Inhaltsverzeichnis Seite II
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis IV
Anhangsverzeichnis. V
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
Vorwort VIII
1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK. 1
1.1 Allgemeine Überlegungen zur Arbeit 1
1.2 Zur Grundstruktur des Fußballspiels 2
1.3 Problemstellung. 3
1.4 Zielsetzung der Arbeit. 3
1.5 Aufbau der Arbeit 4
2 FORSCHUNGSSTAND UND HYPOTHESENFORMULIERUNG 5
2.1 Leistungsstrukturmodelle im Sport 5
2.2 Leistungsstrukturmodelle im Fußball 6
2.2.1 Kondition 7
2.2.2 Technik 8
2.2.3 Strategie und Taktik. 9
2.2.3.1 Gegenstandsbereich von Strategie und Taktik. 9
2.2.3.2 Abgrenzung unterschiedlicher Autoren von Strategie und Taktik 11
2.2.3.3 Taktik im Sportspiel 12
2.3 Strukturierung taktischer Leistungsfaktoren 13
2.3.1 Die taktische Handlung. 13
2.3.2 Taktische Handlungsfähigkeit. 15
2.3.2.1 Taktische Kenntnisse. 15
2.3.2.2 Taktische Fähigkeiten 16
2.3.2.3 Taktische Fertigkeiten. 16
2.4 Zur Struktur des modernen Fußballspiels. 17
2.4.1 Modernes Abwehrverhalten 17
2.4.2 Modernes Angriffsverhalten 18
2.4.3 Modernes Torwartspiel 20
2.5 Taktik im Fußball 22
2.5.1 Individualtaktik 23
2.5.2 Gruppentaktik 24
2.5.3 Mannschaftstaktik. 24
2.5.4 Abwehrtaktik 25
2.5.4.1 Individualtaktik in der Abwehr 25
2.5.4.2 Torwarttaktik in der Abwehr 26
2.5.5 Angriffstaktik. 33
2.5.5.1 Individualtaktik der Feldspieler im Angriff 33
2.5.5.2 Torwarttaktik im Angriff 36
2.6 Zusammenfassung des Forschungstandes 38
2.7 Hypothesenformulierung 39
Inhaltsverzeichnis Seite III
3 METHODIK. 44
3.1 Problematik der Sportspielbeobachtung 44
3.1.1 Beobachtung und Analyse 44
3.1.2 Varianten der Beobachtung und Verfahren in den Sportspielen 46
3.1.2.1 Quantitatives Beobachten 48
3.1.2.2 Qualitatives Beobachten 48
3.1.2.3 Gütekriterien der Spielbeobachtung. 49
3.1.3 Zur Konstruktion eines Beobachtungsverfahrens 52
3.2 Untersuchungsmethodik. 52
3.2.1 Forschungsmethode 55
3.2.2 Untersuchungsgegenstand. 55
3.2.3 Untersuchungsdurchführung 56
3.3 Überprüfung der Durchführungsobjektivität 58
4 DARSTELLUNG UND INTERPRETATION DER UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE 59
4.1 Darstellung und Interpretation der analysierten Spiele 59
4.1.1 Individualtaktisches Abwehrverhalten 59
4.1.2 Individualtaktisches Angriffsveraltens 67
4.2 Prüfung der Ergebnisse anhand der Gütekriterien 69
4.3 Darstellung der hypothesenprüfenden Untersuchungsergebnisse. 73
4.3.1 Hypothesenprüfende Untersuchungsergebnisse des individualtaktischen
Abwehrverhaltens 73
4.3.2 Hypothesenprüfende Untersuchungsergebnisse des individualtaktischen
Angriffsverhaltens. 80
4.4 Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse. 84
5 DISKUSSION. 86
5.1 Diskussion des Forschungstandes 86
5.2 Diskussion der Methoden 87
5.3 Diskussion der Ergebnisse 87
6 ZUSAMMENFASSUNG 89
Anhang 91
Literaturverzeichnis 122
Abkürzungsverzeichnis Seite IV
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung bzw. beziehungsweise ca. zirka d. h. das heißt ebd. ebenda etc. et cetera f folgende Seite ff fortfolgende Seiten Hrsg. Herausgeber n. V. nach Verlängerung n. E. nach Elfmeterschießen o. A. ohne Autor Tab. Tabelle usw. und so weiter v. a. vor allem z. B. zum Beispiel
Anhangsverzeichnis Seite V
Anhangsverzeichnis
Teil A: Beobachtungsbogen Viertelfinale Deutschland - Argentinien. 92
Teil B: Beobachtungsbogen Viertelfinale Italien - Ukraine. 95
Teil C: Beobachtungsbogen Viertelfinale England - Portugal 97
Teil :D Beobachtungsbogen Viertelfinale Brasilien - Frankreich 101
Teil E: Beobachtungsbogen Halbfinale Deutschland - Italien 105
Teil F: Beobachtungsbogen Halbfinale Portugal - Frankreich 110
Teil G: Beobachtungsbogen Spiel um Platz 3 Deutschland - Portugal 113
Teil H: Beobachtungsbogen Finale Italien - Frankreich. 116
Teil I: Übereinstimmungsmatrizen der beobachteten Spiele 119
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Beispiel für ein Deduktionskettenmodell. Die komplexe Leistung wird in
Teilleistungen zerlegt, diese auf weiteren Stufen wiederum in Einflussgrößen.
(HOHMANN /LAMES /LETZELTER 2003 3 , 47)
Abb. 2: Pyramidenmodell von Hohmann/ Brack (HOHMANN 1994, 49)
Abb. 3: Die Ablaufphasen der taktischen Handlung im Sportspiel nach MAHLO (1974b)
(HOHMANN/ LAMES/ LETZELTER 2003 , 124)
Abb. 4: Das taktische Anforderungsprofil (GREIBER/ FREIS 2001, 33)
Abb 5: Vor und Nachteile von Offensivaktionen (GREIBER/ FREIS 2001, 34)
Tabellenverzeichnis Seite VII
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Terminologische Abgrenzung der Gegenstandsbereiche von Strategie und
Taktik (ROTH 1989, 8) ............................................................................................ 11
Tab. 2: Systematisierung der sportlichen Taktik nach HOHMANN (HOHMANN/ LAMES/
3 LETZELTER 2003 , 129)........................................................................................... 15
Tab. 3: Alternativpaare der verschiedenen Beobachtungsarten (nach CZWALINA 1988,
14) ......................................................................................................................... 46
Tab. 4: Verschiedene Sportspielbeobachtungsverfahren (LAMES 1994, 24) ........................ 47
Tab. 5: Vor- und Nachteile der quantitativen und qualitativen Beobachtungsverfahren
(AUGUSTIN 2000, 79) .............................................................................................. 49
Tab. 6: Beobachtungsbogen zur Erfassung der relevanten Spielszenen ............................. 57
Tab. 7: Ergebnisse der Berechnung von COHENs kappa (eigener Entwurf) ....................... 72
Vorwort Seite VIII
Vorwort
Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen meines Studiums an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Sie beschäftigt sich mit dem individualtaktischen Verhalten weltbester Fußballtorhüter in den Spielen vom Viertelfinale bis zum Finale der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Dieses Ereignis, bei dem im vergangenen Jahr viele Nationen und Kulturen vier Wochen lang ausgelassen feierten und welches das ganze Land in einen regelrechten Freudentaumel versetzte, hat auch mich beeindruckt. So wollte ich die Möglichkeit ergreifen und im Rahmen meiner Abschlussarbeit die Spiele genauer betrachten. Zur Wahl genau dieser Thematik waren dann unterschiedliche Gründe ausschlaggebend.
Aufgrund meiner eigenen langjährigen aktiven Tätigkeit als Fußballtorwart war mir schnell klar, dass mein Hauptinteresse darin liegt, das Torwartspiel zu untersuchen. Meine Idee stellte ich dann Herrn Prof. Augustin vor, der mich bei der genauen Festlegung des Themas unterstützte. Ihm gilt mein besonderer Dank, zum einen für die Übernahme der Betreuung meiner Arbeit, zum anderen für die Bereitstellung der Videoaufnahmen, der analysierten Spiele, sowie für seine Unterstützung während der Arbeitsphase.
Die Durchführung der Arbeit war weiterhin nur durch die Unterstützung zahlreicher Helfer möglich, denen ich an dieser Stelle herzlich danken möchte. Mein ganz besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang Korrekturlesern für die orthographische und grammatikalische Durchsicht meiner Arbeit.
Ingelheim, im März 2007
1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK Seite 1
1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK
1.1 Allgemeine Überlegungen zur Arbeit
Alle vier Jahre bietet die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft Gelegenheit, den aktuellen Spitzenfußballs zu untersuchen, um die neusten Entwicklungen und Trends zu erforschen. So hat man auch anhand der Fußball WM 2006 in Deutschland wieder diese Möglichkeit.
Zum ersten Mal wurde eine Fußballweltmeisterschaft 1930 in Uruguay ausgetragen. Seither findet das Turnier, bei dem die besten Nationalmannschaften der Welt ihren Meister ausspielen, alle vier Jahre statt. Nur durch den Zweiten Weltkrieg wurde dieser Zyklus 1942 und 1946 unterbrochen.
Der heutige Modus sieht vor, dass alle von der FIFA anerkannten Nationen an der Qualifikation teilnehmen, die nach Kontinenten getrennt abläuft. Am Ende qualifizieren sich 31 Mannschaften. Der Gastgeber ist automatisch qualifiziert 1 . Bei der Weltmeisterschaft spielen dann zunächst in acht Gruppen je vier Mannschaften Jeder gegen Jeden. Die zwei erstplazierten Teams erreichen die Achtelfinalspiele. In den Finalspielen wird nach dem K.O.-System gespielt, d. h. der Gewinner zieht in die nächste Runde ein, wohingegen der Verlierer aus dem Turnier ausscheidet. Ist nach der regulären Spielzeit von 90 Minuten kein Sieger ermittelt wird um zweimal 15 Minuten verlängert. Steht es dann immer noch unentschieden, wird die Entscheidung im Elfmeterschießen herbeigeführt, dabei schießen von jeder Mannschaft fünf Spieler. Ist auch dann noch kein Sieger ge-funden wird jeweils eins gegen eins weiter geschossen bis zur Entscheidung.
So werden systematisch gute Mannschaften von den weltbesten Mannschaften getrennt. Ausgehend von den 192 Mannschaften, die in der zwei Jahre dauernden Qualifikation starten, kann man die 16 in den Finalspielen stehenden Teams ohne Zweifel als die weltbesten Mannschaften bezeichnen. Es ist davon auszugehen, dass bei ihnen die Schlüsselposition des Torwarts zwangsläufig mit einem sehr guten Torwart besetzt ist, da keine gute Mannschaft mit einem schlechten Torwart auf Dauer richtig erfolgreich sein kann.
1 Weiterführende Informationen zum Qualifikationsmodus findet man auf
http://www.worldcupportal.de/2006/index.htm
1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK Seite 2
Die in dieser Arbeit analysierten Spiele vom Viertelfinale bis zum Finale erfassen demnach die acht besten Mannschaften in denen, wenn auch nicht unbedingt die acht weltbesten, so doch weltbeste Torhüter spielen.
Aufgrund dieser Gegebenheiten eignen sich die ausgewählten Spiele für eine Analyse des Individualtaktischen Verhaltens weltbester Torhüter.
1.2 Zur Grundstruktur des Fußballspiels
Als Sportspiel lässt sich Fußball den Tor-, Korb- und Malspielen unterordnen. Es bietet als Wettkampfsport die Möglichkeit zum Leistungsvergleich in und mit der Gruppe. Auf-grund des relativ einfachen Regelwerks bietet es jungen Spielern wie auch Anfängern gleichermaßen die Möglichkeit, genauso schnell zum Spiel zu finden wie Profis. So erfreut sich das Fußballspiel wachsender Begeisterung und Zuwendung bei Jung und Alt, da es gute Voraussetzungen bietet die Spielfreude jüngerer aber auch älterer Menschen zu wecken und damit ihren Bewegungsdrang zu befriedigen. So können bereits im frühen Ausbildungsstadium die Grundzüge des komplexen Spielgeschehens erfasst und durchgeführt werden. Mit zunehmender Erfahrung und Spielfähigkeit ist es dann möglich den Spielverlauf immer besser zu analysieren und daraus Beziehungen zwischen wahrgenommen Situationen und möglichen Folgehandlungen zu erstellen. (BI- SANZ/ GERISCH1980/88, 13)
Das Spielen des Balles mit dem Fuß erhöht den durch die rasch wechselnden Spielkonstellationen ohnehin schon vorhanden Spannungseffekt noch weiter, da selbst auf hohem Spielniveau der Unsicherheitsfaktor in der Ballbehandlung nie ganz ausgeschaltet werden kann. „So bewegt sich das Fußballspiel von der untersten Handlungsebene einfacher Spielaktionen bis hinauf zu taktisch durchdachten und vorausgeplanten Spielzügen immer in einem Spannungsverhältnis zwischen Voraussagbarem und Un-vorhersehbarem, zwischen Planung und Improvisation.“ (ebd.)
Vom Ablauf her ist das Fußballspiel vom ständigen Wechsel zwischen Angriff und Abwehr gekennzeichnet. Dabei bestimmt der Ballbesitz welche Mannschaft sich zu einem Zeitpunkt im Angriff und welche sich in der Abwehr befindet. Die Offensive, also der Ballbesitz kann sowohl positiv (Tor, Torschuss) oder auch negativ (Ballverlust) enden und somit zum Gegner überwechseln. In der Regel versucht die Mannschaft in Ballbesitz durch Zusammenspiel der einzelnen Mannschaftsmitglieder durch eine „Reduktion der Stabilität der Abwehr des Gegners“ (LOY 1996, 53) die Voraussetzungen für das Erreichen des obersten Spielziels, Tore zu erzielen, zu verbessern. Gleichzeitig ver-
1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK Seite 3
sucht die Mannschaft die sich nicht in Ballbesitz befindet durch Abwehrmaßnahmen diese Vorhaben zu unterbinden und dadurch selbst in Ballbesitz zu gelangen. Interaktionen zwischen den Mitspielern können auf unterschiedliche Zuspielarten wie zum Beispiel Pass oder Flanke erfolgen oder durch Ereignisse wie ein Foulspiel des Gegners unterbrochen werden. Zur Spielfortführung nach derartigen Unterbrechungen, folgen dann die Standardsituationen, wie zum Beispiel der Freistoß. (ebd.)
1.3 Problemstellung
Hauptanliegen dieser Arbeit ist es, die Spielweise und das individualtaktische Verhalten weltbester Fußballtorhüter aufzuzeigen und zu analysieren. Anhand von in der Literatur gängiger Ansichtweisen und theoretischen Anschauungen zum Torwartspiel wird ein theoretisches Grundgerüst des individualtaktischen Verhaltens von Torhütern erarbeitet. Entsprechend dieser Grundüberlegungen zu den diversen Handlungssituationen werden die ausgewählten Spiele analysiert und das theoretische Grundgerüst durch Videobeispiele bestätigt oder widerlegt.
Die typischen Verhaltensweisen und Handlungsmuster der weltbesten Torhüter in bestimmten Situationen sollen erfasst und mit den theoretischen Grundlagen verglichen werden. Es erfolgt somit eine Leistungsdiagnostik im technisch-taktischen Bereich.
Im Spitzensport kommt der sportartspezifischen Leistungsdiagnostik eine immer größer werdende Bedeutung zu. Da sich die Trainingsumfänge kaum mehr steigern lassen, kann eine weitere Verbesserung nur durch Konzentration auf individuelle Defizite erfolgen. Da die konditionellen Fähigkeiten im Spitzensport heute soweit ausgeprägt sind, dass zwischen den besten Spielern kaum Unterschiede bestehen beschränkt sich diese Arbeit ausschließlich auf den technisch-taktischen Bereich, denn „auf Grund des sehr komplexen Anforderungsprofils dieser Sportart ist das Erfassen technischtaktischer Fertigkeiten von besonderem Interesse.“ (MÜLLER/ LORENZ 1996, 59)
1.4 Zielsetzung der Arbeit
In der Arbeit wird versucht zunächst einen umfassenden allgemeinen Überblick zu Strukturmodellen im Sport und zur Strategie und Taktik zu geben. Die unterschiedlichen Auffassungen verschiedener Autoren in der Literatur sollen dargestellt werden. Weiterhin sollen taktische Modelle vorgestellt werden. Aufgrund des Themas der vor- liegenden Arbeit wird dabei der Schwerpunkt auf die Individualtaktik gelegt. Es sollen
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die in der Literatur dargestellten theoretischen taktischen Verhaltensweisen des Torwartspiels zusammengestellt und beschrieben werden.
Hauptziel der Arbeit ist die Analyse des individualtaktischen Verhaltens weltbester Torhüter anhand der acht Spiele vom Viertelfinale bis zum Finale der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Die Analysen sollen Hinweise zum Verhalten der besten Torhüter in bestimmten Spielsituationen liefern. Dabei werden sowohl offensive als auch defensive Aktionen betrachtet. Es werden anhand von aufgestellten Hypothesen Szenen ausgewählt und diese dann bewertet.
1.5 Aufbau der Arbeit
Formal ist die Arbeit nach den Richtlinien des wissenschaftlichen Arbeitens aufgebaut (MESSING/ PREUß 2002)
Die Strukturierung lässt sich anhand des Inhaltsverzeichnisses nachvollziehen. Im ersten Kapitel werden Grundüberlegungen zur Arbeit angestellt. Es wird kurz auf die Grundstruktur des Fußballspiels an sich eingegangen, sowie Fragestellung und Zielsetzung der Arbeit erläutert. So soll ein kurzer Überblick gewonnen werden.
Im zweiten Kapitel wird der für die Arbeit nötige wissenschaftliche Sachstand aufgearbeitet. Die Bedeutung von Strategie und Taktik wird mit den unterschiedlichen Auslegungen der verschiedenen Autoren beleuchtet und taktische Modelle vorgestellt. Zum Abschluss werden dann die zu untersuchenden Forschungs- und Prüfhypothesen aufgestellt.
Das dritte Kapitel befasst sich mit der Methodik der empirischen Untersuchung. Zuerst werden allgemeine Probleme dargestellt die bei Spieluntersuchungen auftauchen können und somit zu beachten sind. Es werden weiterhin die wichtigsten Gütekriterien aufgezeigt. Im Anschluss wird die der Untersuchung dieser Arbeit zugrunde liegende Forschungsmethode und die Untersuchungsmethodik aufgestellt und erörtert. Als Forschungsmethode dient die qualitative Spielbeobachtung, auf die auch in diesem Kapitel eingegangen wird.
Im vierten Kapitel werden dann die Ergebnisse der empirischen Untersuchung dargestellt und zusätzlich einer Prüfung der relevanten Gütekriterien unterzogen.
Abschließend werden im fünften Kapitel sowohl die Untersuchungsergebnisse als auch die Forschungsmethode und auch der Forschungsstand diskutiert.
2 FORSCHUNGSSTAND UND HYPOTHESENFORMULIERUNG Seite 5
2 FORSCHUNGSSTAND UND HYPOTHESENFORMULIERUNG
2.1 Leistungsstrukturmodelle im Sport
Als Gegenstand der Trainingswissenschaft werden allgemein das Training, die Leistungsfähigkeit und der Wettkampf formuliert. Strukturmodelle der sportlichen Leistung sollen die wesentlichen Komponenten der Wettkampfleistung identifizieren und auch die Leistungsvoraussetzungen integrieren, die der Wettkampfleistung zugrunde liegen.
3 (HOHMANN/ LAMES/ LETZELTER 2003 , 41) Das Interesse liegt aber nicht nur in der Auf-
zählung einzelner Elemente dieser Systeme, sondern in der Charakterisierung der Wechselwirkungen der einzelnen Elemente. Die Strukturmodelle werden in der Regel in Modelle ohne und Modelle mit Kriteriumsleitung unterteilt.
Modelle ohne Kriteriumsleitung beschränken sich darauf, deren Komponenten zu benennen. Die Modelle mit Kriteriumsleitung gehen „(…) explizit auf den Zusammenhang zwischen Einflussgrößen und Kriterium (…)“ ein. (ebd., 46) Innerhalb der Modellgruppe mit Kriteriumsleitung wird weiterhin unter dem Pyramidenmodell und der Deduktionskette unterschieden.
Deduktionskettenmodelle beschreiben sportliche Zielgrößen. Für die Zielgröße werden Einflussgrößen bestimmt, die als Teilweiten (deterministisch) oder Kraftfähigkeiten (probabilistisch) in Zusammenhang zur Zielgröße stehen. Diese Einflussgrößen der Zielgröße fungieren dann selbst als Zielgrößen auf tieferen Ebenen für weitere deterministische oder statistische Einflussgrößen. (ebd. 46)
Abb. 1: Beispiel für ein Deduktionskettenmodell. Die komplexe Leistung wird in Teilleistungen zerlegt, 3 diese auf weiteren Stufen wiederum in Einflussgrößen. (HOHMANN /LAMES /LETZELTER 2003 , 47)
2 FORSCHUNGSSTAND UND HYPOTHESENFORMULIERUNG Seite 6
Bei Pyramidenmodellen geschieht die Strukturierung durch die Erstellung mehrerer Ebenen der sportlichen Leistung. (ebd., 48) Der Unterschied zum Kegelmodell dagegen besteht nur in der Dimensionalität. Der Kegel bildet die Struktur der sportlichen Leistung in 3 Dimensionen ab. (HOHMANN/ BRACK 1983, 8) Für die Einteilung der einzelnen Ebenen gilt, dass die unteren Ebenen über die obere wirksam werden, ihre Beziehung nicht umkehrbar ist und der Komplexitätsgrad nach unten hin abnimmt. (HOHMANN/ LA-
3 MES/ LETZTELTER 2003 , 48) Im Pyramidenmodell von HOHMANN/ BRACK (1983, 9) wird die komplexe Spielleistung anhand von drei Erklärungsebenen dargestellt. Die erste Erklärungsebene umfasst die Spielleistung und die Spielwirksamkeit, die zusammen das Wettkampfverhalten bilden. Diese Ebene bildet die Oberflächenstruktur, in ihr befinden sich alle sichtbaren Handlungen die das Spiel beeinflussen. Die Spielwirksamkeit wird in der zweiten Erklärungsebene durch die Spielfähigkeit gekennzeichnet, welche die Hierarchisierung der zweiten Ebene bildet. Die Grundpfeiler der Spielfähigkeit stellen die im Sportspiel indirekt Leistungsbestimmenden Faktoren der Kondition, Technik und Taktik dar. Neben der Spielfähigkeit besitz die komplexe Sportspielleistung weitere psychische, physische und soziale Leistungsvorrausetzungen die Grundlage des Wettkampfverhaltens sind und als solche indirekt auf die Spielleistung wirken. Die psychomoralisch-volitiven, sensorisch-kognitiven, psychischen und sozialen Faktoren bilden unter der Hierarchisierung der Leistungsvoraussetzungen die dritte Erklärungsebene. „(…) ihr leistungsbestimmender Einfluss im Sportspiel beruht auf einer zweifachen Transformation über die Spielfähigkeit und Spielwirksamkeit.“ (ebd., 8) Man könnte noch auf einer weiteren Erklärungsebene externe Faktoren formulieren, die Einfluss auf die Spielleistung haben. Diese externen Faktoren beziehen sich auf das Spielumfeld und -binnenfeld. Solche Faktoren wären zum Beispiel das Schiedsrichter- oder Zuschauerverhalten. (ebd., 8ff)
2.2 Leistungsstrukturmodelle im Fußball
Die Leistungsdiagnostik in den Sportspielen, zu denen Fußball auch zu zählen ist, bedeutet die Identifizierung der Struktur die für die komplexe Sportspielleistung typisch ist. (HOHMANN 1985, 52) Es wird davon ausgegangen, dass Sportler über mehr oder weniger ausgeprägte komplexe Spielfähigkeiten verfügen, die die Grundlage für ihre beobachtbaren Leistungen, hier für die komplexe Sportspielleistung, bilden. (ROTH 1989, 22) Das Modell von HOHMANN/ BRACK (Abb. 2) zeigt neben vielen anderen Einflussfaktoren vor allem die wichtige Stellung der Taktik im Bezug auf die Spielfähigkeit. Die weiteren Elemente, die die Leistungsfähigkeit des Spielers bestimmen, sind neben der Koordina-
2 FORSCHUNGSSTAND UND HYPOTHESENFORMULIERUNG Seite 7
tion, die Kondition und die Technik. In der Folge werden nun die drei „Hauptkategorien oder Grundpfeiler“ (ROTH 1989, 22) der Spielfähigkeit Kondition, Technik und Taktik näher betrachtet, da sie in der „Sportspiel-Literatur fast durchgängig verwendet“ (ebd.) werden. Besonderes Augenmerk wird dabei aufgrund des Themas dieser Arbeit auf den Aspekt der Taktik gelegt.
Abb. 2: Pyramidenmodell von Hohmann/ Brack (HOHMANN 1994, 49)
2.2.1 Kondition
HOHMANN/ BRACK stellen in ihrem Modell (Abb. 2) die Kondition als den Überbegriff für alle konditionellen und koordinativen Fähigkeiten dar, welche sie als allgemeine sport-motorische Fähigkeiten bezeichnen. Unter dem Begriff koordinative Fähigkeiten werden informationsaufnehmende- und informationsverarbeitende Prozesse zur Realisierung von Bewegungshandlungen verstanden, zum Beispiel Gleichgewichts-, Reaktionsfähig-
7 keit, usw. (o.A. in: RÖTHIG 2003 , 308)
2 FORSCHUNGSSTAND UND HYPOTHESENFORMULIERUNG Seite 8
Konditionelle Fähigkeiten bezeichnen überwiegend „energetisch determinierte motorische Eigenschaften, die Voraussetzung zum Vollzug körperlicher Tätigkeiten und ins-
7 besondere sportlicher Bewegungshandlungen sind.“ (o.A. in: RÖTHIG 2003 , 300) Im
Bereich der Kondition liegen, aufgrund umgehender Forschungen in der Trainingswissenschaft, eine Vielzahl von Arbeiten vor. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle nicht weiter auf die Kondition, ihre Erscheinungsweisen oder fußballspezifische Belastungen eingegangen.
2.2.2 Technik
Unter Technik wird allgemein „eine spezifische Abfolge von Bewegungen oder Teilbewegungen beim Lösen von Bewegungsaufgaben in Sportsituationen“ (MECHLING/ CARL
2003 7 ) verstanden. Unter Fußballtechnik verstehen BISANZ/ GERISCH (1988, 147) „alle fußballspezifischen Bewegungsabläufe (…), die zielgerichtet und regelgerechte Spiel-handlungen ermöglichen.“ Dabei stellen die Vielfalt und Komplexität der technischen Bewegungsabläufe große Anforderungen an die Spieler, da gerade das Spielen mit dem Fuß eine gewisse Unsicherheit bedeutet. Da die technischen Fertigkeiten die Grundlage für die erfolgreiche Durchführung des taktischen Spielkonzepts bilden, kann durch ein Techniktraining eine Verbesserung der Spielfähigkeit erzielt werden. (ebd., 148ff) Eine weiterführende detaillierte Beschreibung der einzelnen Fußballtechniken würde den Rahmen dieser Arbeit überschreiten, deshalb werden an dieser Stelle nur die Fußballtechniken nach BISANZ/ GERISCH (ebd.) genannt. Sie unterscheiden in Be-wegungsformen mit Ball: Dribbling, Pass bzw. Schuss, Ballkontrolle, Torschuss, Kopfball und Flanke; und Bewegungsformen ohne Ball: Laufen, Rempeln, Abblocken des Balles, Tackling und Springen. Die einzelnen Techniken kann man noch weiter nach ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen untergliedern, so zum Beispiel den Pass in Innenseitstoß und Spannstoß welcher abermals zu untergliedern wäre. Außerdem kann eine Unterteilung in die Techniken der einzelnen Positionen erfolgen, so zum Beispiel in Torhüter-, Abwehrtechniken, usw. (ebd.)
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Technik wie im Pyramidenmodell nach HOHMANN/ BRACK (Abb. 2) im Zusammenspiel mit der Kondition die Grundlage für die taktische Handlung und damit für die Spielfähigkeit und die komplexe Spielleistung bildet.
2 FORSCHUNGSSTAND UND HYPOTHESENFORMULIERUNG Seite 9
2.2.3 Strategie und Taktik
Unter Strategie und Taktik versteht man planvolles, kluges und berechnendes Handeln und Verhalten sowohl in gesellschaftlichen Bereichen (Militär, Politik) und Wissensgebieten (Psychologie, Kybernetik, Mathematik) als auch im Sport. So gehörte schon im alten Griechenland die Ausbildung in der „Taktika“, welche die Art und Weise darstellte, wie im Gefecht eine Waffe geführt wird, zur Jugenderziehung. Im umgangssprachlichen Sinn hat „Taktik“ oder „taktieren“ oft einen negativen Bezug hin zu Verschlagenheit oder nicht offenem Verhalten. In trainingswissenschaftlichen Standardwerken wird Taktik sehr allgemein als „(…) die Lehre von der Führung des sportlichen Kampfes“ (HARRE 1979, 219), oder als „(…) die vollkommene Kunst der Führung des sportlichen Kampfes“ (MATEJEW 1981, 124) bezeichnet.
Die stiefmütterliche Behandlung der „Taktik“ in bewegungs- und trainingswissenschaftlicher Literatur wird deutlich, so liegt nach ROTH (1989, 2) die Relation in den Textumfängen zwischen Kondition und Taktik bei etwa 13:1. Weiterhin sind inhaltliche Differenzen und Meinungsvielfalt zu erkennen. Auch wenn nach diesen Äußerungen ROTHs, die Zahl der Publikationen über Taktik anstieg und somit der wachsende Stellenwert dieses Bereichs dokumentiert wurde, blieb das Verhältnis nahezu bestehen. (BARTH 1994, 4)
2.2.3.1 Gegenstandsbereich von Strategie und Taktik
Den strategisch-taktischen Leistungskomponenten werden, im vielfältigen Wettkampfgeschehen nahezu aller Sportarten, zunehmend an Bedeutung beigemessen. Selbst Sportarten die vorher eine Beeinflussung durch strategisch-taktische Maßnahmen ausschlossen, wenden sich nun derartigen Fragen zu. Man versucht hier vorhandene mo-torische Fähigkeiten und Fertigkeiten optimal einzusetzen. Dieser Optimierungsprozess bezieht sich auf alle Leistungsebenen, vom Leistungssport bis hin zum Breiten- und Schulsport. Trotz der stark zunehmenden Bedeutung ist Strategie und Taktik im Vergleich zu den Begriffen Kondition und Technik stark unterrepräsentiert. (BARTH 1994, 4) Die Taktik wird oft beim Suchen nach einer Erklärung für das Zustandekommen einer Wettkampfleistung oder von Misserfolg herangezogen, wobei der Einfluss von Taktik nicht exakt nachgewiesen werden kann. Taktik und Strategie werden stark beeinflusst durch individuelle „Meisterlehren“ der einzelnen Trainer. So übernehmen ehemalige Spieler, die später als Trainer tätig sind, häufig im Wettkampf selbst erfahrene Hand- lungsweisen.
2 FORSCHUNGSSTAND UND HYPOTHESENFORMULIERUNG Seite 10
Die unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen kommen dabei zu verschiedenen theoretischen Modellen, wobei es zu terminologischen Unterschieden kommt und zwischen beiden Begriffe teils unterschieden wird und teilweise beide synonym verwendet werden. BARTH (1994, 4) definiert Taktik als die „(…) Gesamtheit der individuellen und kollektiven Verhaltensweisen, Handlungen und Operationen von Sportlern und Mannschaften, die unter Beachtung der Wettkampfregeln, des Partner- und Gegnerverhaltens sowie der äußeren Bedingungen auf die volle Nutzung der eigenen Leistungsvoraussetzungen im Sinne eines bestmöglichen Wettkampfergebnisses oder einer optimalen Leistung gerichtet sind.“ Hierbei werden die Begriffe Strategie und Taktik weitestgehend synonym verwendet.
In einem anderen Modell wird zwischen Strategie und Taktik unterschieden. Bei dieser Sichtweise wird die Strategie als „Verhaltensplan, mit dem unter Beachtung der Wettkampfregeln, der eigenen Stärken und Schwächen und möglichen Verhaltensweisen der oder des Gegners und der erwarteten Wettkampfhandlungen, Entscheidungen zum Wettkampfverhalten und zu einzelnen Wettkampfhandlungen vorgedacht und festgelegt werden“ (BARTH 1997, 81) angesehen. Strategie wird hier als eine Vorbereitung des Wettkampfes verstanden. Taktik wird in diesem Zusammenhang als „die Gesamtheit der individuellen und kollektiven Verhaltensweisen, Handlungen und Operationen von Sportlern, mit denen unter Beachtung der Wettkampfregeln, des Partner- und Gegnerverhaltens sowie der äußeren Einflussmöglichkeiten die Bedingungen, die für eigene Vorteile nützlich sind beeinflusst werden“ (ebd., 82), definiert. Hier wird bei der Verhaltensplanung das Gegnerverhalten zwar berücksichtigt aber nicht beeinflusst, die Taktik bezieht sich mehr auf die gezielte Anwendung der vorbereiteten Handlung zur Durchführung der Strategie. Taktik zielt demnach eher auf die Beeinflussung des Gegners in Wettkampfsituationen durch täuschende oder beeinflussende Maßnahmen und beinhaltet das dafür nötige Wissen und Können. (ebd. 1994, 4) ROTH (1989, 6f) sieht in der Strategie „(…) die organisatorischen Aspekte, die auf die übergreifenden Aufgaben innerhalb eines Spieljahres gerichtet sind“ und den Kernbereich der Taktik als „die kurzfristigen, situationsbedingten Problemlösungsprozesse, die die Athleten während der Wettkämpfe zu bewältigen haben.“
Zusammenfassend kann man unter dem Begriff Strategie Verhaltenspläne und Verhaltensweisen mit längerfristiger Gültigkeit zur Bewältigung der vielfältigen Aufgaben im Wettkampfgeschehen verstehen. Die Strategie leistet Vorarbeit im Vorfeld des Wett- kampfs, wodurch unter Beachtung der Regeln, den Bedingungen und den wahrschein-
2 FORSCHUNGSSTAND UND HYPOTHESENFORMULIERUNG Seite 11
lichen Verhaltensweisen der Beteiligten, Entscheidungen und persönliche Verhaltensweisen und Handlungen geplant werden. Nach BARTH (1980, 134) kann Strategie somit als „inneres Modell über den Kampfverlauf“ gesehen werden.
Taktik hingegen ist ein eher kurzfristiger Prozess, der sich auf konkrete Verhaltensweisen im Wettkampf bezieht. Mit der Taktik wird versucht günstigere Ausgangsbedingungen für die eigene Handlungssituation zu schaffen und somit die im Vorfeld geplante Strategie in bestmöglicher Weise zu nutzen und umzusetzen. Taktik beinhaltet damit auch Möglichkeiten zur Verunsicherung des Gegners durch Fehlinformation oder In-formationsvermeidung. BARTH (1994, 12) nennt das „Theorie der Ausforschung, Verschleierung und Täuschung.“ Die Taktik bezieht im Gegensatz zur Strategie das Gegnerverhalten mit ein und berücksichtigt es und wird unter Umständen im Wettkampf auf den Gegner oder die Spielstandsituation angepasst.
2.2.3.2 Abgrenzung unterschiedlicher Autoren von Strategie und Taktik
Unterschiedliche Autorengruppen grenzen die Begriffe Strategie und Taktik in unterschiedlicher Weise voneinander ab. ROTH (1989, 8) hat einige davon in einer Tabelle zusammengestellt. Diese werden im Folgenden hier kurz vorgestellt:
Tab. 1: Terminologische Abgrenzung der Gegenstandsbereiche von Strategie und Taktik (ROTH 1989, 8)
2 FORSCHUNGSSTAND UND HYPOTHESENFORMULIERUNG Seite 12
Die erste Autorengruppe HARRE; SCHMIDT; STÖBER; LETZELTER verwendet den Begriff der Taktik sehr weit. Bei ihnen wird er von der langfristigen Planung über die allgemeine Wettkampfvorbereitung, spezielle Wettkampfvorbereitung, Wettkampfbetreuung bis hin zu den konkreten Spielhandlungen für alle Bereiche des Wettkampfes verwendet. KOBERLE/ NEUBERG dagegen benennen die langfristige Planung mit Strategie und den restlichen gesamten Bereich der Wettkampfplanung, -vorbereitung und -realisierung mit dem Begriff der Taktik. Die Autoren BAUER/ ÜBERLE; DOCHER-TY; BOMPA sehen die langfristige und allgemeine Wettkampfvorbereitung als Strategie an. Die spezielle Wettkampfvorbereitung sowie Maßnahmen während des Wettkampfes stehen bei ihnen unter dem Taktikbegriff. Die Autorengruppen IWOILOW; KON-ZAG; BEISNER/ BIROD; THIESS u. a. sowie die Gruppe BARTH; TRAPP sehen die Taktik nur in der direkten Spielhandlung. Alle anderen Bereiche der Planung und Betreuung sehen sie als Strategie an.
2.2.3.3 Taktik im Sportspiel
Nach der recht allgemeinen Betrachtung der unterschiedlichen Sichtweisen der Begriffe Strategie und Taktik wird in diesem Kapitel eine praktische und trainingswissenschaftliche Beschreibung der verschiedenen Handlungsweisen folgen. Dabei wird aufgrund ihrer Bedeutung für diese Arbeit speziell auf die taktischen Modelle im Sportspiel eingegangen. Die Strategie als Verhaltensplan wird dagegen nicht weiter betrachtet werden.
Die kognitiv-taktischen und psychischen Leistungsvoraussetzungen sind die hierarchisch wichtigsten Komponenten. In schwierigen Wettkampfsituationen entscheiden sie
3 häufig über Sieg und Niederlage. (HOHMANN/ LAMES/ LETZELTER 2003 , 123)
ROTH (1989, 9) spricht hier vom Kernbereich der Taktik, in der Praxis ist dieser weiter untergliedert worden. Ein erster wesentlicher Gesichtspunkt orientiert sich an der „Art und Charakteristika der möglichen Problemlösungshandlung, aus denen ein Sportler in konkreten Spielsituationen wählen kann.“ (ebd.) So gibt es taktische Handlungen, die ohne direkte Einbeziehung der Mitspieler ausgeführt werden können, diese Aktionen (1:1 oder 1:X) werden Grundsituationen genannt. Beispiele aus den Sportspielen sind Torschüsse, Täuschungen oder auf den Gegenstand dieser Arbeit bezogen, das Abwehren eines Torschusses. Diesen Sachverhalt bezeichnet man als Individualtaktik. Alle anderen Situationen an denen zwei oder mehr Personen, aber weniger als die ganze Mannschaft beteiligt, sind fallen unter den Begriff der Gruppentaktik. Dabei wird
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in den Entscheidungsprozessen immer die Aktion mindestens eines weiteren Spielers mit einbezogen. Im Fußball wären dies Aktionen vom 2:1 bis zum 10:10. Taktische An-ordnung, die sich auf die gesamte Mannschaft beziehen, so wird diese Maßnahme in den Bereich der Mannschaftstaktik eingeordnet, bei der die Einzelhandlung immer vor dem Hintergrund des mannschaftlichen Konzepts erfolgen muss.
Die doppelseitige Zielsetzung der Mannschaftsspiele - Tore, Körbe, Punkte zu erzielen und zu verhindern - führt zum zweiten häufig verwendeten Einteilungskriterium bei der Einteilung der Verhaltensweisen und Handlungsselektionen. Entsprechend dieser Intentionen in der Wettkampfhandlung wird zwischen Offensiv- und Defensivtaktik unterschieden. Weiterhin kann eine Unterteilung in die Taktik der Spielposition, Kontertaktik oder Taktik der Standardsituationen erfolgen.
2.3 Strukturierung taktischer Leistungsfaktoren
2.3.1 Die taktische Handlung
Spielfähigkeit ist die Fähigkeit an einer bestimmten kollektiven Tätigkeit teilzunehmen, der Spieltätigkeit. Jede Tätigkeit stellt einen komplexen Zusammenhang sinnvoller Handlungen dar, die durch das gleiche Motiv verbunden sind. Dabei ist die Handlung die kleinste Einheit der Tätigkeit. Um die Spielfähigkeit zu kennzeichnen, muss man daher von der kleinsten Einheit der Handlung ausgehen. (MAHLO 1974a, 550f) MAHLO (1974b) gliedert die Handlung in drei aufeinander folgende Phasen:
1. Handlungsantizipationsphase
2. Handlungsrealisationsphase
3. Handlungsinterpretationsphase
Abb. 3: Die Ablaufphasen der taktischen Handlung im Sportspiel nach MAHLO (1974b). (HOHMANN/ LAMES/ 3 LETZELTER 2003 , 124)
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Es kann davon ausgegangen werden, dass in realen Handlungssituationen die zentralen Prozesse der Situationsantizipation bzw. -wahrnehmung sowie die Handlungsentscheidung bei der Handlungsausführung untrennbar miteinander verbunden sind und somit die taktische Handlung ganzheitlich reguliert wird. Taktische Handlungen bestehen sowohl aus mentalen als auch aus motorischen Prozessen, die sich im Laufe des taktischen Lernens ebenso wie die taktischen Lösungsmuster immer weiter differenzie-
3
ren. (HOHMANN/ LAMES/ LETZELTER 2003 RIEPE (1994, 238) verwendet den Begriff Schema. Ein Schema ist ein Erwartungsmuster, welches im Gehirn millionenfach vorliegt. Sie sind aufeinander bezogen und nicht notwendiger Weise bewusst. Sie dienen dazu die Realität zu ordnen. Sie werden in motorische und mentale Schemata unterschieden. Mentale Schemata stellen allgemein nach RIEPE (ebd.) raum-zeitliche Repräsentationen von Situationen und Aktionen dar. Kennzeichen sind die Abstraktion bei der Wahrnehmung und Antizipation, selbst wenn die Handlung nur unvollständig ist. Die wesentliche Fähigkeit eines Schemas besteht darin Unvollständiges zu vervollständigen und Unwesentliches zu Gunsten des Wesentlichen wegzulassen. Nur so ist es möglich mit einer Finte den Gegner zu täuschen. Bei ihm liegt ein Schema der angetäuschten Bewegung vor. Der Verteidiger reagiert auf die antizipierte Fortsetzung. Da der Angreifer darauf spekuliert, ist die Reaktion falsch.
Ein motorisches Schema stellt ein motorisches Programm dar, welches dauerhaft im Gehirn abgelegt ist. Sie gelten für ganze Bewegungsklassen. Für Bewegungsprogramme ist eine Aufeinanderfolge von bestimmten Teilbewegungen sowie ihre zeitliche Re-
3 lation bei der Gesamtbewegung typisch. (HOHMANN/ LAMES/ LETZELTER 2003 , 125)
Es wird davon ausgegangen, dass ein Sportler in der Handlungsantizipationsphase verschiedene Entscheidungen treffen muss.
Zuerst muss der Sportler eine Was-Entscheidung, eine Entscheidung erster Art, treffen, bei welcher über die Auswahl eines situationsangemessenen motorischen Programms entschieden wird. Nach ROTH (1991, 229ff) wird die Auswahl des entsprechenden Programms auf der Grundlage von Erwartungs- und Wert-Kenngrößen getroffen. Der Spieler bevorzugt in der Entscheidungssituation jene Handlung, die für ihn die höchste situative Wertigkeit besitzt. Bei der Wie-Entscheidung (Entscheidung zweiter Art) werden dann die konkreten Ausführungsparameter festgelegt, die Bewegung wird dabei voll- 3 ständig programmiert und zentral gesteuert. (HOHMANN/ LAMES/ LETZELTER 2003 , 125f)
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„Die Entscheidungen 1. und 2. Art sind (zeitlich) hierarchisch geordnet. Die Inhalte 2. Art können nicht vor den Inhalten 1. Art determiniert werden.“ (ROTH 1989, 32)
2.3.2 Taktische Handlungsfähigkeit
Entwickelt wird die taktische Handlungsfähigkeit „durch systematische Lernprozesse im Theorie-Praxis-Bezug.“ (BISANZ/ GERISCH 1980/88, 198) Durch spezielles Taktiktraining wird versucht die taktische Handlungsfähigkeit zu verbessern. Sie setzt sich aus allgemeinen wie auch speziellen individuellen Leistungsfaktoren des Spielers in der entsprechenden Spielsituation zusammen. Der Spieler hat aus einer Anzahl von Spielen Pläne und Programme, die von äußeren und inneren Faktoren bestimmt werden. In seine Entscheidungen gehen dann sowohl seine taktische Fähigkeiten als auch seine taktischen Kenntnisse und Fertigkeiten mit ein. Diese Unterscheidung erlaubt einen praktischen Zugang zur taktischen Handlungsfähigkeit, auch wenn eine in einer Spielsituation getroffene Entscheidung sich nicht in diese Einzelaspekte zerlegen lässt. (SCHOCK 1984, 5) Für die tägliche Trainings- und Spielpraxis ist es dennoch von Vorteil die komplexen Handlungen aufzugliedern und somit die Defizite der einzelnen Spieler besser aufzudecken und zu verbessern. (ebd.)
3 Tab. 2: Systematisierung der sportlichen Taktik nach HOHMANN (HOHMANN/ LAMES/ LETZELTER 2003 , 129)
2.3.2.1 Taktische Kenntnisse
„Taktische Kenntnisse beziehen sich auf moralische Regeln des Wettkämpfens, die offiziellen Wettkampfregeln sowie strategisch-taktische Regeln.“ (HOHMANN/ LAMES/
3 LETZELTER 2003 , 129) Es geht dabei um die optimale Ausnutzung der Spielregeln zur Lösung taktischer Aufgaben, Kenntnisse der Spielsysteme und ihrer Varianten, Beherrschung des eigenen Systems und Maßnahmen zur Überwindung des gegnerischen Systems, Kenntnis von taktischen Regeln sowie um Kenntnis der Wechselbeziehung
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zwischen Kondition, Technik, Taktik und den Willenseigenschaften. (SCHOCK, 1984, 5) Nach ROTH (1989,23) wäre ein Sportler ohne ein System solcher Kenntnisse den An-forderungen des Spiels nicht einmal in der Theorie gewachsen. Solche „Erfolgsregeln“
3 (HOHMANN/ LAMES/ LETZELTER 2003 , 129) sind von entscheidender Bedeutung für die
taktische Entwicklung von Nachwuchssportlern. Daher darf der Erwerb der strategischen und taktischen Leitsätze nicht dem Zufall überlassen werden, sondern sollte gezielt durch theoretisch-taktisches Training vermittelt werden. (ebd.)
2.3.2.2 Taktische Fähigkeiten
Taktische Fähigkeiten beziehen sich nach BISANZ (1985, 8) allgemein „auf die Befähigung eines Spielers, sich Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen und sie anzuwenden.“ Der Spieler muss demnach „in der Lage sein, physische Fähigkeiten, psychische Eigenschaften, seine Bewegungsfertigkeiten und seine taktischen Fertigkeiten entsprechend der Wettkampfsituation für die Lösung individueller, gruppentaktischer und mannschaftstaktischer Aufgaben anzuwenden.“ (ebd.) Insbesondere spiegeln sich die taktischen Fähigkeiten in der „Qualität von Handlungsentscheidung und Handlungsaus-
3 führung“ (HOHMANN/ LAMES/ LETZELTER 2003 , 129) wider. In Tabelle 2 werden Wahr-
nehmung, Antizipation, taktisches Gedächtnis, Reaktionsschnelligkeit sowie Konzentration als taktische Fähigkeiten aufgeführt. Diese Punkte stellen allesamt allgemeine Fähigkeiten dar. Trotzdem herrscht „große Unklarheit in Bezug auf (…) den Grad ihrer Unabhängigkeit von einer konkreten Sportart.“ (ebd, 130)
2.3.2.3 Taktische Fertigkeiten
Unter taktischen Fertigkeiten versteht ROTH (1989, 25) „praktisch ausgebildete, automatisierte Antworthandlungen auf typische Situationskonstellationen.“ Dazu gehören individual-, gruppen- sowie mannschaftstaktische Lösungsformen. Die taktischen Fertigkeiten unterscheiden sich von den taktischen Fähigkeiten dadurch, dass sie nicht von situationsübergreifender Wirksamkeit sind, also nur für die entsprechende Sportart gel-
3 ten. (ebd.) HOHMANN/ LAMES/ LETZELTER (2003 , 132) gehen bei den taktischen Fertig-
keiten von einem höheren Grad an spielpraktischer Verfestigung aus, wohingegen die taktischen Fähigkeiten dabei nur im Hintergrund wirken. Nach ROTH (1989, 25) zeichnen sich taktische Fertigkeiten im Wettkampf durch Sicherheit, Präzision und einem der Sportart entsprechendem Rhythmus aus. Barth (1994, 4ff) geht davon aus, dass bei taktischen Fähigkeiten die situationsbedingte Wahrnehmung assoziativ eine Hand- lungstendenz für bestimmte bevorzugte Handlungstendenzen für bevorzugte taktische
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Fertigkeiten auslöst. Daraus folgt nach HOHMANN/ LAMES/ LETZELTER (2003 taktische Fertigkeiten sich in individuellen Verhaltensgewohnheiten manifestieren.“ Dabei stellt im Anfängerstadium nicht die korrekte Ausführung des technomotorischen Handlungsablaufs das Problem dar, sondern eher zunächst eine günstige Anwendungssituation zu erkennen und die erforderliche Handlung erfolgreich umzusetzen. (ebd.)
2.4 Zur Struktur des modernen Fußballspiels
In diesem Kapitel wird speziell auf die Aspekte des modernen Fußballspiels eingegangen. Besonderes Augenmerk wird dabei aufgrund der Bedeutung für diese Arbeit auf das moderne Torwartspiel gelegt. Die Taktik und Strategie änderte sich im Laufe der Zeit. Was vor 20 oder 30 Jahren für modernes oder erfolgreiches Spiel stand, hat sich geändert, dementsprechend muss Strategie und Taktik angepasst werden. Das Spiel ist im Vergleich zu früher wesentlich schneller und dynamischer geworden. So hatten die Spieler zu Zeiten von Netzer oder Beckenbauer viel Platz im Mittelfeld, konnten den Ball in Ruhe annehmen und dann das Spiel fortführen. Heutzutage haben die Spieler durch die Verteidigung im Raum und das sehr ballorientierte Spiel kaum Zeit, ihnen steht sozusagen direkt ein Gegenspieler „auf den Füßen“. Aber auch durch Regeländerungen haben sich das Spiel und die Anforderungen an die Spieler verändert. Zu nennen ist hier die auch für den Gegenstand dieser Arbeit relevante Einführung der „Rückpassregel“. Sie besagt, dass ein absichtlich zum Torhüter gespielter Ball nicht mehr mit den Händen aufgenommen werden darf, ein Vergehen hat einen indirekten Freistoß zur Folge. Wie sich dies auf das Spiel und insbesondere auf die Anforderungen an die Torhüter ausgewirkt hat, wird in der Folge aufgezeigt.
2.4.1 Modernes Abwehrverhalten
Schon BREMER/ SCHNEIDER/ STAUDT (1987, 6) stellten im Bezug auf die Abwehrorganisation fest, dass sich keine Spitzenmannschaft erlauben kann einen Spieler gänzlich von Defensivaufgaben zu befreien. Bei gegnerischem Ballbesitz sind alle 11 Spieler in die Defensive eingebunden. LOCHMANN (2000b, 11) sagt dazu, dass man bei Mannschaften, die zeitgemäßes Abwehrverhalten präsentieren, nicht mehr von klassischen Verteidigern sprechen kann. Solche Mannschaften besitzen keine Verteidiger mehr, sondern nur verteidigende Spieler. Im Angriff bleibt die Mannschaft so positioniert, dass ständig ein gewisser Organisationsgrad in der Abwehr erhalten bleibt. Diese Maßnah- me soll die Anfälligkeit gegenüber gegnerischen Angriffen verhindern. So besteht im
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Moment des Ballverlusts eine funktionsfähige ballorientierte Abwehrformation. Diese Spielweise führt zu einer Spielermassierung im Mittelfeld, so dass besonders die Räume zwischen Ball und Tor besonders wirksam abgesichert werden. (AUGUSTIN 1992, 51) Die Feldspieler sind dabei in mehreren Reihen in Breite und Tiefe gestaffelt und die Spitze der Formation ist auf den Ball gerichtet. BREMER/ SCHNEIDER/ STAUDT (1987, 6) sprechen in diesem Zusammenhang von „Ballorientierter Breiten- und Tiefenstaffelung“ als moderne und effektive Abwehrorganisation. PETER/ STEMMANN (2002, 22) beschreiben in ihrer Analyse der Verteidigungssysteme der WM 2002 den Trend weg vom Libero hin zur ballorientierten Raumdeckung. „Fast alle Nationen agierten mit einer Dreier-oder Viererkette im Abwehrverband.“ (ebd.) Grundlegend für das Abwehrverhalten ist die 1 gegen 1 Situation, da sich aus ihr heraus alle individualtaktischen Aspekte des Verhaltens der verteidigenden Spieler ergeben. Dabei stellen die individualtaktischen Vorraussetzungen der einzelnen Spieler die Grundlage für ein mannschaftstaktisches Verteidigen dar. Spielt ein verteidigender Spieler gegen einen Angreifer in Ballbesitz, so befindet er sich in einer direkten verteidigenden Situation. Spielt ein Spieler gegen einen Angreifer, der sich nicht in direktem Ballbesitz befindet, so ist der verteidigende Spieler in einer indirekten verteidigenden Situation. Allgemein ist das Abwehrverhalten in Ballnähe durch eine höhere Dynamik geprägt als in ballentfernten Räumen. Die Aktionen werden demnach dynamischer, je näher er sich am Ball befindet. (LOCHMANN 2002b, 11f)
2.4.2 Modernes Angriffsverhalten
Offensiv spielen bedeutet heutzutage nach BISANZ (1992, 49), „immer dann, wenn eine Mannschaft in Ballbesitz ist, alles zu unternehmen um ihn so oft wie möglich im gegnerischen Tor unter zu bringen.“ Zeitgemäßes Angriffsspiel orientiert sich seiner Meinung nach an den erfolgreichen Mannschaften, da diese Teams auf Angriffsfußball ausgelegt sind und diesen erfolgreich praktizieren. Das Ziel, Tore zu erzielen, kann nur gelingen, wenn den Abwehrspielern mindestens eine gleiche Zahl an Angreifern gegenüber gestellt wird. Da, wie im vorherigen Kapitel erläutert, im modernen Abwehrspiel alle Spieler an der Verteidigung beteiligt sind, ergibt sich der Schluss, dass sich auch am Angriffsspiel alle Spieler beteiligen müssen.
Bisanz gliedert die Forderungen, die an ein erfolgreiches Angriffsspiel gestellt werden von den Spielhandlungen her in zwei Ausgangssituationen. (ebd., 50)
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Die erste Situation ist das Angriffsspiel gegen eine nicht oder noch nicht formierte Abwehr. Die normale Situation kommt zu Stande, wenn die gegnerische Abwehr bis zur Mittellinie aufgerückt ist und dort wenig Staffelung aufweist. Kommt es dann zu einem Fehlpass des Gegners oder zu einem Abfangen des Balles sollte nach BISANZ (ebd.) der Angriff wie folgt gestaltet werden:
• Spiel in hohem Tempo auf das gegnerische Tor
• Schnelle Kombinationen, wenig Stationen
• Tempodribblings, Gegenspieler binden, Hinterlaufen
• Personelle Überzahl erreichen durch Einschalten mehrerer Spieler
• Druck ausüben, im Tempo nicht nachlassen und schnell zum Abschluss kommen
Diese Mittel des schnellen Angriffs müssen nach BISANZ (ebd.) unbedingt nach gegnerischen Standardsituationen, bei denen die Abwehrspieler mit in den Angriff aufrücken, Anwendung finden. Die gegnerische Abwehr ist nicht in ihrer besten Besetzung formiert, was ein Ausspielen der verteidigenden Spieler erleichtern könnte.
Wird ein langsamer Spielaufbau praktiziert, kann sich die Abwehr besonders gut formieren. In diesem Fall kommt es zu einem Angriff gegen eine formierte Abwehr. Nach Bisanz (ebd.) kann man gegen eine formierte Abwehr mit folgenden Mitteln trotzdem erfolgreich sein:
• Sicherer Spielaufbau, Ausnutzen von Chancen durch Tempowechsel im Dribbling oder Passspiel
• Verlagerung des Spiels von einer auf die andere Seite; Angriffsaufbau über eine Seite mit kurzen Pässen und viel Bewegung ohne Ball und dann ein schneller Seitenwechsel
• Spiel über die Flügel, Doppelpässe, Hinterlaufen, Übergeben, Übernehmen mit dem Ziel bis zur Torlinie durchzuspielen und von dort mit einem Rückpass in die Strafraummitte Chancen zu erlangen
• Tempodribblings mit Abspiel auf Mitspieler mit dem Ziel zum Abschluss zu kommen
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Markus Schröder, 2007, Taktisches Verhalten weltbester Fußballtorhüter, München, GRIN Verlag GmbH
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