Inhalt
Einleitung. 2
1. Die Errichtung einer römischen Staatspost durch Augustus. 4
2. Aufbau und Funktionsweise des cursus publicus 9
a) Die Stationen. 9
b) Die Benutzer 16
c) Der praefectus vehiculorum 22
3. Finanzierung 24
4. Abschließende Beurteilung. 36
Literaturverzeichnis 40
Quellen 40
Literatur 41
-2- Einleitung
In seiner über tausendjährigen Geschichte - bezieht man die Fortführung von Byzanz bis zur Niederwerfung Konstantinopels mit ein - hat das Römische Kaiserreich trotz des stetigen Wandels, dem es unterlag, auf eine Institution niemals verzichtet: Die Rede ist von der römischen Staatspost, genannt cursus publicus. Dieses System zur Übermittlung von Nachrichten und zum Transport von Gütern und Personen wurde in seinen Grundzügen bereits vom Begründer der römischen Monarchie eingerichtet und in der Nachfolge kaum mehr wesentlich umgestaltet. Unter Augustus hatte das Imperium Romanum eine immense territoriale Ausdehnung von rund sechs Millionen Quadratkilometern erlangt, und diese nahm bis in die Zeit Traians noch weiter zu. In Anbetracht der Größe und der damit einher gehenden Disparität und ethnischkulturellen Vielfalt des Reiches stellt Frank Ausbüttel in der Einleitung seines Buches über die römische Administration zurecht die Frage, „wie die Römer es dennoch geschafft haben, über Jahrhunderte ihr Reich zusammenzuhalten und zu verwalten.“ 1 Auch wenn das aufgeworfene Thema der Organisation des Imperium Romanum in all seinen Einzelheiten an dieser Stelle nicht beantwortet werden kann, 2 ist doch eines sicher: Ohne das vom Kaiser initiierte Nachrichten- und Transportsystem cursus publicus wäre ein Zusammenhalt derart entfernt liegender Teile auf längere Sicht kaum möglich gewesen.
Die vorliegende Arbeit widmet sich mit dem cursus publicus einer Infrastruktureinrichtung, die - nicht allein als Subsystem der Verwaltung - zur Aufrechterhaltung der römischen Herrschaft unabdingbar beitragen hat. Unter dem Ausdruck ‚Infrastruktur‘ versteht die moderne Forschung im umfassenden Sinne alle Arten von Systemen, die sowohl flächendeckend als auch auf Dauer angelegt sind, um dem Wohle eines Ge- 1 F.M. Ausbüttel: Die Verwaltung des Römischen Kaiserreiches. Von der Herrschaft des Augustus bis zum Niedergang des Weströmischen Reiches, Darmstadt 1998, S. 3.
2 Siehe hierzu außer Ausbüttel (wie Anm. 1) auch die grundlegenden Arbeiten von Werner Eck, auf die im folgenden des öfteren zurückgegriffen wird: W. Eck: Die staatliche Organisation Italiens in der hohen Kaiserzeit (Vestigia 28), München 1979; W. Eck: Die Verwaltung des römischen Reiches in der hohen Kaiserzeit. Ausgewählte und erweiterte Beiträge, 2 Bde. (Arbeiten zur römischen Epigraphik und Altertumskunde 1 u. 3), Basel 1995 u. 1997.
-3-meinwesens zu dienen. 3 Die Wirtschaftswissenschaften unterscheiden dabei zwi-schen materieller, institutioneller und personeller Infrastruktur. 4 Zur materiellen Inf-rastruktur zählen bauliche Anlagen für den Verkehr (Straßen, Häfen) und für die Ver-sorgung mit natürlichen Ressourcen (Wasserversorgung). Die institutionelle Infrastruktur umschließt nicht nur Organisationen eines Gemeinwesens (Verwal-tung), sondern unter einem erweiterten Blickwinkel auch deren Verfahrensweisen und Rechtsnormen. Unter den Aspekt der personellen Infrastruktur fallen die einzel-nen Personen, die das System tragen, ihre Fähigkeiten und ihre Zahl. Es ist nicht möglich, den cursus publicus ausschließlich einem dieser drei Typen zuzuordnen. Das römische Nachrichten- und Transportsystem verfügte sowohl über eine perso-nell-institutionelle als auch eine materielle Grundlage. Auf der materiellen Seite bil-dete das gut ausgebaute Verkehrswegenetz eine notwendige Voraussetzung, ohne die ein Funktionieren des Postdienstes nicht denkbar gewesen wäre. Auch personell-institutionell war der cursus publicus keine völlig selbständige Einrichtung, sondern größtenteils von der römischen Munizipalverwaltung abhängig. Die vorliegende Ar-beit untersucht das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten, in dem sie deren Funktionsweise beleuchtet, und geht vor allem der Frage nach, wie dieses System unterhalten wurde und welche Probleme sich daraus ergaben. Dabei wird das Haupt-augenmerk auf die frühe Kaiserzeit gerichtet. Zwar ist die Quellenlage für diesen Abschnitt nicht so gut wie für das vierte und fünfte Jahrhundert, in welchem die Ge-setzessammlungen des Codex Theodosianus und des Codex Iustinianus reichlich Material bieten. Für die frühe Kaiserzeit stehen lediglich einige verstreute Inschriften und spärliche literarische Aussagen zur Verfügung. Das sollte jedoch nicht davon abhalten, gerade den für die Einschätzung des cursus publicus besonders wichtigen Zeitpunkt der erstmaligen Einrichtung dieses Systems zu betrachten, welcher be-zeichnenderweise mit Etablierung des Principats einher ging, und im Anschluß die Entwicklung der Institution über ersten beiden Jahrhunderte bis zum Beginn des Sol-datenkaisertums unter Septimius Severus weiter zu verfolgen.
3 Diese Definition wurde dem im Wintersemester 98/99 an der Universität Stuttgart von Prof. Dr. E. Olshausen gehaltenen Seminar zur ‚Infrastruktur des Imperium Romanum‘ zugrunde gelegt.
4 Vgl. R. L. Frey: Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaften 4, 1978, Sp. 200-215, bes. 202.
-4- 1.Die Errichtung einer römischen Staatspost durch Augustus
Die Geschichte des Postwesens in der Antike zeigt, daß ein ausgefeiltes, staatlich organisiertes System zur Nachrichtenübermittlung fast ausschließlich da anzutreffen ist, wo es sich um ein zentral gelenktes Großreich handelt. Nach Berichten des Herodot und des Xenophon unterhielten schon die Perser einen berittenen Kurierdienst, 5 der überwiegend die große Königsstraße zwischen Sardes und Susa bediente. 6 Die Anfänge des persischen Postwesens sind ins sechste vorchristliche Jahrhundert zu datieren. Xenophon schreibt die Erfindung dieser Einrichtung dem fünften achämenidischen Großkönig Kyros II. (559-529 v. Chr.) zu. 7 In der Nachfolge Alexanders des Großen, dem es in seiner Regierungszeit nicht gelang, ein einheitliches Nachrichtensystem für sein Reich zu schaffen, 8 waren es die östlichen Diadochenreiche, die über einen staatlichen Postdienst verfügten. Über die Staatspost der Ptolemäer in Ägypten ist die Forschung dank einiger Papyrusfunde recht gut informiert. 9 Die entlang des Niltals verkehrende ptolemäische Post folgte im Gegensatz zur persischen einem festen Fahrplan, der auch zur Nachtzeit nicht unterbrochen wurde. Wie die Forschung des öfteren bemerkt hat, ist es bezeichnend, daß gerade das griechische Mutterland keine solch zentral geleitete Organisation aufweisen konnte, was hauptsächlich auf der Zersplitterung in Kleinstaaten beruhte. 10 Zum einen fehlte zur Durchsetzung administrativer Maßnahmen eine starke Zentralmacht, zum anderen
5 Hdt. 8,98; Xen., Cyrop. 8,6,17-18. Zum vorrömischen Postwesen siehe E. J. Holmberg: Zur Geschichte des cursus publicus, Upsala 1933, S. 18-32; [H.-J. Pflaum]: Essai sur le cursus publicus sous le haut-empire romain, in: Mémoires présentes par divers savants à l’Académie des Inscriptions et Belles-Lettres 14, 1940, 192-209; E. R. Stain: Zu römischen Straßenstationen im Alpenraum. Mit ausführlicher Quellenanalyse zum römischen Postwesen, Wien, Univ. Diss. 1982, S. 3-17.
6 Diese war nach Hdt. 5,52 mit zahlreichen Raststationen und Herbergen ausgestattet.
7 Xen., Cyrop. 8,6,17: „Wir kennen noch eine andere Erfindung von ihm [d. h. Kyros], der Größe des Reiches entsprechend, durch welche er schneller erfuhr, was sich auch in den sehr weit entfernten Gebieten zutrug...“. E. E. Hudemann, der sich auf eben diese Quelle bezieht, spricht irrtümlich von Darius I. (Das Postwesen der Römischen Kaiserzeit, Ploen 1866, S. 5).
8 Holmberg (wie Anm. 5) S. 23; im Gegensatz dazu spricht Stain (wie Anm. 5) S. 13 vom „organisierte[n] Postsystem des Reiches Alexanders d. Gr.“ ohne dafür Belege anzuführen.
9 Besonders aussagekräftig ist der von F. Preisigke (Die ptolemäische Staatspost, in: Klio 7, 1907, S. 241 f.) untersuchte Papyrus Hibeh 110 aus dem Jahr 255 v. Chr, in dem ein Beamter der Poststation in Hibeh Protokoll führte.
10 Vgl. Holmberg (wie Anm. 5) S. 21-23; G. Humbert: Dictionaire des Antiquités greques et Romaines, hg. v. Charles Victor Daremberg / Edmund Saglio, 1,2, 1887, Sp. 1645-1672, s. v. cursus publicus: „La Grèce, malgré son voisinage avec L’Asie, paraît ne pas avoir possedé de poste publique. La diversité et la proximité des petits États n’exigeaient pas un service régulier au profit du gouverne- ment...“ (Sp. 1646).
-5-gab es für die einzelnen poleis nicht das Bedürfnis nach einem regelmäßig ver-kehrenden, straff aufgebauten Postdienst. Erst wo ein Einzelner die Geschicke eines Großreiches in der Hand hielt, wurde ein kontinuierlicher und effektiver Nachrich-tendienst zur dringenden Notwendigkeit. Aus diesem Grund überrascht es nicht, daß Augustus bald nach der Erringung der Alleinherrschaft eine derartige Institution für das Imperium Romanum ins Leben rief. 11
Der genaue Zeitpunkt der Einrichtung des cursus publicus ist nicht bekannt. 12 Werner Eck äußert - ohne dies näher zu begründen - die Vermutung, es dürfe kaum später als im zweiten vorchristlichen Jahrzehnt geschehen sein. 13 Sueton, der als einziger explizit darüber berichtet, liefert für die Datierung keinen Anhaltspunkt, da seine ‚vita Augusti‘ nicht einer chronologischen, sondern einer systematischen Ordnung folgt. 14 Es gibt jedoch einige rationale Argumente, die eine Datierung in den von Eck vorgeschlagenen Zeitabschnitt unterstützen. Im Jahr 27 vor Christus übertrug der Senat die Leitung der unbefriedeten Provinzen an Augustus, der damit nicht nur seine Machtstellung enorm ausweitete, 15 sondern auch - als Verantwortlicher für die Sicherheit an der Peripherie des stark expandierten Imperium Romanum - unter großem Erfolgsdruck stand. Jedes Zeichen der Schwäche konnte von seinen innenpolitischen Gegnern für einen Umsturz genutzt werden. 16 Um dem entgegen zu wirken
11 Schon Gaius Iulius Caesar war darin beispielgebend vorangegangen. Im Krieg gegen Pompeius postierte in kurzen Abständen Reiter zur Weiterleitung von Nachrichten: Caes., b. c. 3,101,3.
12 Natürlich kannten die Römer schon vor der Einrichtung der Staatspost Mittel und Wege, Briefe zu befördern. Gerade die Zeit Ciceros wird als die Blütezeit des Briefeschreibens betrachtet. Für den privaten wie auch für den offiziellen Schriftverkehr in republikanischer Zeit nutzte man entweder die Gelegenheit, die i.d.R. auf Holztäfelchen (tabella) festgehaltenen Botschaften einem Reisenden mitzugeben oder man beauftragte Sklaven aus der eigenen familia bzw. gewerbsmäßige Boten (tabellarii: CIL 6, 9918; 9921). Dieses System des privaten Briefverkehrs wurde mit der Einrichtung des cursus publicus nicht abgeschafft. O. Seeck: RE 4, 1901, Sp. 1846-1863, s. v. cursus publicus, hier Sp. 1846.
13 Eck: Verwaltung (wie Anm. 2) Bd. 1, S. 90.
14 Vgl. Suet., Aug. 9.
15 Der Sieger der Bürgerkriege erhielt das imperium proconsulare und damit praktisch den Oberbefehl über das gesamte römische Heer. Wie Dahlheim prägnant formuliert, hatte die Geschichte seit Sulla gelehrt, daß „die Herrschaft über die Provinzen und die Kontrolle der Außenpolitik über die Möglichkeiten entschied, den persönlichen Machtanspruch des Einzelnen durchzusetzen [...].“ W. Dahlheim: Geschichte der römischen Kaiserzeit (Oldenbourg Grundriß der Geschichte 3), München 2. Aufl. 1989, S. 8.
16 Zwar war nach der Schlacht bei Actium mit Marcus Antonius der letzte mächtige Rivale ausgeschaltet worden, doch hätten in dieser frühen Phase des Prinzipats Anzeichen der Unsicherheit bei Augustus und militärische Mißerfolge sicherlich neue Gegner heraufbeschworen.
-6-und um die Provinzen als Grundlage imperialer 17 Macht dauerhaft an sich zu binden, mußte Augustus stets über alle Vorgänge im Reich zuverlässig und schnell informiert sein. 18 In dieser konkreten historischen Situation wurde ein gut organisierter Nach-richtendienst praktisch unabdingbar. Der Aufbau eines Postsystems kann daher nicht allzu lange nach 27 vor Christus erfolgt sein.
Ein weiterer Umstand, der für eine Datierung spätestens ins zweite vorchristliche Jahrzehnt spricht, besteht in der Übernahme der cura viarum durch Augustus, die in das Jahr 20 vor Christus fällt. 19 Bereits seit 29 vor Christus war vom nachmaligen Princeps die Instandsetzung der wichtigsten Straßen in Italien in die Wege geleitet worden. 20 Mit der Einrichtung der cura viarum wurde für die Verwaltung und Finanzierung der Straßen nun eine dauerhafte Organisation geschaffen. 21 Augustus hatte bei seinem Aufenthalt im Osten an den Beispielen der ptolemäischen und der persischen Post sehen können, 22 daß zum Funktionieren eines weitreichenden und schnellen Nachrichtensystems in regelmäßigen Abständen Wechselstationen und Rasthäuser notwendig waren, in denen die Boten übernachten und ihre Tiere wechseln konnten. Wie weiter unten noch ausgeführt wird, ist es berechtigt, die Errichtung dieser Anlagen - und damit die Schaffung der materiellen Grundlagen des cursus publicus - in einen Zusammenhang mit dem Bau beziehungsweise der Renovierung der Verkehrswege zu bringen, auch wenn sich eine direkte Koinzidenz der Maßnah- 17 Inder Frühzeit des Kaisertums bergen die üblichen Termini einige Schwierigkeiten. Korrekterweise müßte man hier von „prinzipaler“ Macht sprechen. Der Einfachheit wegen wird der junge Caesar durchweg als Augustus bezeichnet, auch wenn dies mitunter ein Anachronismus ist.
18 Vgl. Suet., Aug. 49,3: [...] damit ihm um so schneller und müheloser berichtet werden konnte, was sich in den Provinzen ereigne [...].
19 Cass. Dio 54,8; Suet., Aug. 37.
20 Er hatte zunächst versucht, die Triumphatoren zur Beteiligung an diesen Lasten zu bewegen: Suet., Aug. 30, 1: Quo autem facilius undique urbs adiretur, desumpta sibi Flaminia via Arimino tenus munienda reliquas triumphalibus viris ex manubiali pecunia sternendas distribuit; Cass. Dio 47,17,4.
21 Der Zuständigkeitsbereich der curatores viarum scheint zwar auf die italischen Straßen beschränkt gewesen zu sein (vgl. Eck: Organisation (wie Anm. 2) S. 26), doch weist Thomas Pekáry (Untersuchungen zu den römischen Reichsstraßen [Antiquitas 17], Bonn 1968) mit Recht darauf hin, daß „ab
20 v.Chr. auf sämtlichen Meilensteinen des Imperium Romanum [...] der Name des Kaisers [...] an erster Stelle steht“ (S. 74 f.), was dessen Funktion als oberster Bauherr (kraft seines imperium proconsulare?) auch in den Provinzen nahelegt.
22 Nach dem Sieg über Kleopatra im Jahr 30 v. Chr. hatte Augustus Ägypten und Alexandria besucht, wo er sich sicherlich ein Bild vom gut organisierten Postwesen entlang des Nils hatte machen können. Das persische System mag Augustus durch die Schriften Herodots und Xenophons bekannt gewesen sein (Seek [wie Anm. 12] Sp. 1847) oder zumindest aus den Überresten, die in den hellenisierten Tei- len des ehemaligen Perserreiches weiterlebten (Holmberg [wie Anm. 5] S. 40).
-7-men aufgrund dürftiger Quellenaussagen nur schwer nachweisen läßt. Somit ist an-zunehmen, daß die Sorge um die Instandhaltung und den Ausbau des Straßennetzes, die sich über die gesamte Regierungszeit des ersten Princeps fortsetzte, ihn gleichzei-tig dazu veranlaßte, auch die Voraussetzungen für die Einrichtung einer Staatspost zu schaffen.
Wie sah nun das System aus, das von Augustus ins Leben gerufen wurde? Sueton äußert sich dazu in einem Abschnitt über die ‚Außenpolitik‘ im Anschluß an die Schilderung der Provinzaufteilung von 27 vor Christus 23 und der Maßnahmen bezüglich der Klientelkönige und des Heeres: 24
Et quo celerius ac sub manum adnuntiari cognoscique posset, quid in provincia quaque gereretur, iuvenes primo modicis intervallis per militaris vias, dehinc vehicula disposuit. commodius id visum est, ut qui a loco idem perferunt litteras, interrogari quoque, si quid res exigant, possint. 25
Sueton nennt als Anlaß das Bedürfnis, über die Geschehnisse in den Provinzen schnellstens unterrichtet zu sein. Aus diesem Grund habe Augustus zunächst junge Männer (iuvenes) zu Kurieren bestimmt. Diese wurden entlang der sogenannten Heerstraßen (militaris vias) 26 in angemessenen Abständen (modicis intervallis) 27 über das Reich verteilt. Sie erhielten die Aufgabe, eine Nachricht jeweils an den nächsten weiterzuleiten, bis diese beim Kaiser angelangt war. Der Einsatz „junger Männer“ anstelle professioneller Boten unterstreicht den provisorischen Charakter dieses Systems. Aus der Suetonstelle geht nicht genau hervor, wer sich hinter dem Ausdruck iuvenes verbirgt. Da es aufgrund der vertrauensvollen Aufgabe unwahrscheinlich ist, dahinter beliebige „kräftige Leute“ zu vermuten, 28 darf man mit Pflaum annehmen, daß es sich um die in sodalitates organisierten, freigeborenen jungen Männer der einzelnen Munizipien handelte, da diese auch sonst gelegentlich zu Militärzwecken
23 Suet., Aug. 47.
24 Suet., Aug. 48 und 49,1 f.
25 Suet., Aug. 49,3: Und damit ihm um so schneller und müheloser berichtet werden konnte, was sich in den Provinzen ereigne, verteilte er zunächst junge Männer, später Wagen, in angemessenen Abständen auf die Heerstraßen. Die zweite Einrichtung schien zweckmäßiger, da so dieselben Boten, die die Mitteilungen von Ort und Stelle überbrachten, wenn es die Sachlage erforderte, auch direkt befragt werden konnten. (Übersetzung: Dietmar Schmitz).
26 Auf die Diskussion der Definition von via militaris kann hier nicht eingegangen werden. Im Folgenden wird die Auffassung von Pekáry (wie Anm. 21) S. 6 zugrundegelegt: viae militares sind eine Untergruppe der viae publicae. Sie werden vom Heer überwacht und gesichert.
27 Zu den Abständen der Posten siehe unten S. 15.
28 Seeck (wie Anm. 12) Sp. 1847.
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Corina Walther, 2001, Das römische Nachrichten- und Transportsystem cursus publicus in der frühen Kaiserzeit, München, GRIN Verlag GmbH
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