Lehrsatz 49
Dieser Lehrsatz stellt die aposteriori durch die Erfahrung hergeleitete Erkenntnis, daß ein Geschöpf nach außen hin wirke nach dem Grade seiner Vollkommenheit und die apriori durch die Vernunft begründete Erkenntis, daß jede Monade tätige Wirksamkeit insoweit innehabe, wie sie deutlich perzipiert und Leiden, wie ihre Perzeptionen verworren sind, einander gegenüber. Die in diesem Sinne selbst auf einfache Perzeption rückgreifende Erkenntnis um das Zusammenwirken der natürlich gegebenen Körper und die auf Apperzeption sich gründende Form der Erkenntnis um das Zusammenwirken der Monaden werden hier gleichsam als zwei voneinander abgesetzte Erkenntnisebenen beispielhaft einander gegenübergestellt. Lehrsatz 50
In diesem Lehrsatz werden empirische und vernünftige Wahrheit als sich gegenseitig bestätigende aufeinander bezogen betrachtet, indem das Geschöpf hinsichtlich seiner Vollkommenheit nicht nur als in seiner einwirkenden Dominanz anderen Geschöpfen gegenüber als empirisch einholbar, sondern auch durch die vernunftgeleitete Vorstellungstätigkeit als begründbar vorausgesetzt wird. Lehrsatz 51
Die empirisch geschlossene Erkenntnis um die Einwirkung des einen Geschöpfs auf das andere als der Indikator seiner Vollkommenheit, wirft in der Übertragung auf den Sachverhalt der theoretisch begründeten Monaden die Frage um deren Wirkungsweise insofern auf, als deren Tätigkeit die Perzeption bzw. die Apperzeption ist und somit eine abstrakte, geistige Tätigkeit darstellt, somit die Einwirkung der einen Monade auf die andere nur ideeller Natur sein kann.
Zudem ist dieser Einfluss reglementiert durch die Zwischenkunft Gottes, der die Monaden einander zuordnet und zu jener Ordnung fügt, auf die sie selbst mit Blick auf ihre je gegebene Vollkommenheit begründeten und somit berechtigten Anspruch erheben Lehrsatz 52
Die Rücksichtnahme Gottes jeder Monade gegenüber innerhalb deren Zuordnung untereinander lässt ein Netz von Abhängigkeiten derselbigen entstehen, innerhalb welchem jede Monade ihre begründete Bestimmung als wirkende und leidende gleichermaßen erhält; denn je nach dem Standpunkt der Betrachtung aus, liefert jede Monade die Begründung einer anderen gegenüber mehr Wirklichkeit innezuhaben, indem sie eben auf die andere wirkt oder weniger Wirklichkeit innezuhaben, indem sie der Wirkung der anderen Monade ausgesetzt erscheint und sich somit in einem leidenden Zustand befindet. Lehrsatz 53
Wenn die Ideen Gottes unendlich viele Welten enthalten sollen, so bedeutet dies m.E. soviel, dass Gottes Ideen unendlich viele Welten potentiell ermöglichen und als solche mögliche Welten in den Ideen, nach Verwirklichung streben, dies insofern als eine Idee Gottes allgemein als etwas genommen werden muss, das seinem Wesen nach Verwirklichung anstrebt.
Die zureichende Begründung des Vorzugs der einen Welt gegenüber der anderen stellt sich in diesem Sinne als das Fundament, auf welchem die Wirklichkeit zu ruhen vermag, dar und d.h. die wirklich existierende Welt.
Lehrsatz 54
Die zureichende Begründung der Wahl Gottes für die eine existierende Welt besteht in ihrer Vollkommenheit, die jene, der anderen möglichen Welten jeweils zukommende, übertrifft. Den unendlich vielen möglichen Welten haftet in diesem Sinne notwendig gegenüber der wirklich existierenden das Attribut des Mangelhaften an, da es nur eine Welt sein kann, die als die vollkommenste unter allen möglichen Welten begründet die Wahl Gottes treffen kann. Dies deutet m.E. auf eine zirkulare Argumentation insofern hin, als die Vollkommenheit der existierenden Welt als das Resultat einer Wahl Gottes unter unendlich vielen möglichen Welten begründet werden soll, gleichzeitig aber die Wahl Gottes für diese eine Welt in der Vollkommenheit dieser Welt begründet sein soll. Lehrsatz 55
Das Recht auf Existenz aller möglichen Welten nach dem Grade ihrer jeweiligen Vollkommenheit, lässt Gott als einen höchsten Richter in das Blickfeld treten, der seine eigenen Vorstellungen, die seine Ideen enthalten, einem Urteil unterwirft. Dies impliziert einen Prozess einer Behauptung einer Vorstellung und einer sich anschließenden Prüfung dieser Behauptung, die m.E. ihrerseits sowohl als eine ästhetische als auch als eine teleologische Urteilskraft zur Voraussetzung macht, so dass die Kantische Bestimmung dessen, was die Urteilskraft umfasst, als in Gott wirksam vorgestellt werden muss. Dieser Prozess garantiert sodann die Wahl des Besten, so dass Gott in der existierenden Welt seine eigene Weisheit zu erkennen, „... seine Güte ihn wählen und seine Macht hervorbringen ...“ vermag. In diesem Sinne erscheint es so, als hätte Gott die Welt nach Maßgabe seiner eigenen Vollkommenheit geschaffen, um in ihr nach Maßgabe seiner Weisheit, Güte und Macht walten zu können, d.h. in ihr überhaupt wirken zu können.
Arbeit zitieren:
Magister Artium (M.A.) Arnold Wohler, 1997, Die Lehrsätze 49-90 der Leibnizschen "Monadologie", München, GRIN Verlag GmbH
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