Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
1 Einleitung 3
2 Unterrichtsvoraussetzungen 4
2.1 Personale Unterrichtsvoraussetzungen 4
2.2 Situative Unterrichtsvoraussetzungen. 5
3 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen 6
3.1 Sachanalyse 6
3.1.1 Charakteristik des Futsalspiels 6
3.1.2 Taktische Fertigkeiten. 8
3.1.3 Technische Fertigkeiten. 9
3.1.4 Spielfähigkeit 10
3.1.5 Die Spielschule nach EMRICH. 11
3.2 Begründung der Themenwahl. 12
3.3 Einordnung in zeitgemäße didaktische Positionen 14
3.4 Didaktische Reduktion 17
4 Lernziele der Unterrichtsreihe und Lernerfolgskontrolle. 20
4.1 Übergeordnetes Lernziel. 20
4.2 Psychomotorische Lernziele 20
4.3 Kognitive Lernziele. 20
4.4 Sozial-affektive Lernziele 21
4.5 Lernerfolgskontrolle 21
5 Methodische Überlegungen und Entscheidungen 23
5.1 Zum gewählten Vermittlungsverfahren 23
5.2 Ausgewählte methodische Entscheidungen 24
5.2.1 Mannschaftsbildung. 26
5.2.2 Medien. 28
5.2.3 Alternativen. 29
6 Darstellung und Reflexion der Unterrichtsreihe 31
6.1 Erläuterungen zum Kapitel. 31
1
Inhaltsverzeichnis
6.2 Gesamtkonzeption der Unterrichtsreihe. 31
6.3 Darstellung der Unterrichtseinheiten. 32
6.3.1 Erste Unterrichtseinheit 32
6.3.1.1 Planungsüberlegungen 32
6.3.1.2 Lernziele 33
6.3.1.3 Geplanter Stundenverlauf. 34
6.3.1.4 Durchführung und Reflexion 35
6.3.2 Zweite Unterrichtseinheit 37
6.3.2.1 Planungsüberlegungen 37
6.3.2.2 Lernziele 38
6.3.2.3 Geplanter Stundenverlauf. 39
6.3.2.4 Durchführung und Reflexion 39
6.3.3 Dritte Unterrichtseinheit 41
6.3.3.1 Didaktische Vorüberlegungen. 41
6.3.3.2 Methodische Vorüberlegungen. 42
6.3.3.3 Lernziele 44
6.3.3.4 Geplanter Stundenverlauf. 45
6.3.3.5 Durchführung und Reflexion 45
6.3.4 Vierte Unterrichtseinheit 47
6.3.4.1 Planungsüberlegungen 47
6.3.4.2 Lernziele 48
6.3.4.3 Geplanter Stundenverlauf. 49
6.3.4.4 Durchführung und Reflexion 49
6.3.5 Fünfte Unterrichtseinheit. 51
6.3.5.1 Planungsüberlegungen 51
6.3.5.2 Lernziele 52
6.3.5.3 Geplanter Stundenverlauf. 53
6.3.5.4 Durchführung und Reflexion 53
7 Kritische Beurteilung der Unterrichtsreihe in Planung und Durchführung54
8 Literaturliste 59
Anhang 61
1
Beobachtungsbogen 61
2
Beispiele Beobachtungsbögen 62
3
Übungsskizzen 65
2
1 Einleitung
1 Einleitung
„Entwicklungsland Deutschland.“ So lautet die Überschrift einer Seite des Sportteils der Zeitung „Die Rheinpfalz“ vom Montag, den 18. Mai. 2009. Thematisiert wird in diesem Bericht die Sportart Futsal in Deutschland, die hierzulande noch relativ unbekannt ist. Viele können sich darunter nichts vorstellen. „Futsal ist eine
Variante des Hallenfußballs, aber nicht irgendeine, sondern die offizielle der FIFA 1 und UEFA 2 , die Hallenfußballversion, die sich überall auf der Welt durchgesetzt hat - außer in Deutschland, Österreich und der Schweiz.“ 3 Es ist „Fußball in der Sporthalle in seiner schönsten Form“ 4 . In Deutschland fristet Futsal ein Nischendasein. So führt der DFB Futsal unter Breiten- und Freizeitsport, während in vielen anderen europäischen und außereuropäischen Ländern schon seit langem Profiligen existieren. In Deutschland ist dieser Sport erst langsam auf dem Vormarsch und vielerorts, selbst in Fußballkreisen, noch gänzlich unbekannt. Futsal, ursprünglich „Futebol de Salao“, stammt aus Südamerika. Alle weltbekannten brasilianischen Fußballer (z. B. Ronaldinho, Kaka, usw.) haben in ihrer Jugend und damit in ihrer frühen fußballerischen Ausbildung Futsal gespielt. Sie sind erst später zum Fußball gekommen. Futsal zeichnet sich durch rasante Balltechnik, fintenreiches Dribbling, fast körperloses und dennoch kampfbetontes Spiel aus. Schwerere Verletzungen durch Zweikämpfe, wie sie im Fußball immer wieder vorkommen, sind beim Futsal durch das weitestgehend körperlose Spiel nahezu ausgeschlossen. Ein Mangel an Technik ist, im Gegensatz zum Fußball, nicht durch eine harte Spielweise wettzumachen.
2006 startete Nike die Kampagne „Joga Bonito“, was übersetzt soviel wie „spiele schön“ bedeutet. Sie sollte die brasilianische Fußballkultur zum Ausdruck bringen. In den Werbespots, angeführt von der französischen Fußballlegende Eric Cantona, waren zahlreiche Fußball-Superstars zu sehen. Die Kampagne wurde von einer weltweiten Turnierserie begleitet. Es wurde mit einem Futsal nach Futsal-Regeln 3 gegen 3 gespielt. Schön zu spielen, Freude und Spaß am Spiel zu haben, sind grundlegende Elemente des Futsal. Sie stehen weit vor dem Leistungsgedanken an erster Stelle. Es geht um die Freude an der Bewegung, Spaß und Fair-Play, alles Werte, die auch für den Schulsport grundlegend sind.
1 Fédération Internationale de Football Association (dt. Internationale Föderation des Verbands-
fußballs)
2 Union of European Football Associations (dt. Vereinigung Europäischer Fußballverbände)
3 HERMANS, ENGLER 2009, 13.
4 HERMANS, ENGLER 2009, 14.
3
2 Unterrichtsvoraussetzungen
2 Unterrichtsvoraussetzungen
2.1 Personale Unterrichtsvoraussetzungen
Die Lerngruppe setzt sich aus 29 Schülerinnen der Klassen 7b und 7g zusammen, die ich im Rahmen des betreuten Unterrichts bei Frau unterrichte. Die
Lernatmosphäre ist sehr angenehm, da fast alle Schülerinnen dem Sportunterricht ein großes Interesse entgegenbringen.
Die körperlichen Voraussetzungen sind im Durchschnitt als gut zu bezeichnen. Die Vorerfahrungen in der Sportart Futsal sind bei allen gleich. Keine Schülerin kam bisher damit in Berührung. Allerdings bestehen Vorerfahrungen im Fußball, wodurch einige Leistungsdifferenzen zu beobachten sind. Besonders auffällig ist dies bei zwei Schülerinnen, die im Verein Fußball spielen und deren Leistungsstand sich deutlich positiv vom Rest der Lerngruppe hervorhebt. Sie bilden mit drei bis vier weiteren talentierten Schülerinnen die Leistungsspitze der Gruppe. Ein durchschnittlicher Leistungsstand kennzeichnet das breite Mittelfeld, gefolgt von einer kleinen Gruppe leistungsschwächerer Schülerinnen. Ausdruck dieses schwächeren Leistungsstandes sind vor allem koordinative Schwierigkeiten, die auf fehlende Bewegungserfahrungen in diesem Bereich zurückzuführen sind. Außerdem konnte bei den leistungsschwächeren Schülerinnen teilweise ängstliches Verhalten gegenüber dem Ball beobachtet werden. Dieses Leistungsgefälle findet methodischdidaktisch unter anderem in der Zusammenstellung der Mannschaften Berücksichtigung. Hierauf wird an späterer Stelle genauer eingegangen. Das Engagement der Gruppe trägt zur guten Arbeitsweise und zu einem guten sozialen Verhalten bei. Der Umgang miteinander kann als lebendig und produktiv beschrieben werden.
Die Vermittlung des Futsal- bzw. Fußballspiels in der Schule und dazu noch in einem Mädchenkurs stellt für mich eine besondere Herausforderung dar. Im Gegensatz zu den meisten Schülerinnen bin ich mit der Sportart Fußball aufgewachsen. Basierend auf den Erfahrungen aus über 20 Jahren Wettkampf- und Leis-tungssport im Fußball, Trainertätigkeiten sowie der Organisation und Durchführung von Fußballcamps und der zweimaligen Teilnahme am Finalturnier zur Deutschen Meisterschaft im Futsal (DFB-Futsal-Cup), versuche ich herauszufinden,
4
2 Unterrichtsvoraussetzungen
welches Vorgehen für diese spezielle Lerngruppe mit dem Ziel der Vermittlung von Freude und Spaß an den Sportarten Futsal bzw. Fußball am sinnvollsten ist.
2.2 Situative Unterrichtsvoraussetzungen
Die Unterrichtsstunden dieses Kurses finden freitags in der dritten und vierten
Zeitlich parallel findet der Sportunterricht der Jungen der gleichen Klassen statt. Die Sporthalle verfügt über drei Hallendrittel (je etwa 14 x 28 Meter), die sich die Lehrkräfte je nach Thema und durch Absprache teilen. Für die Unterrichtsstunden der Examensreihe stehen jeweils mindestens zwei Hallendrittel zur Verfügung. Abhängig von der Witterung kann sogar die gesamte Halle genutzt werden, da die Jungengruppe bei gutem Wetter ihren Sportunterricht ins Stadion verlegt. Benötigte Materialien wie Spielfeldmarkierungen und Markierungshemdchen sind in der Halle in ausreichender Menge vorhanden. Die Schule verfügt selbst nur über acht Futsalbälle. Daher habe ich die Kontakte zum Südwestdeutschen-Fußballverband (SWFV) und dem Bezirksvorsitzenden des Fußballbezirks Rheinhessen, gleichzeitig Futsalbeauftragter, genutzt, um auf Leihbasis
weitere Futsal-Bälle zur Verfügung gestellt zu bekommen. Damit kann für die Unterrichtsreihe ein Klassensatz bereitgestellt werden.
5
3 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen
3 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen
3.1 Sachanalyse
3.1.1 Charakteristik des Futsalspiels
Futsal ist eine Variante des Hallenfußballs. Im Prinzip Hallenfußball nach allgemeingültigen, internationalen Regeln. Überall auf der Welt hat sich diese Variante durchgesetzt, abgesehen von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der internationale Triumphzug lässt sich durch die dem Futsal eigenen Merkmale erklären.
Die Spielidee entspricht der des Fußballspiels. Zwei gegnerische Mannschaften versuchen einen Ball, ohne Zuhilfenahme der Hand oder des Arms und unter Beachtung aller weiteren Regeln, in das Tor des Gegners zu befördern und die Bemühungen des Gegners, das Gleiche zu tun, zu verhindern. Beobachtet man zum ersten Mal ein Futsalspiel, so fällt einem, den deutschen Hallenfussball gewohnten Betrachter, direkt das Fehlen der Bande auf. Spielerbal-
lungen 5 an der Bande und damit verbundene Verletzungsgefahr gibt es beim Futsal somit nicht. Das Spielfeld entspricht, bis auf einige kleine Markierungen, dem Handballspielfeld (20 x 40 Meter) und auch Handballtore (2 x 3 Meter) werden genutzt. Weiter fällt dem Zuschauer recht schnell auf, dass der Ball nicht die Eigenschaften eines Fußballs aufweist. Sein Umfang beträgt 62 bis 64 cm (Fußball 68 bis 70 cm). Im Gewicht unterscheidet er sich nur unwesentlich um 10 Gramm. Der wichtigste Unterschied ist jedoch die Reduktion der Sprungfähigkeit, d.h. lässt man ihn aus zwei Metern Höhe fallen, springt er nur zwei bis dreimal leicht auf und bleibt liegen. Für den Rasen entwickelte Fußbälle springen in der Halle wie ein Flummi. Durch diese Sprungreduktion erleichtert der Futsal die Ballkontrolle, „er
klebt am Fuß“ wie man so schön sagt. 6 Diese Eigenschaft der reduzierten Sprungfähigkeit ist für die Unterrichtsreihe der wichtigste Punkt. Der Ball ist wesentlich leichter zu kontrollieren und im Spiel unter Kontrolle zu bringen. Dadurch eignet er sich sehr gut für Anfänger zum Erlernen technischer Fähigkeiten und damit auch in besonderem Maße für die beschriebene Lerngruppe. Auch die meisten der be- 5 Zurbesseren Lesbarkeit wird in den allgemeinen Ausführungen die männliche Form genutzt. Es
sind jedoch immer beide Geschlechter gemeint. In den speziellen Ausführungen zur Lerngruppe
wird auf Grund der Tatsache, dass es sich um einen reinen Mädchenkurs handelt dann aus-
schließlich die weibliche Form genutzt.
6 Vgl. HERMANS, ENGLER 2009, 14.
6
3 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen
kannten brasilianischen Fußballstars haben in ihrer Jugendzeit Futsal gespielt und dadurch zum größten Teil ihre brillante Technik erlangt. Weitere, den Futsal prägende Elemente sind die Regeln. Diese sind in allen Belangen auf ein schnelles Spiel und besonders auf Fair-Play angelegt. Aus verschiedenen Sportarten wurden Elemente entliehen und in die Futsalregeln aufgenommen. So werden beispielsweise die Fouls jeder Mannschaft als Teamfouls addiert und ab dem sechsten Teamfoul wird bei jedem Foul dem Gegner ein Freistoß aus zehn Metern ohne Mauer zugesprochen. Weiterhin ist das Grätschen in Richtung eines Gegenspielers komplett verboten und selbst der Versuch wird hier schon geahndet. Diese zwei Regeln in Kombination führen dazu, dass Futsalspiele in der Regel sehr fair ablaufen und es kaum zu unfairem Treten wie im Fußball kommt. Um das Spiel zu beschleunigen und Zeitspiel zu vermeiden, wird bei jeder Unterbrechung, wie beim Basketball oder Eishockey, die Zeit angehalten. Alle Situationen mit ruhenden Bällen müssen innerhalb von vier Sekunden ausgeführt werden. 7
Das Zusammenspiel der Regeln, der Fair-Play-Gedanke und die Besonderheiten des Balles prädestinieren meiner Meinung nach das Futsalspiel für den Einsatz in den Schulen. Für das Erlernen oder die Verbesserung der technischen Fähigkeiten macht auch durchaus nur der Einsatz von Futsalbällen Sinn. Erfolgreiches Handeln im Futsal hängt im Wesentlichen von den gleichen Faktoren wie beim Fußballspiel ab: von der Technik, dem taktischen Handlungsgeschick, dem Mannschaftsgefüge bis hin zur konditionellen Verfassung. Weiterhin haben der Gegner, die Mitspieler, die eigene Spielposition und der Ball großen Einfluss auf alle Handlungen.
DIETRICH unterteilt das Fußballspiel in drei Grundsituationen: Torschuss und Torabwehr, Herausspielen von Schussgelegenheiten und das Abschirmen des Tores
sowie den Aufbau und das Stören des Angriffs. 8 Diese übergeordneten Spielsituationen lassen sich direkt auf das Futsalspiel übertragen. Je nach Spielsituation und Position der Spieler haben diese bestimmte Abwehr- bzw. Angriffsaufgaben zu übernehmen. Im Falle eines Ballverlustes oder -gewinns können die Aufgaben blitzschnell wechseln. Jeder Spieler kann so an jeder Stelle des Feldes vom An- 7 Auszugder Futsalregeln. Die gesamten Regeln findet man unter
http://de.fifa.com/flash/lotg/futsal/de/index.html (27.06.09)
8 Vgl. DIETRICH 1984, 11f.
7
3 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen
greifer zum Verteidiger und umgekehrt werden. Alle Spieler übernehmen somit gleichzeitig Angriffs- und Abwehraufgaben. Daher ist es für den lernenden Schüler wichtig, Erfahrungen in den Grundsituationen und mit deren Wechsel zu sammeln, um „diese Situationen immer besser zu durchschauen und sie durch angemessene Aktionen zu lösen.“ 9
3.1.2 Taktische Fertigkeiten Taktik bezeichnet allgemein
„kluges, planmäßiges Vorgehen und das geschickte Ausnützen einer Situation.
In der Sportwissenschaft wird die Taktik auf die Analyse von kurzfristigen
Problemlösungs- bzw. Entscheidungsprozessen bezogen, mit denen der Sport-
10 ler unter Beachtung der Wettkampfregeln“
ein optimales Ergebnis anstrebt. Dies macht deutlich, dass erst eine situationsangemessene Anwendung technischer Fertigkeiten unter Einsatz der konditionellen Fähigkeiten nach vorhergehender Wahrnehmung und bzw. oder Antizipation der Spielsituation die Handlungsfähigkeit im Sportspiel ausmacht. Besonders in den Sportspielen kommt der Taktik eine große Bedeutung zu. Es wird zwischen der Individual-, Gruppen- und Mannschaftstaktik unterschieden, die sich jeweils in Angriffs- und Abwehrtaktik aufteilen lassen. Das Problem beim Futsal oder den Sportspielen allgemein liegt darin, dass sich die Spielerinnen ständig mit sich „ändernden Konfliktsituationen, mit hohen interpersonalen Wechselwir-kungen“ 11 konfrontiert sehen. Dies erfordert an den einzelnen Spieler fortlaufend schnelle Entscheidungen bezüglich der neu eintretenden Spielsituationen. Weiterhin müssen die Entscheidungen auf die Gruppe bzw. die Mannschaft abgestimmt sein.
Zu den wichtigsten taktischen Handlungen im Angriff zählen im Futsal der Doppelpass, das gezielte Freilaufen und Ausnutzen der Spielfläche sowie das schnelle Umschalten von Abwehr auf Angriff mit dem Ziel, eine Überzahlsituation zu schaffen. Die wichtigste taktische Handlung in der Verteidigung ist das Umschalten von Angriff auf Abwehr. Dabei sollte so schnell wie möglich eine Position zwischen Ball bzw. Gegner und Tor eingenommen werden, um Unterzahlsituationen zu vermei-
9 DIETRICH1984, 13.
10 RÖTHIG/PROHL 2003, 577.
11 RÖTHIG/PROHL 2003, 577.
8
3 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen
den. Außerdem ist es wichtig, den Gegner, unter Berücksichtigung der Regeln, unter Druck zu setzen, um ihm keine Zeit zu geben die bestmögliche Lösung für die sich ihm stellende Situation zu finden.
Ziel in der Verteidigung ist es, einen Torerfolg des Gegners zu verhindern und selbst in den Angriff zu gelangen, um dann die Gelegenheit zu bekommen, Torgelegenheiten herauszuspielen und ein Tor zu erzielen.
3.1.3 Technische Fertigkeiten
Bei den technischen Fertigkeiten handelt es sich um allgemeine Fähigkeiten, eine zielgerichtete technische Handlung auszuführen.
„Das Ziel besteht darin, dass der Spieler den Ball beherrscht und nicht von ihm
beherrscht wird.“ 12
Die technischen Fertigkeiten sollen den Spieler dazu befähigen, „den Ball in Besitz zu halten, um einen oder mehrere Gegner zu überwinden und um die Handlungen und Bewegungen der Mitspieler zu begünstigen.“ 13 Dabei sollen die Handlungen immer der Mannschaft und nicht der persönlichen Darstellung dienen. Im Futsal gibt es, wie in jeder Sportart, eine gewisse Anzahl an Grundtechniken. Die Ballannahme ist die Technik, mit der der Ball unter Kontrolle gebracht wird, um anschließend eine Folgehandlung zu vollziehen. Die Schnelligkeit des Spiels verlangt, dass die Spieler den Ball so schnell wie möglich unter Kontrolle bringen. Dazu stehen den Spielern unterschiedliche Techniken zur Verfügung. Das Stoppen des Balles stellt hierbei die wichtigste Technik dar. Der Ball wird in den meisten Fällen, anders als beim Fußball, mit der Sohle gestoppt, sodass er sich nicht mehr bewegt. Diese Technik ermöglicht es schon Anfängern den Ball sicher unter Kontrolle zu bringen und bringt so die ersten Erfolgserlebnisse. Weitere Möglichkeiten sind das Halbstoppen, bei dem der Ball in den Lauf mitgenommen wird und das Abdämpfen zum Kontrollieren hoher Bälle. Das Dribbling ermöglicht es einem Spieler, sich mit Ball in eine Richtung zu bewegen, ohne dass ein Gegner ihm den Ball abnimmt. Bei der Ballführung benutzt der Spieler Techniken, um den Ball in seiner Bewegung auf dem Feld zu spielen.
12 HERMANS, ENGLER 2009, 26.
13 HERMANS, ENGLER 2009, 26.
9
3 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen
Unterschieden wird dabei nach der Kontaktfläche, wobei Innen- und Außenrist sowie Außenspann und die Sohle als wichtigste Kontaktflächen zu nennen sind. Der Schuss ist die Technik, mit der versucht wird, als Abschluss eines Spielzuges, ein Tor zu erzielen. In der Regel geht der Impuls vom Fuß aus, es ist aber auch möglich andere Körperteile zu benutzen. Man unterscheidet verschiedene Schussarten. Den flachen Ball, bei dem der Ball rollt oder liegt, den Dropkick, wobei der Ball angeflogen kommt und kurz nach dem Bodenkontakt getroffen wird und den Volleyschuss, wenn der fliegende Ball direkt aus der Luft geschossen wird. Meistens werden Schüsse mit dem inneren oder zentralen Spann ausgeführt, um den Ball schnellstmöglich zu beschleunigen. Eine futsalspezifische Technik ist der Schuss mit der Fußspitze („Picke“). Dabei stehen die Schnelligkeit und das Überraschen des Gegners im Vordergrund, da bei dieser Technik praktisch keine Ausholbewegung benötigt wird.
Finten sind Techniken, bei denen dem Gegner durch eine Bewegung eine bestimmte Handlung vorgetäuscht und anschließend aber eine andere ausgeführt wird. Der Gegner kann so umspielt oder abgeschüttelt werden. Zum Freilaufen und Anbieten ist es beispielsweise von Vorteil, wenn man zuerst eine Bewegung in die entgegengesetzte Richtung antäuscht, um sich Platz vor seinem Gegenspieler zu schaffen. Weitere Finten sind z. B. Schussantäuschungen oder Körpertäuschungen.
Auf die Torspielertechnik als eine weitere Grundtechnik wird nicht näher eingegangen, da sie für die Unterrichtsreihe keinerlei Relevanz hat. In keiner der Unterrichtseinheiten kommen feste Torspieler zum Einsatz und auch die Techniken werden nicht thematisiert.
3.1.4 Spielfähigkeit
Zunächst sind die allgemeine und spezielle Spielfähigkeit zu unterscheiden. Die allgemeine Spielfähigkeit beinhaltet die Fähigkeit, sich auf eine Spielidee zu einigen, die Spielbedingungen zu organisieren, das Spiel in Gang zu bringen und das Spiel aufrechtzuerhalten bzw. nach Störungen fortzusetzen. Die spezielle Spielfähigkeit bezieht sich dagegen auf die den Sportspielen typischen technischen und taktischen Handlungen. Da in der Unterrichtsreihe sowohl das Spiel als auch die
10
3 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen
Bedingungen festgelegt und organisiert sind und das Spiel vom Lehrer in Gang gebracht und aufrechterhalten wird, sind die Punkte der allgemeinen Spielfähigkeit in der Folge außer Acht zu lassen.
Die Spielfähigkeit, in diesem Fall die spezielle, ist nach EMRICH nicht einfach nur die Summe von Technik, Taktik und Kondition. Vielmehr stellt sie sich als komplexe, vielfältige und ganzheitliche Zusammensetzung unterschiedlicher Faktoren dar. DIETRICH 14 versteht unter spezieller Spielfähigkeit „die Fähigkeit, in einem bestimmten Spiel den Regeln und Erwartungen der Mitspieler entsprechend mitspielen zu können“ 15 . Dies erfordert neben der Kenntnis der Spielidee und der Regeln auch „motorisches Können im Umgang mit dem Ball und bei der Bewältigung des Spielraumes“ 16 .
Auch DIETRICH schlägt für die Vermittlung von Spielen ein genetisches Spielkonzept vor, das induktiv von der Spielaufgabe ausgeht. Durch die untrennbare Verknüpfung der technisch-taktischen Elemente des Spiels stehen diese beiden Autoren auf dem Standpunkt, dass die Spielfähigkeit nur im Spiel selbst vermittelt und verbessert werden kann.
3.1.5 Die Spielschule nach EMRICH
Armin EMRICH hat in seinem Buch „Spielend Handball lernen in Schule und Verein“ eine Spielschule für das Handballspiel entwickelt. Dieses Buch kann als Standardwerk für die Vermittlung des Handballspiels in der Schule angesehen werden.
Vor dem Hintergrund „Kinder und Schüler üben zuviel und spielen zu wenig!“ 17 konzipierte er eine Handballspielreihe nach dem spielgemäßen Konzept. In der Unterrichtsreihe sollen die grundsätzlichen Überlegungen EMRICHS für das Handballspiel auf Futsal oder auch Fußball übertragen werden. Zugrunde liegt den spielgemäßen Konzepten der Hauptgedanke: „Spielen lernt
man nur im Spiel!“ 18 Ausgehend davon sollen in meiner Examensreihe EMRICHS Grundgedanken zur Einführung und Schulung des Handballspiels auf Futsal übertragen werden. Ziel der Spielreihe ist es, zum Sportspiel hinzuführen. Dabei sollen
14 DIETRICH 1984.
15 DIETRICH 1984, 19.
16 DIETRICH 1984, 19.
17 EMRICH 2007, 2.
18 EMRICH 2007, 2.
11
3 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen
Übungsformen nur eingesetzt werden, wenn sie für das Erlernen von Einzeltechniken unabdingbar sind. EMRICH geht bei der „technisch-taktischen Schulung […] von der Einheit des Spiels bzw. des Spielgedankens“ 19 aus. „Das Spiel ist der zentrale Ausgangspunkt für die Motivation der Schüler, indi-viduelle und mannschaftliche Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erlernen und zu
verbessern. Die Spielleistung kann nur durch die Verbesserung technisch-taktischer Elemente gesteigert werden. Die Schüler sollen spielend lernen, d.h.
sie müssen Spielsituationen erleben, die sie bewältigen können und die bei
20 Bedarf veränderbar sind.“
Um den Schülern diese zu bewältigenden Spielsituationen herzustellen, muss die Spielreihe methodisch vom Leichten zum Schweren, vom Bekannten zum Unbekannten und vom Einfachen zum Komplexen aufgebaut werden. Ziel der Spielschule ist es, einfache technische Fertigkeiten (Stoppen, Passen, Ballführen, Schießen), einfache taktische Fertigkeiten (Freilaufen, Anbieten, Decken), konditionelle Fähigkeiten und koordinative Fähigkeiten im Spiel zu vermitteln und zu verbessern. Dabei sind die technisch-taktischen Elemente untrennbar
miteinander verbunden. 21
3.2 Begründung der Themenwahl
Neben den bereits angeführten persönlichen Ambitionen zeichnet sich Futsal wie auch Fußball durch einen hohen Aufforderungscharakter aus. Mädchen kommen im Gegensatz zu Jungen eher selten mit dem Fußballspiel in Berührung. Ich konnte aber immer wieder, auch in gemischten Klassen, feststellen, dass Mädchen in der Regel mit Begeisterung beim Fußball dabei sind. Die Entscheidung für diese Unterrichtsreihe nicht Fußbälle, sondern Futsalbälle einzusetzen, hat mehrere Gründe.
Die Vorteile des Futsals gegenüber dem in Deutschland üblichen Hallenfußball liegen für HERMANS/ ENGLER klar auf der Hand. Sie führen unter anderem an: • „Futsal ist attraktives Spiel für alle Könnensstufen mit vielen Toren.
19 EMRICH 2007, 3.
20 EMRICH 2007, 3
21 vgl. EMRICH 2007, 4
12
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Markus Schröder, 2009, Futsal – Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes der Spielschule nach Emrich, München, GRIN Verlag GmbH
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