1 Einleitung
In der Ihnen vorliegenden Hausarbeit, behandele ich das Thema der Settlement- Bewegung. Dieses Thema finde ich nicht nur interessant, sondern auch für die heutige Sozialarbeit noch durchaus relevant.
Es kann gesagt werden, dass zwei wegweisende Modelle für die Settlement- Bewegung stehen. Das ist zum einen Toynbee Hall in England, gegründet von dem Gemeindepfarrer Samuel Barnett und seiner Ehefrau Henrietta. Als nächstes nenne ich das Hull House in Chicago, welches von Jane Addams ins Leben gerufen wurde.
In meiner Hausarbeit betrachte ich das Hull House von Jane Addams genauer. Natürlich kann Toynbee Hall nicht außer Betracht gelassen werden, da dieses Settlement der Vorreiter war. Das Hull House ist also eine veränderte Form von Toynbee Hall. Jedoch sehe ich das Hull House als größeren Wegbereiter der Gemeinwesenarbeit, da es im Gegensatz zu Toynbee Hall den Schwerpunkt der Vorgehensweise in der Veränderung der strukturellen Rahmenbedingungen von Lebensbedingungen armer Menschen legt. Meine genaue Themenbezeichnung lautet: „Von der Settlement- Bewegung zur heutigen Gemeinwesenarbeit“. Ich finde, dass schon dieser Titel die Relevanz des Themas deutlich macht. Die Settlement- Bewegung steht im direkten Zusammenhang zu der heutigen Gemeinwesenarbeit. Dies deutet darauf hin, dass die Settlement- Bewegung, welche vor über 100 Jahren begründet wurde, den Grundstein der Gemeinwesenarbeit darstellt. Das Thema hat mein Interesse geweckt, da ich es sehr spannend fand, wie in der damaligen Zeit und zu den damalig herrschenden Bedingungen, solche „Institutionen“ ins Leben gerufen wurden und was die Begründer damit erreichen wollten. Das war der Grund für mich näher auf das genannte Thema einzugehen.
Warum ich mich letztendlich für die Arbeit von Jane Addams entschieden habe, kann ich folgendermaßen begründen: Ich finde, dass Jane Addams mit ihrem außergewöhnlichen Engagement die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Sie zog auch die Politik in ihre Arbeit mit ein und konnte somit viel bewegen. Dies faszinierte mich sehr an ihr. In der damaligen Zeit, war es weitaus nicht so einfach sich als Frau durchzusetzen, dennoch schaffte es Jane Addams das damalige Denken dahingehend zu verändern, dass Menschen ein Verantwortungsbewusstsein für ihre Mitmenschen entwickelten.
Zum Aufbau meiner Arbeit möchte ich sagen, dass ich versucht habe möglichst chronologisch vorzugehen. Ich denke, dass diese Methode durchaus einen Sinn macht, da es hier um geschichtliche Betrachtungen geht. Am Anfang der Arbeit beschreibe ich die
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Settlement- Bewegung im Allgemeinen, um anschließend auf Jane Addams zu kommen und zum Schluss einen Überblick über die heutige Gemeinwesenarbeit zu geben. Ganz bewusst gebe ich darüber nur einen Überblick, denn das Thema Gemeinwesenarbeit könnte eine eigene Hausarbeit füllen.
2 Die Settlement- Bewegung
Settlement kommt aus dem Englischen von „to settle“, was übersetzt bedeutet, sich niederlassen oder sich ansiedeln.
Im Folgenden stelle ich Ihnen zwei Definitionen des Begriffs Settlement vor, die ich sehr passend finde:
• „Ein Settlement ist eine Niederlassung Gebildeter in einer armen Nachbarschaft, die den doppelten Zweck verfolgen, die dortigen Lebensverhältnisse aus eigener Anschauung kennen zu lernen und zu helfen, wo Hilfe Not tut.“ (Picht 1913 in Scherer 2004)
• „Settler sind diejenigen, welche ein Settlement bewohnen, die nötige Forschungsarbeit leisten, Unterricht erteilen, sowie sozialpolitisch für die umwohnende Bevölkerung eintreten. In der Mehrzahl handelt es sich dabei um Studenten. Settler sind an anderer Stelle auch als Residents beschrieben.“ (Brockhaus- Enzyklopädie, Band 4, 1999) Im 19. Jahrhundert begannen die industrielle Revolution und der Frühkapitalismus ihre ersten Auswirkungen zu zeigen. Durch Flüchtlinge bildeten sich Slums in den Städten. Männer, Frauen und Kinder arbeiteten unter menschenverachtenden Arbeitsbedingungen für einen Hungerlohn. Nicht nur das sie unter unerträglichen Bedingungen arbeiteten, sie lebten auch unter diesen Bedingungen. Gezwungen durch die Armut.
Als erste Settlement- Niederlassung in dieser Zeit kann man Toynbee Hall nennen. Das Pfarrerehepaar Barnett gründete Toynbee Hall 1884 in London. Ihre Idee war es, Studenten ein zu berufen, um in dem berüchtigten Whitechapel- Viertels unter den Armen und der Arbeiterklasse zu wohnen. Diese Idee war damals sehr radikal, da die verschiedenen sozialen Klassen streng getrennt unter ihres gleichen lebten. Sie versuchten die bestehenden Klassenunterschiede zu überbrücken und zur „sozialen und geistigen Emanzipation“ der Bewohner beizutragen. (Oelschlägel in Sozial Extra11/91, in Götze, 2005)
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In früheren Zeiten war die Almosengabe eine wichtige Form der sozialen Arbeit. Die Settlement- Bewegung machte jedoch klar, dass dies keine Lösung für das Massenelend sei, welches durch die Industrialisierung entstand. Wichtiger und auch erfolgsversprechender waren die beiden folgenden Punkte:
- Durch Nachbarschafthilfe und Bildungsangebote das Selbsthilfepotenzial der Betroffenen aktivieren.
- Die Regierung auffordern, Sozialgesetze zu erlassen.
Seit der Gründung von Toynbee Hall gab es viele Neugründungen von Arbeiterwohnheimen mit Nachbarschaftshilfe. Unter anderem auch das Hull House in Chicago, auf welches ich nun näher eingehen werde. (vgl. Müller, 2006)
3 Jane Addams- Hull House
3.1 Biographie von Jane Addams
Jane Addams ist am 6.9.1860 in Cedarville, Illinois geboren. Ihre Mutter starb als sie 3 Jahre alt war, sodass sie bei ihrer Stiefmutter und ihrem Vater John Addams aufwuchs. Ihr Vater war ein anerkannter Mühlenbesitzer, Grundeigentümer, Bankier und Senator in Illinois
Er schickte Jane auf eine kirchliche Frauenfachschule, welche während ihres Aufenthaltes als College anerkannt wurde und akademische Grade verleihen konnte. 1881 starb John Addams und hinterließ seiner Tochter 50.000$, von dessen Zinsen Jane einigermaßen wohlhabend leben konnte. Aus diesem Grund, stellte sie sich die Frage nach ihrem Beruf nicht aus finanziellen Gründen, sondern eher wegen der Bedeutung führ ihr Leben. Dennoch waren die Möglichkeiten der akademischen Berufe für Frauen sehr begrenzt. Zur Wahl standen lediglich der Beruf der Lehrerin, der Missionarin oder der Ärztin. Zu der damaligen Zeit mussten sich die Frauen noch zwischen Ehe und Karriere entscheiden. Jane entschied sich früh gegen die Ehe. Dies hatte verschieden Gründe. Zum Einen war sie an keinerlei Liebesbeziehung zu einem Mann interessiert und zum anderen wollte sie ihre Chance ergreifen. Sie war einer der ersten Frauen in Amerika, die studieren durfte und entschied sich aus diesem Grund gegen die Ehe.
Im selben Jahr verließ Jane dann ihr College, um ein Medizin Studium zu beginnen. Dies musste sie jedoch nach kurzer Zeit wieder abbrechen, da es ihr aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich war dies zu Ende zu bringen.
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Sie beschloss eine Europareise zu unternehmen, auf der sie ihre Stiefmutter begleitete. Innerhalb von 27 Monaten reisten die Beiden durch Schottland, England, Irland, Holland, Österreich, Italien, Schweiz, Frankreich und verbrachten auch eine längere Zeit in Deutschland. Jane interessierte sich sehr für Architektur und Kunst, besuchte gerne Konzerte und Opern. Zudem lernte sie Deutsch, Italienisch und Französisch. Ihre zweite Europareise (1887-1889) machte sie mit vier Freundinnen, die sie aus ihrer Studienzeit kannte. Die fünf Frauen traten diese Reise an, um Reproduktionen europäischer Malerei zu sammeln. Jane allerdings, machte sich mit dieser Reise auch auf die Suche nach einem passenden Beruf. Während dieser Reise trennte sich Jane von ihren Freundinnen in Madrid, um einen Abstecher nach London machen zu können. Dort lernte sie das Ehepaar Barnett und Toynbee Hall kennen. Schon vorher hatte sie in verschiedenen Zeitschriften Artikel über Toynbee Hall und dessen Gründer gelesen. Sie war sehr interessiert daran, wie die Engländer mit Armut und Elend umgingen. (vgl. Müller, 1991 und Eberhardt, 1995)
3.2 Gründung von Hull House
Jane verfolgte einen Kindertraum: „In einer großen Stadt mit vielen kleinen Häusern ein großes Haus zu haben, das den armen Nachbarn offen steht.“ (Müller, 2006, S.37) Durch die Erfahrungen, die sie in Toynbee Hall sammeln konnte und ihrem Kindertraum beschloss Jane sich in Chicago niederzulassen. Dies besprach sie mit ihrer Studienfreundin Ellen Star.
Finanzielle Sorgen hatte Jane Addams nicht, denn durch ihr Erbe von ihrem Vater, war sie finanziell abgesichert. Die beiden Frauen waren jedoch leider nicht gut vorbereitet. Sie kannten weder die Alltagsprobleme der Arbeiter, noch waren sie mit den kommunalpolitischen Problemen großer Industriestädte vertraut. Weiter hatten sie keine Erfahrung von dem System und der Struktur der Armenhilfe. Auch, hatten sie keine große Organisation hinter sich, welche ihnen hätte Starthilfe geben können. Sie hatten dennoch das Glück, dass sie zur richtigen Zeit kamen, die richtigen Leute trafen und die richtigen organisatorischen Schritte unternahmen. Ellen Star kannte viele berühmte und einflussreiche Bürger durch ihre Tätigkeit als Kunstlehrerin an einer renommierten Privatschule in Chicago. Ihr Vorhaben verbreitete sich schnell und die Frauen scheuten keine Mühe. Sie besuchten Pfarrer, Wohltätigkeitsvereine, Immigrantenviertel, Krankenhäuser und Schulen. Jane und Ellen nahmen Einladungen zu Empfängen, Abend- und Teegeesellschaften
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Arbeit zitieren:
Jessica Diedrich, 2009, Von der Settlement-Bewegung zur heutigen Gemeinwesenarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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