Otto Friedrich Universität Bamberg
Lehrstuhl Soziologie II
Proseminar Lektüre Soziologischer Klassiker - Simmel, Mead, Habermas Wintersemester 2001/2002
Seminararbeit im Bereich der Soziologie
WS 2001/2002
Jürgen Habermas: Theorie kommunikativen Handelns und Diskursethik
Maia Tabukashvili
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 3
1. Einleitung. 4
2. Soziologische Handlungsmodelle 4
2.1Teleologisches Handeln 5
2.2 Normenreguliertes Handeln. 7
2.3 Dramaturgisches Handeln 8
2.4 Kommunikatives Handeln 9
3. Universalisierung der Moral und die Diskursethik 13
4. Diskursethische Begründung kommunikativen Handelns 17
5. Schluss 18
6. Literaturverzeichnis. 21
3
1. Einleitung
In der vorliegenden Seminararbeit wird versucht; die handlungstheoretischen Grundzüge des zeitgenössischen Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas zu skizzieren.
Dabei werde ich als erstes auf die in Sozialwissenschaften meist implizit verwendeten Handlungsbegriffe des teleologischen, strategischen, dramaturgischen und kommunikativen Handelns eingehen. Diese Handlungsbegriffe werden bei Habermas aus der Perspektive der „kommunikativen Rationalität“ analysiert.
Als zweites beschäftigt sich die Arbeit mit der Diskurstheorie Habermas. In diesem Zusammenhang werden die für die Entstehung seiner Diskursethik bedeutenden Theorien von Kant, Mead und den Utilitaristen von Habermas aufgegriffen. Weiterhin wird verfolgt, wie Habermas seine Diskursethik auf die Intersubjektivität der Menschen und auf die durch die Rationalisierung der Gesellschaft erfolgte Universalisierung der Moral aufbaut.
Als drittes werde ich auf die diskursethische Begründung des kommunikativen Handelns eingehen. Hier wird die Problematik der Diskursethik in dem Sinne aufgegriffen, daß Kriterien nahegelegt werden, welche die Diskursethik Habermas’ zur Maxime für die „nicht-zerstörte“ herrschaftsfreie Sprechsituation macht.
2. Soziologische Handlungsmodelle
Bevor man sich mit Habermas’ Beschreibung der soziologischen Handlungsmodelle näher beschäftigt, muss erwähnt werden, dass Sprach- und Handlungssituationen bei Habermas eins sind. „Dort, wo der Mensch nicht unmittelbar erfolgsorientiert handelt, ist die sprachliche Kommunikation auf intersubjektive Verständigung angelegt“ 1
1 Weiss, Hilde: Soziologische Theorien der Gegenwart. Darstellung der großen Paradigmen. Wien: Springer 1993. S. 200.
4
Die Sprache erhält in der Handlungstheorie Habermas’ einen besonderen Stellenwert, denn Habermas entwickelt die Handlungstheorie aus dem Standpunkt, dass sich das Wissen auf die Sprache selbst begründet und die Rationalisierung der Gesellschaft auf ein Vernunftpotential zurückzuführen ist, das im sprachlich vermittelten kommunikativen Handeln integriert ist.
In seinem handlungstheoretischen Ansatz unterscheidet Habermas zwischen vier „für die sozialwissenschaftliche Theoriebildung relevant gewordenen
Handlungsbegriffen“ 2 : zwischen dem teleologischen, dem normenregulierten, dem dramaturgischen und dem kommunikativen Handlungsbegriff.
Dabei werden bei Habermas nur solche Äußerungen als Handlungen bezeichnet, mit denen der Handelnde eine Beziehung zu mindestens einer von drei Welten aufnimmt. Der Dreiweltbegriff in der Handlungstheorie Habermas’ entstammt der Dreiwelttheorie Poppers. Dabei werden zwischen der objektiven, der sozialen und der subjektiven Welt unterschieden. Von diesen Weltbezügen, die Habermas dem Aktor unterstellt, hängen die Aspekte der möglichen Rationalität seines Handelns ab. Mindestens eine der drei Welten wird für den Handelnden vorausgesetzt. 3 Da das kommunikative Handeln eine Verständigung bedeutet, werden die Handlungsmodelle danach bewertet, in welchem Maße die sprachliche Äußerungen der Aktoren an Verständigung orientiert sind.
2.1Teleologisches Handeln
Zur Einführung des teleologischen Handelns weist Habermas darauf hin, dass sich dieser Begriff seit Aristoteles im Mittelpunkt der philosophischen Handlungstheorie befindet. Ein nach dem teleologischen Handlungsmodell handelnder Aktor „verwirklicht einen Zweck bzw. bewirkt das Eintreten eines erwünschten Zustandes“ 4 durch Wahl und Anwendung der erfolgsversprechenden Mittel in der gegebenen Situation. Als zentralen Begriff für dieses Handlungsmodell bezeichnet Habermas
2 Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns. Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung. 2. Auflage. Frankfurt am Mein: Suhrkamp 1982. S. Bd.1. S. 115.
3 In Sieh hinzu: Ebd. S. 116 f.
4 . S. 126.
5
eine „auf die Realisierung eines Zweckes gerichtete, von Maximen geleitete und auf die Situationsdeutung gestützte Entscheidung zwischen Handlungsalternativen“ 5
Als Voraussetzung für das teleologische Handlungsmodell bezeichnet Habermas die Beziehungen zwischen dem Handelnden und der Welt. Die Bezugswelt des Aktors wird als Gesamtheit der durch Sachverhalte definierten objektiven Welt betrachtet. Diese Sachverhalte bestehen oder können durch gezielten Eingriff herbeigeführt werden. Über die Sachverhalte kann der Aktor seine Meinungen bilden oder Absichten zur Verwirklichung eines Zieles entwickeln. Dabei verfügt der Aktor über die Möglichkeit, rationale Beziehungen zur Welt aufzunehmen. Der Begriff der rationalen Beziehungen steht für ihre Zugänglichkeit zu objektiver Beurteilung. Die Äußerungen des Aktors über die Welt können von einem Dritten als wahr oder falsch beurteilt werden. Das zielgerichtete Handeln des Aktors kann den gewünschten Erfolg erzielen oder scheitern. Wichtig für dieses Handlungsmodell ist, dass eine Möglichkeit besteht, die Beziehungen nach Wahrheit, im Hinblick auf Wahrnehmung der Welt und nach ihrer Wirksamkeit im Hinblick auf den Erfolg der Interventionen des Aktors zu beurteilen.
Das teleologische Handlungsmodell wird zum strategischen Handlungsmodell erweitert, wenn in das Erfolgskalkül des Handelnden die Erwartung von Entscheidungen mindestens eines weiteren zielgerichtet Handelnden einbezogen werden. Weiterhin verweist Habermas auf Ökonomie, Soziologie und Sozialpsychologie, da diesen Disziplinen seit Entwicklung der spieltheoretischen Ansätze das strategische Handlungsmodell zugrunde liegt.
Für den Erfolg der Handlung ist die Erfolgsorientierung der anderen zielgerichtet und aus eigenem Nutzenkalkül heraus handelnden Personen von großer Bedeutung, denn deren Verhalten ist nur soweit kooperativ, wie es für deren eigenen Vorteil nötig ist. Auch für das strategische Handlungsmodell gilt eine Beziehung zur objektiven Welt als Voraussetzung. 6
5 .Habermas: 1982. Bd.1. S. 127.
6 Sieh hinzu in: Habermas: 1982. S. 126-151.
6
Arbeit zitieren:
Maia Tabukashvili, 2003, Zu: Jürgen Habermas, Theorie kommunikativen Handels und Diskursethik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der Wandel des öffentlichen Raums
Vergleich theoretischer Positi...
Raumwissenschaften, Stadt- und Raumplanung
Bachelorarbeit, 66 Seiten
Gewalt und Propaganda der SA in der Spätphase der Weimarer (1929-1933)
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Jürgen Habermas und die kommunikative Rationalität
Referat (Ausarbeitung), 19 Seiten
Das linguistische Relativitätsprinzip – Ein Überblick über die Entwick...
Seminararbeit, 21 Seiten
Vom pragmatischen, ethischen und moralischen Gebrauch der praktischen ...
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Exegese zu Gen 12,10-13,1 Abram und Sarai in Ägypten
Theologie - Biblische Theologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Die Bürgergeldidee - historische Entwicklung, erhoffte und befürchtete...
Hausarbeit, 40 Seiten
Formate der Geschichtsdarstellung im Fernsehen: Historische Dokumentat...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Seminararbeit, 14 Seiten
Virtuelle vs. reale soziale Netzwerke - Ein Vergleich
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Soziologie und Sprachsoziologie nach Pierre Bourdieu
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Magisterarbeit, 71 Seiten
Verdrängung und Ausschließung in den deutschen Innenstädten
Gründe, Interessen und Instrum...
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hausarbeit, 20 Seiten
Migration: Formen und Erklärungsmodelle
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
Seminararbeit, 14 Seiten
Individuum und Gesellschaft in den Konzepten von Georg Herbert Mead
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Hausarbeit, 33 Seiten
Habermas' Theorie des Kommunikativen Handelns - eine feministische...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 39 Seiten
Maia Tabukashvili hat den Text Zu: Jürgen Habermas, Theorie kommunikativen Handels und Diskursethik veröffentlicht
Maia Tabukashvili hat einen neuen Text hochgeladen
System der Rechte, demokratischer Rechtsstaat und Diskurstheorie des R...
Habermas-SONDERHEFT. Zeitschri...
Werner Krawietz, Gerhard Preyer
0 Kommentare