Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Tapa-Kunst in der Geschichte und ihre Wahrnehmung durch die Imperialmächte. 4
3. Herstellung von Tapa 5
3.1 Einzelne Arbeitsschritte 6
3.2 Fremdeinflüsse auf die Herstellung. 7
4. Gebrauch und Bedeutung von Tapa 7
4.1 Traditioneller Gebrauch und Bedeutung 8
4.2 Die Bedeutung der Zeichen und Formen 10
4.3 Moderner Gebrauch und Bedeutung 11
5. Fazit. 13
Literaturverzeichnis. 14
Anhang 15
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1. Einleitung
Was ist Kunst? In unserem traditionell gebräuchlichen Sinne das Besondere, das aus dem Normalen hervorsticht, etwas höher Gestelltes, eine bestimmte Kategorie unseres gesellschaftlichen Lebens. Aus polynesischer Sicht würde man Kunst prinzipiell nicht als separat vom Alltag betrachten. Dies zeigt sich schon dadurch, dass in keiner der vielen Sprachen Polynesiens ein Wort für „Kunst“ existiert. In dieser Arbeit werde ich mich deshalb an Adrienne L. Kaepplers Definition von Kunst orientieren:
„I define as art any cultural form that results from creative processes that use or manipulate words, sounds, movements, materials, or space in such a way that they formalize the nonformal. I use the term aesthetics to refer to evaluative ways of thinking about these cultural forms. […] In my view arts can best be understood as cultural forms embedded in social action” (Kaeppler 1989: 213).
Konkreter ausgedrückt soll hier polynesische Kunst als Teil der materiellen Kultur untersucht werden, welche vor einem bestimmten sozialen, religiösen, ökonomischen, historischen und ökologischen Hintergrund besteht. Die Rolle der Künstler und Objekte sowie die Anwendung und Funktion der Werke -einschließlich der Herstellungstechniken- soll aus möglichst emischer Sichtweise beleuchtet werden (Feest 1999: 228). Hierbei werden sowohl die Unterschiede als auch die Gemeinsamkeiten der unzähligen, teilweise tausende Kilometer vonein-ander entfernten Inseln im Pazifik herausgearbeitet.
Was ist Tapa? Tapa bezeichnet einen Stoff, der aus Rindenbast hergestellt wird. Dieser war über Jahrhunderte der kostbarste und am weitesten verbreitete Polynesiens. Verwendet wurde er für die Herstellung von zeremonieller und alltäglicher Kleidung, für Prestigeobjekte oder als Haushaltsgegenstand. Er war und ist wichtiger Bestandteil des zeremoniellen Tauschs und der Opfergabe und stellt in der heutigen Zeit zusätzlich einen wichtigen Anteil im Verkauf von Souvenirs an Touristen dar.
In den folgenden Kapiteln soll deutlich gemacht werden, welche Schlüsse man von der Tapa-Kunst auf die polynesischen Gesellschaften ziehen kann. Dies geschieht vor allem unter Berücksichtigung der Einflussnahme durch die imperialistischen Mächte seit dem frühen neunzehnten Jahrhundert. In Kapitel zwei skizziere ich zunächst die historischen Rahmenbedingungen für polynesische Tapa-Kunst. Im dritten Kapitel soll allgemeines über die Herstellungsweise, dann die einzelnen Arbeitsschritte und den fremdherrschaftlichen Einfluss hierauf erläutert werden. In Kapitel vier stelle ich die Verwendung und Bedeutung von Tapa im traditionellen und modernen Sinne dar, und gehe näher auf die Interpretation der Zeichen und Formen ein. Zuletzt soll in Kapitel fünf ein Fazit gezogen werden.
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Ich beziehe mich hauptsächlich auf die Anthropologen Adrienne L. Kaeppler, Roger Neich und Mike Pendergrast, die seit Jahrzehnten die materielle Kultur und Kunst in Polynesien erforschen.
2. Tapa-Kunst in der Geschichte und ihre Wahrnehmung durch die Imperialmächte
Die Geburtsstunde der Tapa-Tradition liegt mehr als fünftausend Jahre zurück. Archäologen gehen davon aus, dass schon damals im Süden Chinas und auf dem südostasiatischen Festland Tapa hergestellt wurde. Von dort gelangte die Kunst ins östliche Indonesien und mit dem berühmten Lapita-Volk vor circa drei- bis viertausend Jahren über Melanesien weiter ostwärts Richtung Polynesien. Dies ist die anerkannteste Theorie über die Urgeschichte der Tapa-Herstellung. Vieles an ihr ist jedoch Spekulation, da bis heute nur sehr wenig archäologisches Beweismaterial gefunden wurde. Fakt ist, dass es zwischen den Inselgruppen schon immer einen regen Kontakt gegeben hat, sowohl durch friedlichen Handel als auch auf Grund von kriegerischen Auseinandersetzungen (Neich et al. 1997: 9ff.).
Polynesische Kunstobjekte waren vor rund 200 Jahren mit die ersten, die aus Ozeanien nach Europa gelangten. Man schenkte ihnen jedoch zunächst wenig Beachtung, da sie entweder als ‚primitives’ Kunsthandwerk abgetan oder als nicht ‚exotisch’ oder ‚wild’ genug wahrgenommen wurden (Kaeppler 1994: 21). Die ersten Tapa-Gewänder kamen hauptsächlich als Souvenirs und Sammlerobjekte durch James Cooks Entdeckungsfahrten von 1768 bis 1780 nach Europa, jedoch wurden auch sie zur Zeit der Aufklärung als 'künstlerische Kuriositäten' gewertet (Kaeppler 1994: 23). Dass die große Bedeutung der polynesischen Kunst nur in ihrem soziokulturellen Umfeld erfasst werden kann, war den ersten Sammlern allerdings kaum bewusst. Heute zählen Objekte aus der Zeit Captain Cooks zu den wertvollsten für Sammler und Museen, da sie als die ‚echtesten’, durch die Kolonialherren noch am ‚unverfälschtesten’ gelten (Kaeppler 1994: 107).
Weitere Sammlungsobjekte lassen sich auf die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts datieren. Mitgebracht wurden sie von Missionaren, Museumsvertretern oder Anthropologen. Die Frage nach dem ursprünglichen Kontext stellte man auch hier nicht, die meisten Tapa-Objekte "gelangten ohne theoretische Kommentare in naturgeschichtliche Sammlungen, in Kuriositätenkabinette oder -läden" (Kaeppler 1994: 24).
Im zwanzigsten Jahrhundert konnten durch weitere Expeditionsreisen einige große Museen bedeutende Sammlungen polynesischer Kunst zusammentragen. Diese Sammlungen wurden nicht nur von zahlreichen Anthropologen und Kunsthistorikern analysiert und interpretiert,
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sondern sie lieferten nun auch Material für diverse Monographien (ibid.). Diese Abhandlungen sind aus heutiger Sicht kritisch zu betrachten, da einige ihrer Autoren nie in Polynesien Feldforschung betrieben hatten und somit die Bedeutung der Objekte nach etischen Maßstäben beurteilten.
Durch eine Rückbesinnung auf die eigene Identität und das kulturelle Erbe, bemühen sich seit den letzten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts die Polynesier, Kunstobjekte wieder in die eigenen Museen auf Hawaii, Neuseeland oder Französisch-Polynesien zurückzuholen. Mit Erfolg, denn "[...] sie können [heute] von Besuchern bewundert und von den Nachkommen ihrer Urheber verehrt werden" (ibid.).
Der Einfluss von Expeditionsreisenden, Missionaren und Kolonialherren auf die polynesische Kunst mag zwar zeitlich gesehen relativ gering erscheinen, dennoch war dieser Einfluss so groß, dass sich bestimmte Arten der Jahrtausende alten Kunst sowohl in ihrer Herstellung als auch in ihrem Gebrauch und ihrer Bedeutung radikal gewandelt haben. Welche Spuren die Europäer in der Tapa-Kunst hinterlassen haben, wird in den folgenden Kapiteln verdeutlicht.
3. Herstellung von Tapa
In westlichen Gesellschaften gilt Kunst als etwas vom Alltag Losgelöstes und wird darum meist in speziell dafür vorgesehenen Räumen wie Ateliers oder Werkstätten gefertigt. Zudem werden verschiedene Kunstgattungen wie Gesang, Bildhauerei und Tanz voneinander abgegrenzt. Ganz anders gestaltet sich künstlerisches Schaffen in Polynesien, wo diverse Kunst-formen interagieren und zudem mit dem alltäglichen oder zeremoniellen Leben verbunden sind (Kaeppler1994:26). So wird auch die Herstellung der typischen Rindenbaststoffe im Alltag erledigt, meist draußen an einem schattigen Platz; regional unterschiedlich werden manche Arbeitsschritte auch im Haus erledigt (Neich et al. 1997: 13). Während der Arbeit ist es zudem nicht unüblich, bestimmte Lieder zu singen oder Gebete in die Produkte mit einfließen zu lassen (Kaeppler 1994: 26).
Auf Grund der strengen Aufteilung nach Geschlechtern im polynesischen Alltag ist die Tapa-Produktion traditionell Frauensache. Oft arbeiten die Frauen in Gruppen, vor allem bei komplizierten Arbeitsschritten oder großen, aufwendigen Stoffteilen (Neich 1997: 9, 41). Nur wenige regionale Beispiele von männlicher Beteiligung an der Textilherstellung sind bekannt, und diese stammen aus vergangenen Zeiten. Zu nennen wären hier die Marquesas oder die Osterinseln, auf denen Männer speziell für den Gebrauch des Stoffes als Ritualobjekte wie Masken, Figuren oder Lendenschürze Tapa fertigten (Neich et al. 1997: 9).
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Arbeit zitieren:
Carolin Duss, 2006, Tapa-Kunst in Polynesien, München, GRIN Verlag GmbH
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