Inhaltsverzeichnis:
1. Didaktische Vorüberlegungen 3
1.1 Die Stellung der Stunde im Lehrplan 3
1.2 Die Stellung der Stunde im Unterrichtszusammenhang 3
1.3 Sachanalyse 4
2. Planung der Stunde 6
2.1 Ziele der Unterrichtsstunde 6
2.2 Didaktische Anmerkungen 7
2.3 Begründung der Arbeits- und Sozialformen 8
2.4 Begründung des Medieneinsatzes 9
2.5 Geplanter Verlauf der Stunde 10
2.6 Geplantes Tafelbild 11
3. Literaturangaben und Internetquellen 12
4. Anlagen 13
2
1. Didaktische Vorüberlegungen
1.1 Die Stellung der Stunde im Lehrplan
Der Lehrplan der 11. Jahrgangsstufe fordert eine Beschäftigung mit der Literatur des 20. Jahrhunderts. Neben den Prosaformen Roman und Erzählung stehen parabolische Formen bzw. die Formen der Gleichnisrede im Mittelpunkt des Unterrichtsgeschehens. Dabei ist darauf zu achten, unterschiedliche parabolische Formen mit einzubeziehen. Der Lehrplan sieht dabei insbesondere das biblische Gleichnis, die didaktische sowie die verrätselte Parabel vor. 1
Viele Schriftsteller der Moderne zeigen in ihrem Werk eine Vorliebe für die Parabel. Neben dem wohl bekanntesten Verfasser verrätselter Parabeln ± Franz Kafka ± ist Bertolt Brecht ein EHGHXWHQGHU $XWRU GLGDNWLVFKHU 3DUDEHOQ 6HLQH Ä*HVFKLFKWHQ YRP +HUUQ .HXQHU³ ZHLVHQ auch heute noch eine hohe gesellschaftliche Bedeutung auf und stellen aufgrund ihres gehobenen Anspruchs und Gehalts einen sinnvollen Unterrichtsgegenstand für den Deutschunterricht der Oberstufe dar. Der in der vorliegenden Unterrichtseinheit behandelten 3DUDEHOÄ0DQDKPHQJHJHQGLH*HZDOW³NRPPWKLHUEHLHLQHEHVRQGHUH%HGHXWXQJ]XGDHV sich bei ihr um eine anspruchsvolle und in der Literaturwissenschaft viel diskutierte Parabel handelt, die bereits viele Wissenschaftler zu kontroversen Interpretationen herausgefordert hat.
1.2 Die Stellung der Stunde im Unterrichtszusammenhang
'LH /HKUSUREHQVWXQGH PLW GHP 7KHPD Ä0DQDKPHQ JHJHQ GLH *HZDOW³ VWHOOW HLQH8QWHUULFKWVHLQKHLW LQGHU8QWHUULFKWVVHTXHQ]Ä3DUDEROLVFKH7H[WHGHV-DKUKXQGHUWV³ GDU 0LW GHU 7KHPDWLN GHU 3DUDEHO ZXUGHQ GLH 6FKOHU DQKDQG GHV ELEOLVFKHQ 7H[WHV Ä'DV *OHLFKQLVYRP6lPDQQ³YHUWUDXWJHPDFKW'LHVHUGLHQWHGD]XZHVHQWOLFKH0HUNPDOHGLHVHU Textsorte, insbesondere die Strukturierung in Bild- und Sachebene, herauszuarbeiten. 0LWGHP7H[WÄ+HLPNHKU³EHJHJQHWHQGLH6FKOHUHUVWPDOVHLQHU3DUDEHO)UDQ].DINDV'LHVH wurde auf ihre Struktur hin untersucht und auch unter Einbeziehung von Kafkas Biographie interpretiert. In den beiden Folgestunden untersuchten die Schüler weitere Parabeln. Der Kafka-7H[WÄ$XIGHU*DOHULH³ZXUGHPLWGHP7H[WÄ2YDWLRQ³YRQ5REHUW:DOVHUYHUJOLFKHQ $QKDQGGHU7H[WHÄ'DV:LHGHUVHKHQ³XQGÄ:HQQGLH+DLILVFKH0HQVFKHQZlUHQ³OHUQWHQGLH Schüler zwei Beispiele von Bertolt Brecht aus der Reihe GHU Ä*HVFKLFKWHQ YRP +HUUQ .HXQHU³ NHQQHQ 'LH /HKUSUREH EHKDQGHOW GLH %UHFKW-3DUDEHO Ä0DQDKPHQ JHJHQ GLH
1 Vgl. www.isb.bayern.de (G9-Lehrplan für das Fach Deutsch, 11. Jahrgangsstufe) (27.4.2008)
3
*HZDOW³ =XP $EVFKOXVV GHU DXIVLHEHQ6WXQGHQDQJHOHJWHQ8QWHUULFKWVVHTXHQ]ZLUGLQ GHU HUVWHQ 6WXQGH QDFK GHQ 3ILQJVWIHULHQ GHU )LOP Ä3DUDEHO³ DQDO\siert, ein Beispiel für eine verrätselte Parabel.
1.3 Sachanalyse
In der Zeit-Bibliothek der 100 Bücher wird die Wirkung von Brechts Keuner-Texten IROJHQGHUPDHQEHVFKULHEHQÄ0DQNDQQVLFKYRPIDVWVFKZHUHORVHQ:LW]GLHVHUPRUDOLVFKHQ Geschichten verzauEHUQODVVHQ³ 2 $QHLQHUDQGHUHQ6WHOOHKHLWHVÄ0DQNDQQVLFKEHULKUH Kälte, ihre Kokettheit, ihre dandyhafte Beziehung zur Pointe (nur das Ausgefallene ist gut JHQXJlUJHUQ³ 3
'LHOHW]WH$XVJDEHGHUÄ*HVFKLFKWHQYRP+HUUQ.HXQHU³EHVWHKWDXV7H[ten. Sie wurden von Brecht im Zeitraum zwischen Ende der 20er Jahre und seinem Todesjahr 1956 verfasst. 'DV:RUWÄYRP³LP7LWHOGHU7H[WVDPPOXQJOlVVWGLH)UDJHRIIHQREHVVLFKXP*HVFKLFKWHQ handelt, die Herr Keuner erzählt, oder um Geschichten, die von Herrn Keuner handeln. Die Abkürzung Herr K. wurde von Brecht erst nach dem Exil eingeführt, hat jedoch nachträglich bei der Überarbeitung früherer Geschichten auch in diese Einzug gehalten. Literaturwissenschaftler haben sich mit der Bedeutung des Namens Ä.HXQHU³ DXVHLQDQGHU gesetzt; einige Punkte deuten darauf hin, dass ein so genannter sprechender Name vorliegt. So KDQGHOW HV VLFK EHLVSLHOVZHLVH EHL ÄNRLQHU³ XP GLH VFKZlELVFKH )RUP GHV :RUWHV ÄNHLQHU³ $QGHUH:LVVHQVFKDIWOHUYHUPXWHQKLQWHUGHP%HJULIIÄ.HXQHU³GDVJULHFKLVFKH:RUWNRLQyV GDV VR YLHO EHGHXWHW ZLH ÄGDV $OOJHPHLQH DOOH %HWUHIIHQGH³ )U GLH OHW]WJHQDQQWH 7KHVH VSULFKWGLH7DWVDFKHGDVV.HXQHULQGHU8UIDVVXQJGHVÄ*DOLOHL³LQ*HVWDOWGHV3KLORVRSKHQ Ä.HXQRV³YRU]XILQGHQLVW 4 .
Von zahlreichen Literaturwissenschaftlern werden die Keunergeschichten der Gattung der didaktischen Parabel zugeordnet, da den meisten der Texte ein offensichtlicher didaktischer Gedanke innewohnt. Dabei ist allerdings zu beachten, dass es Brecht wohl nicht darauf ankam, fertige Lösungen zu philosophischen, ethischen oder sozial-politischen Themen anzubieten, sondern den Leser zum Denken anzuregen. Brecht selbst, der die Texte unter dem %HJULII Ä.DOHQGHUJHVFKLFKWHQ³ YHU|IIHQWOLFKWH GHILQLHUWH GLHVH DOV ÄNXU]H YRONVWümliche, PHLVWUHDOLWlWVEH]RJHQH(U]lKOXQJ>HQ@RIWXQWHUKDOWHQGXQGVWHWVGLGDNWLVFKRULHQWLHUW³ 5
2 Henrichs, S. 438
3 Ebd.
4 vgl. Müller (1980), S. 103
5 Schweikle (1990), S. 222
4
'HU $XIEDX GHV 7H[WHV Ä0DQDKPHQ JHJHQ GLH *HZDOW³ ZLUG KlXILJ DOV Ä3DUDEHO LQ GHU 3DUDEHO³ FKDUDNWHULVLHUW =XQlFKVW VROO LP )ROJHQGHQ GHU ,QKDOW LQ NQDSSer Form nachgezeichnet werden:
Herr Keuner, der Denkende, spricht sich vor seinen Schülern gegen die Gewalt aus, und als diese dann hinter ihm in personifizierter Form auftritt, weichen die Leute zurück. Auf die )UDJH GHU Ä*HZDOW³ QDFK GHP ,QKDOW VHLQHU 5ede antwortet er, er habe sich für die Gewalt DXVJHVSURFKHQ 6HLQH 6FKOHU IUDJHQ LKQ QDFK VHLQHP Ä5FNJUDW³ ZRUDXI .HXQHU VDJW HU KDEH ÄNHLQ 5FNJUDW ]XP =HUVFKODJHQ³ JHUDGH HU PVVH ÄOlQJHU OHEHQ DOV GLH *HZDOW³ Darauf erzählt er eine Geschichte, in GHU]X+HUUQ(JJHGHUJHOHUQWKDWÄQHLQ³]XVDJHQLQ GHU=HLWGHUÄ,OOHJDOLWlW³HLQ$JHQWNRPPWGHUVLFKGXUFKHLQHQ6FKHLQDXVZHLVWXQGYRQLKP unter anderem Verköstigung verlangt. Als der Agent sich nach dem Essen und Waschen niedergelegt hat, fragt er, mit dem Gesicht zur Wand liegend, Herrn Egge, ob dieser ihm dienen werde. Daraufhin versorgt Egge den Agenten mit Essen, bewacht seinen Schlaf und vertreibt die Fliegen. Dies tut er schweigend, sieben Jahre lang, bis der Agent, dick geworden vom vielen Essen, Schlafen und Befehlen, stirbt. Egge schleift den Toten aus dem Haus, DWPHWDXIXQGDQWZRUWHWQXQPLWGHP:RUWÄQHLQ³
Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Verhalten einzelner Personen gegenüber der (politischen) Gewalt. Sowohl die in der Keuner- als auch die in der Egge-Geschichte GDUJHOHJWHQÄ0DQDKPHQ³KDEHQGDV SULYDWHhEHUOHEHQDOV =LHOXQGVWHOOHQHLQH$EVDJHDQ den aktiven Widerstand in dieser Situation dar. Das individuelle Märtyrertum gilt in beiden Teilen also nicht als Maßnahme gegen die Gewalt. Keuners und Egges Verhalten weist einige Gemeinsamkeiten auf: Beide bringen angesichts der Gewalt nicht ihre innere Einstellung zum Ausdruck: Während Keuner sich der Lüge bedient, bevorzugt es Egge, zu schweigen und zu gehorchen, während er seine innere negative Einstellung zu der Gewalt beibehält und sie durch seinen vermeintlichen Dienst überlistet. So vermag Keuner durch die Egge-Geschichte sein Verhalten zu erklären: Bei der Konfrontation mit der Gewalt sind seiner Meinung nach die Mittel des inneren Widerstands und der Überlistung sinnvoller als aktiver Widerstand. Nichtsdestotrotz zeigt der Text keine echten Maßnahmen gegen Gewalt auf, was die Überschrift eigentlich vermuten ließe. Vielmehr handelt es sich im Text um eine Überlebensstrategie, welche durchaus in Frage gestellt werden kann: Egge erfüllt die Forderungen des Agenten und dient ihm sogar über diese hinaus 6 , ohne sich dabei verbal zu widersprechen. Laut Wöhrle ist die Haltung des Herrn Egge zu kritisieren, da bei ihm die gelernte FäKLJNHLW Ä1HLQ-6DJHQ³ LQ HLQHU NRQNUHWHQ 6LWXDWLRQ Ä:LOOVW GX PLU GLHQHQ"³
6 vgl. Wöhrle (1989), S. 51
5
Arbeit zitieren:
Wolfgang Kulzer, 2008, Unterrichtsstunde zu Bertolt Brecht: Maßnahmen gegen die Gewalt, München, GRIN Verlag GmbH
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