standpunkte, Definitionen und Erläuterungen der Grundlagen der Hermeneutik nachvollziehen zu können, soll noch darauf hingewiesen werden, dass es die Hermeneutik nicht gibt (vgl. Danner 1979, S. 31). Nachfolgende Definitionen können immer nur im Hinblick auf den entsprechenden Autor gegeben werden.
3 Grundlagen und Grundbegriffe
3.1 Was ist Verstehen?
Wie in der Einleitung bereits angesprochen ist das Verstehen ein alltäglicher, aber auch für menschliches Zusammenleben alltäglicher Vorgang. Doch wie würde man den Begriff an sich erklären? Sucht man Synonyme im Thesaurus, so erscheinen unter anderem Begriffe wie Begreifen, Erfassen, Erkennen, Nachvollziehen und Überblicken (vgl. openthesaurus.de).
Das Verstehen im wissenschaftlichen Sinne unterscheidet sich insofern vom alltäglichen Begriff, als dass es eine Struktur aufweist. Danner (1979) unterscheidet drei Strukturmomente, die den Vorgang des Verstehens kennzeichnen: 1. Wir nehmen ein Ding, einen Vorgang sinnlich wahr. 2. Wir erkennen dieses oder diesen als etwas Menschliches.
3. Wir verstehen die Bedeutung, den Sinn des Menschlichen. (vgl. Danner 1979, S. 35f.)
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Die Bedeutung des Menschlichen, Lebenden ist der Punkt, in dem sich das Verstehen vom Erklären unterscheidet und soll im nächsten Kapitel näher erläutert werden. Dilthey's Definition, die schon in der Einleitung erwähnt wurde, soll den Vorgang noch einmal von einer anderen Seite beleuchten. „Wir nennen den Vorgang, in welchem wir aus Zeichen, die von außen sinnlich gegeben sind, ein Inneres erkennen: Verstehen“ (Dilthey 1961, S. 318), oder auch: „Sonach nennen wir Verstehen den Vorgang, in welchem wir aus sinnlich gegebenen Zeichen ein Psychisches, dessen Äußerung sie sind, erkennen“ (ebd., S. 318).
Beide Zitate machen deutlich, dass Verstehen über Zeichen erfolgt, die das Innere nach Außen sichtbar machen. Diese Zeichen können unter anderem Kunstwerke, Texte oder notierte Musik sein (vgl. Danner 1979, S. 38), in jedem Fall müssen sie dauernd fixierte Lebensäußerungen darstellen, damit immer auf sie zurückgegriffen werden kann (vgl. Dilthey 1961, S. 319). Verstehen ist dann nicht anderes als die Auslegung oder Interpretation dieser fixierten Lebensäußerungen (vgl. ebd., S. 319). Verstehen ist jedoch nicht gleich Verstehen. Um das alltägliche Verstehen vom wissenschaftlichen abzugrenzen hat schon Dilthey (1958) die Unterteilung in elementares und höheres Verstehen vorgenommen. Während beim elementaren Verstehen das Verständis direkt aus der Lebensäußerung folgt (beispielsweise das unmittelbare Verständis des Zwecks einer Säge, wenn ein Handwerker sie gebraucht), werden beim höheren Verstehen Vorgänge angesprochen, die sich unserem Bekannten entziehen (vgl. Dilthey, S. 210f.). Diese Schwierigkeit tritt vor allem dann auf, wenn man das Milieu und die Umstände einer anderen Person nicht kennt und trotzdem versucht, deren Gestik zu verstehen (vgl. ebd., S. 210f.). Dazu bedarf es eines komplexen Verfahren, denn „[d]er gesamte Verstehenshorizont muss ausgeleuchtet werden“ (Danner 1979, S. 42), um die Person zu erfassen. Dies ist Aufgabe der Hermeneutik. Des Weiteren unterscheidet sich Verstehen in psychologisches- und Sinn-Verstehen (vgl. Danner 1979, S. 39). Da nach Danner das psychologische Verstehen eher gefühlsmäßig und daher subjektiv ist, ist „Hermeneutisches Verstehen ... in erster Linie Sinn-Verstehen“ (ebd., S. 41). Beide Einteilungen lassen sich mit Beispielen in folgender Übersicht zusammenfassen:
Arbeit zitieren:
Claudia Gaylor, 2009, Die Hermeneutik der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik, München, GRIN Verlag GmbH
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