Inhalt
I.) „Die Moral und die Kultur“: Vorstellung der Positionen Freuds und Nietzsches 3
1.) Sigmund Freud: „Das Unbehagen in der Kultur“ 3
2.) Friedrich Nietzsche: „Zur Genealogie der Moral“ (ohne dritte Abhandlung) 6
II.) Analyse von Ähnlichkeiten und Unterschiede beider Texte anhand
verschiedener Aspekte 8
1.) Die Entstehung von Kultur: Triebunterdrückung für Sicherheit - ein fairer
Tausch ? 8
2.) Der Umgang des Menschen mit der Kultur 10
a) Triebe vs. Gewissen: das psychoanalytische Modell Sigmund Freuds 10
b) Entstehung von Schuldbewusstsein und Gewissen bei Friedrich Nietzsche 12
3.) Moral - eine positive Errungenschaft der Kultur? 13
a) Kultur-Über-Ich und Religion bei Freud 13
b) Nietzsche: Ursprung der Moral im Christentum 15
III.) Schlussresümee - sind die Theorien Freuds und Nietzsches plausibel? 16
I.) „Die Moral und die Kultur“: Vorstellung der Positionen Freuds und Nietzsches
1.) Sigmund Freud: „Das Unbehagen in der Kultur“
Das Zitat Sigmund Freuds aus seinem Aufsatz: „Das Unbehagen in der Kultur“ -und ebenso dessen Überschrift- zeigt bereits, in welche Richtung das Freudsche Konzept abzielt: Die Kulturerrungenschaften scheinen nicht nur positive Aspekte, sondern auch negative Auswirkungen für den Menschen zu beinhalten. Zusammengefasst versucht Freud also in seinem Aufsatz herauszufinden, was Kultur für den Menschen bedeutet und welche Bedingungen damit verbunden sind. Zu diesem Zweck teilt sich die Schrift in 8 Kapitel, in denen er Schritt für Schritt die Beschaffenheit des Menschen außerhalb und innerhalb der Kultur untersucht. Im 1. Kapitel untersucht Freud den Menschen an sich und stellt dabei anhand der Psychoanalyse fest, dass der Mensch über verschiedene innere Instanzen verfügt, welche sich alle aus einer primären Quelle im Kindesalter herausgebildet haben: einer Art primärem Ich-Gefühls, welches heute seiner Ansicht nach die Grundlage für
1 Freud, Sigmund (1970): Das Unbehagen in der Kultur. Frankfurt a. M. (S.83)
2 Karikatur des Unbewussten in Beziehung zum modernen Menschen
(www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22643/22643_3.jpg)
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Religiösität darstellt. Erst durch Lust- und Unlusterfahrungen lernt der Mensch mit dem Älterwerden, eine Außenwelt von der Innenwelt abzusondern. Nach dieser Feststellung geht er über zu Kapitel 2, in dem er den Sinn des Daseins im Individuum untersucht. Er stellt fest, dass der Mensch vom Streben nach Glück geleitet wird, welches sich durch das Lustprinzip definieren lässt. Hier zeigt sich bereits eine erste Problematik: maximale, andauernde Lust lässt sich weder erzeugen noch könnten wir sie dann noch als solche empfinden.
Dagegen drohen aus mehreren Quellen Unlust: die größte Gefahr besteht hier in der sozialen Leidensquelle, wie Freud in Kapitel 3 feststellt. Unser Wunsch nach sozialen Beziehungen beinhaltet aber gleichzeitig größte Lust- UND Unlusterfahrungen, was also zu Problemen führen muss! Mit dem Streben nach sozialen Beziehungen geht auch das Vorantreiben einer Kultur einher - die Kultur enthält also ebenfalls einen ambivalenten Charakter. Freud untersucht nun diese Zweischneidigkeit der Kultur und stellt fest, dass uns die Kultur einerseits viele Vorteile bringt (Nutzen, Schutz vor der Natur, Regelung der sozialen Beziehungen, etc.), aber genauso auch Nachteile beinhaltet. Der größte Nachteil liegt in der Triebsublimierung.
Im 4. Kapitel macht sich Freud Gedanken über den möglichen Ursprung der Kultur und findet ihn in der Macht der Liebe und der Arbeitsteilung. Durch die Kultur entstehen Pflichten und Einschränkungen (keine uneingeschränkte Ausübung des Sexualtriebes mehr!) für das Liebespaar oder die Familie, welche diese aber nicht erfüllen wollen - es kommt zum Widerspruch. Warum aber ist der Mensch in der Kultur überhaupt auf zielgehemmte Liebesbeziehungen wie Freundschaft etc. angewiesen? Freud gibt die Antwort hierfür in Kapitel 5 mit der Einführung des Aggressionstriebes. Aufgrund von Kultur werden also die zwei wichtigsten Triebe gehemmt: der Aggressionstrieb UND der Sexualtrieb. Kapitel 6 behandelt das Verhältnis Aggressionstrieb - Sexualtrieb genauer und zeigt auf, dass beide Triebe wie eine Art Naturprinzip auftreten und als Thanatos und Eros gegeneinander arbeiten. In der Kultur äußert sich der Todestrieb einerseits durch den Aggressionstrieb nach außen und andrerseits durch Sublimierung gegen das
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eigene Ich. Kulturentwicklung lässt sich dadurch als „Lebenskampf der Menschenart“ 3 bezeichnen!
In Kapitel 7 betrachtet Freud nun die Auswirkungen des Aggressionstriebes im Individuum und stellt fest, dass die Aggressionen gegen das eigene Ich sich als Über-Ich im Menschen festsetzen. Das Über-Ich macht sich durch das Gewissen bemerkbar, welches wiederum zu Schuldbewusstsein, Strafbedürnis und Schuldgefühl führt. Es findet erst durch diese Vermögen die Unterscheidung zwischen Gut und Böse statt, welche wir aus Angst vor dem Liebesverlust befolgen. Das letzte Kapitel 8 stellt nun eine Art zusammenfassende Schlußfolgerung aus den anderen Kapiteln dar: Der Mensch kann aufgrund des Über-Ichs und der damit verbundenen Schuldgefühle nicht mehr glücklich werden, da er seine Triebe nicht mehr frei ausleben darf. Ebenso wie das individuelle Über-Ich gibt es auch ein KulturÜber-Ich, welches analog zum individuellen funktioniert und die Ethik geschaffen hat. Der Mensch kann aber in seiner triebhaften Veranlagung diese Gebote nie ganz befolgen, weshalb Ethik insgesamt nicht anthropologisch ist! Freud bringt in diesem Zusammenhang auch die Religion ins Spiel und argumentiert ähnlich. Wichtig zu erwähnen ist abschließend noch, dass sich Freud von einer klaren Antihaltung gegen die Kultur distanziert und sich selbst als unparteilich betitelt. 4
Während sich Sigmund Freud also auf der Ebene der Psychoanalyse dem Thema der Moral in der Kultur nähert, schlägt Friedrich Nietzsche einen ganz anderen Weg ein. Im Folgenden möchte ich deswegen nun seinen Aufsatz zur Moral darstellen.
3 Freud, Sigmund (1970): Das Unbehagen in der Kultur. Frankfurt a. M. (S.110)
4 Freud, Sigmund (1970): Das Unbehagen in der Kultur. Frankfurt a. M. (S.128)
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Arbeit zitieren:
Sandra Straube, 2010, Friedrich Nietzsche und Sigmund Freud - ein Vergleich aus moralanthropologischer Sicht, München, GRIN Verlag GmbH
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