1. Lernsituation und Lernvoraussetzungen
'LH Ä6FKXOH X³ LVW HLQH RIIHQH *DQ]WDJVVFKXOH PLW HLQHU 0HQVD QDFKPLWWlJOLFKHU Hausaufgabenhilfe und einem Förderbereich sowie einem vielfältigen Kursangebot. Somit werden unterschiedliche Begabungen gefördert und Interessen auch nach Unterrichtsschluss weiterhin verfolgt. Die Schule, die sich im X Stadtteil Y befindet, umfasst die Jahrgangsstufen 5-10 mit ca. 600 Schülern und 44 Lehrern. Die von mir unterrichtete Lerngruppe, Klasse 6b, besteht aus 12 Jungen und 12 Mädchen im Alter von 11 bis 12. Ich habe die Klasse erst zum August 2008 übernommen und unterrichte dort seitdem eigenverantwortlich fünf Stunden Deutsch. Außerdem gebe ich zehn Schülern, die kein Spanisch lernen, eine Stunde in der Woche Förderunterricht. Ich begleite die Klasse nicht nur im Fach Deutsch, sondern auch bei schulischen Aktivitäten wie Klassenfahrten und Weihnachtsfeiern. Drei Schüler sind nicht deutscher Herkunft, sprechen jedoch sicher Deutsch. Sie haben geringere Schwierigkeiten im mündlichen Gebrauch. Größere Schwächen zeigen sich dagegen in der Schriftsprache, bei deren Umsetzung häufig grammatikalische Defizite sichtbar werden. Ihnen fehlen beim Verfassen von Texten der notwendige Wortschatz und die Distanz zur mündlichen Sprache, bzw. erzählen sie stark in der Umgangssprache.
Das soziale Klima innerhalb der Klassengemeinschaft ist relativ ausgeglichen, obwohl die 6b als eine nicht recht einfache Klasse angesehen wird. Manchmal kommt es vor allem in Pausen zu Streitereien zwischen einzelnen Schülern, die möglichst rasch geklärt werden müssen. Nachdem Konflikte gelöst sind, kann man mit ihnen guten Unterricht durchführen. Die Klasse lässt sich mittels Lob, Belohnungspunkten und von einem Unterricht, der von spielerischem Charakter gekennzeichnet ist, motivieren. Sowohl das Arbeitsverhalten als auch die Motivation sowie das Lernklima der Klasse sind in hohem Maße interessensgebunden.
Partnerarbeit wird am häufigsten angewendet, da diese sich als effektiver erwies. Die Schüler sitzen im Klassenraum in Partnergruppen mit Sicht zur Tafel. Die Gruppen sind so gestaltet, dass ein leistungsstärkerer Schüler mit einem schwächeren Schüler zusammen an einem Tisch sitzt. Somit soll den schwächeren Schülern die Möglichkeit gegeben werden, bei Schwierigkeiten zunächst den Partner fragen zu können. Die Lerngruppe ist stark heterogen. Es besteht eine große Diskrepanz im Leistungsbild. Die Beteiligung der Schüler am Unterricht ist unterschiedlich. Acht Schüler (Ja., R., T., A., DC, JD, W., Ser.) erweisen sich durch eine überdurchschnittliche Beteiligung und /HLVWXQJ6LHZHUGHQGHVZHJHQLQGHU.ODVVHMHGRFKQLFKWDOVVRJÄ6WUHEHU³DQJHVHKHQ Das Wissen und Verhalten des Schülers T. liegt über dem Durchschnitt der Klasse, was
und T. sind Schüler der Klasse, die sich bereits um eine Betonung einzelner Wörter bemühen. Die Schüler sind imstande, den Sinn des Textes größtenteils zu erschließen und innere Monologe zu verfassen. Bei einigen Schülern fällt auf, dass sie noch Probleme haben, ihre eigenen Texte zu strukturieren bzw. auch so zu formulieren, dass sie für den Leser verständlich ist. Die Texte sind meist weder intentions- noch adressatenbezogen. Gerade bei kreativ-produktiven Aufgaben fällt auf, dass die Rechtschreibung eines Großteils der Schüler noch nicht sicher ist. Viele Schüler haben Schwierigkeiten mit der Groß- und Kleinschreibung.
Die Schüler haben in dieser Unterrichtseinheit bereits gelernt, was eine Fabel ist und welche Merkmale sie aufweist. Des Weiteren wurde über die Funktion der Fabel im aesopischen Sinn gesprochen und diskutiert. Für die heutige Stunde werden Verhaltensweisen von Fabeltiere mit Hilfe des Schreibens eines inneren Monologs erschlossen und bewertet. Viele Schüler sind in der Lage das Verhalten der Tiere zu interpretieren.
2. Didaktische Analyse
2.1 Struktur des Lerngegenstands
Die Fabeln gehören zu den ältesten literarischen Kurzformen der Epik und sind in der Regel kürzer als viele epische Kurzformen. Trotz der Kürze ist die erzählte Geschichte ein JXW VWUXNWXULHUWHV *DQ]HV ÄGDV 6SDQQXQJ DXIEDXW XQG LQ HLQHU 6FKOXVVSRLQWH O|VW³ (Coenen 2000, 14) Die handelnden Figuren sind am meisten die Tiere, Pflanzen oder Dinge sind selten. Das auffälligste Merkmal der Fabel ist, dass Tiere menschliche Züge und Charakterweisen vorlegen und eine repräsentative Funktion besitzen. Einige der bekanntesten handelnden Figuren (Hahn, Fuchs, Wolf, Löwe, Maus, Katze, Esel) begegnen sich immer wieder und stellen bestimmte Eigenschaften dar, die ihnen schon fast traditionellerweise zugeordnet sind, wie z.B. die Dummheit des Esels, die Listigkeit der Schlange oder die Schlauheit des Fuchses. Die einzelnen Figuren repräsentieren bestimmte Persönlichkeiten. So wird dem Löwen oft die Rolle des Königs, die herrschende, dominierende Funktion gegeben (Esser 2002, 47). Des Weiteren ist auffällig, dass die Tiere Tätigkeiten, die für den Menschen typisch sind, ausführen, wie z.B. Dialoge halten.
Am Ende der Fabel steht meist eine moralische Lehre, die durch den Leser auf sein eigenes Leben übertragen werden kann. Die Lehre kann entweder explizit ausgedrückt werden oder hinter dem Erzählten versteckt sein, die dann zu entschlüsseln ist (Esser
2002, 47). Viele Fabeln besitzen jedoch bereits eine angefertigte (ausgeführte) Moral, die PDQDXFKDOVÄ(SLP\WKLRQ³EH]HLFKQHW%HUQHU
Die Fabel handelt überwiegend vom Kampf und Konflikt des meist unterdrückten Volks mit seinem Herrscher, bzw. der herrschenden Obrigkeit. Am Ende der Fabelerzählung können sich die zu Beginn des Handlungsgeschehens bestehenden Machtverhältnisse jedoch Y|OOLJ JHlQGHUW KDEHQ (VVHU Ä'LH )DEHO LVW HLJHQWOLFK KlXILJ HLQ DXI HLQH .XU]V]HQH UHGX]LHUWHV 'UDPD PLW HLQHP (U]lKOHU³%HUQHU 6LH NHQQ]HLFKQHW sich durch eine epische und zugleich dramatische Art, etwa wie ein Drama in der kürzesten Version.
In dieser Fabel besitzen Löwe, Esel und Fuchs gegensätzliche Eigenschaften (Löwe: stark, gefährlich, groß; Esel: dumm, naiv; Fuchs: klever, schlau, klein). Im Hauptteil der Fabel trifft der Leser auf einen Wendepunkt, an dem sich die Situation plötzlich ändert. Der Fuchs rettet mit einer List sein Leben und hat einen kleinen Teil der Beute. Zu Beginn der Fabel begegnen sich die Tiere, die zusammen auf die Jagd gehen (Ausgangssituation). Im zweiten Teil entsteht ein Konflikt (Konfliktsituation), an dem der Löwe den Esel bei der Aufteilung der Beute auffrisst, weil er nicht zu seinen Gunsten aufteilte (Handlung). Im nächsten Schritt der Konfliktsituation beobachtet man eine unerwartete Veränderung: Der Löwe wird reingelegt. Der Fuchs erkennt die gefährliche Situation und teilt die Beute zu Gunsten des Löwen auf und behält für sich einen kleinen Teil (Gegenhandlung). Im dritten und letzten Teil wird auf eine Lehre hingewiesen (Ergebnis). Somit verweist der Fuchs auf die Aktion des Esels und zeigt damit, dass er auf das dramatischen Ende des Esels seine Lektion erteilt bekommen hat.
Es wird deutlich, dass der Löwe statt einer gerechten Aufteilung der Beute eher an seinem eigenen Wohlergehen interessiert ist. Der Löwe beweist mit seinem Befehl an die anderen beiden Figuren seine Dominanz, es geht ihm nicht um die Teilung selbst. Bei dieser Fabel handelt es sich um einen Text mit drei Lehren. Die erste Lehre zeigt, dass es zwischen Arm und Reich, bzw. körperlich Stark und Schwach keine Gleichberechtigung gibt, die auf Gegenseitigkeit beruht. Die zweite besagt, dass man aus den Fehlern anderer lernen soll (Doderer 1970, 25). Die dritte zeigt, dass es manchmal besser ist, auf seinen Anteil zu verzichten. Alle drei Lehren sind aus dem Text zu entnehmen. Der Esel ist zwar der Gerechte, verliert jedoch gegen den Mächtigen, den körperlich stärkeren Löwen. Der Fuchs ist der Schlauere, weil er weiß, dass er gegen den Löwen nichts erreichen kann. Infolgedessen gibt es aufgrund der genannten Lehren am Ende der Fabel zwei Gewinner (Fuchs und Löwe), wobei der Fuchs nur der Gewinner seines Lebens ist und auf die gesamte Beute verzichten muss. Wie in jeder Fabel werden menschliche Probleme
Arbeit zitieren:
Nuran Ozan, 2009, Umgang mit literarischen Texten - Fabeln von Aesop, München, GRIN Verlag GmbH
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