Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1 Einleitung 3
2 Grundlegende Begriffsklärungen 4
2.1 Definition Weblog 4
2.2 Definition Journalismus 5
3 Weblogs versus traditioneller Journalismus 5
3.1 Vergleich beider publizistischer Formen 6
3.1.1 Formale Merkmale der Beiträge und narrativer Stil 6
3.1.2 Themenwahl: Nachrichtenwert versus Informationsmüll 8
3.1.3 Journalistische Ansprüche versus Weblog-Ethik. 10
3.1.4 Qualitätsprüfung der Beiträge 13
3.1.5 Erlangen von Glaubwürdigkeit 14
3.1.6 Rolle der Gatekeeper 16
3.1.7 Vernetztheit 18
3.2 Weblogs als Chance oder Bedrohung für den Journalismus 20
3.2.1 Weblogs und klassische Massenmedien als Konkurrenten 20
3.2.2 Weblogs als Bereicherung für den Journalismus. 21
4 Fazit 23
5 Literaturverzeichnis 24
6 Anhang - Ergebnisse der Kurzumfrage 28
2
1 Einleitung
Grassroots Journalism, Individualjournalismus, Pseudojournalismus, Community Journalism, Gegenjournalismus - diese und viele ähnliche Bezeichnungen hört und liest man immer wieder, wenn es um die Tätigkeit von Webloggern geht. Doch was unterscheidet Bloggen vom klassischen Journalismus der Massenmedien? Ist es überhaupt gerechtfertigt, Autoren von Weblogs als (Präfix-)Journalisten zu bezeichnen? Werden Blogs die etablierten Printmedien in Zukunft vielleicht sogar verdrängen?
Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Dabei wird mit den Begriffsklärungen von Weblog und Journalismus zunächst eine theoretische Grundlage geschaffen. Im darauf folgenden Abschnitt werden beide Publikationsformen anhand ausgewählter Kriterien verglichen, zum Beispiel in Hinsicht auf formale Merkmale der Beiträge, Erreichen von Qualität und Glaubwürdigkeit sowie die Rolle des Gatekeepers. Da Weblogs die neuere und brisantere der beiden Formen darstellen, stehen sie im Hauptfokus der Diskussion. Im Anschluss wird betrachtet, inwiefern Blogs und klassischer Journalismus als Konkurrenz oder sich ergänzende Genres zu sehen sind. Ein kurzes Fazit schließt die Arbeit ab.
Um neben Journalisten und Wissenschaftlern auch Blogger selbst zu Wort kommen zu lassen, wurde im Vorfeld der Arbeit per E-Mail eine Kurzumfrage durchgeführt, an der sich vier der angeschriebenen Weblog-Autoren beteiligten. Zu den Befragten zählt Bernd Günter, der in seinem Kopfschüttel-Blog 1 über die unterhaltsamen Erlebnisse mit seiner „Liebsten“ berichtet. Der zweite Blogger ist Jörg Kantel, dessen Schockwellenreiter 2 einer der bekanntesten deutschsprachigen Blogs ist (vgl. http://neuberger.uni-muenster.de/weblogs/). Außerdem haben sich Achim Barczok, Inhaber des handschriftlich geführten Tintenblogs 3 , und Björn Harste, der als „Shopblogger“ 4 über Einkaufserlebnisse und -Skurilitäten berichtet, den Fragen gestellt. Die Antworten der Blogger werden an den gegebenen Stellen im Text zitiert und finden sich in vollständiger Form im Anhang der Arbeit wieder.
1 www.kopfschuettel.de
2 www.schockwellenreiter.de
3 www.tintenblog.de
4 www.shopblogger.de/blog
3
2 Grundlegende Begriffsklärungen
Bevor genauer auf die Beziehung zwischen traditionellem Journalismus und Weblogs eingegangen werden kann, ist zunächst eine definitorische Basis festzulegen. Zu diesem Zweck werden im Folgenden die Begriffe Weblog und Journalismus erklärt.
2.1 Definition Weblog
Der Begriff Weblog (kurz Blog) ist eine Kontamination (auch Kofferwort genannt), die sich aus dem englischen World Wide Web und Log für Logbuch zusammensetzt. Er bezeichnet eine XML-basierte, in regelmäßigen Abständen aktualisierte Website, deren Inhalte in umgekehrt chronologischer Reihenfolge dargestellt sind (vgl. Schmidt 2006, S. 13; Kantel 2006, S. 1). Die aktuellsten Beiträge stehen also ganz oben, während die älteren immer weiter nach unten rücken bis sie schließlich im Archiv landen (vgl. Kantel 2007, S. 7). Für die massenhafte Beteiligung an dieser seit ca. 1999 zu beobachtenden neuen Onlinekommunikationsform machen Bucher und Büffel vor allem zwei softwaretechnische Entwicklungen verantwortlich: Einerseits die Bereitstellung nutzerfreundlicher Software, die es Bloggern ermöglicht, ohne Programmiervorkenntnisse Inhalte ins Netz zu stellen, und zum anderen die Verbreitung von Weblog-Portalen wie Blogger.com 5 oder Blog.de 6 , auf denen jeder kostenlos sein eigenes Weblog einrichten kann (vgl. Bucher/Büffel 2006, S. 134). Bei den von Bloggern veröffentlichten Beiträgen herrscht eine große Themenvielfalt. „Womit diese Software gefüttert wird, ist beliebig. Ob es ein Tagebuch ist, eine Rezeptsammlung, ein Magazin oder eben ein klassisches Weblog mit vielen kommentierten Links, das alles ist der Software völlig egal“ (Kantel 2006, S. 1). Dem Blogbetreiber sind bei der Wahl der Inhalte also keine Grenzen gesetzt, wobei es sich bei den meisten Weblogs um private Internetseiten handelt, die stark vom subjektiven Meinungsbild des Bloggers geprägt sind (vgl. ebd.). Eine Besonderheit des Weblogs gegenüber anderen Internetauftritten ist die starke Verlinkung veröffentlichter Beiträge und verschiedener Weblogs untereinander. Durch diese zahlreichen Links bilden sich Netzwerke, deren Gesamtheit als Blogosphäre bezeichnet wird. Ein weiteres
5 www.blogger.com
6 www.blog.de
4
Merkmal von Blogs besteht in der Möglichkeit, Kommentare zu den veröffentlichten Einträgen zu verfassen. Auf diese Weise können Weblogautoren und -leser miteinander interagieren, wodurch die strenge Verteilung der Kommunikationsrollen von Sender und Empfänger aufgehoben wird (vgl. Schmidt 2006, S. 13; Biedermann 2005, S. 2).
2.2 Definition Journalismus
Journalismus lässt sich unterschiedlich definieren. Dem Deutschen Journalisten-Verband zufolge ist ein Journalist jemand, der „hauptberuflich produktiv oder dispositiv Informationen sammelt, auswertet und/oder prüft und Nachrichten unterhaltend, analysierend und/oder kommentierend aufbereitet, sie in Wort, Bild und/oder Ton über ein Medium an die Öffentlichkeit vermittelt oder den publizistischen Medien zu dieser Übermittlung bereitstellt“ (http://www.djv.de/Berufsbild.217.0.html).
McCulloch vertritt eine weiter gefasste Definition des Begriffs. Für ihn ist Journalismus eine einfache Sache, die hauptsächlich darin besteht, den richtigen Menschen die richtigen Fragen zu stellen und die erhaltenen Informationen aufzuschreiben (vgl. Lasica 2003, S. 73). Er meint: “This ain’t rocket science” (ebd.). McCullochs Auffassung nach, ist die Bezeichnung Journalismus also an keine bestimmte Ausbildung oder Berufsgruppe gebunden, sondern hauptsächlich an die Tätigkeiten des Recherchierens und Publizierens. Es existiert eine Vielzahl weiterer Definitionsmöglichkeiten von Journalismus. Im Rahmen dieser Arbeit sollen die beiden aufgeführten Begriffserklärungen jedoch zur Verdeutlichung der Extrempunkte eines Kontinuums von Journalismus-Auffassungen genügen. Inwiefern sich die verschiedenen Bedeutungen von Journalismus mit den Aktivitäten von Bloggern vereinen lassen, soll in den nachfolgenden Gliederungspunkten geklärt werden.
3 Weblogs versus traditioneller Journalismus
Die Fragen, ob das Führen von Weblogs als journalistische Tätigkeit anerkannt werden kann oder nicht, und inwiefern sich traditioneller Journalismus und Blogs gegenseitig beeinflussen, gelten als vielgestellt, aber selten befriedigend beantwortet. Dieses Kapitel soll verbreitete Meinungen zu diesen Streitfragen zusammenfassen und diskutieren. Bezugnehmend auf
5
verschiedene Unterscheidungsaspekte wird zunächst ein Vergleich zwischen klassischem Journalismus und Weblogs angestellt. Anschließend soll die Rolle des Blogs als Chance oder Bedrohung für den traditionellen Journalismus betrachtet werden.
3.1 Vergleich beider publizistischer Formen
Beim Vergleich von Weblogs und klassischem Journalismus stellt sich eine pauschale Trennung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden als problematisch dar. In welchen Punkten und wie stark traditionelle journalistische Formate und Blogs voneinander abweichen oder sich gleichen, ist oft nicht eindeutig zu sagen. Aufgrund dieser Uneinigkeiten seitens der Wissenschaftler, Journalisten und Blogger werden im nächsten Abschnitt unterschiedliche Vergleichskriterien unter Berücksichtigung verschiedener Standpunkte erörtert.
3.1.1 Formale Merkmale der Beiträge und narrativer Stil
Nach Wall unterscheiden sich Weblog-Publikationen vom traditionellen Journalismus unter anderem bezüglich ihrer formalen Merkmale der Beiträge und des narrativen Stils (vgl. Wall 2005, S. 162). Der Erzählstil in Blog-Einträgen sei demnach persönlich, einseitig und mit der Meinung des Autors behaftet, während Texte des klassischen Journalismus unparteiisch, „beidseitig“ und neutral verfasst seien (vgl. ebd.). Dies entspricht sicherlich allgemeinen Tendenzen beider Formen, lässt sich aber nicht vollkommen verallgemeinern und auf alle journalistische Textsorten sowie sämtliche Weblogs übertragen. Denn auch im klassischen Journalismus gibt es Textformen wie Kommentar, Kritik oder Glosse, die von der Meinung des Autors „leben“. Außerdem existieren Weblogs, deren Führer - teilweise selbst hauptberufliche Journalisten - großen Wert auf Objektivität und mehrseitige Argumentation legen. So haben es sich sogenannte Watchblogs sogar zur Aufgabe gemacht, mediale Inhalte unter professionellen Gesichtspunkten zu kritisieren und bewerten.
7 dar, das
„Ein anschauliches Beispiel stellt das für ein deutsches Weblog recht erfolgreiche BILDblog sich ausschließlich mit Fehlern, Ungenauigkeiten, ideologischer (bzw. populistischer) Voreingenommenheit, Vermischung von redaktionellen Inhalten mit Werbung und anderen Verstößen
7 www.bildblog.de
6
gegen journalistische Grundregeln in der BILD-Zeitung und ihrer Onlineausgabe auseinandersetzt“ (Unger 2005, S. 49).
Aufgrund der großen Vielfalt der traditionellen Medienberichterstattung und des breiten Spektrums an verschiedenartigen Blogs mit dementsprechend voneinander abweichenden narrativen Stilen ist die von Wall vorgenommene Einteilung mit Vorsicht zu betrachten. In Anbetracht dessen, dass im klassischen Journalismus (zumindest für bestimmte Textsorten wie Nachricht und Bericht) feste Standesregeln herrschen, die Journalisten das Einhalten des oben genannten Schreibstils vorschreiben, während es - angesichts der relativen Neuheit von Blogs - in der Blogosphäre noch „keine akzeptierte Instanz gibt, die Standards setzen und gegebenenfalls ihre Nicht-Beachtung sanktionieren kann“ (Schmidt 2006, S. 123), haben Weblogautoren jedoch sicher mehr Freiheiten, was das Einbringen ihrer Meinung etc. angeht. Ob und wie sich dennoch prozedurale Regeln für den Weblog-Journalismus durchsetzen, wird im Punkt 3.1.3 Journalistische Ansprüche versus Weblog-Ethik umfassender thematisiert. Bezüglich ihrer formalen Merkmale unterscheiden sich traditioneller Journalismus und Weblog-Veröffentlichungen nach Wall folgendermaßen: Informierende Texte des klassischen Journalismus (wie Nachrichten und Berichte) sind dem Prinzip der umgekehrten Pyramide folgend strukturiert. Die wichtigsten Informationen stehen also immer zu Beginn; es folgen zunehmend unbedeutendere Angaben. Außerdem beantworten journalistische Publikationen die W-Fragen (Wer hat was wann wo wie und warum getan?). Es handelt sich um geschlossene Texte. Quellen- sowie Datumsangaben sollen Glaubwürdigkeit gewährleisten (vgl. Wall 2005, S. 162).
Weblog-Einträge sind laut Wall hingegen Fragmente beziehungsweise Bruchstücke, die unvollständige Informationen beinhalten. Sie halten sich also in der Regel nicht an die für Nachrichten typische umgekehrte Pyramide und die Beantwortung der wichtigsten Kernfragen (vgl. ebd.). Aufgrund der weniger strengen Struktur und dem Wegfall der Anschlag- und Spaltenbegrenzungen bleiben dem Autor mehr kreative Freiheiten (vgl. Ebner, Baumann & Krcmar 2005, S. 55). Die Texte sind meist offen, und Glaubwürdigkeit soll durch das Setzen von Hyperlinks generiert werden (vgl. Wall 2005, S. 162). Wie es im Detail um Glaubwürdigkeit und Authentizität in Blogs und im klassischen Journalismus steht, wird in 3.1.5 erörtert.
7
Arbeit zitieren:
B. A. Anett Michael, 2009, Zum Verhältnis zwischen Weblogs und klassischem Journalismus, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Webblogs und ihr Einfluss auf den Journalismus von heute
Wie die neuen Gatekeeper den J...
Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein
Seminararbeit, 13 Seiten
Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien
Hausarbeit, 22 Seiten
Vorurteile zwischen Italienern u. Deutschen
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Referat (Ausarbeitung), 24 Seiten
Über André Bazins "Ontologie des fotografischen Bildes" und ...
Hausarbeit, 13 Seiten
Journalismus als soziales System - von der Theorie zur Empirie
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Hausarbeit, 14 Seiten
Analyse zu "Das Fest" von Thomas Vinterberg im erweiterten K...
Untersuchung der ästhetischen,...
Hausarbeit, 23 Seiten
Systemtheorie und Journalismus
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Hausarbeit, 25 Seiten
Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Weblogs - eine kommunikationstheoretische Analyse
Ein neues Medium und das Probl...
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Masterarbeit, 106 Seiten
Martin Munkacsi - Vom Bildjournalismus zur Modefotografie
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Mediale Darstellung der Geschlechter unter besonderer Berücksichtigung...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Seminararbeit, 21 Seiten
Das Spiegelstadium als Bildner der Ichfunktion bzw. Lacans Begriff des...
Kunst - Allgemeines, Kunsttheorie
Seminararbeit, 13 Seiten
Was ist Web 2.0 - Oder The Good, the Bad and the Ugly
Informatik - Internet, neue Technologien
Skript, 26 Seiten
Medien und Krieg - Krieg in den Medien. Propaganda in Film und Fernseh...
Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein
Seminararbeit, 36 Seiten
Extremsportsponsoring am emotionalen Markenbranding von Red Bull
Vordiplomarbeit, 27 Seiten
Sprachkontakt des Deutschen mit dem Serbokroatischen im Vergleich mit ...
Hausarbeit, 34 Seiten
Marriages and the alternatives in Jane Austen´s 'Pride and Prejudi...
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Naturwissenschaftliche Aspekte nicht-dauerhafter formverändernder Haar...
Hausarbeit, 20 Seiten
Reliquienkult Karls IV. am Beispiel Karlstein
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 24 Seiten
Anett Michael gefällt Zum Verhältnis zwischen Weblogs und klassischem Journalismus
Anett Michael's Text Zum Verhältnis zwischen Weblogs und klassischem Journalismus ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Anett Michael hat den Text Zum Verhältnis zwischen Weblogs und klassischem Journalismus veröffentlicht
Web 2.0 und Social Software: Potenziale für das Geschäftsprozessmanage...
Frank M. Schommers
The Geospatial Web: How Geobrowsers, Social Software and the Web 2.0 A...
How Geo-Browsers, Social Softw...
Arno Scharl, Klaus Tochtermann
Web Communication Technologies and Internet-Related Social Issues - HS...
Second International Conferenc...
Chin-Wan Chung, Chong-Kwon Kim, Kwan-Ho Song, Tok-Wang Ling, Won Kim
Web and Communication Technologies and Internet-Related Social Issues ...
3rd International Conference o...
Shinji Shimojo, Shingo Ichii, Tok Wang Ling, Kwan-Ho Song
MARKETING COMMUNICATION PHENOMENON WITHIN SOCIAL NETWORKS AND BLOGS
A Consumer Perspective
Kashif Khan
Theorieperspektiven, Medienpro...
Klaus Arnold, Christoph Neuberger
0 Kommentare