Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 2
1.1 Die Geschichte der Stadt. 3
1.2 Die Nutzung nach der nazistischen Okkupation. 3
2. Die Errichtung des Ghettos als Folge einer politischen Entwicklung. 4
2.1 Ideologische Voraussetzungen und politische Konsequenzen. 4
2.2 Die Einrichtung des Ghettos Theresienstadt. 7
3. Lageralltag. 8
3.1 Lebensbedingungen der Inhaftierten. 8
3.2 Die Selbstverwaltung. 9
3.3 Das kulturelle Leben in Theresienstadt am Beispiel der Entwicklung
musikalischer Aktivitäten. 10
4. Theresienstadt in der nationalsozialistischen Propaganda. 13
4.1 Der Besuch des Internationalen Roten Kreuzes (IRK) 13
4.2 Die Entstehung eines Propagandafilms. 14
5. Theresienstädter Musikleben: Ein „Sonderfall“? - Vergleich zur Situation in
anderen Konzentrationslagern. 15
6. Quellen und Literatur. 18
6.1 Quellen. 18
6.2 Literatur (Auswahlbibliographie) 18
1
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich am Beispiel des Konzentrationslagers Theresienstadt mit Politik, Ideologie und propagandistischer „Aufbereitung“ nationalsozialistischer Judenpolitik. Neben dem Begriff „Konzentrationslager“ taucht in der Literatur im
Zusammenhang mit Theresienstadt wesentlich häufiger der Begriff „Ghetto“ 1 auf. Da Theresienstadt jedoch „Der Situation nach ein KZ“ 2 war, werden im Folgenden beide Begriffe synonym verwendet. Dass dieses spezielle Konzentrationslager sich in gewisser Hinsicht von anderen Konzentrationslagern unterschied, macht es für die Untersuchung und Forschung
besonders interessant. 3 Im Hinblick auf die Frage, worin der hauptsächliche Unterschied zu anderen Konzentrationslagern bestand, wird es konkret um folgende Aspekte gehen: In wie weit entsprachen die Entwicklungen in Theresienstadt der nationalsozialistischen Judenpolitik? Waren die lagerinternen Entwicklungen von vornherein geplant? Wie wurde Theresienstadt für propagandistische Zwecke genutzt und welche Auswirkungen hatte dies auf das Leben im Ghetto und auf die dort inhaftierten Juden?
Die Auswahl Theresienstadts als Untersuchungsgegenstand erklärt sich zum einen aus der bereits erwähnten Sonderstellung innerhalb des nationalsozialistischen KZ-Systems, zum anderen stellt sich der Forschungsstand zu dieser Thematik zwar kontrovers, aber durch eine
größere Anzahl von Publikationen jüngeren Datums zugleich besonders günstig dar. 4 Zur besseren Einordnung der Ergebnisse, wird die Arbeit mit einem kurzen Vergleich zu der Situation in Bezug auf musikalische Phänomene in anderen Konzentrationslagern
abgeschlossen. 5
1 Vgl. dazu Drori, Hana; Huppert, Jehuda: Theresienstadt - Ein Wegweiser. Prag 1999; Slavický, Milan: Gideon Klein. A fragment of life an work. 2.Auflage, Prag 1998.
2 Benz, Wolfgang: Der Holocaust. München 1995 (Beck’sche Reihe, Bd. 2022), S. 81.
3 An anderer Stelle wird spezieller auf soziale Strukturen, häufig vertretene Berufsgruppen und besondere lagerinterne Entwicklungen eingegangen.
4 Anþerl, Karel: Musik in Theresienstadt. In: Philharmonische Blätter, 1991 - 92, Heft 2. Berlin 1991; Fackler, Guido: „Des Lagers Stimme“ - Musik im KZ. Bremen 2000 (DIZ-Schriften, Bd. 11); Karas, Joža: Music in Terezín.1941 - 1945. New York 1990; Kárný, Miroslav; Kemper, Raimund (Hg.): Theresienstädter Studien und Dokumente 1999. Prag 1999; Kuna, Milan: Musik an der Grenze des Lebens. Musikerinnen und Musiker aus böhmischen Ländern in nationalsozialistischen Konzentrationslagern und Gefängnissen. Frankfurt a. M. 1993; Mandl, Herbert Thomas: Durst, Musik, Geheime Dienste. [o. O.] 1995; Reinerová, Hana (Prag): Zeitzeugeninterview am 26. 07. 2001 in Prag; Slavický, Milan: Gideon Klein. A fragment of life an work. 2.Auflage, Prag 1998.
5 Hierzu bietet sich folgende jüngst erschienene Publikation an: Fackler, Guido: „Des Lagers Stimme“ - Musik im KZ. Bremen 2000 (DIZ-Schriften, Bd. 11).
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1.1 Die Geschichte der Stadt
Theresienstadt - auf tschechisch Terezín - liegt in einer fruchtbaren Gegend, 60 km nördlich von Prag, unweit des Zusammenflusses von Elbe und Eger. Im Oktober 1780 wurde die nordböhmische Stadt von Kaiser Josef II. als Festung gegründet, um das Eindringen der
Preußen in Richtung Prag zu verhindern. 6 Der Kaiser benannte die Festung nach seiner Mutter, Maria Theresia. Im Verlauf der Kriege um das Habsburger Erbe (1740-45), des Siebenjährigen Krieges (1756 - 63) und des Krieges um die bayerische Erbschaft (1778 - 79) hatte sich das Schutzsystem aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, das bis dahin nicht wesentlich erweitert worden war, für die Kriegsführungsmethoden im 18. Jahrhundert als nicht mehr ausreichend erwiesen. Im Juni 1790, nicht ganz 10 Jahre nach der Grundsteinlegung, wurde die Festung für kampffähig erklärt. Zur Belagerung kam es jedoch nie. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden hier politische Gefangene aus der gesamten Donaumonarchie festgehalten. Der bekannteste unter ihnen dürfte Gabriel Princip gewesen sein, der in Sarajewo das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand verübt hatte, das als Auslöser des Ersten Weltkrieges in die Geschichte einging. Die Verteidigungsqualität der Theresienstädter Festung wurde während der Napoleonkriege überholt. Nicht einmal während des letzten preußisch-österreichischen Konfliktes spielte Theresienstadt eine besondere Rolle; die preußischen Heere umgingen bei ihrem Anmarsch gegen Prag im Jahre 1866 die Festung. Das Festungsstatut der Stadt wurde 1888 aufgehoben. Anfangs war die Stadt fast ausschließlich deutsch. Tschechisch wurde Theresienstadt erst nach der Entstehung der ersten
Tschechoslowakische Republik im Jahre 1918. 7 In den 1930er Jahren hatte die Stadt etwas mehr als 7000 Einwohner, von denen die Hälfte Soldaten waren. 8
1.2 Die Nutzung nach der nazistischen Okkupation
Bereits kurz nach der Besetzung von Böhmen und Mähren durch die Nazis am 15.3. 1939 verwendeten die deutschen Okkupationsorgane die in Theresienstadt integrierte sogenannte „Kleine Festung“ als politisches Gefängnis.
6 Drori, Hana; Huppert, Jehuda (wie Anm. 1), S. 13.
7 Debold-Kritter, Astrid: Festungsstadt - Ghetto - Militärstadt. Historische Forschung und Spurensuche vor Ort. In: Kárný, Miroslav; Kemper, Raimund (Hg.): Theresienstädter Studien und Dokumente 1999. Prag 1999, S. 299-331.
8 Benz, Wolfgang (wie Anm. 2), S. 81.
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Von Juni 1940 an lässt sich die Nutzung als Polizeigefängnis der deutschen politischen
Polizei (Gestapo) nachweisen. 9 Ende November 1941 begann die Umwandlung von Theresienstadt in ein Konzentrationslager für Juden.
Bereits im November 1941 kam der erste Judentransport nach Theresienstadt - 342 Männer des sogenannten „Aufbaukommandos“, dessen Aufgabe es war, „Wohnstätten zur Aufnahme
der weiteren Transporte vorzubereiten“. 10 Die ursprünglich tschechische Bevölkerung der Stadt, die ca. 7000 Einwohner zählte, wurde vertrieben. An ihre Stelle kamen jüdische Häftlinge aus Böhmen und Mähren, aus Deutschland, Österreich, Dänemark, Holland, Ungarn
und der Slowakei. 11
2. Die Errichtung des Ghettos als Folge einer politischen Entwicklung
2.1 Ideologische Voraussetzungen und politische Konsequenzen
Die Annexion von Böhmen und Mähren durch die Nationalsozialisten, die in Deutschland seit 1933 an der Macht waren, führte dazu, dass auch hier die antisemitische Politik ihre Fortsetzung fand, die in Deutschland bereits längere Zeit Realität war. Zur Einordnung in den historischen Kontext sei daher nochmals auf einige Eckdaten in der Judenpolitik der Nationalsozialisten verwiesen:
Der Antisemitismus ist als solcher fest mit der nationalsozialistischen Ideologie verankert. Am 30. Januar 1933 kam mit Adolf Hitler ein Regierungschef an die Macht, zu dessen Weltanschauung der Rassenantisemitismus gehörte. Infolgedessen wurde der Antisemitismus
sehr bald zur Staatsdoktrin. 12 Für Probleme und - im deutschen Sinne - negative Entwicklungen in der Geschichte, machte Hitler die Juden verantwortlich. So schrieb er beispielsweise in „Mein Kampf“ : „Wenn wir all die Ursachen des deutschen Zusammenbruchs vor unserem Auge vorbeiziehen lassen, dann bleibt als die letzte und ausschlaggebende das Nichterkennen des Rassenproblems und besonders der jüdischen
Gefahr übrig.“ 13 Diese Auffassung führte zu einer radikalen Judenpolitik der Nationalsozialisten, deren erste - eindeutig von der NS-Herrschaft gesteuerte - antisemitische Aktion sich auf den 1. April 1933 datieren lässt.
9 Debold-Kritter, Astrid (wie Anm. 7), hier S. 315.
10 Drori, Hana; Huppert, Jehuda (wie Anm. 1), S. 14.
11 Karas, Joža: Music in Terezín.1941 - 1945. New York 1990, S. 3ff.
12 Vgl. dazu Benz, Wolfgang: Die Juden im Dritten Reich. In: Bracher, Karl Dietrich; Funke, Manfred; Jacobsen, Hans-Adolf (Hg.): Deutschland 1933 - 1945. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft. 2., ergänzte Auflage, Bonn 1993 (Studien zur Geschichte und Politik, Bd. 314), S. 273 - 290.
13 Hitler, Adolf: Mein Kampf. 11. Kapitel, S.334f.
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Es handelte sich dabei um einen Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte, Arztpraxen und Anwaltskanzleien. Jüdische Geschäfte wurden ausgeraubt und die Inhaber nicht selten getötet. Da der Boykott der Geschäfte jedoch in der Bevölkerung nicht nur auf positive Resonanz stieß, konzentrierten sich die Nationalsozialisten zunehmend auf andere diskriminierende Maßnahmen. Sie nutzten dabei auch die Möglichkeiten, die ihnen das am 23. März 1933
verabschiedete „Ermächtigungsgesetz“ offerierte. 14 Auf der Grundlage des „Gesetz[es] zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 wurden die politischen und antisemitischen „Säuberungen“ des öffentlichen Lebens im „Dritten Reich“ legalisiert. Damit fand erstmals der staatlich verordnete Antisemitismus Eingang in ein Gesetz. Wie in vielen anderen Fällen, so sollte auch hier der harmlos wirkende Titel des Gesetzes über die furchtbaren Konsequenzen hinwegtäuschen. Mit einer Vielzahl weiterer Gesetze wurde der Versuch unternommen, Juden aus ihren Berufen zu verdrängen, wo immer der Staat Einfluss nehmen konnte. So verloren beispielsweise bis April 1934 mehrere hundert jüdische Hochschullehrer, etwa 4000 jüdische Rechtsanwälte und zahlreiche Ärzte, Beamte,
Schauspieler und Musiker ihren Arbeitsplatz. 15 Das Jahr 1935 stellte einen weiteren Schritt im Verlauf der Diskriminierungspolitik dar, wobei vor allem die „Nürnberger Gesetze“ vom September des Jahres entscheidend zur Legalisierung staatlich gesteuerter Verfolgungsaktionen und Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung beitrugen. Diese Gesetze machten nicht zuletzt die Rechtsentwicklung und die jüdische Emanzipation seit der
Aufklärung und seit dem 19. Jahrhundert rückgängig. 16
Durch die „Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz“ vom 14. November 1934 kam es zu einer staatlich oktroyierten „Judendefinition“, die all jene, die nach dieser Definition als Juden galten, zu Staatsangehörigen mit minderem Recht machte. Durch mehrere Verordnungen zum „Reichsbürgergesetz“ kam es zum Ausschluss jüdischer Bürger von der Ausübung freier, akademischer Berufe. Doch gab es in Handwerk und Gewerbe sowie im Bankwesen noch relativ viele jüdische Beschäftigte. Das änderte sich 1938, als den deutschen Juden auch die materielle Existenzgrundlage genommen wurde, indem man sie beispielsweise von der
Vergabe öffentlicher Aufträge ausschloss. 17 Im Juli 1938 wurden Kennkarten für Juden eingeführt, im August folgte der Zwang des Führens zusätzlicher Zwangsvornamen - Sarah bzw. Israel.
14 Benz, Wolfgang (wie Anm. 2), S. 23 - 29.
15 Hildebrand, Klaus: Das Dritte Reich. 5. Auflage, München 1995 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd.
17), S. 7ff.
16 Schubert, Kurt: Jüdische Geschichte. München 1995 (Beck’sche Reihe, Bd. 2018), S. 113ff.
17 Benz, Wolfgang (wie Anm. 12), S. 273ff.
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Anke Zimmermann, 2001, Das Musikleben im Konzentrationslager Theresienstadt im Spiegel nationalsozialistischer Judenpolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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