Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Faktoren der Auswanderung 3
2.1 Wirtschaftliche Faktoren 3
2.2 Politische Motivation 4
2.3 Religiöse Motivation 5
2.4 Individuelle Motivation 5
3 Strukturen der Auswanderung Die Organisation der Auswanderung in den
Europ äischen Häfen (insbesondere deutsche Häfen) 5
3.1 Rolle der Agenturen, des Auswanderungsagenten 5
3.2 Rolle der Auswanderungsvereine, des -verkehrs und der -fürsorge 6
3.3 Die Rolle der HAPAG im Auswanderergeschäft 7
3.4 Die Konkurrenz zwischen der HAPAG und dem NDL 8
4 Gesetze über die Beförderung per Schiff: Die Hamburger
Auswanderungsgesetzgebung von 1887 9
5 Die Aufnahmesituation in den USA 11
5.1 Einwanderungsbeschränkungen: The Chinese Exclusion Act 11
6 Fazit 13
Literaturverzeichnis 15
1 Einleitung
Im 19. Jahrhundert immigrierten Millionen Menschen aus europäischen und asiatischen /lQGHUQLQGLH86$HLQHUÄQDWLRQRILPPLJUDQWV³. Während meiner Recherchen stellte ich fest, dass die Überseeauswanderung in den Gesamtkomplex der Sozialgeschichte ein-zuordnen ist und ein vielschichtiger Prozess, der ohne Detailstudien gar nicht erfasst werden könnte, ist. So befasste ich mich zunächst mit den Faktoren, die einen Menschen zum endgültigen Verlassen seines Heimatlandes veranlassten. Hieraus entwickelten sich sehr schnell Fragestellungen, die den Rahmen der Auswanderung betreffen: Warum wandern die Menschen im 19. Jahrhundert aus? Wie vollzog sich solch eine Reise? Für mein Thema zentral: In welchem gesetzlichen Rahmen vollzog sich das Ganze?
Ich hatte keinerlei Probleme, an Quellen und Literatur für diese Arbeit zu gelangen, da gerade in Hamburg die Überseeauswanderungsforschung weit gediegen ist. Ähnlich oben erwähnter Vielschichtigkeit sind auch die Forschungsfragen, die den heutigen Stand der Überseeauswanderungsforschung widerspiegeln. Sie zeigen ein Interesse an Fragen völkerverbindender Migration, an der sozialen Eingliederung von Einwanderungsgruppen, also ihrer Akkulturation in der Aufnahmegesellschaft. So möchte ich im Folgeneden zunächst die Rahmenbedingungen der Auswanderung aufzeigen, um dann PLWHLQHP*HVHW]GHPÄ&KLQHVH([FOXVLRQ$FW³H[HPSODULVFK]XHrläutern, zu welchen gesetzlichen Maßnahmen sich eine Gesellschaft durch Migration hinreißen lässt.
2 Faktoren der Auswanderung
Allgemein ist zu sagen, dass Motivationen zur Auswanderung immer ein Zusammenspiel von wirtschaftlichen, religiösen, individuellen, sozialen, sowie politischen Beweggründen ist. Denn Auswanderung ist eine Massenbewegung und die einzeOQHQÄ$UWHQ³YRQ)DNWoren lassen nicht immer voneinander trennen. Denn eine Familie kann beispielsweise ausgewandert sein, weil der Vater sie nicht mehr versorgen konnte (wirtschaftlich), und sie deshalb gezwungen waren, in Armut zu leben (sozial). Oder ein junger Mann kann dem Wehrdienst entgehen wollen (politisch) und gleichzeitig Abenteuerlust verspüren (individuell).
2.1 Wirtschaftliche Faktoren
Ein wesentlicher Grund das Heimatland für immer zu verlassen, war der Wunsch nach wirtschaftlicher Statusverbesserung. Der größte Anteil der Auswanderer im 19. Jahrhundert setzte sich aus Angehörigen der Unterschicht zusammen.
3
Besitzzersplitterung als Folge der etablierten und durch den Code Civil noch weiter geförderten Erb- oder Realteilung schwächten den landwirtschaftlichen Betrieb. Handwerkern wurde durch die Liberalisierung der gewerblichen Arbeiterverfassung und durch die zunehmende Mechanisierung geschadet. In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts machten Missernten es den Menschen nahezu unmöglich, sich zu ernähren. Die in den USA herrschende Wirtschaftskrise (1854-56) und der amerikanische Bürgerkrieg (1861-65) schwächte den Anreiz auszuwandern ab.
2.2 Politische Motivation
In den 1880er Jahren VHW]WHHLQHLQGHQ86$DOVÄ1HZ ,PPLJUDWLRQ³ bezeichnete Mas-seneinwanderung ein.
Zar Nicolai I. wies im April 1835 den russischen Juden einen Ansiedlungsrayon zu, der Gebiete der heutigen Staaten Litauen, Weißrussland, Ukraine und Polen umfasste. 1 Im Zuge dieser Maßnahmen wurden gegenüber der jüdischen Bevölkerung verschiedene staatliche Arbeitsbeschränkungen und andere Restriktionen eingeführt. Außerdem konnten jüdische Männer seit 1827 bis zu einer Dauer von 25 Jahren zum Militärdienst eingezogen werden ± in die Armee eines Landes, das der jüdischen Bevölkerung zwar Pflichten auferlegte, aber kaum Rechte gewährte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entfaltete sich die jüdische Aufklärung (Haskalah), welche viele Anhänger unter den Intellektuellen fand.
Im Jahre 1881, nach der Ermordung des Zaren Alexander II., wurde das Gerücht verbreitet, dass es sich hierbei um einen Anschlag von Juden gehandelt habe. Dies schürte Ressentiments gegenüber der jüdischen Bevölkerung und führte zu gewalttätigen, staatlich geduldeten Übergriffen. 1881/82 wurden Pogrome, neue Restriktionen, hohe Steuerbelastungen, Erniedrigungen und unerträgliche Bedingungen im Ansiedlungsrayon gegen die jüdische Bevölkerung verhängt und somit die erste große jüdische Auswanderungswelle in Richtung Westeuropa und Amerika verursacht. 2 In Deutschland versuchten viele junge Männer sich der Wehrpflicht zu entziehen, indem sie nach Amerika übersiedelten. Auch die Karlsbader Beschlüsse 3 bewirkten, dass viele Menschen sich in ihren Persönlichkeitsrechten beschnitten sahen. Doch ein wesentlicher Charakter der Karlsbader Beschlüsse bestand darin, dass der reaktionäre Staat liberale und nationale Ideen als Volksverhetzung begriff und die Träger dieser Ideen als Demagogen verfolgte. Das Hambacher Fest, dessen direkte Folge in der staatsanwaltschaftli- 1 Aronson,I.M.:Troubled Waters. The Origins of the Anti-Jewish Pogroms in Russia, Pittsburgh 1990, S. 59ff
2 ders.
3 s. a. Büssem, Eberhard (1974): Die Karlsbader Beschlüsse von 1819. Die endgültige Stabilisierung der restaurativen Politik im
Deutschen Bund nach dem Wiener Kongreß von 1814/15 Univ., Diss. München 1972. Hildesheim: Gerstenberg.
4
chen Verfolgung führender Persönlichkeiten des Vormärz bestand 4 , stellte einen weiteren Höhepunkt der Demagogenverfolgung dar. Nach der Märzrevolution von 1848/49 wurden die Karlsbader Beschlüsse wieder abgeschafft, doch die Nachwirkungen der Revolution 5 ließ Tausende fliehen.
2.3 Religiöse Motivation
Ein weiterer Grund, warum Europäer nach Übersee auswanderten, war die eingeschränkte Religionsfreiheit. Religionsgemeinschaften des deutschsprachigen Raumes wie Mennoniten, Herrnhuter, Pietisten, Baptistens und Quäker weigerten sich, der gesetzlich vorgeschriebenen Staatsreligion beizutreten.
Die religiös motivierte Auswanderung wurde stets als Gruppe vollzogen. Das Gemeindeoberhaupt führte seine Glaubensgemeinschaft in das neue Land. Das Gefühl, dass sie ihr gemeinsamer Glaube auch im fernen Land einen werde, stärkte die Gemeinschaft. 6
2.4 Individuelle Motivation
Bei dem Entschluss, das Heimatland zu verlassen, spielten nicht immer die schlechten sozialen Verhältnisse die tragende Rolle. Auch wenn hinzugefügt sei, dass es sich bei den Menschen, die beispielsweise aus Abenteuerlust oder von Liebe geleitet in die Vereinigten Staaten von Amerika wanderten, um einen kleinen Anteil der Auswanderer handelt.
3 Strukturen der Auswanderung ± Die Organisation der Aus-
wanderung in den Europäischen Häfen (insbesondere deut-
sche Häfen)
Im Folgenden werden die Abläufe der Auswanderung über die europäischen Häfen dargestellt. Als bevorzugte Auswandererhäfen in Europa sind zu nennen: Le Havre, Liverpool, Antwerpen, Bremerhaven und Hamburg. Da diese Häfen durch die Emigranten stark frequentiert wurden, entwickelte sich schon früh ein Geschäftszweig, der der Aus-wanderungsagenturen und -vereine.
3.1 Rolle der Agenturen, des Auswanderungsagenten
Der Auswanderungsagent mimte die eigentliche Organisation. War er zunächst als reiner Fahrkartenverkäufer tätig, half er dem Auswanderer ab Mitte des 19. Jahrhunderts dabei,
4 Foerster, Cornelia (1988): Das Hambacher Fest 1832. Volksfest und Nationalfest einer oppositionellen Massenbewegung, in:
Dieter Düding, Peter Friedemann, Paul Münch (Hrsg.): Öffentliche Festkultur. Politische Feste in Deutschland von der Aufkl ä-
rung bis zum Ersten Weltkrieg, Reinbek, S. 113±131
5 s. a. Hachtmann,Rüdiger (2002): Epochenschwelle zur Moderne. Einführung in die Revolution von 1848/49 - Reihe: Histori-
sche Einführungen 9; edition diskord.
6 Schulz, Karin (1994): Hoffnung Amerika. Europäische Auswanderung in die Neue Welt. Bremerhaven: NWD-Verlag, S. 213-26
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Arbeit zitieren:
Franziska Jahn, 2009, US-Amerikanische und Hamburgische Migrationsgesetzgebung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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