Gliederung
0 Einleitung
1 Die Notwendigkeit von Bewegung für die Entwicklungsförderung
1.1 Kinder brauchen Bewegung
1.2 Die Rahmenrichtlinien für den Schulsport in Hessen
2 Das Konzept der Sportartendominanz
2.1 Argumente, für eine Überarbeitung des Konzepts der Sportarten
2.1.1 Die Ausdifferenzierung der Inhalte von Sport und Bewegung
2.1.2 Die Entwicklungsaufgaben des Sportunterrichts
2.1.3 Die Differenzierung sportwissenschaftlicher Ausbildungsgänge
3 Alternative Überlegungen zum Konzept der Sportarten
4 Das Marburger Konzept „Grundthemen des Bewegens“
5 Die Überprüfung der „Grundthemen des Bewegens“ anhand der Praxis
6 Fazit
2
Literaturverzeichnis
BALZ, E. et. al.: Schulsport - wohin? Sportpädagogische Grundfragen. In: Sportpädagogik 1997, Heft 1, S. 14-18.
BRÄUTIGAM, M.: Leitlinien zur Sportlehrerausbildung. In: HILDENBRANDT, E./ FRIEDRICH,
EHNI, H.: Sport und Schulsport. Schorndorf 1977.
EHNI, H./ KRETSCHMER, J./ SCHERLER, K.: Spiel und Sport mit Kindern. Reinbek 1985. HELMKE, C.: Zur Arbeit an und mit den Rahmenplänen Sport im Land Brandenburg. In:
Der neue Lehrplan Sport für die Sekundarstufe Ι in Schleswig-Holstein. In: KOLB, M.:
KRETSCHMER, J.: Zur Auswahl und Ordnung der Inhalte im Hamburger Lehrplan für den „Sport
KULTUSMINISTER, der hessische: Allgemeine Grundlegung der hessischen Rahmenrichtlinien. Der hessische Kultusminister. Wiesbaden 1987. KUNZ, T.: Weniger Unfälle durch Bewegung. Schorndorf 1993. KURZ, D.: Kinder brauchen Bewegung: Überlegungen zur pädagogischen Verantwortung des
KURZ, D.: Schulsport in Nordrhein -Westfalen. Das pädagogische Konzept der Richtlinien-und Lehrplanrevision. In: Sportunterricht 1998, Heft 4, S. 141-147.
LEIST, K.- H./ LOIBL, J.: Problemorientiertes, experimentelles und projektorientiertes Lehren und
3
LEIST, K.- H.: Lernfeld Sport. Reinbek 1993. MARBURGER SPORTPÄDAGOGEN: „Grundthemen des Bewegens“. Eine
SCHERER, H.- G./ BIETZ, J.: Bewegungslernen als pädagogisches und hochschuldidaktisches
SCHERLER, K.(Hrsg): Inhalte und Themen des Schulsports. Sankt Augustin 1995, S. 229-236. SCHMIDT, W.: Kindheit und Sportzugang im Wandel- Konsequenzen für die Bewegungserziehung? In: Sportunterricht 1993, Heft 1, S. 25-32. SCHMIDT, W.: Veränderte Kindheit- veränderte Bewegungswelt: Analysen und Befunde. In: Sportwissenschaft 1997, Heft 27, S. 143-160.
STIBBE, G.: Impulse für die Schulsportentwicklung aus der Perspektive des Konzepts
TEUBNER, J.: Lehrplaninhalte im Schulsport - Entwicklungen in der DDR(1946-1989). In: BORKENHAGEN, F./ SCHERLER, K.(Hrsg): Inhalte und Themen des Schulsports. Sankt Augustin 1995, S. 251-261. TREBELS, A.: Spielen und Bewegen an Geräten. Reinbek 1983, S. 9-49. VORLEUTER, H.: Ein neuer Lehrplan für das bayerische Gymnasium - Ein neuer Fachlehrplan für
0 Einleitung
Die Studienberatung im Rahmen der Orientierungswoche für Studienanfänger im Fach Sport hat unter anderem die Aufgabe, den neuen Studierenden die einzelnen Organisationsformen praktischer Übungen zu erläutern. Neben Wahlfächern, Grundübungen und den zugeordneten Vertiefungsübungen gehören seit dem Sommersemester 1997 auch die „Grundthemen des Bewegens“ in diesen Bereich. Innerhalb der neu konzipierten Studienordnung unseres Instituts nehmen die „Grundthemen des Bewegens“ eine zentrale Rolle ein.
Jene konstituierende zentrale Rolle im Rahmen des Konzepts eines Sportstudiums am Institut für Leibesübungen und Sportwissenschaft in Marburg sowie die mitunter auftretenden Schwierigkeiten, diese Rolle den Studienanfängern plausibel zu machen 1 , waren der Anlaß mich in dieser studienbegleitenden Hausarbeit näher mit den Hintergrundgedanken dieser Konzeption auseinanderzusetzen.
Die Notwendigkeit dieser Überlegungen wurde noch durch den in der Zeitschrift „Sportunterricht“ erschienenen Artikel der Marburger Sportpädagogen unterstrichen 2 , der auch gleichzeitig den Basisartikel dieser Hausarbeit darstellt. Jener Artikel stellt in meinen Augen einen Erklärungsversuch dar, wie die Neukonzeption der Studienordnung entstanden und zu begründen ist. Diese Erklärung ist sowohl für Außenstehende als auch für mit dem Institut vertraute Personen dienlich. Die Argumentationsstruktur des Artikels findet in meinen Ausführungen grundsätzlich Verwendung, sie wird jedoch noch um einige Aspekte erweitert.
Im ersten Kapitel der Ausarbeitung werde ich mich mit den Grundvoraussetzungen der Diskussion um die Notwendigkeit der Sportartendominanz auseinandersetzen, indem die Frage untersucht wird, welche Bedeutung Bewegung ganz allgemein für den Menschen und speziell für Kinder hat. Hierzu werden auch die Forderungen der Rahmenrichtlinien an den Sportunterricht in Hessen untersucht.
1 Da ich seit Einführung der “Grundthemen des Bewegens“ jedes Semester eine Studienberatung für
Erstsemester durchgeführt habe, spreche ich aus Erfahrung bei der Behauptung, Studienanfängern fiele es
schwer, diese Organisationsform der praktischen Ausbildung nachzuvollziehen.
2 Marburger Sportpädagogen (1998)
5
Dieses Kapitel soll die Berechtigung der Diskussion um Spezialistentum im frühesten Kindesalter aufzeigen und somit auch untermauern, daß solche Neukonzeptionen, wie sie in Marburg vorgenommen wurden, nicht als zwecklos bezeichnet werden können.
Der zweite Abschnitt der Arbeit befaßt sich mit dem meist im Sportunterricht und in der Sportlehrerausbildung vorherrschenden Konzept der Sportartendominanz. Hie r geht es um die Beschreibung des bisherigen Systems, sowie die Erläuterung der Kritikpunkte. An dieser Stelle ist es wichtig herauszuarbeiten, wieso das Konzept der Sportarten einer Sportkultur von heute nicht mehr gerecht werden kann und welche Defizite es aufweist, die seine Anwendung in Schulen und somit auch in der Sportlehrerausbildung unangebracht erscheinen lassen.
In der folgenden Passage werden die bereits bestehenden Versuche, die Sportartendominanz aufzulösen, angeführt und erläutert. Denn die Marburger Sportpädagogen sind nicht die ersten, die die Problematik der Entwicklung in Richtung eines Spezialistentums erkannt und darauf reagiert haben. In Abgrenzung und als Ergänzung zu diesen Alternativen werde ich im anschließenden Teil der Hausarbeit erläutern, welche Möglichkeiten nun gerade das von den Marburger Sportpädagogen favorisierte Konzept der „Grundthemen des Bewegens“ bietet.
Bevor ich in einem Fazit die Argumentation noch einmal zusammenfassen und hinsichtlich der zentralen aufgeworfenen Fragen beurteilen werde, soll der vorherige Abschnitt noch den Basisartikel der Marburger Sportpädagogen um einen entscheidenden Aspekt erweitern. In diesem Bericht wurde bemängelt, daß es wegen der kurzen Probezeit nicht möglich sei, die Erfahrungen zu beurteilen, die im praktischen Bereich nun tatsächlich mit dieser Konzeption gemacht wurden. Da ich nun zur ersten Generation von Studierenden gehöre, die in den manchmal zweifelhaften Genuß der Grundthemen im Rahmen der Praxisausbildung gekommen sind, habe ich wenigstens einen kleinen Erfahrungsschatz, über den ich an dieser Stelle berichten kann, und den ich mit den theoretischen Überlegungen zu diesem Thema überprüfen und vergleichen kann. Meiner Meinung nach sollte hier die Frage geklärt werden, ob dieses Konzept imstande ist, das, was es theoretisch verspricht, auch in die Praxis umzusetzen. Mein Ziel dieser Arbeit ist es schließlich, mir und anderen Studierenden plausibel machen zu können, warum ich mich als Sportstudent in Marburg mit für mich selbst motorisch so einfachen Dingen wie Gleiten und Tauchen im Wasser, Hüpfen und Gehen nach Musik oder verschiedenen Möglichkeiten an
6
Ringen zu schwingen beschäftigen muß, sowie das gedankliche Gerüst, das diese Leistungsanforderungen hervorbringt. Wobei ich anmerken möchte, daß sogar für manch einen Studenten 3 das Schwimmen von unglaublich guten Zeiten einfacher ist als z.B. das Balancieren auf einem Ast.
1 Die Notwendigkeit von Bewegung für die Entwicklungsförderung
Manch einer, der in der sportpädagogischen Diskussion um die Erstellung von Konzepten für die Praxisvermittlung nicht allzusehr bewandert ist, wird sich an dieser Stelle vielleicht fragen, warum die Auseinandersetzung mit verschiedenen Didaktiken überhaupt nötig ist. Die Aufgabe von Schulsport soll schließlich das Heranführen an Sportarten und somit das Zuarbeiten zum organisierten Vereinssport sein. Aber ist es wirklich die einzige Aufgabe von Schulsport als Handlanger für Vereinssport zu fungieren? Und wenn dies verneint werden kann, welche weiteren Forderungen sollten an den Sportunterricht in der Schule gestellt werden?
Um die Relevanz dieser Überlegungen in Bezug auf die Didaktik von Schulsport und dementsprechend dem Inhalt eines Lehramtsstudiums im Fach Sport herauszustellen, wird in diesem Kapitel die grundlegende Bedeutung von Bewegung für Kinder und ihre Entwicklung erläutert, beziehungsweise welche negativen Auswirkungen Bewegungsarmut auf die Entwicklung von Kindern ausüben kann. Um die Aufgaben des Sportunterrichts in der Schule nähe r zu erläutern, sollen diese anhand der hessischen Rahmenrichtlinien überprüft werden.
1.1 Kinder brauchen Bewegung
Mit der zunehmenden Industrialisierung ist in unserer Gesellschaft eine entscheidende Bewegungsarmut eingetreten. Durch den technischen Fortschritt ist der Mensch zur Lebensbewältigung immer weniger
3 Da es häufig zu Störungen im Textfluß kommt, wenn auf die Schreibweise von männlicher und weiblicher
Form wie z.B. Studenten/innen bestanden wird, möchte ich mich hier darauf festlegen, daß die eventuell
männlich verwandte Form von Bezeichnungen auch weibliche Personen mit einschließt und ich somit auf
diese Unterscheidung im folgenden Text verzichten werde.
7
gezwungen, physische Belastungen zu ertragen. Die technischen Möglichkeiten machen es uns heute möglich, körperliche Anstrengungen in großem Maße zu vermeiden.
Diese allgemeine Unnötigkeit von zuviel Bewegung halten wir für ein Merkmal des Fortschritts, da alle möglichen Maschinen und Fahrzeuge uns diese Anstrengungen in immer größer werdendem Maße abnehmen, aber in Wirklichkeit macht uns dieser Fortschritt krank. Denn dadurch wird nur die bereits herrschende Bewegungsarmut in unserer Gesellschaft gefördert, einhergehend mit der Vermeidung von zuviel Bewegung im Erwachsenenalter. Dieses Gefühl, es gehe im Prozeß des Erwachsenwerdens auch darum, Bewegung immer mehr zu meiden, wird automatisch auf die Heranwachsenden übertragen. 4 Die Art, wie der Mensch sich uns heute präsentiert, ist das Ergebnis eines Evolutionsprozesses, aus dem er verschiedene biologische Eigenschaften ererbt hat. Dieser Mensch ist von der ihm objektiv neuartigen gegenüberstehenden Umwelt in physischer Hinsicht deutlich unterfordert. Dies wird durch den fortschreitenden technischen Fortschritt noch unterstützt.
Im Hinblick auf die Entwicklung von Heranwachsenden ist die Tatsache bedeutsam, daß sowohl die gesellschaftliche wie auch die natürliche Umwelt das biologische System des Menschen prägt. Durch die auf den Menschen einwirkenden Umweltreize entwickeln sich seine Anlagen zu Fähigkeiten und Fertigkeiten. Zu diesen wesentlichen Umweltreizen gehören auch physische Belastungen. Je mehr diese ausbleiben, desto weniger stringent und umfassend wird die Entwicklung eines Kindes vorangetrieben. Ebenso führt eine geringe Funktion durch wenig physische Belastung zu einer herabgesetzten Leistungsfähigkeit und eine hohe Funktion des Körpers allgemein zu einer gesteigerten Leistungsfähigkeit.
Kinder haben zunächst ein natürliches Bedürfnis, sich viel zu bewegen. Der Fortschritt mit der Vermeidung von zuviel Bewegung überträgt sich jedoch auf sie und macht gerade sie besonders krank, da für ihre Entwicklung die Bewegung eine besonders große Rolle spielt. Die Folgen von Bewegungsmangel betreffen den Körper, die Motorik, die Wahrnehmung, die Motivation und ebenso das soziale Verhalten.
4 Vgl. hierzu D. Kurz (1989, S. 60f).
8
Arbeit zitieren:
Kerstin Eidam, 1999, Die Grundthemen des Bewegens im Rahmen der Sportlehrerausbildung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Kerstin Eidam hat den Text Die Grundthemen des Bewegens im Rahmen der Sportlehrerausbildung veröffentlicht
Kerstin Eidam hat einen neuen Text hochgeladen
Trika: Grundthemen des kaschmirischen S´ivaismus
Salzburger Theologische Studie...
Bettina Bäumer, Ernst Fürlinger
Kirchengeschichtliche Grundthemen
Historisch - systematisch - di...
Rainer Lachmann, Herbert Gutschera, Jörg Thierfelder
Einführung in die Sportpsychologie 1. Grundthemen
Hartmut Gabler, Jürgen R. Nitsch, Roland Singer
Sicher durch das 2. Staatsexamen
Oliver Elzer, Ulrike Lemmel, Gernot Schiller, Karsten Westphal, Ezra Zivier
0 Kommentare