Major Martin Lammert Dienstgrad, Vorname, Name LGAN 2008, Hörsaal C
Kurzreferat
Krisenkommunikation im multinationalen Umfeld.
Zeit- und zielgerichtetes kommunikatives Krisenmanagement im Spannungsfeld nationaler und globaler Interessen.
Krisen sind Teil des Lebens und in ihnen liegt fast immer die Chance zu einem Neubeginn. Große Organisationen wie die Bundeswehr sind anfällig für Schaden- und Personenkrisen. Durch ihr jeweiliges Engagement wird eine Projektionsfläche geboten, die häufig auch Zielfläche ist.
Die Bundeswehr ist inzwischen weltweit engagiert. Insbesondere der Auslandseinsatz in Afghanistan, der mittlerweile siebenunddreißig Soldaten das Leben gekostet hat, birgt hohes Krisenpotenzial.
Umso wichtiger ist es, sich mit Krisenkommunikation im Geschäftsbereich des Bundesministers der Verteidigung aktiv auseinanderzusetzen. Krisenvorbeugung und Krisenvorbereitung sind hier ebenso zu nennen wie Krisenbewältigung und Krisennachsorge, um aus Krisen zu lernen und auf künftige Krisen oder krisenhafte Situationen vorbereitet zu sein.
Krisenkommunikation wird im multinationalen Umfeld zu einer besonderen Herausforderung. Die vorliegende Arbeit versucht Antworten auf Fragen zu geben, die im globalen Informationsraum des 21. Jahrhunderts für die Bundeswehr maximale Bedeutung haben und zeigt Handlungsoptionen auf, mittels derer Krisenkommunikation gelingen kann.
II
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1 Gegenstand der Arbeit 1
1.2 Die Krise. Versuch einer Definition 1
2. Die Krise aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht 1-2
2.1 Routinekommunikation in Abgrenzung zur Krisenkommunikation 2-4
2.2 Kommunikation aus der Sicht von Streitkräften 4-5
3. Kommunikationskultur der Bundeswehr 5-7
3. 1 Krisenkommunikation der Bundeswehr im multinationalen Umfeld 7-9
3.2 Krisenkommunikation bei Entführung eines deutschen Soldaten im
Auslandseinsatz 9-11
4. Wie Krisenkommunikation gelingen kann 11-14
5. Schlussbetrachtung und Ausblick 14-15
6. Anhang 16-32
III
1. Einleitung
Als eine der größten Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland erlebt und durchlebt die Bundeswehr immer wieder Krisen. Durch die fortwährende Dauer der Auslandseinsätze, darunter dem besonderem Engagement der Bundesrepublik Deutschland in Afghanistan, sieht sich die politische und militärische Führung der Bundeswehr immer häufiger mit schwierigen Situationen konfrontiert. Meldungen über verwundete oder gar gefallene deutschen Soldaten bilden den Rahmen innerhalb dessen sich die Bundeswehr bewegt.
1.1 Gegenstand der Arbeit
In der vorliegenden Arbeit soll Krisenkommunikation als ein wichtiges und notwendiges Instrument der Informationsarbeit vorgestellt werden. Desweiteren soll dargelegt werden, was Krisenkommunikation ausmacht und von der üblichen Kommunikation unterscheidet. Zudem werden Umstände, die Krisenkommunikation im Bereich des Bundesministers der Verteidigung erschweren, aufgezeigt und gleichzeitig Lösungsansätze und mögliche Handlungsoptionen für eine strategisch ausgerichtete Krisenkommunikation angeboten.
1.2 Die Krise. Versuch einer Definition
Was eine Krise ist, kann auf völlig unterschiedliche Art beantwortet werden. Streng etymologisch wird man, abgeleitet vom altgriechischen „Krinein“, sagen dürfen: Eine Krise ist eine Situation, in der ein gegebener Sachverhalt zur Entscheidung ansteht. Dieser Sachverhalt hatte in der antiken Vorstellung nicht das Bedrohungspotenzial, das ihm heute anhaftet. Vielmehr war es lediglich eine wichtige Situation im Leben eines Menschen, die nach einer Entscheidung verlangte. 2
2. Die Krise aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht
Inzwischen hat sich der Begriff der Krise maßgeblich verändert. Eine Krise ist eine bedrohliche Situation, in der an die Stelle der freien Entscheidung die eher erzwun-
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gene Reaktion getreten ist. Krisen, zumal im Sinne der Informationsarbeit der Bundeswehr 3 , sind nicht mehr schicksalhafte Scheidewege, an deren Kreuzungen man, wie ehemals Paris angesichts der Göttinnen Athene, Hera und Aphrodite, die Qual der Wahl hat. Vielmehr sind Krisen Situationen, die durch ein Eigenschaftsbündel zum Ausdruck gelangen: Die Krise zeitigt negative Auswirkungen, sofern keine angemessene Behandlung erfolgt. Ihre Behandlung ist angemessen, wenn sie auf eine möglichst weitreichende, tiefgehende und schnelle Minimierung oder Beseitigung der Negativfolgen abzielt.
Krise heißt von vorherein Negativ-Situation. Negativ im Sinne des Rufes oder des Bildes, das ein System in der Öffentlichkeit genießt, und negativ in der Konsequenz, die daraus folgt oder zu befürchten ist: nämlich in der Minderung der Akzeptanz des Systems in der Öffentlichkeit. Diese Akzeptanz kann sich, im Falle des Systems oder der Institution Bundeswehr, in Form von Irritation, Unverständnis und Ablehnung äußern - auf lange Sicht kein zu vernachlässigender Faktor. Ist die Legitimität, also die empirisch messbare Anerkennung der Öffentlichkeit 4 nicht mehr gesichert, so kann eine Negativ-Situation, bzw. Krise verheerende Folgen für die Legitimation haben: Die Legitimation, hier der politische Auftrag durch den Deutschen Bundestag, wird infrage gestellt oder, im schlimmsten Fall, nicht mehr erteilt. Eine Überlegung, die die Taliban-Kämpfer bei ihren immer weiter ausdifferenzierten Angriffen auf die Bundeswehr in Afghanistan vermutlich anstellen. Ein Beispiel für eine Negativ-Situation, die zum Beginn einer Krise werden kann, sind die so genannten, von der BILD-Zeitung 5 veröffentlichten „Schädel-Fotos“, die im Herbst 2006 - übrigens exakt am Tage der Herausgabe des neuen Weißbuches 6 - Politik und weite Teile der Öffentlichkeit schockierten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Krisen zeitlich und räumlich begrenzte Geschehnisse als Folge negativer Ereignisse 7 sind.
2.1 Routinekommunikation in Abgrenzung zur Krisenkommunikation
Der Begriff „Routine“ ist dem Französischen entnommen und meint eine durch Übung erlangte Fertigkeit oder Gewandtheit. 8 Im Zusammenhang mit Kommunikation ist Routinekommunikation die „normale“ Kommunikation zwischen Individuen, also die regelmäßig stattfindende Begleitkommunikation zu lokalen, nationalen und
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internationalen Ereignissen. Es ist die Routinearbeit, die alltäglich durch zahlreiche Mitarbeiter in Presseabteilungen überall in der Welt wahrgenommen wird. Pressekonferenzen, Begleitung von Medienvertretern, Bearbeitung von Medienanfragen und vieles mehr sind Tätigkeiten, die einen wesentlichen Beitrag zum geräuschlosen Ablauf von Routinekommunikation leisten. In „normalen“ Zeiten spricht man hier auch von der sogenannten offensiven Kommunikation 9 . Durch offensive Kommunikation werden Meinungen gemacht und Themen besetzt. Sie schafft auch einen Mei-nungsvorsprung, lässt Rechtfertigungsverlangen keinen Raum und zeugt so von Ve-rantwortungsbewusstsein. Offensive Kommunikation bedeutet, das „Heft des Handelns“ in der Hand zu halten (oder zurückzugewinnen) und berichtenswerte Themen vorzugeben, für die Medien interessant zu machen. In Krisenzeiten besteht ein erhöhter Kommunikationsbedarf, eben Krisenkommunikation. Kommunikation ist die primäre, vornehmste Aufgabe und Vorgabe in Krisenzeiten. Sie geht noch vor der Information. Kommunikation bedeutet aber auch Zuhören. Fragen, Ängste und Missverständnisse unmittelbar und mittelbar Betroffener müssen ernst genommen und erfragt, Risiken deutlich gemacht werden.
Krisen haben einen erkennbaren Anfang, jedoch kein absehbares Ende. Die Stärke und Dauer ist abhängig von der Öffentlichkeitswirksamkeit, also der Berichterstattung der Medien, und ob es den Verantwortlichen gelingt, angemessen zu reagieren. Hier setzt die Krisenkommunikation an. Ditges, Höbel und Hofmann legen in ihrem Buch „Krisenkommunikation“ dar, dass zu einer guten Krisenkommunikation grundsätzlich eine defensive, aber auch selbstbewusste Auseinandersetzung mit Sachinhalten gehört. 11 Der Verfasser dieser Arbeit ist hier anderer Ansicht. Es ist zu bedenken, dass eine selbstbewusste Auseinandersetzung mit Sachinhalten geführt werden sollte. Voraussetzung ist, dass dies aktiv geschieht, nämlich mit offensiver Kommunikation. Die Öffentlichkeit rechnet in einer Krise zunächst mit der sogenannten „Wagenburgmentalität“ bei den Betroffenen. Es empfiehlt sich, so zu reagieren, wie die Öffentlichkeit es eben nicht erwartet: „Ja, wir haben ein Problem, aber wir kümmern uns darum! Wir informieren frühzeitig und umfassend.“ Die öffentliche Meinung soll
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durch professionelle Krisenkommunikation direkt positiv beeinflusst werden. Zielführend ist, das Vertrauen der Öffentlichkeit - aber auch nach innen gerichtet, das der eigenen Mitarbeiter - zu erhalten oder wieder herzustellen.
2.2 Kommunikation aus der Sicht von Streitkräften
Militär ist schon qua Definition für den Einsatz in Krise und Krieg bestimmt. In besonderen Situationen wie Krise und Krieg erwartet das Militär den Rückhalt von Politik und Gesellschaft. Gleichzeitig erwartet die Gesellschaft durch die politisch und militärisch Verantwortlichen Informationen über alle relevanten Ereignisse, die das Militär betreffen. Die Informationsarbeit der Bundeswehr muss sich daher an dem Grundsatz orientieren, durch eine offene Darstellung den Auftrag der Bundeswehr, sicherheitspolitische Zusammenhänge und generelle Fragen des militärischen Dienstes von sich aus zu erläutern. Die Streitkräfte nehmen dadurch ihre verfassungsgemäße Informationspflicht 13 wahr. Den Rückhalt und das weitgehende Vertrauen können die Streitkräfte nur gewinnen und möglichst auch erhalten, wenn die Öffentlichkeit zeitnah, umfassend und sachgerecht informiert wird. All diese, meist auf normativen Regelungen basierenden Grundsätze, haben grundsätzlich auch in Krise und Krieg ihre Gültigkeit. 14 Besonders in bedrohlich und ungewiss wahrgenommenen Situationen steigt das Informationsbedürfnis der Bevölkerung exponentiell an. Allerdings offenbaren sich in dieser Phase auch mögliche Interessenkonflikte, nämlich einerseits das berechtigte Interesse der Bevölkerung und der Medien an In-formation und andererseits der Reflex der politischen und militärischen Führung, Informationen aus Gründen der Geheimhaltung zurückzuhalten. Die argumentative Vorbereitung militärischer Interventionen beruht daher auf verschiedenen Erfordernissen. Dabei geht es keineswegs darum, die Legitimität dieser Intervention pauschal infrage zu stellen, sondern darum, aufzuspüren, welche kommunikativen Schritte Regierende oder andere Interventionsbefürworter unternehmen müssen, wenn sie die Bevölkerung überzeugen wollen. Demokratische Öffentlichkeit reagiert umso betroffener und ist um so eher bereit, einer Intervention zuzustimmen, je höher die Zahl der
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Arbeit zitieren:
Martin Lammert, 2009, Krisenkommunikation im multinationalen Umfeld, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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