1. Einleitung
Die deutsche Zeichensetzung findet eher selten Zugang in die öffentliche Diskussion über den Sprachgebrauch. Umso erstaunlicher ist es, wie viele Beiträge man in Zeitschriften, Zeitungen und im Internet über den Apostroph findet. Und die Darstellungsweisen dieses Zeichens variieren ebenso, wie die Meinungen darüber. Begriffe wie Deppen-Apostroph oder Apostrophitis weisen schon darauf hin, dass dieses Zeichen aufgrund mangelnder Kenntnis häufig eine falsche Verwendung findet. Zwar wird am Apostroph häufig die Entwicklung der deutschen Sprache aufgezeigt, dies wird jedoch nicht immer positiv gewertet, denn die öffentliche Diskussion über den Verfall der deutschen Sprache schließt auch den Apostroph als Begründung mit ein.
Die vorliegende Arbeit befasst sich daher mit einzelnen Aspekten dieses Zeichens. Zum einen wird auf die Geschichte eingegangen, um die Zeichenentwicklung und -begründung zu erläutern. Aber auch die Form des Apostrophs wird beschrieben, um die typographisch korrekte Darstellungsweise aufzuzeigen. Hauptgegenstand dieser Arbeit ist die Funktionsbeschreibung dieses Zeichens. Es wird geklärt, wann und weshalb ein Apostroph gesetzt werden muss bzw. kann, und wann solch eine Schreibung nicht korrekt ist. Davon abgeleitet versuche ich eine Erklärung zu finden, weshalb der Apostroph sowohl in linguistischer als auch in nicht-linguistischer Diskussion zum Teil negativ bewertet wird.
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2. Der Apostroph: Allgemeine Aspekte
2.1 Wortherkunft
Das maskuline Substantiv
2.2 Entstehung
„Der Apostrophus (ʹ) oder das Auslassungs=Zeichen eines Buchstabens ist eines von den unnöthigsten…“ 2
Eine komplette Übersicht über die historische Entwicklung des Apostrophs ist im Rahmen einer Hausarbeit nur schwer zu realisieren, daher wird hier nur ein kurzer Überblick über die wichtigen, überlieferten Veränderungen gegeben.
Die Form und die Funktionen, die dem Apostroph heute zugewiesen werden, sind erst im Laufe der Zeit entstanden. Typographisch wurde das Zeichen als das heutige Minutenzeichen dargestellt <´>. Noch in der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde der Apostroph als Elisionszeichen verwendet, die einhelligen Überlieferungen der damaligen Grammatikforschung determinieren diese Auslassungsfunktion jedoch auf die Poetik. So beschränkt 1647 der deutsche Dichter Georg Philipp Harsdörffer in seinem Werk „Poetischer Trichter“ den Apostroph auf den Zusammenhang mit der Metrik und schließt das Zeichen aus der Interpunktion aus, da es lediglich die Aufgabe erfüllt, überflüssige Vokale zu ersetzen, die das Versmaß stören. 3 Erst 1782 erwähnt Johann Christoph Adelung in seinem Werk „Umständliches Lehrgebäude der deutschen Sprache“ einen weiteren, möglichen Gebrauch des
1 Vgl. Kluge, Etymologisches Wörterbuch, S. 54.
2 Vgl. Höchli, Geschichte der Interpunktion, S. 175.
3 Vgl. ebd., S. 123.
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Apostrophs, der die Eindeutigkeit der geschriebenen Sprache sichern soll. So beschreibt er in seinem Werk die Verwendung eines Genitiv-s in Verbindung mit einem Apostroph, um die Kennzeichnung der richtigen Grundform des Wortes zu ermöglichen und gleichzeitig die korrekte Aussprache festzulegen.
Der Entstehungskontext des Apostrophs ist in der deutschen Sprache also eindeutig durch die Belange der dichterischen Sprache geprägt. Der Apostroph diente als Zeichen, um Wortformen zu generieren bzw. zu verschriftlichen, die in das jeweilige metrische Maß eines Gedichts passten. 4
Erst im 19. Jahrhundert folgte dieser phonographischen Erweiterung die Zuweisung einer grammatischen Funktion des Apostrophs.
2.3 Form
Die korrekte Schreibweise des Apostrophs ist <ʼ>, der Form nach ist es einem Komma ähnlich, unterscheidet sich lediglich in Bezug auf die Positionierung. Nicht korrekt, jedoch häufig gebraucht, sind Zeichen wie das Minutenzeichen <ʹ>, einfache Anführungszeichen <‚ʻ> oder die Akzentzeichen Akut <´> und Gravis <`>. Es gibt einige analoge Begriffe zum Apostroph, wie Oberstrich oder Hochkomma. Beide verweisen auf die Positionierung des Zeichens, da es sich nicht auf der Grundlinie wie beispielsweise der Punkt befindet, sondern auf der Oberlinie angesiedelt ist, wie die Akzentzeichen. 5
Der Apostroph gehört zu denjenigen Zeichen, die wohl am häufigsten typographisch falsch dargestellt werden. Einer der Gründe ist wohl in der Ähnlichkeit von Form und Position zu anderen Zeichen zu sehen. Ein weiterer Grund ist in der Verlagerung vom einfachen, handschriftlichen Schreiben, zum Tippen auf der Tastatur eines Computers zu finden. Denn der korrekte Apostroph hat auf der deutschen Tastatur keine direkte Entsprechung, wie beispielsweise ein Frage- oder Ausrufezeichen. Er kann lediglich durch eine bestimmte Tastenkombination oder durch die Schaltfläche der Sonderzeichen in den Text eingefügt werden. Demzufolge werden häufig andere Zeichen benutzt, um den Apostroph darzustellen.
4 Vgl. Klein, Apostroph in der deutschen Gegenwartssprache, S. 184.
5 Eine erklärende Abbildung findet man z.B. bei Bredel, Interpunktion des Deutschen, S. 27 (Anm. d. Verf.).
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Arbeit zitieren:
Olga Glinski, 2009, Der Apostroph - ein multifunktionales Zeichen, München, GRIN Verlag GmbH
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