Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Einleitung 3
Die Rede des Alkibiades - ein Satyrspiel 3
Platons Symposion als Mysterienfeier 5
Sokrates ist „keinem Menschen ähnlich 6
Literaturverzeichnis 9
Ausgaben 9
Forschungsliteratur 9
2
Einleitung
In Platon „Symposion“ 1 beschließen einige Männer der Athener Oberschicht - darunter die Dichter Agathon und Aristophanes sowie Sokrates - nacheinander Lobreden auf Eros zu halten. Die Lobrede des Sokrates bzw. der Priesterin Diotima, der er diese in den Mund legt, bildet hierbei zunächst den Abschluss. Doch dann kommt der angetrunkene Alkibiades in Begleitung von weiteren Zechgenossen und Flötenmädchen herein und preist, aufgefordert ebenfalls eine Rede auf den Eros zu halten, Sokrates in einer Lobrede. Der moderne Leser ist verwundert. Wir fragen uns:
1. Warum geht es nach der philosophisch anspruchsvollen Rede des Sokrates überhaupt noch weiter, ist hier nicht der Höhepunkt erreicht? 2. Und warum wird diese Rede ausgerechnet von einem Betrunkenen gehalten?
Die Rede des Alkibiades - ein Satyrspiel
Alkibiades Auftritt im „Symposion“ ist aufsehenerregend. Zunächst hört man nur Klopfen, Lärm von Zechern und Flötenmusik, danach seine Aufforderung ihn zu Agathon, also dem Guten, zu führen, eine komische Anspielung Platons auf die vorangehende Diotima - Rede. Alkibiades erscheint daraufhin „geschmückt mit einem dichten Kranz aus Efeu und Veilchen und mit einer großen Anzahl von Bändern auf dem Kopf“ 2 und in Begleitung von Flötenmädchen und Zechgenossen. Dies sind, wie auch die Trunkenheit, typische Attribute des Dionysos 3 . Aufgefordert auch eine Rede auf den Eros zu halten, hält er ein Enkomion auf Sokrates, seinem persönlichen Eros. Hier wird sofort die Einheit Sokrates - Eros sichtbar, die die weitere Rede durchzieht. Alkibiades will im Folgenden „Sokrates […] in Bildern […] loben“ 4 und vergleicht Sok-
1 Platon:Symposion, Griechisch/Deutsch, Übersetzt und herausgegeben von Thomas Paulsen und Rudolf Rehn, Stuttgart 2006.
Zitate aus diesem Werk werden im Folgendem nur durch die üblich Stephanus - Zitation angegeben.
2 212e.
3 Vgl: Hünemörder, Christian: Efeu, in: DNP.
4 215a.
3
rates mit einer bestimmten Art von Silenen 5 aus den Bildhauerwerkstätten, die von außen hässlich, im Inneren aber wunderschön sind. Dieses Bild, der Gegensatzes zwischen äußerer Erscheinung und dem inneren Wesen, kehrt in der Rede immer wieder und bildet außerdem den Rahmen der Rede.
Schon hier wird durch dieses Bild, den Auftritt als Dionysos-Figur und der dadurch erzeugten Komik, der Charakter der Rede deutlich: Die Rede ist in Anlehnung an das Satyrspiel konzipiert. Das Satyrspiel (1.2#! /!¼.) bildet den Abschluss einer attischen Drama Tetralogie. Es bietet (besonders bei Aischylos) eine heiter komische Deutung des tragischen Mythos und betont besonders die menschliche Seite der Heroen. 6 Ein komischer Schlussteil war den Griechen zu Platons Zeit also nicht fremd und erschien ihnen nicht so ungewöhnlich wie er uns erscheint. Im Anschluss an die Rede des Alkibiades bestätigt uns Sokrates selbst diese These, indem er jene als „[…] 2 1.2#! 1 # /!.. 2 #2 . 1#0 […]“ („Satyr- und Silenenspiel“) 7 bezeichnet.
Durch den Vergleich des Sokrates mit einer dem Silen sehr ähnlichen mythologischen Figur, dem Satyr Marsyas 8 , dem Erfinder des Flötenspiels, wird dieses Schema fortgeführt. Vergleichspunkte sieht Alkibiades im Aussehen und vor allem in der Wirkung auf die Menschen. Sie werden von den Reden des Sokrates so ergriffen wie vom Flötenspiel des Marsyas. Selbst wenn seine Gedanken nur von anderen wiedergegeben werden, wirken sie so stark, genau wie das Flötenspiel auch ohne den Interpreten Marsyas weiterhin wirkt. Zu Verdeutlichung beschreibt er die Wirkung auf ihn selbst, die sich in Liebessymptomen 9 äußert: „Immer wenn ich ihn höre, hüpft mir viel mehr als tanzenden Korybanten das Herz im Leibe, und Tränen strömen hervor unter dem Eindruck seiner Worte.“ 10 Sein „Zustand [sei] der eines Sklaven.“ 11 Sokrates zwinge ihn sich um die Athener zu kümmern, doch er halte sich die Ohren zu, um sich von ihm „wie von den Sirenen“ 12 loszureißen. Sokrates erscheint hier also als
5 Diese Silenen sind uns aus anderen Quellen nicht bekannt es handelt sich hierbei wohl entweder um Gehäuse für Statuen oder um die Gussformen für diese. Vgl. Platon: Symposion, Griechisch/Deutsch, Übersetzt und herausgegeben von Thomas Paulsen und Rudolf Rehn, Stuttgart 2006, S.179.
6 Vgl: Zimmermann, Bernhard: Satyrspiel, in: DNP.
7 222d.
8 Silenen sind mythologie Wesen aus dem Gefolge des Dionysos. Im Satyrspiel tritt ein Silen als Chorführer des Satyrchores auf. Satyrn sind ebenfalls Wesen aus dem Gefolge des Dionysos. Vgl: Heinze, Theodor; Bäbler, Balbina: Satyr, in: DNP und Heinze, Theodor; Bäbler, Balbina: Silen, in: DNP.
9 Sappho Fr. 31.
10 215e.
11 215e.
12 216a.
4
Arbeit zitieren:
Marco Heiles, 2008, Zwei Fragen an die Rede des Alkibiades in Platons "Symposion", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Donald Davidson - Können Gründe Ursachen von Handlungen sein?
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Ein Vergleich der drei Reden ü...
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Kinderphilosophische Prozesse als Bildungsprozesse
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Hausarbeit, 15 Seiten
Methoden des Philosophieunterrichts - Lernziel- und Handlungsorientier...
Seminararbeit, 19 Seiten
Bericht über das Blockpraktikum B im Fach Ethik - Bearbeitung, Planung...
Praktikumsbericht / -arbeit, 23 Seiten
Unterrichtsentwurf für die 9. Klasse zum Thema: Was ist Glück
Hausarbeit, 20 Seiten
Nietzsche und das Weib - sein Frauenbild und die Beziehung zu den Frau...
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Seminararbeit, 24 Seiten
Der Panoptismus in Michel Foucaults Werk "Überwachen und Strafen&...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Afrikanische Elemente ritueller Praktiken der cubanischen Santería im ...
Hausarbeit, 25 Seiten
Platons Eros - Über die platonische Liebe
Philosophie - Philosophie der Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Marco Heiles's Text Zwei Fragen an die Rede des Alkibiades in Platons "Symposion" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Marco Heiles hat den Text Zwei Fragen an die Rede des Alkibiades in Platons "Symposion" veröffentlicht
Marco Heiles hat einen neuen Text hochgeladen
Klassische Philologie 'inter disciplinas'
Aktuelle Konzepte zu Gegenstan...
Jürgen Paul Schwindt
Langenscheidts Taschenwörterbuch. Altgriechisch-Deutsch / Deutsch-Altg...
Rund 50.000 Stichwörter
Lexikon des altgriechischen Sp...
Bernhard Kytzler, Lutz Redemund, Nikolaus Eberl
0 Kommentare