Inhaltsverzeichnis 1
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 2
1 Problemstellung 3
2 Europäische Bildungspolitik 4
2.1 Bildungspolitische Herausforderungen in Europa 4
2.2 Zielsetzungen der europäischen Bildungspolitik 6
3 Der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) 8
3.1 Grundlagen für die Entwicklung des EQR 8
3.2 Struktur und Aufbau des EQR 10
4 Das Europäische Kreditsystem für die Berufsbildung (ECVET) 13
4.1 Grundlagen für die Entwicklung des ECVET 13
4.2 Struktur und Aufbau des ECVET 15
5 Berufliche Mobilität und Durchlässigkeit durch EQR und ECVET 17
6 Resümee 20
Literaturverzeichnis 23
Anhang 26
Abbildungsverzeichnis 2
Abbildungsverzeichnis
Abb. Nr. 1: Deskriptoren zur Beschreibung des Europäischen
Qualifikationsrahmens (EQR).................................................................. 27
Abb. Nr. 2: Funktionsweise des EQF......................................................................... 29
Abb. Nr. 3: Lerneinheiten im ECVET ................................................................... 29
Abb. Nr. 4: Einheiten von Lernergebnissen und ECVET- Punkte (Beispiel) ....... 30
Abb. Nr. 5: Anwendung des ECVET zur Abrechnung und Akkumulierung von
Lernergebnissen ....................................................................................... 30
Abb. Nr. 6: EQR und ECVET für Transparenz und Übertragbarkeit von
Lernergebnissen (Beispiel) ...................................................................... 31
1 Problemstellung 3
1 Problemstellung
Zur Zeit qualifizieren sich rund die Hälfte der Bevölkerung in Europa durch Berufsbildung. Die Europäische Union hat sich in Verbindung mit ihren Mitgliedsstaaten vorgenommen, die allgemeine und berufliche Bildung an die raschen Veränderungen der Arbeitsmärkte und der Technologie anzupassen. Die berufliche Bildung soll ein unverzichtbarer Teil des lebenslangen Lernens werden und es den Menschen ermöglichen, ihre Qualifikationen ständig anzupassen und weiterzuentwickeln. Qualifikationen bedeuten Chancen, Chancengleichheit und Fortschritt. Für die Menschen ergeben sich hierdurch bessere Beschäftigungsmöglichkeiten und für Unternehmen Wettbewerbsvorteile (CEDEFOP, 2009, S. 1).
Neben einer Reihe von Leistungsdefiziten innerhalb der nationalen Bildungssysteme wie beispielsweise die zu geringe Zahl an Hochschulabsolventen oder die zu geringen Investitionen in die Humanressourcen sowie die Überalterung der Lehrer und die große Zahl an Schulabbrechern steht die wechselseitige Abschottung der Berufsbildungssysteme der europäischen Staaten und die Intransparenz der beruflichen Bildungsabschlüsse in Europa im Mittelpunkt der momentanen Diskussion. Sie steht dem Ziel des lebenslangen Lernens entgegen, verhindert die Mobilität von Lernenden und gilt als besonderes Wachstumshindernis (Severing, 2005, S. 2-3). In der Studie „ECVET reflector“ wird der Mobilität der Lernenden eine entscheidende Bedeutung bei der wirtschaftlichen und sozialen Einheit Europas beugemessen. Zudem kommt sie zu der Annahme, dass durch zunehmende grenzüberschreitende Erfahrungen eine europäische Identität gefördert wird. Die berufliche Erstausbildung könnte der erste Schritt sein, in dem solche Erfahrungen gesammelt werden. Die bestehenden Möglichkeiten wie beispielsweise das Leonardo Da Vinci Programm bilden zur Zeit nur eine Randerscheinung (Fietz, Le Mouillour & Reglin, o.D., S. 4). Während die Entwicklung von Systemen, die dies fördern sollen im Bereich der Hochschulen mit einem europäischen Leistungspunktesystem und der weitgehenden Vereinheitlichung auf Master- und Bachelorabschlüsse weit vorangeschritten ist, steht der Bereich der beruflichen Bildung noch relativ am Anfang dieser Entwicklung (Severing, 2005, S. 2-3).
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie die Europäische Union versucht, die Mobilität und Durchlässigkeit der allgemeinen und beruflichen Bildung und damit deren Attraktivität zu fördern. Der Bereich der Hochschulbildung wird dabei vernachlässigt, da auch im begleitenden Seminar die berufliche Bildung im Mittelpunkt der Betrachtung steht. Die Instrumente EQR/EQF sowie das ECVET stehen dabei im
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Mittelpunkt der Betrachtung, da sie in den aktuellen Bemühungen der Europäischen Union eine entscheidende Rolle einnehmen.
Zu Beginn der Arbeit werden die Herausforderungen dargestellt, die sich aus einem zusammenwachsenden Europa ergeben. Daran schließen sich allgemeine Zielsetzungen an, die diese Herausforderungen angehen. Im Hauptteil der Arbeit werden die Instrumente EQF und ECVET, mit denen die Europäische Union versucht, die Ziele Durchlässigkeit und Mobilität in den Bildungssysteme zu fördern, vorgestellt Hierzu werden zunächst die Zielsetzungen und Grundlagen sowie der Aufbau und die Struktur der beiden Instrumente beschrieben. Im anschließenden Kapitel soll gezeigt werden, wie EQR und ECVET zur beruflichen Mobilität und zur Durchlässigkeit der Bildungssysteme beitragen können. Im abschließenden Resümee werden die Grundaussagen noch einmal zusammengefasst und Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung angesprochen.
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2.1 Bildungspolitische Herausforderungen in Europa
Die europäische Bildungspolitik sieht sich einer Reihe von Herausforderungen gegenüber. Im folgendem Abschnitt der Arbeit werden die grundlegenden Dimensionen dieser Herausforderungen dargestellt.
Zukunftsfragen der Berufsbildung werden nicht mehr nur in nationalen Bezügen diskutiert. Die Berufsbildung erhält ihre internationale Dimension nicht alleine durch die politische Integration Europas. Vor allem die internationale Aufstellung von Unternehmen führt dazu, dass Arbeitsmärkte und damit auch berufliche Bildung in einem staatenübergreifenden Leistungsvergleich stehen (Severing, 2008, S. 13). Wirtschaftsunternehmen, egal welcher Größe, sind nicht mehr an ihre Heimatregion gebunden, sondern wählen ihre Standorte nach deren Bedingungen für ihren ökonomischen Erfolg aus. Wettbewerbsvorteile beruhen dabei immer mehr auf Wis-sensvorsprüngen. Materielle Produktionsfaktoren treten immer weiter in den Hinter-grund. Damit werden die nationalen Bildungssysteme zu Standortfaktoren, die die Investitionsentscheidungen von Unternehmen beeinflussen. Historische Entwicklungen und kulturelle Eigenheiten der Systeme werden von Unternehmen vorurteilsfrei nach ihrer Zweckmäßigkeit für die Bereitstellung der geforderten Qualifikationen und Kompetenzen bewertet. Noch vor einigen Jahren haben sich die Anforderungen an Qualifikationen und Kompetenzen von Land zu Land unterschieden, da eine starke Differenzierung nationaler Produktivitätsniveaus vorlag. Diese Verhältnisse haben
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sich auf Grund der europäischen Integration geändert. Nach Eckart Severin können heutzutage gleichartig produktive Produktionsstätten in vielen Ländern errichtet werden. Hieraus ergibt sich eine Vereinheitlichung der Anforderungen der Unternehmen an die Qualifikationen ihrer Beschäftigten. Die Tätigkeiten in Unternehmen unterscheiden sich nicht mehr nach dem am jeweiligen Standort vorgefundenen Reservoir an beruflichen Qualifikationen. Die Nachfrage nach beruflichen Qualifikationen egalisiert sich in den verschiedenen europäischen Ländern auf hohem Niveau. Es kommt zur Nachfrage nach beruflicher Bildung, die sich aus Sicht der Unternehmen nicht mehr von Land zu Land unterscheidet. Nationale Unterschiede der Bildungsinhalte gelten nicht als Ausweis von kultureller Vielfalt, sondern als Beschränkung der Vergleichbarkeit der Arbeitskosten und der Transparenz der Arbeitsmärkte (Severing, 2005, S. 7-9). Für Unternehmen sind Nachweise über die berufliche Handlungskompetenzen der Arbeitnehmer von entscheidender Bedeutung. Die tradierten Abschlüsse nationaler Systeme sind auf Grund der Vielfalt und Intransparenz oft unzureichend und bedürfen einer Übersetzung beziehungsweise eines Maßstabs, an dem sie gemessen werden können und der die berufliche Handlungsfähigkeit widerspiegelt (Severing, 2008, S.14).
Weiterhin ist zu beobachten, dass Europa durch eine rasante technische und wirtschaftliche Entwicklung sowie eine zunehmende Überalterung geprägt ist. Lebenslanges Lernen ist zu einer unumgehbaren Notwendigkeit geworden. Für die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Raumes gegenüber den anderen Bildungsräumen und für den sozialen Zusammenhalt ist es notwendig, dass die Bürgerinnen und Bürger ihre Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen voll einbringen können und diese stets auf dem neuesten Stand halten (Kommission der europäischen Gemeinschaften, 2005, S. 10).
In Europa fallen in vielen Bereichen immer mehr die Mobilitätsbarrieren. Damit kommt auch der internationalen Mobilität von Lernenden eine immer entscheidendere Rolle zu. Die Europäische Union räumt jedem Bürger das Recht auf Freizügigkeit ein. Das bedeutet u.a., dass jeder Bürger das Recht hat, sich innerhalb der Europäischen Union frei zu bewegen und den Beruf seiner Wahl auszuüben. Eine wichtige Voraussetzung für diese Mobilität sind Fremdsprachenkenntnisse. Aber noch wichtiger ist für die berufliche Mobilität, dass Bildungsabschlüsse transparent sind. Wer in anderen Ländern eine Berufstätigkeit übernehmen möchte, stößt derzeit noch auf Schwierigkeiten. Ausländischen Arbeitnehmern fällt es schwer, den inländischen Arbeitgebern ihre Qualifikationen nachvollziehbar nachzuweisen. Eine einfache Lesbarkeit der Bildungsabschlüsse ist bei vielen Qualifikationen noch nicht erreicht (Zedler, 2006, S. 17-18). Eine weitere Herausforderung stellt die effektive Gestal-
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tung der Lernwege dar. Hierzu ist es notwendig, Systeme zu schaffen, die es jeder Person ermöglichen, insbesondere im Rahmen von Mobilitätsaufenthalten den eigenen Lernweg auf Grundlage der bereits erworbenen Lernergebnisse bestmöglich fortzuführen, auch wenn sie von einem Lernkontext in einen anderen wechselt (Kommission der europäischen Gemeinschaften, 2006a, S. 3). Jedoch wird dieses Erfordernis durch die fehlende Kommunikation der Bildungsanbieter erschwert. Dies führt zu Barrieren, die den Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu Aus- und Weiterbildung versperren oder verhindern, dass Qualifikationen verschiedener Bildungsanbieter miteinander kombiniert werden können. Auf diese Weise wird es vielen Arbeitnehmern erschwert, sich auf dem europäischen Arbeitsmarkt frei zu bewegen (Kommission der europäischen Gemeinschaften, 2006, S. 2).
Wie gezeigt wurde, stehen mangelnde Mobilitätsmöglichkeiten und die Intransparenz der Systeme der wirtschaftlichen und sozialen Einheit Europas entgegen. Im Folgenden sollen die Zielsetzungen der europäischen Bildungspolitik dargestellt werden, die diese Hindernisse bekämpfen sollen.
2.2 Zielsetzungen der europäischen Bildungspolitik
In der Schaffung eine europäischen Arbeitsmarktes sieht die Europäische Kommission einen wichtigen Ansatz, den im vorangegangenen Kapitel beschriebenen Hindernissen entgegen zu wirken. Ein europäischer Arbeitsmarkt soll das bestehenden Erwerbspotential besser nutzen, die bestehenden Barrieren beseitigen und somit effektiver werden. Dabei soll die Sicherstellung wirksamer Förderungen, die Nutzung der europäischen Arbeitskräfte und insbesondere die Abstimmung von Qualifikationsnachfrage und -angebot sowie die Anhebung des Qualifikationsniveaus der gesamten Erwerbsbevölkerung, durch den Prozess des lebenslangen Lernens verbessert werden (Sellin, 2001, S. 53-54). Lebenslanges Lernen bedeutet, dass zur Bildung einer Person mehr gehört als das, was an Schulen, Hochschulen und sonstigen formalen Bildungseinrichtungen vermittelt und zertifiziert wird. Es zählt vielmehr die gesamte Bandbreite der Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen, die ein Individuum in Laufe seine Lebens erworben hat. Für die Europäische Kommission gehört die Anerkennung aller Formen des Lernens zu den Prioritäten der EU-Maßnahmen für die allgemeine und berufliche Bildung. Der Mensch lernt in verschiedenen räumlichen und sachlichen Kontexten. Aus diesem Ansatz ergibt sich, dass es notwendig wird, auch diese Lernprozesse zu ermitteln, zu validieren und zu übertragen (Europäische Kommission, 2008a, S. 1).
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Auf europäischer Ebene wird als formales Lernen das Lernen bezeichnet, das üblicherweise in Einrichtungen der allgemeinen und beruflichen Bildung stattfindet. Es ist zielgerichtet und führt zur Zertifizierung. Nicht formales Lernen ist Lernen, das nicht an Einrichtungen der allgemeinen oder beruflichen Bildung stattfindet und bisher kaum zu einer Zertifizierung führte. Es ist aus Sicht des Lernenden jedoch intentional und weißt strukturelle Lernziele und Lernzeiten auf. Informelles Lernen hingegen findet im Alltag, am Arbeitsplatz, im Familienkreis oder an vielen weiteren Orten statt. Normalerweise führt es nicht zur Zertifizierung und findet aus der Sicht des Lernenden meist unbewusst statt (Europäische Kommission, 2008a, S. 1). Die Anerkennung aller Formen des Lernens gilt als weiteres wichtiges Erfordernis, um die Effektivität des europäischen Arbeitsmarktes zu fördern. Hierzu müssen neue Strategien entwickelt werden, die diese Formen des Lernens adäquat validieren können.
Wie schon erwähnt wurde, steigt der Mobilitätswille der Bevölkerung. Für Studierende, Auszubildende oder Lernende, die an einem anderen Ort tätig sein wollen, aber auch für Arbeitgeber bedeutet dies, dass bereits erworbene Qualifikationen und Erfahrungen am neuen Arbeitsort richtig eingeschätzt werden müssen. Zu diesem Zweck wird die Anerkennung und Transparenz erworbener Kompetenzen und Qualifikationen angestrebt (Dunkel & Le Mouillour, 2008, S. 219). Unter Transparenz von Qualifikationen ist dabei das Maß zu verstehen, mit dem Qualifikationen am Arbeitsmarkt und in der Aus- und Weiterbildung verglichen werden können. Transparenz ist dabei eine Voraussetzung für die Anerkennung und Akkumulierung von Lernergebnissen und dient zur besseren Beurteilung der im Arbeitsmarkt vorhandenen Qualifikationen (Kommission der europäischen Gemeinschaften, 2006b, S. 3). Während der Hochschulbereich eine relativ einheitliche Struktur aufweist und damit ein Vergleich zwischen den Systemen recht gut möglich ist, besteht in der Berufsbildung in Europa eine große Vielfalt von Systemen. Sie reichen von „Training on the job" über die „duale Ausbildung" bis hin zur alleinigen Ausbildung in beruflichen Schulen. Auf Grund dieser unterschiedlichen Ausbildungssysteme weichen auch die Qualifikationen innerhalb der Union erheblich voneinander ab. Angesichts dieser Vielfalt gibt es seit langer Zeit Schwierigkeiten beim Vergleich und der Anerkennung zwischen den verschiedenen Ländern (Zedler, 2006, S. 18). Durch neue Instrumente soll eine Vergleichbarkeit und Transparenz der beruflichen Abschlüsse erreicht werden, die nicht nur die physische Mobilität der Arbeitnehmer erhöhen, sondern auch den Unternehmen einen europäischen Vergleich von Qualifikationen und Lohnniveaus erleichtern und damit einen europäischen Arbeitsmarkt schaffen soll (Severing, 2005, S. 9).
Arbeit zitieren:
Johannes Tiegel, 2009, ECVET und EQF als Instrumente zur Förderung beruflicher Mobilität und Durchlässigkeit zwischen Berufsbildungssystemen in den Ländern der OECD, München, GRIN Verlag GmbH
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