1772 berief die verwitwete Herzogin Anna Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel Christoph Martin Wieland nach dem Erfolg seines Romans „Der goldene Spiegel“ zur Erziehung ihrer beiden Söhne nach Weimar. 1775 wurde auch Goethe nach Weimar berufen, er pflegte bereits freundschaftliche Beziehungen zum jüngeren Herzog Constantin. In der Folge wurden noch viele weitere bedeutende zeitgenössische Intellektuelle dorthin berufen: J. G. Herder (seit 1776 auf Empfehlung Goethes Hofprediger, Oberkonsistorialrat und Generalsuperintendent in Weimar), der schweizerische Kunstschriftsteller J. H. Meyer, zweitweise auch Wilhelm v. Humboldt und andere.
Wichtige Grundlagen für die Weimarer Klassik leistete bereits die Vorklassik, allen voran die Schrift „Über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst“ aus dem Jahr 1755 von J. J. Winckelmann. Aus dieser leitet sich auch die Leitformel der Weimarer Klassik ab, „edle Einfalt und stille Größe“. Seltsamerweise wurden die Vertreter der Weimarer Klassik zu der Zeit, in der sie ihre Werke verfassten, relativ wenig gelesen. Walter Benjamin hat dies 1933 in dem Rundfunkstück „Was die Deutschen lasen, während ihre Klassiker schrieben“ thematisiert; demzufolge wurden in dieser Zeit besonders Vulpius, Iffland oder Kotzebue gelesen.
Die Weimarer Klassik war in ihrem Kern ein Zweierbündnis zwischen Schiller und Goethe; trotz oder gerade wegen ihre Unterschiedlichkeit war ihre Zusammenarbeit von Effektivität und Produktivität gekennzeichnet. Zusammen gründeten sie Zeitschriften wie die „Propyläen“, den „Musenalmanach“ oder die „Horen“, um einerseits ein Publikum mit ihren Ideen zu erreichen und andererseits natürlich auch Geld mit ihrem Schreiben zu verdienen. Denn auch dieser merkantile Aspekt war wichtiger Bestandteil der Freundschaft zwischen Goethe und Schiller. 2. Ästhetische Position der Klassik
Die vorherrschenden ästhetischen Prinzipien der Weimarer Klassik waren Autonomie und Harmonie. Es entwickelte sich eine Grundhaltung, die sich an Vorstellungen wie Klarheit, Reinheit, Maß, Vollendung, Übereinstimmung von Geist und Gemüt u.v.m. orientierte. Für diese Entwicklung gibt es verschiedene Gründe: Zum einen spiegelt diese Haltung die Phase der Konsolidierung Ende des 18ten Jahrunderts unter den speziellen deutschen Bedingungen wieder, wie zum Beispiel der Aufgeteiltheit in Kleinstaaten und der innherhalb dieser Kleinstaaten betriebene aufgeklärte
Arbeit zitieren:
Nils Demetry, 2008, Weimarer Klassik, München, GRIN Verlag GmbH
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