Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2. Die System/Unwelt-Differenz 4
2.1 Operierende Systeme und ihre Umwelt 4
2.2 Beobachten 5
2.2.1 Die Beobachtung der Umwelt 6
3. Autopoiesis 7
3.1 Die Ausdifferenzierung der autopoietischen Systeme 8
3.2 Aufbau und Reduktion von Komplexität 9
4. Gesellschaftssysteme: Die autopoietische Gesellschaft und ihre ökologische
Selbstgef ährdung 10
4.1 Die Kommunikation 10
4.2 Die Kommunikation als gesellschaftliche Operation 11
5. Resonanz 12
5.1 Die Gesellschaft und ihre Resonanzfähigkeit 14
5.2 Zu viel und zu wenig Resonanz 16
6. Kritik 22
7. Literaturverzeichnis 24
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1. Einleitung
Der "wärmste Winter seit über 125 Jahren", so ein Artikel des Hamburger Magazins "Stern", in dem die Problematik des Klimawandels thematisiert wird (Vgl. Online-Publikation 1). Dieser tritt zunehmend auch in Form von Naturkatastrophen wie Taifunen, Hurrikans, oder Überschwemmungen ganzer Dörfer in Erscheinung. Demnach sieht sich die Gesellschaft in einem immer größeren Ausmaß mit Umweltproblemen konfrontiert, die sie selbst mitverursacht hat. Luftverschmutzung und Waldsterben durch eine zu hohe Abgasemission, Erschöpfung nicht wiederherstellbarer Ressourcen all dies sind Themen mit denen sie sich auseinandersetzen muss. So scheint es auch kaum verwunderlich, dass die öffentlichen Diskussionen über ökologische Bedingungen des gesellschaftlichen Lebens stark zugenommen haben (Vgl. Luhmann 2004, S.11). Dies kommt in aktuellen politischen Debatten über den Klimaschutz besonders stark zum Ausdruck. So soll künftig eine verstärkte Nutzung von Bioenergie zur Senkung des Treibhausgasabstoßes beitragen. (Vgl. Online-Publikation 2).
Auf Grund der starken Thematisierung der Probleme zwischen Gesellschaft und Natur nimmt das Thema der ökologischen Gefährdung auch soziologische Dimension an. Dennoch kam die Diskussion über die ökologische Gefährdung der Gesellschaft für die Soziologie sehr überraschend. Denn das Thema Natur “konnte und musste den Naturwissenschaften überlassen werden” (Luhmann 2004, S.12), da sich die Soziologie auf eine rein innergesellschaftliche Perspektive beschränkt hat. Doch gerade die Tatsache, dass ökologische Probleme zu einem festen Bestandteil gesellschaftlicher Kommunikation geworden sind macht es unumgänglich dieses Thema in die Soziologie mit einzubringen. Das unvorbereitete Aufkommen des neuen Ökologiebewusstseins hat nur wenig Zeit für theoretische Überlegungen gelassen. “Zunächst denkt man deshalb das neue Thema im Rahmen der alten Theorie. Wenn sich die Gesellschaft durch ihr Einwirken auf die Umwelt selbst gefährdet, dann solle sie das eben lassen.”(Luhmann 2004, S.19). Derartigen Aussagen widerspricht Niklas Luhmann in seinem Werk "Ökologische Kommunikation" grundlegend. Denn die Probleme werden auf die Struktur der Gesellschaft oder ihre Subsysteme zurückgeführt. In Bezug auf die ökologische Fragestellung, ob sich die Gesellschaft auf die ökologische Gefährdung einstellen kann, wird die Gesellschaft dann
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als Einheit eines umfassenden Systems betrachtet. In dieser Überlegung sieht Luhmann lediglich ein unzureichendes Verständnis für die theoretischen Strukturen der ökologischen Fragestellung, die einen entscheidenden Punkt außen vor lässt (Vgl. Luhmann 2004, S.21). Jedes Systemproblem ist auf die Differenz von System und Umwelt zurückzuführen (Vgl. Luhmann 2004, S.13). In dieser Differenzierung sieht Luhmann die Ursache für die ökologische Selbstgefährdung der Gesellschaft. Aus konstruktivistischer Perspektive werden die ökologischen Probleme in der gesellschaftlichen Kommunikation gesucht (Vgl. Reddig 2006, S.156). Die Gesellschaft wird in diesem Zusammenhang als Kommunikationssystem verstanden, die in unterschiedliche Funktionssysteme untergliedert ist. Doch worin besteht nun die ökologische Selbstgefährdung der Gesellschaft, als Kommunikationssystem und welche Möglichkeiten hat sie, auf diese einzugehen? Mit diesen Fragestellungen beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Ziel ist es zu verdeutlichen welche Konturen das Problem der ökologischen Selbstgefährdung annimmt, wenn es mit Hilfe der Systemtheorie von Niklas Luhmann betrachtet wird.
2. Die System/Unwelt-Differenz
Der Begriff System stammt aus dem griechischen und leitet sich von dem Wort Systema ab und hatte im antiken Sprachgebrauch die Bedeutung von etwas Zusammengesetzten (Vgl. Metzner 1993, S.31). Während in zahlreichen anderen Theorien Systeme als etwas Einheitliches definiert werden, die aus dem menschlichen Handeln hervorgehen, beschreibt Luhmann jedes System als etwas Zusammengesetztes aus verschiedenen Elementen, es kann jedoch niemals aus nur einem Element bestehen (Vgl. Becker/Reinhardt-Becker 2001, S.21). Die System/Unwelt-Differenz bildet den Grundstein und die Leitdifferenz seiner Systemtheorie. Im Folgenden möchte ich auf die Grundannahmen dieser Theorie eingehen, deren Verständnis für die Überlegungen hinsichtlich der ökologischen Gefährdung notwendig sind.
2.1 Operierende Systeme und ihre Umwelt
Aufbauend auf den bisherigen Erkenntnissen kann ein System auch als Differenz zur Umwelt beschrieben werden (Vgl. Berghaus 2004, S.42). Die Notwendigkeit für eine derartige
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Unterscheidung zwischen System und Umwelt sieht Luhmann in der Tatsache begründet, dass jedes System nur auf der Basis dieser Differenzierung überhaupt existieren kann (Vgl. Bodde 1999, S.32). Denn würde es sich nicht von der Umwelt unterscheiden, so gäbe es pure Faktizität (Vgl. Luhmann 2004, S.41). Die Grenze zu ihrer Umwelt ziehen die Systeme selbst auf der Basis von systeminternen Formen der Differenzierung, den sogenannten Operationen. Sie bilden die Leitdifferenz, bzw. das Letztelement der Systeme (Vgl. Luhmann 1990, S.514 f.). Demzufolge bestehen Systeme aus Operationen, wobei jedes einzelne System seine eigene systemspezifische Operation besitzt. An Hand dieser Operation bildet jedes System seine Umwelt selbst, indem es eine Grenze zieht. Demnach kann die Umwelt nicht als eine feste Größe bezeichnet werden, sondern ist systemrelativ zu betrachten. Luhmann definiert die Umwelt als alles Übrige, das nicht zum jeweiligen System gehört, “Umwelt ist, was sie ist” (Luhmann 2004, S.45). Sie wird durch jedes System selbstständig erzeugt und kann demnach als Außenseite des Systems beschrieben werden.
Die Ausgrenzung der Systeme in Differenz zu ihrer Umwelt ist Voraussetzung für Erkenntnisse über die Welt und ermöglicht es ihr sich selbst zu beobachten. Denn die Welt ist immer nur als Umwelt, aus der Perspektive eines Systems, zugänglich. Es existiert keine übergeordnete Instanz, die es ermöglicht die Welt als ganzes zu beobachten. Folglich lassen sich Erkenntnisse über die Welt nur als Erkenntnisse über Umwelten von Systemen gewinnen. Dieser Sachverhalt wird in Zusammenhang mit möglichen Erkenntnissen über die Umweltgefährdung von großer Bedeutung sein. Um zu verstehen auf welche Art und Weise Systeme sich selbst und ihre Umwelt und somit auch Umweltprobleme beobachten können, gilt es jedoch erst diesen Begriff der Beobachtung, aus der Sicht von Niklas Luhmann, zu definieren.
2.2 Beobachten
Luhmann weicht auch in diesem Zusammenhang von dem alltäglichen Beobachtungsbegriff ab. Er bezieht sich auf den logischen Kalkül von George Spencer Brown und definiert Beobachtung als Unterscheiden und Bezeichnen (Vgl. Luhmann 1997, S.69). Die System/Umwelt-Differenz, also die Außengrenze des Systems, wird in das System hineinkopiert. Dieser re-entry bildet die Grundlage für sämtliches Unterscheiden und Beobachten (Vgl. Berghaus 2004, S.44).
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Die System/Umwelt Differenzierung findet demnach auf zwei Ebenen statt. Zunächst grenzt sich das System durch seine Operation von seiner Umwelt ab. Auf der zweiten Ebene wird die gebildete Differenz intern als Unterscheidung verwendet, das System unterscheidet zwischen Selbst- und Fremdreferenz. Eben diesen Fall bezeichnet Luhmann als Beobachten (Vgl. Berghaus 2004, S.46). Jedes System beobachtet also indem es zwischen sich selbst und allem anderen unterscheidet. Die Beobachtung ist somit eine spezifische Operationsweise, die eine Unterscheidung benutzt, um die eine oder andere Seite zu bezeichnen. Ganz formal ausgedrückt kann immer dann von Beobachtung gesprochen werden, wenn ein System auf Grund von Unterscheidungen operiert, und Informationen gewinnen und verarbeiten kann (Vgl. Luhmann 2004, S.49).
2.2.1 Die Beobachtung der Umwelt
Die Anfangsunterscheidung, die jeder Beobachtung zu Grunde liegt, bleibt hinsichtlich des Beobachtungspotentials für keines der Systeme ohne Folgen. Somit ist auch jede Unterscheidung systemrelativ zu betrachten (Vgl. Luhmann 2004: S.55). Aus diesem Grund variiert die Umwelt je nach System von dem sie gerade beobachtet wird. Demnach ist die Umwelt für jedes System etwas anderes. So gehören beispielsweise Wirtschaft und Politik zur Umwelt des Rechtssystems. Umgekehrt sind aus der Sicht des politischen Systems, das Rechts- und Wirtschaftssystem Bestandteile seiner Umwelt. Darüber hinaus produziert die Anfangsunterscheidung einen blinden Fleck des Beobachters erster Ordnung (Vgl. Luhmann 1990, S. 178 ff.). Dieser blinde Fleck kann wiederum von einem außenstehenden Beobachter beobachtet werden. Luhmann bezeichnet eben diese Beobachtung eines Systems durch ein anderes System als Beobachtung zweiter Ordnung. Doch auch die Beobachtung zweiter Ordnung basiert auf Unterscheidungen, die zwangsläufig wieder einen blinden Fleck produzieren. Jede Beobachtung produziert einen systemspezifischen blinden Fleck, somit kann es keine übergeordnete Einheit geben, die in der Lage ist alles zu beobachten. Jedes System beobachtet sich selbst und seine Umwelt.
In Bezug auf die Beobachtung von Umweltproblemen bedeutet das im Konkreten, dass immer eine Unterscheidung zwischen Selbst- und Fremdreferenz vorausgehen muss (Vgl. Luhmann 1997, S.92). Folglich werden Umweltprobleme immer aus der Perspektive eines Systems beobachtet und somit auch von jedem System anders wahrgenommen. So nimmt
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beispielsweise das Wirtschaftssystem die Umweltverschmutzung auf eine andere Art und Weise war, als das politische System.
Um zu verdeutlichen wo nun die Grenze zwischen System und Umwelt, also die Anfangsunterscheidung liegt und darauf aufbauend die Möglichkeiten der Systeme ihre Umweltprobleme wahrzunehmen verdeutlichen zu können, gilt es sich zunächst einem weiteren Schlüsselbegriff der Luhmannschen Systemtheorie zu widmen, der Autopoiesis.
3. Autopoiesis
Der Ursprung der Autopoiesis liegt in den Naturwissenschaften und setzt sich zusammen aus den griechischen Begriffen autos (selbst) und poiein bzw. producere (schaffen, organisieren, produzieren) und wurde von dem chilenischen Biologen Humberto Maturana eingeführt (Vgl. Morel u.a 1989, S.174). Ein lebendes System ist durch die Fähigkeit charakterisiert, die Elemente aus denen es besteht, selbst zu produzieren und zu reproduzieren und dadurch seine Einheit zu definieren (Vgl. Luhmann 2004, S.266). Jede Zelle ist das Ergebnis des Netzwerkes interner Operationen des Systems, dessen Element sie ist. Die Zelle entsteht demnach nicht aus externen Eingriffen, sondern produziert die für ihre Existenz notwendigen Elemente selbstständig.
Luhmann erweitert den Begriff der Autopoiesis, indem er ihn nicht nur auf lebende Systeme anwendet (Vgl. Berghaus 2004, S.53). Er bezeichnet alle Systeme als autopoietisch, die eine interne Operation besitzen, die nur in diesem System stattfindet. Des Weiteren sind Systeme autopoietisch, wenn sie “die Elemente, aus denen sie bestehen,…selbst produzieren” (Luhmann 1990, S.128). Demnach können sich sämtliche autopoietischen Systeme durch systemspezifische interne Operationsweisen selbst erzeugen und reproduzieren. Jede Operation die für die Produktion neuer systeminterner Elemente zuständig ist, hängt von den vorhergehenden Operationen dieses Systems ab und ist gleichzeitig auch Grundlage für seine nachfolgenden Operationen (Vgl Baraldi/Corsi/Esposito 1999, S.29). Eine Operation muss an die nächste anschließen können, sonst endet das System. Diese Anschlussfähigkeit ist Voraussetzung für die Existenz eines jeden Systems. Des Weiteren sind autopoietische, selbstreferentielle Systeme auf Grund ihrer systemspezifischen Operationsweise, durch eine operative Schließung gekennzeichnet. Diese operative Geschlossenheit ist die Grundlage der Autonomie eines jeden Systems. Systeme können nur innerhalb ihrer Grenzen operieren,
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Arbeit zitieren:
Julia Wetzel, 2009, Ökologische Gefährdung der Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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