1. Einleitung
1.1 Vorgehensweise
In der folgenden Seminararbeit wird der Text „Glosse über Persönlichkeit“ von Theodor Adorno näher gedeutet. Dabei soll zunächst der Autor vorgestellt werden und dann werden die Gegenstände des Textes zunächst zusammengefasst, um danach diese intensiv zu bearbeiten. Des Weiteren wird der Text sowohl objektiv, anhand philosophischer Literatur, als auch subjektiv beurteilt. Abschließend wird die Thematik zusammengefasst.
1.2 Biographie des Autors Theodor W. Adorno
Theodor W. Adorno war einer der bekanntesten deutschen Philosophen, Soziologen, Musiktheoretiker sowie Komponisten. Adorno wurde am 11 September 1903 in Frankfurt am Main als Sohn eines Weinhändlers und einer ausgebildeten Sängerin geboren. Theodor W. Adorno war ein hochbegabter Schüler und konnte bereits mit 17 Jahren sein Abitur als Jahrgangsbester bestehen. Im Jahr 1921 begann er in Frankfurt am Main Philosophie, Psychologie, Soziologie und Musikwissenschaften zu studieren. Während seines Studiums in Frankfurt lernte er seinen späteren Freund Max Horkheimer kennen. Zu dem er nach seinem Entzug der Lehrtätigkeit 1933 in Deutschland und nach seinem kurzen Aufenthalt 1934 in Großbritannien, 1938 in die USA emigrierte. Max Horkheimer war Direktor des Instituts für Sozialforschung, an dem auch Adorno mitwirkte. In den Jahren 1942-1944 verfasste Theodor W. Adorno zusammen mit Horkheimer die „Dialektik der Aufklärung“ „eine ideologiekritische Betrachtung zur Krise der europäischen Zivilisation.“ 1 Dieser in Amsterdam 1947 das erstemal veröffentlicht wurde. 1949 kehrte er nach Frankfurt am Main zurück. Neben seiner Tätigkeit als Direktor des neu aufgebauten Instituts für Sozialforschung lehrte Adorno von dort an Philosophie und Soziologie an der Universität in Frankfurt. In dieser Zeit entstanden neben kulturkritischen Schriften Adornos Hauptwerke, wie die „Negative Dialektik“ oder die „Ästhetische Theorie“. 1961 wurde Adorno mit Karl R. Popper zusammen einer der Hauptprotagonisten des auf dem Soziologentag in Tübingen berühmten
1 Lexikonredaktion Verlag (Hrsg.), Der Brockhaus Philosophie, F. A. Brockhaus, Mannheim, 2004,S.11
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Positivismusstreit, in dem es über Methoden der Sozialwissenschaften ging. 2 Das Wohl bekannteste Werk Adornos nannte er „Negative Dialektik“. „Adornos Negative Dialektik ist eine dialektische Besinnung auf die Nichtidentität des erkennenden Subjekts und des einzelnen Objekts, das in der Geschichte der Philosophie zugunsten von Systembildungen immer wieder gewaltsam entstellt worden sei.“ 3 In den darauffolgenden Jahren wurde Adorno zu einem starken Kritiker, der in dieser Zeit angedachten Notstandsgesetze. Die dazu aufkommende Studentenbewegung, der im wesentlichen Schüler von Adorno angehörten, wurde immer radikaler. Daraufhin entschloss sich Adorno trotz seiner anfänglichen Sympathien, sich dieser zu distanzieren. Deshalb musste er 1969 seine Vorlesungen im Institut der Sozialforschung einstellen, da Studenten gewaltsam eingedrungen waren, um mit ihm eine Diskussion über die politische Situation zu führen. Dieser Vorfall wurde zur Anzeige gebracht und musste vor Gericht verhandelt werden. Nach der Verhandlung entschloss sich Adorno mit seiner Frau Margarete die er 1937 in London geheiratet hatte, in den Urlaub in die Schweiz zu fahren. Dort erlag er in einer Schweizer Klinik am 6. August 1969 einem Herzinfarkt. 4
2. Hauptteil
2.1 Definition des Begriffs Persönlichkeit
„Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine absolute Definition der Persönlichkeit oder eine, die allgemeine Zustimmung findet. Für den Laien ist eine solche Definition vielleicht nur ein Werturteil- man mag einen Menschen, weil er eine gute Persönlichkeit hat .Hier dient der Terminus „Persönlichkeit“ dazu, ein anderes Individuum ganz allgemein zu charakterisieren. Der Wissenschaftler verwendet diesen Terminus, um einen Gegenstand empirischer Forschung zu definieren(...)und schließlich kann Persönlichkeit auch ausschließlich durch die Art und Weise definiert werden, wie die Individuen miteinander interagieren, oder durch jene Rollen, die ein Individuum sich selbst zuschreibt und dadurch übernimmt, dass es in einer Gesellschaft lebt.“ 5 Beim nachdenken über den Begriff Persönlichkeit oder wie es die
2 Vgl.: Lexikonredaktion Verlag (Hrsg.), Der Brockhaus Philosophie, F. A. Brockhaus, Mannheim, 2004,S.11
3 Lexikonredaktion Verlag (Hrsg.), Der Brockhaus Philosophie, F. A. Brockhaus, Mannheim, 2004, S.11
4 Vgl.: Kager, Reinhard, Herrschaft und Versöhnung, Einführung in das Denken Theodor W. Adornos, Frankfurt am Main, New York, Campus Verlag, 1988, S.9
5 Pervin, A. Lawrence, Persönlichkeitstheorien, Ernst Reinhardt Verlag München, E. Reinhardt, 1981, S.10-11
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Philosophie als Personalität bezeichnet, kristallisiert sich zunächst das Wort Person in Personalität heraus. Doch was ist oder besser gesagt wer ist Person? Und ab welchem Zeitpunkt ist man Person? Und wie erlangt ein Individuum Personalität? Was braucht der Mensch um eine Persönlichkeit zu werden? In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass eine Entwicklung unabdingbar mit dem Begriff Personalität verbunden ist. Im Prozess der Personalisierung haben wir Menschen als Subjekt den Auftrag uns von der Person zur Persönlichkeit zu entwickeln. Karl Marx bezeichnet dies als Selbstverwirklichung, die ein Individuum in der Gesellschaft, in den gemeinsamen Interaktionen mit anderen Menschen, seine individuell gegebenen Möglichkeiten ausschöpfen kann. 6 Theodor W. Adorno hat seinen Begriff von Personalität in seinem Essay „Glosse über Persönlichkeit“ dargestellt.
2.2 Inhaltliche Zusammenfassung
In dem im Jahre 1966 entstandenen Text „Glosse über Persönlichkeit“ beschreibt der Autor Theodor W. Adorno die Problematik, der sich ein Individuum gegenüber stellen muss, wenn es sich zu einer Persönlichkeit in einer spätkapitalistischen Gesellschaft entwickeln will. Dabei stellt er den „Bedeutungswechsel“ des Begriffs und der Definition von Persönlichkeit in den letzten Jahren in den Mittelpunkt. Mit dem Ergebnis, dass sich der Begriff Persönlichkeit stark modifiziert und mit der ursprünglichen Idee, einer Persönlichkeit im Sinne Kants, keine Ähnlichkeit mehr hat. Weiter beschreibt Adorno, dass die Entwicklung zur Persönlichkeit in der gegenwärtigen Gesellschaft stark durch Macht und Gewalt, über andere Menschen, definiert wird. Dies kritisiert er stark und verabscheut es als Falsch, sich einer Gesellschaft mit solchen Prinzipien unterzuordnen. Gleichzeitig gesteht er dem Individuum ein, welch schwieriges Unterfangen es ist, nicht dem Einfluss und den Leitbildern einer Gesellschaft zu folgen. Adorno hält es fast für unmöglich sich in der derzeitigen Gesellschaft zu einer Persönlichkeit zu entwickeln. Da eine Entwicklung zur Persönlichkeit nur dann stattfinden kann, wenn das Individuum sich selbst treu bleibt und die Welt ergreift und sich
mit ihr auseinandersetzt. Schließlich geht Adorno sogar soweit, dass er behauptet der Begriff der Persönlichkeit, im Sinne seiner ursprünglichen Bedeutung, sich selbst zu verwirklichen und Selbstbestimmt zu leben, sei nicht mehr zu retten.
6 Vgl.: Prof. Dr. Zink, Dionys, Seminarunterlagen, Anthropologische Grundlagen der Sozialen Arbeit, Modul 2.4, Teil B, Sommersemester 2009, 04.06.-06.06. 2009
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Arbeit zitieren:
Sabine Bachner, 2009, Persönlichkeitsbildung - Ist es in der heutigen Gesellschaft noch möglich eine Persönlichkeit zu werden?, München, GRIN Verlag GmbH
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