Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1 Der Streit um die Deutsche Sprache 3
1.2 Geschichte der publizistischen Sprachkritik 4
2. Hauptteil 7
2.1 Vom Zauber der „Sprachretter“ - Bastian Sick und Co 7
2.2 „Unwörter“ und „Denglisch“ - Öffentlich-kollektive Sprachkritik 8
2.3 Sprachwissenschaftliche Antworten 11
3. Schlussbemerkungen 16
4. Literaturverzeichnis 16
2
1. Einleitung
1.1 Der Streit um die Deutsche Sprache
In den Medien tauchen regelmäßig Äußerungen über die Qualität der Deutschen Sprache auf. „Rettet den Dativ!“ oder „Bewahrt den Konjunktiv!“ sind dabei häufige Schlagwörter. 1 In zahlreichen Internet-Foren wird über die grammatische oder semantische Richtigkeit von Formulierungen diskutiert und „sprachpflegerische“ Bücher wie „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ von Bastian Sick erscheinen auf Bestsellerlisten. 2 Der Titel aus dem Jahr 2004 war so erfolgreich, dass 2006 schon die 3. Folge des „Wegweisers durch den Irrgarten der deutschen Sprache“ erschien. 3 Nicht nur Bastian Sick feiert mit seiner publizistischen Sprachkritik große Erfolge, auch andere Autoren, wie z.B. Eike Christian Hirsch, liefern ihren Lesern Antworten auf die Frage, was „gutes“ Deutsch ist oder welche Ausdrücke man lieber vermeiden sollte. Der deutsche Linguist Horst Sitta formuliert seine Ansicht über die Popularität von publizistischer Sprachkritik folgendermaßen: „Ein Phantom geistert durch Deutschland, dem sagenhaften Yeti vergleichbar oder dem
Ungeheuer von Loch Ness […], die Mär vom Verlust der Muttersprache, speziell bei jungen
Menschen, die Mär vom Sprachverfall. Nicht die berufenen Fachleute, die Linguisten, sind es
in aller Regel, die ihn wahrnehmen; selbsternannte Hüter der Sprache vielmehr, durch
differenzierte Sachkenntnis nicht sonderlich belastet, bewegt hingegen (wenn man ihnen
glauben darf) von brennender Sorge, werden nicht müde, ihn zu beschwören.“ 4
Doch woher kommt das große Interesse an „Sprachratgebern“? Eine These besagt, dass eine Ursache hierfür die Rechtschreibreform ist, die von einem Teil der Sprachgemeinschaft nach wie vor nicht angenommen wird und immer noch für große Verunsicherung sorgt. Eine weitere Ursache für die großen Erfolge von solchen Ratgebern könnte die Sehnsucht nach Eindeutigkeit, nach Klarheit, nach einem stets gültigen „richtig“ oder „falsch“ sein. Viele Sprecher und Schreiber des Deutschen kommen nur schlecht mit der Tatsache zurecht, dass eine natürliche Sprache nicht durchgängig logisch und frei von Sonderfällen ist. 5 Während „Sprachpfleger“ wie Bastian Sick sich eher dogmatisch dazu äußern, sehen Linguisten dieses
1 Richard Schrodt: Warum geht die deutsche Sprache immer wieder unter? Die Problematik der Werterhaltung
im Deutschen. Wien 1995, S. 15.
2 Vgl. Jan Georg Schneider: Was ist ein sprachlicher Fehler? Anmerkungen zu populärer Sprachkritik am
Beispiel der Kolumnensammlung von Bastian Sick. In: Jürgen Schiewe u. Martin Wengeler (Hg.): Aptum.
Zeitschrift für Sprachkritik und Sprachkultur 2 Bremen 2005, S. 154-177. Einzusehen unter: http://www.uni-
muenster.de/imperia/md/content/germanistik/lehrende/schneider_j/sprachkritik.pdf, 07.10.2009, S. 1.
3 Bastian Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Folge 3 - Noch mehr aus dem Irrgarten der deutschen
Sprache. Köln 2006.
4 Zit. nach Willy Sanders: Sprachkritikastereien und was der Fachler dazu sagt. Darmstadt 1992, S. 56.
5 Vgl. Schneider (2005) sowie Markus Hundt: Bastian Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Skript zur
Ringvorlesung vom 15.01.2008, S. 10.
3
Thema differenzierter und nehmen in den letzten Jahren auch vermehrt Stellung zu den „laienlinguistischen“ Publikationen.
Doch was ist ein sprachlicher Fehler? Und welche Kriterien liegen einer solchen „Sprachpflege“ zugrunde? Die vorliegende Arbeit soll Antworten auf diese Fragen finden und sich kritisch mit der publizistischen Sprachkritik auseinandersetzen. Dabei soll zuerst auf die lange Geschichte der publizistischen Sprachkritik eingegangen und die verschiedenen Autoren vorgestellt werden. Im Hauptteil wird auf einzelne Phänomene der „sprachlichen Fehler“ genauer eingegangen, wobei hier besonders Bastian Sicks Veröffentlichungen im Vordergrund stehen. Doch auch die öffentlich-kollektive Sprachkritik soll genauer beschrieben werden. Diese Form von Sprachkritik findet z.B. in Form von öffentlichen Diskursen und Vereinsgründungen statt, welche auch das Ziel verfolgen, die deutsche Sprache zu „pflegen“. Abschließend möchte ich auf die linguistische Sichtweise zum Thema Sprachkritik eingehen und einige Anregungen geben, wie begründete, aktuelle Sprachkritik aussehen könnte.
1.2 Geschichte der publizistischen Sprachkritik
Als publizistische Sprachkritik wird gewöhnlich jene Form der kritischen Sprachbewertung verstanden, die außerhalb des sprachwissenschaftlichen Faches und vielfach ohne den Einbezug sprachwissenschaftlicher Erkenntnisse schriftlich von Einzelnen verfasst und über Bücher bzw. Zeitungen öffentlich verbreitet wird. 6 Viele der Bücher sind Sammlungen von Sprachglossen aus Zeitungen, z.B. Gustav Wustmanns „Sprachdummheiten“ oder die gesammelten „Zwiebelfisch-Kolumnen“ in „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“. Die Verfasser dieser Form von Sprachkritik haben beruflich viel mit Sprache zu tun: Neben Journalisten finden sich z.B. oft Deutschlehrer und Literaturwissenschaftler als Autoren. 7 Nach Thorsten Griesbach lässt sich die publizistische Sprachkritik in zwei Zweige aufteilen: Der eine orientiert sich an ästhetisch-formalen, der andere an ethisch-moralischen Kriterien. 8 Der ästhetisch-formale Zweig etablierte sich am Ende des 19. Jahrhunderts, wobei Gottfried Wilhelm Leibniz als dessen Vorreiter gelten kann. Schon im 17. Jahrhundert erwähnte er die anzustrebende „Reinigkeit der Sprache“ durch die Vermeidung von unanständigen, vulgären und unverständlichen Wörtern. 9 Der Begriff „Sprachreinigung“ etablierte sich zu dieser Zeit
6 Thorsten Griesbach: Unwort und laienlinguistische Wortkritik. Zur Erforschung des sprachkritischen Denkens
in Deutschland. Aachen 2006, S. 45.
7 Griesbach (2006), S. 45.
8 Ebd., S. 46.
9 Dies und das Folgende: Griesbach (2006), S. 46.
4
als Vorgängerwort von Sprachkritik. 1796/97 wendete sich Johann Friedrich Henatz mit seinem zweibändigen „Versuch eines deutschen Antibarbarus“ gegen Fehler in der deutschen Sprache, die seine Zeitgenossen begingen. Seine Darstellungen waren in einem verhöhnenden Stil geschrieben, der typisch wurde für die darauf folgenden Werke publizistischer Sprachkritik. Im Jahr 1891 erschien dann das berüchtigtste und zugleich erfolgreichste Werk publizistischer Sprachkritik: Gustav Wustmanns „Sprachdummheiten. Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Hässlichen“. Dieses Buch erreichte die 14. Auflage und wurde zuletzt 1966 von Werner Schulze herausgegeben. 10 Die Kritikpunkte und die zugrunde liegenden sprachlichen Normen all dieser Werke bauen vielfach auf denen der „Sprachreiniger“ des
17. Jahrhundert auf und finden sich darüber hinaus oftmals bis heute in dem ästhetisch-formalen Zweig der publizistischen Sprachkritik. 11
Die Schwerpunkthemen sind immer folgende: Fragen zur sprachlichen Richtigkeit, des Stils, der Ästhetik, der Verständlichkeit und der Logik. Unflätigkeiten und Derbheiten in der Standardsprache sowie Erscheinungen des Sprachwandels werden beklagt. Vermeintlich inhaltsleere Wörter und Floskeln sind ebenso ein Ziel der Kritik wie schwer leserliche Ausdrücke, ein inflationärer Gebrauch von Wörtern und „Modewörter“. 12 Auch die Verwendung von Entlehnungen wird kritisiert und dies gilt in gleicher Weise für Wörter, die unliebsame Assoziationen wecken und für den Gebrauch von „Imponierwörtern“. 13 „Sprachbilder“, seien es metaphorische Übertragungen oder seien es Vorstellungen, die bestimmte Wortbildungen vermitteln (z.B. Jägerschnitzel) werden auch abgelehnt. 14 Im Gegensatz zu sprachwissenschaftlichen Texten finden sich in der publizistischen Sprachkritik nur sehr selten Belege oder statistische Angaben zu den monierten sprachlichen Entwicklungen, die das Urteil der Autoren empirisch stützen könnten, und ebenso selten wird für die Erklärung bestimmter sprachlicher Grundsätze oder Regeln die entsprechende Fachliteratur genutzt. 15 Oft berufen sich die Kritiker auf das eigene „Sprachgefühl“ als wegweisende Instanz, woraus sich nicht zuletzt auch methodische und inhaltliche Inkonsequenzen erklären. Das Ziel dieses Zweigs publizistischer Sprachkritik wird vielfach als „Sprachpflege“ bezeichnet. Dieser Terminus lässt sich, aufgrund der vergleichbaren Motivation und Vorgehensweise seiner Betreiber, in vielen Fällen mit dem Begriff
10 Siehe http://openlibrary.org/b/OL5567625M/Sprachdummheiten, 08.10.2009.
11 Griesbach (2006), S. 47.
12 Ebd., S. 47.
13 Hierzu zählt der „Verein Deutsche Sprache“ Wörter wie event, highlight, shooting star, outfit usw.
Siehe Internetseite: http://vds-ev.de/verein/index.php, 08.10.2009.
14 Griesbach (2006), S. 47.
15 Ebd., S. 48.
5
Arbeit zitieren:
Julia Weltersbach, 2009, Sprachliche Bereicherungen oder Sprachdummheiten?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Goethes Naturbild im Wandel - Eine Untersuchung anhand der Gedichte &q...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 22 Seiten
Propaganda im Nationalsozialismus - eine Analyse der sprachlichen und ...
Hausarbeit (Hauptseminar), 39 Seiten
Der Entstehungskontext, der Einfluss anderer Autoren und die Verwendun...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Christoph Martin Wieland - Die Funktion der Märchen in Wielands "...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen. Schwerpunkt: Frauen bei Fontane ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 23 Seiten
Sprachförderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrun...
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Examensarbeit, 96 Seiten
Rassenwahn und NS-Ideologie - Die "Vergiftung" der deutschen...
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Die Funktionen des Erzählens in Anna Seghers "Der Ausflug der tot...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Die Figur der Orgeluse und ihr Einfluss auf die Gawan-Handlung
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Joseph von Eichendorff: - Aus dem Leben eines Taugenichts
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 14 Seiten
Analyse der Sprache als Mittel der Propaganda im Dritten Reich anhand ...
Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Medien / Kommunikation - Fachkommunikation, Sprache
Wissenschaftlicher Aufsatz, 6 Seiten
Die Täter-Opferrolle von Hanna in Bernhard Schlinks "Der Vorleser...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Das Private ist Politisch. Anna Seghers politische Konzeption in '...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Unterrichtsstunde: „Du verstehst mich einfach nicht!“
Analyse von Kommunikationsstör...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 12 Seiten
Formen verschleierter Gewalt im nationalsozialistischen Sprachgebrauch
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 73 Seiten
Eine sprachgeschichtliche Analyse des Einflusses Martin Luthers und se...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 27 Seiten
Der Sprachwandel in der deutschen Sprache und die Bedeutung für den De...
Seminararbeit, 15 Seiten
Joseph von Eichendorff, "Die Sehnsucht": Sehnsucht und kein ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 17 Seiten
Zur Intertextualität nach Gérard Genette
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 13 Seiten
Julia Weltersbach's Text Sprachliche Bereicherungen oder Sprachdummheiten? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Julia Weltersbach hat den Text Sprachliche Bereicherungen oder Sprachdummheiten? veröffentlicht
Julia Weltersbach hat einen neuen Text hochgeladen
Ausländisch für Deutsche. Sprachen der Kinder
Sprachen im Klassenzimmer
Simona Colombo-Scheffold, Peter Fenn, Stefan Jeuk, Joachim Schäfer, Peter Dines, Basil Schader
Deutsche Sprache der Gegenwart. Niedersachsen
Deutsch-Abitur Niedersachsen 2...
Kerstin Prietzel
0 Kommentare