Gliederung:
0. Einleitung. 3
1. Definition des Untersuchungsgegenstandes. 5
1.1. Die Geschichte des Mountainbikes. 5
1.2. Die verschiedenen Ausübungsarten des Mountainbikings 7
1.3. Verschiedene Typisierungen von Mountainbikern. 9
2. Die rechtliche Situation in Deutschland 13
3. Die Problematik der Sportart Mountainbiking auf ökologischer Ebene. 16
3.1. Untersuchung des Verhaltens von Mountainbikern. 18
3.2. Die physikalischen Belastungen des befahrenen Untergrundes. 24
3.3 Die Auswirkungen des Mountainbikings auf den Boden. 26
3.4. Die Auswirkungen des Mountainbikings auf die Flora 29
3.5. Die Auswirkungen des Mountainbikings auf die Fauna 31
4. Fazit. 34
Literaturverzeichnis. 38
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0. Einleitung
In unserer Gesellschaft hat im Bereich der Lebensführung im Vergleich zu vergangenen Zeiten eine Verschiebung stattgefunden. Hierbei handelt es sich um eine Verschiebung, die von einem Werte- und Strukturwandel herrührt. Die Bedeutung, die die Arbeit in unserer Lebensgestaltung heute einnimmt ist in den letzten Jahren immer weiter zurück gegangen. Dieser Rückgang der Bedeutung von Arbeit im Rahmen der Alltagsgestaltung kommt der Aufwertung der Freizeit zugute. Die Freizeit und somit auch deren Gestaltung nimmt eine immer größer werdende Relevanz in der Lebensgestaltung ein.
Begründet werden kann diese Verschiebung durch eine seit den siebziger Jahren immer weiter anwachsende Mobilität sowie ein größeres Freizeitbudget der deutschen Bevölkerung. Der bereits angesprochene Wertewandel läßt sich durch Stichworte wie Selbstverwirklichung, Individualität, Genußstreben und Lebensqualität darstellen.
Dieser Wandel im Freizeitverhalten macht sich natürlich auch in den Freizeitsportarten bemerkbar. So läßt sich ein Trend im Bereich der Freizeitsportarten erkennen, der weggeht von den sportstätten- und vereinsgebundenen Sportarten, hin zu den alten und neu entstandenen Natursportarten. Die Tendenz geht eindeutig weg von der reinen Leistungsbetonung im Sport hin zu erlebnisreichem Genuß in dem, was wir unter Natur verstehen. „Der Natursport vereinigt in sich scheinbar mühelos sämtliche Schöpfungen der postmodernen Lebensstile.“ 1 Der Wunsch nach gesunder Bewegung in möglichst unberührter Natur und die Suche nach der Einheit von Körper und Geist, aber auch Abenteuer und Risiko scheinen die Antworten zu sein auf die Monotonie in Arbeit und Alltag mit ihrem Mangel an Selbstbestätigungsmöglichkeiten. Neben den traditionellen Natursportarten Wandern, Bergsteigen, Ski-, Rad- und Kanufahren, die einen Boom erfahren, sind vielfältige weitere Sportarten, wie z.B. Bungee- Springen, Sky- Diving, Free- Climbing, Mountainbiking oder Snowboarding neu hinzugekommen. Diese neuen Natursportarten entstehen immer durch technische Neuerungen und somit erweiterte Möglichkeiten, sind aber meistens auf die traditionellen Natursportarten zurückzuführen.
1 T. Wöhrstein (1998, S. 3).
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Aber auch die traditionellen Sportarten haben durch die fortschreitende Technisierung Veränderung erfahren. Dieser Spaß an vermehrtem Einsatz von Technik entspricht einem seit einigen Jahren in der Gesellschaft feststellbaren Trend. Der vermehrte Einsatz von Technik ermöglicht es den Sporttreibenden heute, beinahe bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit ihre Sportart zu betreiben, und sie erlaubt es mehr Menschen, in Gebiete vorzustoßen, die ohne diese neuen technischen Hilfen für sie nicht erreichbar wären. Mehr Menschen treiben heute Sport in der freien Landschaft und sind durch technische Weiterentwicklungen in der Lage, dies größtenteils wetter- und jahreszeitenunabhängig an beinahe jedem Ort zu tun. An dieser Stelle wird der Konflikt zwischen Natursport und Natur offenbar. In dem Mehr an Natursportlern, die in die wenigen in unseren Kulturlandschaften erhaltenen Rückzugsgebiete der Tier- und Pflanzenwelt eindringen, wird für die schützenswerten Arten eine Bedrohung gesehen. Einfache Verbote allein können diese Bedrohung nicht abwenden. Denn die Natursportler würden diesen Verboten entgehen, indem sie in andere Gebiete ausweichen. Dieses Ausweichen hätte lange Anfahrtswege zur Folge, und es fände lediglich eine Verschiebung der Problematik statt. Um diesen Konflikt zu lösen braucht es vielmehr „differenzierte, räumlich und zeitlich flexible Lenkungsmaßnahmen“ 2 .Um solche Lenkungsmaßnahmen ökonomisch so effektiv wie möglich gestalten zu können, muß zunächst sportartspezifisch eine genaue Untersuchung der ökologischen und sozialen Auswirkungen einer Sportart erfolgen, aufgrund derer solche Maßnahmen gezielt vorgenommen werden können.
Da das vorhergehende Seminar sich in erster Linie mit der Thematik „Wald“ beschäftigt hat, soll von mir eine Sportart untersucht werden, die gerade im Wald derartige Konflikte beinhaltet. Da die Fahrradindustrie in den letzten Jahren durch den Trend des Mountainbikings einen enormen Aufschwung erfahren hat und diese Sportart zu großen Teilen in waldigen Gebieten ausgeübt wird, ist es eine logische Schlußfolgerung, für das Mountainbiking die Auswirkungen auf die Natur zu untersuchen.
Das Ziel dieser Arbeit soll es daher sein, die Umweltverträglichkeit des Mountainbikings sowie deren Abhängigkeit vom Verhalten ihrer Anhänger zu beurteilen und eventuell Vorschläge zu ihrer Verbesserung auszuarbeiten.
2 T. Wöhrstein (1998, S.4).
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1. Definition des Untersuchungsgegenstandes
Um diese Untersuchung stimmig zu machen, bedarf es zunächst einer Definition dessen, was Inhalt der Diskussion ist. Dazu gehört zunächst eine Betrachtung der Entwicklungsgeschichte des Mountainbikes sowie eine Zusammenstellung der einzelnen Ausübungsarten und eine Typisierung derjenigen, die diese Sportart ausüben. Bei Aussagen über Strukturen der Ausübenden des Mountainbikings stütze ich mich in erster Linie auf die von Thomas Wöhrstein in seiner Dissertation verwandten Umfrageergebnisse. Diese Umfrage wurde in der Zeitschrift „Bike“ an die Leserschaft herangetragen. Außerdem wurden noch Fragebögen an Mitglieder einer deutschen Vereinigung von Mountainbikern verschickt. Die Resonanz der Umfrage war sehr groß und bietet somit auch eine fundierte Diskussionsgrundlage.
1.1. Die Geschichte des Mountainbikes
1966 wurde bei Restaurationsarbeiten in Madrid auf der Rückseite eines Blattes des „Codice Atlantico“ von Leonardo da Vinci die Zeichnung eines Fahrrades gefunden. Interessanterweise unterscheidet sie sich gar nicht allzusehr von Zukunftsvisionen heutiger Fahrradhersteller. 1790 stellte der Graf Mede de Sivrac sein „velocipede“ vor, eine Laufmaschine, die sich dadurch auszeichnete, daß ein massiver Holzbalken durch zwei Gabeln mit zwei Laufrädern verbunden war, die sich jedoch nicht lenken ließen. Damit hatte die feine Pariser Gesellschaft ein neues Freizeitvergnügen. 1818 wurde dieses Laufrad durch den Baron Karl Friedrich Christian Ludwig Drais von Sauerbronn weiterentwickelt. Er stellte in Paris seine Draisine vor, eine Laufmaschine, die jedoch durch einen drehbaren Mechanismus lenkbar wurde und so von großer Bedeutung für die Weiterentwicklung des Fahrrades wurde.
1869 fand in Paris die erste Fahrradmesse statt und der Deutsche Meyer präsentierte damals als Neuigkeit bereits ein Fahrrad, bestehend aus einem Rahmen aus Rohren und Laufrädern, die eine Vollgummibereifung erlaubten. 1871 kam ein gewisser James Starley auf die Idee, ein Laufrad mit Nabe und Speiche zu konstruieren. Und um die Übersetzung noch zu erhöhen kombinierte
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Starley ein riesiges Vorderrad mit einem kleinen Hinterrad. Das erste Hochrad war geboren und sollte die nächsten fünfzehn Jahre den Fahrradbau und die Fahrradrennen dominieren. 1885 erfand der Brite H. J. Lawson ein Fahrrad mit zwei gleich großen Rädern, mit Kettenantrieb und Freilaufkranz, im Verhältnis zum schwindelerregenden und schwer balancierbaren Hochrad ein Sicherheitsrad, es war mehr oder minder das Fahrrad von heute. Wer hätte sich das 1974 gedacht, als eine Gruppe kalifornischer Jungs begann, mit ihren schweren selbstgebastelten Bikes den Mount Tamalpais bei San Francisco hinunter zu rasen, daß sie eine gigantische Entwicklung des Fahrrades in Gang bringen würden? Die Beteiligten wußten es damals nicht, denn eigentlich wollten sie mit ihren Downhill- Rennen und mit ihren Basteleien an ihren „Ballon Bombers“ nur Spaß in ihrer Freizeit haben. Basis ihres Spaßes war ein ausgedientes Schwinn Excelsior, das aber viel zu schwer war um den Berg hinaufzufahren. Doch das war kein Problem, es war ohnehin bequemer mit Lastautos zum Start zu fahren.
Gary Fisher begann jedoch Schaltungen zu montieren, und Charles Kelly sorgte mit seinem Fachblatt, dem „Fat Tire Flyer“ für die zunehmende Popularität der Szene. Dann ließ 1979 Joe Breeze die ersten Mountainbikerahmen bauen. Einen dieser Rahmen bekam Mike Sinyard zu sehen, den das Konzept des Mountainbikes völlig begeisterte.
Der Rest ist Gegenwartsgeschichte; eine Kombination aus wirtschaftlichen, technologischen, politischen und kulturellen Veränderungen führte zu einer völlig neuen Bewertung des Fahrrades. Und das Konzept des Mountainbikes, eines Fahrrades, mit dem man jederzeit und in jedem Gelände losfahren und seinen Spaß haben konnte, begeisterte die Menschen. Nie zuvor wurden so viele Fahrräder auf der Welt verkauft wie durch den Mountainbike- Boom. 1987 überstieg die Zahl der weltweit produzierten Fahrräder die 100- Millionen- Grenze. Das Fahrrad ist wieder zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden.
Der Grund ist einfach: Die unerreichten Vorteile des Radfahrens wurden von der breiten Masse wieder entdeckt als ein Mittel zum Spaß an der Bewegung, als Gesundheitssport, als rasches Fortbewegungsmittel im Alltag.
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1.2. Die verschiedenen Ausübungsarten des Mountainbikings
Mountainbiking wird aus den verschiedensten Motivationen heraus von einem breiten Personenspektrum ausgeübt. Es ist sowohl Breiten-, Freizeit- wie Wettkampfsport, für manche ist das Mountainbike sogar nur eine Art der Fortbewegung für Alltag und Freizeit, für andere eine Modeerscheinung. Im Tourismus hat es ebenfalls eine wachsende Bedeutung. Als Breitensport wird das Mountainbiking in der Freizeit von einem großen und sehr heterogenen Personenspektrum bevorzugt in möglichst naturnah erscheinenden Wald- oder Kulturlandschaftsgebieten ausgeübt. Hier ist es sowohl Wochenend- wie Feierabendsport oder aber nur ein Fortbewegungsmittel für Spaziergänger auf zwei Rädern. Der größte Teil dieser Gruppe von Mountainbikern läßt sich hier auf die Disziplin des Cross- Country vereinen. Verschiedene Rundstrecken werden mit entweder mehr sportlicher oder eher naturbezogener Motivation abgeradelt. Wichtiges Motiv aller Freizeitmountainbiker ist das Fehlen von Kraftzeugverkehr auf den benutzten Wegen.
Neben dem Breitensport läßt sich noch die Kategorie des Rennsports definieren. Bereits im Jahr 1987 wurden in Deutschland die ersten Rennen organisiert. Die Zahl solcher Rennen ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. Inzwischen werden dieserart Veranstaltungen vermarktet, es gibt Profifahrer, sowie nationale und internationale Meisterschaften. Im Jahre 1996 war Mountainbiking in seiner Cross- Country- Ausübungsform bei der Olympiade in Atlanta zum ersten Mal olympische Disziplin.
Der Mountainbike- Wettkampfsport läßt sich in sechs verschiedene Kategorien einteilen, wobei Cross- Country und Downhill mit Abstand die größte Bedeutung besitzen: 3 n Cross- Country- Rennen sind Rundstrecken auf abgesperrten Parcours von fünf bis zehn Kilometern Länge, die mehrmals befahren werden. Die Renndistanz beträgt etwa 50- 60 Kilometer und der Start erfolgt als Massenstart. Sieger ist, wer die Ziellinie als erster überquert.
3 Vgl. hierzu T. Wöhrstein (1998, S. 12).
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n Downhill- Rennen sind reine Bergabrennen, vergleichbar mit einem Skirennen. Der Start erfolgt als Einzelstart. Sieger ist, wer die Strecke in der kürzesten Zeit bewältigt hat. Da diese Rennen sehr schnell und spektakulär sind, bieten sie sich für Fernsehübertragungen an. n Uphill- Rennen sind reine Bergauffahrten, die ebenfalls im Einzelstart erfolgen. Auch hier geht es darum, die vorgegebene Strecke so schnell wie möglich zu bewältigen. Wegen den geringen Fahrgeschwindigkeiten sind sie nur von untergeordnetem Medieninteresse. n Parallelslaloms sind kurze Abfahrtsrennen, bei denen jeweils zwei Fahrer im K.o.- System auf zwei parallel gesteckten Slalomstrecken gegeneinander fahren.
n Trialwettbewerbe sind Geschicklichkeitsfahrten, bei denen es in erster Linie um die Körper-und Fahrzeugbeherrschung geht. Eine in einem schwer zu befahrendem Terrain abgesteckte Strecke muß in möglichst kurzer Zeit mit so wenigen Bodenkontakten wie möglich befahren werden.
n Marathonrennen sind Langstreckenrennen mit teilweise über 100 Kilometern Länge. Dabei gibt es sowohl Rennen, die auf einem Rundkurs, der ein- oder mehrmals zu befahren ist, ausgetragen werden, wie auch Rennen, bei denen Start und Ziel nicht am selben Ort liegen. Bei Marathonrennen starten oft mehrere hundert Fahrer im Massenstart. Aufgrund der großen Anzahl der Teilnehmer werden Mountainbike- Marathons vorwiegend auf breiten und befestigten Wegen durchgeführt.
Neben den bisher beschriebenen Kategorien des Mountainbikings geht zudem eine Entwicklung in der Tourismusbranche einher. Gerade die klassischen Wandergebiete Europas haben seit einigen Jahren einen deutlichen Rückgang der Urlauberzahlen hinnehmen müssen, ein Trend der bis heute anhält. Einige Regionen haben im Mountainbiking eine Möglichkeit erkannt, diesen Trend umzukehren, ihr Image zu verändern und damit wieder vermehrt jüngere Menschen für ihre Regionen zu interessieren. Dabei ist der Aufwand für die Gemeinden vergleichsweise gering, da die notwendige Infrastruktur, insbesondere die Erschließung durch ein flächendeckendes Wegenetz, bereits durch den Wegebau für Forst-, Jagd- insbesondere aber durch das Wanderwesen vorhanden ist.
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Arbeit zitieren:
Kerstin Eidam, 1999, Giants, Bambi und Single Trails - Konflikte zwischen Sport und Natur, München, GRIN Verlag GmbH
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