Verlagerung des Geldes zugunsten von teuren, öffentlichen Großbauten und zulasten des Kleinsiedlungs- und Autobahnbaus statt. Infolgedessen wurde auch der soziale Wohnungsbau privatisiert, was dem oft inszenatorisch propagierten sozialen Antlitz des Dritten Reiches klar widersprach. Letztlich sorgten diese Anordnungen dafür, dass 1939 nicht weniger als 90% der finanziellen Mittel in diesem Bereich für Gebäude aufgewendet wurden, deren Funktion neben der kulturellen und militärischen insbesondere in der Verwaltung des Staates und der Partei lag. Die allgemeine Wohnsituation erfuhr dadurch eine erhebliche Verschlechterung und mit dem Wohnungsbau der Weimarer Republik konnte das Dritte Reich dementsprechend bei weitem nicht mithalten. Ab 1937 gab es zudem Neugestaltungsprogramme von megalomanen und gewaltigen Ausmaßen für alle Gauhauptstädte, die sich vornehmlich an den Umgestaltungsplänen für Berlin unter Albert Speer orientierten. Die von den Stadtplanern, Machthabern und Chefideologen der NSDAP propagierte neue Stadt sollte dabei möglichst die Volksgemeinschaft repräsentieren und somit ein Gegenmodell zur pluralistischen Demokratie sowie zu marxistisch orientierten Gesellschaftskonzepten darstellen. Idealistischen Vorstellungen gemäß sollte speziell die oft als dekadent, chaotisch, eng und anrüchig verschriene Großstadt durch drei klare Abschnitte gekennzeichnet sein. Im Einzelnen handelte es sich hierbei um ein politisches Zentrum, einen darum folgenden kommerziellen Ring und schließlich aufgelockerte Wohnzonen in den äußeren Gebieten. Am wichtigsten erschien dem Diktator Adolf Hitler, der gern selber an einen Architekturstudium partizipiert hätte, sowie seinen Baumeistern und Planern dabei die politische Mitte. Nicht ohne Grund ließ man gerade zu jenem Bereich für Berlin, München, Linz und anderen Städten zahlreiche Pläne ausarbeiten und Modelle anfertigen, an denen sich Hitler immer wieder ergötzte und mit deren Hilfe er insbesondere gegen Ende des Krieges Zerstreuung und Ablenkung von der für ihn und seinen Schergen unheilvollen Realität erhielt. Ein gerades, zentrales Achsenkreuz, große, breite und prächtige Straßen und Plätze, heroische, überdimensionierte Denkmäler und natürlich Monumentalbauten von außergewöhnlichen, voluminösen und megalomanen Ausmaßen bildeten das Charakteristikum dieses Abschnittes. Die NS-Architektur schloss an Traditionen an und war deswegen keinesfalls durch eine eigenständige Theoriebildung gekennzeichnet. In ihr fand sich ein Konglomerat unterschiedlicher konservativer Architekturströmungen vor 1933 wieder. Die beiden Hauptrichtungen waren dabei einerseits die neoklassizistische Strömung beziehungsweise die monumentale Architektur des Wilhelminischen Deutschlands und andererseits bodenständige Bauweisen, die eher ein ländliches, einfaches, bescheidenes Aussehen ausmachten und zum Beispiel bei der Heimatschutzbewegung nicht selten anzutreffen war. Einklang herrschte
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lediglich in der Ablehnung der Moderne, verkörpert etwa durch das Bauhaus, welche man als seelenlos, „undeutsch“ und „kulturbolschewistisch“ diffamierte und ablehnte. Aufgrund des Nichtvorhandenseins eines homogenen Architekturprogramms und der damit verbundenen stilistischen Heterogenität wird zwischen drei divergierenden nationalsozialistischen Architekturrichtungen unterschieden. Zum einen ist hierbei der „sachliche Baustil“ zu nennen. Formal war er stark an das eigentlich verschmähte Neue Bauen der 20er Jahre orientiert. Fast ausnahmslos Industrie- und Ingenieurarchitektur wie Fabriken oder Brücken lassen sich dieser Richtung zuordnen. Einheimische Baumaterialien sowie bodenständige Bauweisen und Bautraditionen zeichnen den „Heimatschutzstil“ aus, als deren wichtigste Ausdrucksformen das Dach und die Fensterläden galten. Diese Richtung wiederum fand vor allem beim Wohnungsbau, Jugendherbergen, Schulungsheimen und Ordensburgen Verwendung. Zum Teil wurden Kasernen ebenso in diesem Stil geplant und errichtet. Nicht vergessen werden darf die dritte Richtung, nämlich die monumentalistische Staats- beziehungsweise Parteiarchitektur, welcher auch das Hauptaugenmerk dieses Essays gilt. Gerade jene betraf die abnormalen, gigantischen Bauphantasien der Nationalsozialisten und spiegelte deren Größenwahn und Geltungsdrang unmissverständlich wieder. Hauptsächlich diese Richtung sollte ferner das schon thematisierte politische Zentrum auszeichnen. Als Materialien dafür fungierten vornehmlich Werkstein (unter anderem „edler Granit“) und Ziegelstein. Klarheit, Formenstrenge, glatte Wandflächen mit Natursteinplatten verkleidet, wenig tief eingeschnittene Fenster und „strukturschaffende Schmuckformen“ wie Pfeiler und Pilaster sollten den kolossalen Bauten die gewünschte Größe und Erhabenheit verleihen. Des Öfteren sind in den Planungen und Modellen deshalb klassizistische Elemente zu entdecken wie eine auf Symmetrie angelegte Konzeption mit durch Säulenformationen geprägten Vorderfronten. Das Architekturprinzip richtete sich weitgehend nicht auf Funktionalität und Zweckgebundenheit, sondern auf die formalästhetische Ebene und dem gemäß auf Repräsentation.
Formen, Proportionen und Dimensionen jener Bauwerke und Anlagen sollten in ihrer Wirkung verschiedenartig sein. Dazu zählten: den Betrachter zu beeindrucken, aber auch einzuschüchtern, die Größe und den Ewigkeitsanspruch des NS-Regimes mit Hilfe dieser Gebäude zu zementieren und militärische Verhaltensweisen wie Härte, Disziplin und Wehrhaftigkeit zu symbolisieren. Des Weiteren lag die Aufgabe jener Bauten und Anlagen in der Stärkung des bereits aufgegriffenen Volksgemeinschaftsgedankens und demzufolge in der Diskreditierung des Individualismus. Typisch für Diktaturen im 20. Jahrhundert war daneben der Personenkult, häufig inszeniert durch geschickte Propaganda wie Massenaufmärsche. In
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diesem Zusammenhang wurden Alleinherrscher nicht selten als gottähnliche Wesen und Messiasse glorifiziert. Dazu sollten diese Häuser ebenfalls beitragen, denn speziell durch Kultbauten (Foren, Volkshallen, Tempel, Paläste, Türme) sollten bei der Bevölkerung religiöse Gefühle aktiviert und die Bindung zur herrschenden Schicht gefestigt werden. Nicht umsonst sind dort zum Beispiel auch Architektursymbole wie Pinienzapfen und Feuerschalen immer wieder vorzufinden. Insgesamt galt es mit Hilfe jener Bauwerke, Plätze, Straßen und Denkmäler das Großmachtstreben der Nationalsozialisten zu legitimieren und deren politische und religiöse Weltherrschaftsansprüche zu verdeutlichen. Aus diesem Grund sollten die aufmarschierenden Massen als Attribut und Ornament der Architektur auftreten. Zu den wichtigsten und bekanntesten Architekten des Dritten Reiches gehörten Ernst Sagebiel (Berliner Reichluftfahrtministerium [1935/36], Großflughafen Berlin [Baubeginn 1933]), Werner March (Reichssportfeld in Berlin [1934-36]), Paul Ludwig Troost (Parteibauten am Münchener Königsplatz und Haus der Deutschen Kunst in München [beides 1933]), Wilhelm Kreis und schließlich Albert Speer, dessen Lebenslauf nun eine kurze Erläuterung erhält. Der aus einem liberalen Elternhaus stammende Speer kam 1905 in Mannheim zur Welt und starb 1981 in London. In Karlsruhe, München und Berlin studierte er Architektur und 1931 trat er sowohl in die NSDAP als auch in die SA ein. Schon kurz nach der so genannten Machtergreifung 1933 erhielt er die Verantwortung für die Planung und Gestaltung großer NS-Massenkundgebungen. Darüber hinaus wurde er beauftragt mehrere Gebäude beziehungsweise Gebäudekomplexe (zum Beispiel die Neue Reichskanzlei in Berlin oder das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg) zu entwerfen. 1937 erfolgte die Ernennung zum Generalbauinspektor (G.B.I.) für die Reichshauptstadt Berlin und ein Jahr später bekam er das Goldene Parteiabzeichen und einen Professorentitel zugesprochen. Der Krieg verhinderte jedoch die Ausführung eines Großteils der ehrgeizigen Pläne. Dennoch blieb Speer für das NS-Regime ein gefragter Mann, was sich unter anderem 1942 widerspiegelte. Aufgrund seines hochgelobten Organisationstalentes wurde er nämlich zum Reichsminister für Bewaffnung und Munition und ferner zum Generalinspektor für das Straßenwesen, für Wasser und Energie berufen. Unter seiner Regie hatte die totale Kriegswirtschaft trotz des Bombenkrieges beeindruckende Produktionszahlen zu verzeichnen. Als eine der Hauptursachen dafür kann dabei zweifelsohne die brutale und rücksichtslose Ausnutzung von Zwangsarbeitern gewertet werden. Während der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesse 1946 räumte er seine Mitschuld ein, zeigte Reue und wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. Aus heutiger Sicht wird die Strafe nicht selten als zu mild betrachtet, da er angesichts seiner Position und seines Aufgabenbereiches von den furchtbaren Zuständen in den
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Arbeit zitieren:
Stefan Behm, 2008, Architektur und Stadtplanung im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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