Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Der Ursprung des Don Juan-Stoffs 1
2.1. Allgemein zur Entstehung 1
2.2. „El burlador de Sevilla y convivado de piedra“ 2
3. Die Frage nach dem Mythos 4
3.1. Einstieg in die Mythos-Thematik 4
3.2. Literatur und Mythos 5
3.3. Don Juan - ein Mythos ? 6
4. Ausbreitung und Modifikation des Stoffs sowie verschiedene Arten
der Darstellung der Figur des Don Juan 9
4.1. Allgemeiner Überblick 9
4.2. Die Adaptation des Stoffs in den europäischen Nachbarländern 10
5. Der Einfluß des Don Juan-Stoffs auf das Werk „Hernani“ von Victor Hugo 13
5.1. Einleitung und Vorgehensweise der Untersuchung des Werks „Hernani“ 13
5.2. Untersuchung zu „Hernani“ 15
6. Schlußbemerkung 19
7. Literaturverzeichnis 21
1) Einleitung
In dieser Arbeit sollen der Don Juan-Stoff, sein Ursprung, seine Weiterentwicklung und Ausbreitung untersucht werden. Hierfür weren das „Urwerk“ („El burlador de Sevilla y convivado de piedra“), in dem die Figur des Don Juan das erste Mal auftaucht, und dessen Autor 1 betrachtet. Dabei soll die Veränderung, welche der Stoff und insbesondere die Figur des Don Juan im Laufe der Zeit durch die Bearbeitung diverser Autoren erfahren haben, aufgezeigt werden. Weiterhin wird im ersten Teil dieser Arbeit intensiv die Frage nach dem Mythos bei Don Juan erötert. Mit Berücksichtigung des begrenzten Rahmens der Arbeit kann nicht jeder Aspekt ausführlich behandelt werden. Ziel dieser Arbeit ist es eher ein zusammenhängendes Verständnis des Don Juan-Stoffs und dessen literarische Bedeutung zu erzeugen. Etwas vertiefend wird auf Molières Konzeption von Don Juan eingegangen, da er in Verbindung mit dem letzten Teil dieser Arbeit eine Rolle spielt. Den letzten Teil der Arbeit stellt dann die Untersuchung des französischen Dramas „Hernani“ von Vitor Hugo dar. Hierbei soll anhand genauer Textarbeit analysiert werden, ob und inwiefern dieses Werk von dem Don Juan-Stoff beeinflußt ist. Gegebenenfalls sollen auch die Parallelen zum „Urwerk“ oder auch zu dem Werk Molières hervorgehoben werden. 2. Der Ursprung des Don Juan-Stoffes
2.1. Allgemein zur Entstehung
Der Don Juan-Stoff, der zu den meist bearbeiteten literarischen Stoffen überhaupt zählt, hat seinen Ursprung in der spanischen Literatur. Den stofflichen Grundriß bildet das Werk „El burlador de Sevilla y convivado de piedra“, welches bereits 1613 verfaßt, jedoch erst 1630 gedruckt wurde. Der spanische Mercedarier-Mönch Gabriel Tellez, der unter dem Pseudonym Tirso de Molina schrieb, ist der Verfasser dieses Werks. Tirso de Molina ist einer der eintscheidensten Dramatiker seiner Zeit in Spanien. Auch wenn man bei der Betrachtung seiner Konzeption die Verwendung bzw. Anlehnung an schon zuvor bekannte traditionelle Stoffe, historische Figuren oder Elemente der spanischen Kultur- und Literaturgeschichte feststellen
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1 Hinweis zur Schreibweise: Im Text wird ausschließlich die männliche Schreibweise z.B. Autor verwendet; selbstverständlich sind alle Aussagen ebenso in weiblicher Wortform zu verstehen.
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kann, ist doch allein Molina derjenige, der den Grundstein für den berühmten Don Juan-Stoff gelegt hat. 2 In seinem Werk findet die erste Gestaltung des Don Juan statt und die Hauptfigur - Don Juan Tenorio - ist somit die älteste Ausprägung der Don Juan-Darstellungen. Der Spanier Tirso de Molina führte durch sein Werk die Figur des Don Juan die Weltliteratur ein. Aus diesem Grund nenne ich sein Werk auch das „Urwerk“ des Don Juan-Stoffs.
In seinem Drama verbindet er zwei Stoffkomplexe: die Liebesabenteuer eines extensiven Verführers und die göttliche Bestrafung durch das Auftreten einer steinernen Statue. 3 2.2. „El burlador de Sevilla y convivida de piedra“
Um die Grundkonzeption des Don Juan-Stoffes zu erkennen, scheint es mir sinnvoll, die Handlung des Stücks etwas genauer darzustellen. Außerdem ist es von großer Wichtigkeit, zu verstehen, daß Don Juan im ursprünglichen Sinn nicht nur der Verführer par excellence ist - wie er heute im populären Verständnis gesehen wird -, sondern auch noch andere wesentliche Merkmale ihn ausmachen. Die Handlung des Werks von Tirso de Molina
Nach einem erfolgreichen aber in letzter Minute entdeckten Liebesabenteuer mit der Herzogin Isabella von Neapel, für dessen Gelingen sich Don Juan als Herzog Octavio ausgibt, kann dieser durch die Hilfe seines Onkels unerkannt fliehen. Um seinen Neffen zu schützen, beschuldigt dieser Isabellas Verehrer, den Herzog Octavio, sie verführt zu haben. Auf der Flucht landet Don Juan auf Grund eines Schiffbruchs am Strand con Tarragona. Dort trifft er auf das Fischermädchen Tisbea, die er sofort begehrt, durch ein Heiratsversprechen verführt und sie kurz darauf gleich wieder verläßt.
Der König von Kastilien erfährt inzwischen von Don Diego, dem Vater Don Juans, daß sein Sohn Isabella täuschte und verführte. Zeitgleich erscheint Octavio als Flüchtender an jenem Hof und bittet um Schutz vor der Rache des Königs von Neapel. Der König verlobt Octavio mit Doña Anna, der Tochter seines Freundes Don Gonzalez, um Octavio für das geschehene Unrecht zu entschädigen und um des Friedens Willen mit dem König von Neapel. Ursprünglich hatte der König seinem Freund
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2 Gnüg, Hiltrud, Don Juan, München, S. 15 3 Gnüg, Hiltrud, a.a.O., S.9
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aus Dank und großer Freundschaft versprochen, dessen Tochter mit Don Juan zu verloben. Um nun aber die Ehre der beiden Frauen zu retten, sollte diese Octavio und Don Juan Isabella heiraten. Doch bereitet Don Juan in diesem Moment schon wieder sein nächstes Abenteur vor.
Sein Freund, der Marquis de la Mote, wartet auf ein Zeichen Doña Annas, welche seine Geliebte ist und mit der er noch die Erfüllung ihrer gemeinsamen Liebe erleben will, becor sie die versprochene Verlobung mit dem ihr bis dahin namentlich noch unbekannten Don Juan eingehen muß. Don Juan erfährt durch einen Zufall vom Marquis Ort und Zeit des Treffens. Mit Hilfe eines weiteren Betrugs geht er an Stelle des Marquis dorthin, wird allerdings von Doña Anna entlarvt. Als diese nun ihren Vater, Gonzalez von Ulloa, zur Hilfe ruft, wird jener von Don Juan erstochen. Ihm gelingt die Flucht und man nimmt an seiner Stelle den vermeintlichen Besucher Doña Annas, den Marquis de la Mote, als Mörder fest. Wieder auf der Flucht, trifft Don Juan auf eine Bauernhochzeit und verführt auf listige Weise die Braut Arminta.
Auf dem Rückweg nach Sevilla kommt er am Grabmahl des Gonzalez von Ulloa vorbei und verspottet diesen auch noch, indem er das Standbild (Statue aus Stein) des Toten zum Essen zu sich einlädt. Die Statue erscheint zum Abendessen und spricht eine Gegeneinladung aus, die Don Juan leichtfertig annimmt. In der Zwischenzeit werden am Königshof von Sevilla auch seine anderen Verführungen und Betrügereien bekannt und das Todesurteil über ihn verhängt. Wie vereinbart geht Don Juan des Nachts auf den Friedhof, um mit der Statue zu dinieren. Nach Aufforderung der Statue gibt Don Juan ihr seine Hand, welche ihn verbrennt. Die Bitte, noch schnell beichten zu dürfen, um von seinen Sünden eventuell doch freigesprochen zu werden, wird nicht erhört. Vor den Augen seines Dieners versinkt er mit der Steinstatue des Gonzalez. Eine kurze Zusammenfassung der Darstellung Don Juans
Er steht im Mittelpunkt des konfliktgeladenen Geschehens und ist mit stark ausgeprägten Charakterzügen ausgestattet. Er geht seinem hemmungslosen Trieb nach, Frauen zu verführen; er ist bereit, zu töten und fordert auch gerne das Schicksal heraus. Er setzt sich ohne weiteres über alle gesellschaftliche Normen hinweg und verspührt keine moralischen Bedenken, alle möglichen Mittel einzusetzen, um seine Ziele zu verfolgen. Um seinem Drang nach Verführung und Eroberung nachzu-
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Arbeit zitieren:
Imke Müller, 1997, Der Don Juan-Stoff - ein Mythos? Unter Einbeziehung des Werkes "Hernani" von Victor Hugo, München, GRIN Verlag GmbH
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