Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die kritische Theorie und die Dialektik der Aufklärung 2
2.1 Das Institut für Sozialforschung und
die Herausbildung einer kritische Theorie 2
2.2 Rezeptionsgeschichte und Inhalt der Dialektik der Aufklärung. 5
3. Die Odyssee bei Homer. 8
3.1 Entstehung 8
3.2 Inhalt 9
3.3 Wertung 10
4. Der Begriff der Vernunft 12
4.1 Die Kritik der praktischen Vernunft nach Kant 12
4.2 Die Philosophie des objektiven Geistes nach Hegel 13
4.3 Die subjektive und objektive Vernunft nach Horkheimer 13
5. Die instrumentelle Vernunft des Odysseus 17
6. Schlussbetrachtung 20
Literaturverzeichnis 22
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der inhaltlichen Wandlung, die der Begriff der Vernunft in seiner Historie genommen hat. Ausgangspunkt hierfür bilden die Überlegungen von Max HORKHEIMER und Theodor W. ADORNO, die diese in ihrer Dialektik der Aufklärung angestellt haben.
Die modernen Wissenschaften und auch die moderne Ökonomie haben den Menschen in die Lage versetzt, die Natur und sein allgemeines Umfeld manipulierbar und nutzbar zu machen. Doch der Traum der Aufklärer, den Menschen nach ewiger Unterjochung durch die Natur und sich selbst zu befreien, ist fehlgeschlagen. Eine wichtige Ursache hierfür scheint die Wandlung der Vernunft an sich zu sein. Inhalt dieser Arbeit ist es, diese Wandlung der Vernunft an ihren wichtigen Stellen nachzuzeichnen und darauf aufbauend darzustellen, wie sich der Wandel unmittelbar auf den Menschen niederschlägt.
Horkheimer und Adorno nutzen zur Verdeutlichung die Odyssee des Homer. Sie nimmt auch hier eine zentrale Stelle ein. Nach einer einführenden Darlegung der wesentlichen Ziele und Absichten der als kritische Theorie bekannten Denkrichtung und ihres Hauptwerkes, eben der Dialektik der Aufklärung, folgt anschließend die Einordnung der Odyssee. Es soll aufgezeigt werden, warum Horkheimer und Adorno sie ausgewählt haben.
Anschließend wird die Vernunft anhand der Überlegungen von Immanuel Kant und Georg Friedrich Wilhelm Hegel charakterisiert. Darauf aufbauend wird ihr Wandel, wie ihn Max Horkheimer in seiner Kritik der instrumentellen Vernunft beschrieben hat, verdeutlicht.
Auch unter Zuhilfenahme der Odyssee werden die Folgen dieser sich gewandelten Vernunft für die Menschen und die Gesellschaft insgesamt verdeutlicht. In einer abschließenden Betrachtung stellt sich schließlich die Frage nach den Konsequenzen hieraus.
2. Die kritische Theorie und die Dialektik der Aufklärung
2.1 Das Institut für Sozialforschung und die Herausbildung einer kritische Theorie
Die räumliche Verortung der kritischen Theorie bildet das Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Seine Eröffnung im Jahr 1924 geht zurück auf die vom promoviertem Politologen Felix Weil durchgeführte Ä(rste Marxistische Arbeitswo- FKH³ Weilplante eigentlich die Durchführung weiterer solcher Tagungen, ließ diesen Gedanken jedoch fallen, da dieses erste Treffen keine zufriedenstellenden Ergebnisse brachte. Fortan setzte er sich für die Errichtung eines kritischen und interdisziplinär ausgerichteten Instituts für Sozialforschung ein. 1 Roger BEHRENS bewertet die Tagung zutreffend Ä'LH7DJXQJ>«@JLOWDOVGDVHUVWH7KHRULHVHPLQDUGHVHLQ-DKU später in Frankfurt am Main HU|IIQHWHQ,QVWLWXWVIU6R]LDOIRUVFKXQJ³ 2 Die Finanzierung des an der Frankfurter Universität beheimateten Instituts übernahm der Millionär und Vater von Felix Weil, Hermann Weil. Helmut GUMNIOR und Rudolf RINGGUTH stellen in ihrer Einführung in das Werk Max Horkheimers heraus, GDVVGDVQHXJHJUQGHWH,QVWLWXWÄGLH*HVFKLFKWHXQG7KHRULHGHU$UEHLWHUEHZHJXQJ die Wechselwirkung zwischen wirtschaftlichen und kulturellen Lebensbereichen der Gesellschaft sowie die Entwicklungstendenzen der modernen Gesellschaft selbst XQWHUVXFKHQ VROOWH³ 3 Erster Direktor und gleichzeitig Professor für Wirtschaftliche Sozialwissenschaften wurde Carl Grünberg. Ulrich GMÜNDER kennzeichnet ihn als positivistisch orientierten Marxisten, für den die Kritik der politischen Ökonomie zentraler Arbeitspunkt des Instituts war. 4 Roger BEHRENS grenzt GMÜNDERS Einschätzung dahingehend ein, als dass es Grünberg zwar um eine an Marx anknüpfende sozialkritische Forschung gegangen sei, diese sich jedoch vom dogmatischen Parteisozialismus oder anderen Institutionen zu emanzipieren habe. 5 Damit setzt BEHRENS die Arbeitsinhalte des Instituts auf gleiche Weise der klassischen sozialistischen und marxistischen Ideologie entgegen, wie Max Horkheimer die Methoden der Kritischen Theorie selbst als Gegenentwurf zur traditionellen Theorie betrachtet hat. Im Folgenden soll auf diese Abgrenzung von kritischer und traditioneller Theorie kurz
1 Vgl. Gmünder 1985: S. 10.
2 Behrens 2002: S.16.
3 Gumnior, Ringguth,1973: S. 29; zit. nach: Gmünder, 1985: S. 10.
4 Vgl. Gmünder 1985: S. 10.
5 Vgl. Behrens 2002: S. 17.
eingegangen werden. Diese Abgrenzung verdeutlicht sowohl die Entstehung des Begriffs der kritischen Theorie als auch die Tatsache, in welch hervorragendem Maße Begrifflichkeit und Programmatik im Einklang stehen.
Horkheimer, der ab 1931 die Direktion des Instituts übernahm, schreibt über die kritische Theorie in Abgrenzung zur traditionellen, im Sinne René Decartes begründe- WHQ7KHRULH Ä'LH NULWLVFKH 7KHRULH GHU *HVHOOVFKDIW KDW GDJHJHQ GLH 0HQVFKHQ DOV die Produzenten ihrer gesamten historischen Lebensformen zum Gegenstand. Die Verhältnisse der Wirklichkeit, von denen die Wissenschaft ausgeht, erscheinen ihr nicht als Gegebenheiten, die bloß festzustellen und nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit vorauszuberechnen wären. Was jeweils gegeben ist, hängt nicht von GHU1DWXUDEVRQGHUQDXFKGDYRQZDVGHU0HQVFKEHUVLHYHUPDJ³ 6 Die kritische Theorie stellt sich demzufolge gegen eine traditionelle Theorie, die ihren zu untersuchenden Gegenstand von seiner Geschichte und den ihn umgebenden Verhältnissen trennt. Die traditionelle Theorie verkennt auf zweierlei Weise, in welchem Maße der Mensch als Teil der Gesellschaft Einfluss nimmt.
Erstens auf die Gesellschaft und ihre Widersprüche (denn nur diese sind Gegenstand einer traditionellen Theorie). Im Zentrum kritischer Theorie steht die Gesellschaft selbst. Sie ist dabei als ein geradezu ambivalentes Konstrukt zu sehen. Die kritische Theorie nennt dies die Totalität der Gesellschaft. Alle Bereiche der Gesellschaft sind miteinander verknüpft. Es ist unmöglich oder vielmehr unsinnig, einen Teilbereich LVROLHUW ]X EHWUDFKWHQ Ä(LQH WUDGLWLRQHOOH 7KHRULH VHL WHQGHQ]LHOO PHFKDQLVWLVch auf die Welt bezogen und leite ihre Lehrsätze von scheinbar einfachen und beziehungs- ORVHQ(LQ]HOSKlQRPHQHQDE³]HLFKQHWBEHRENS dieKritik nach. 7 Zweitens nimmt der Mensch auch auf die Ergebnisse und Prozesse der wissenschaftlichen Forschung Einfluss. Da der Wissenschaftsbetrieb gesellschaftsimmanent stattfindet, sich also auch der zuvor genannten Totalität der Gesellschaft zu unterwerfen hat, muss dieser ebenfalls totalitär sein. Die Selbsteinschätzung traditioneller Theorie lautet, wertfreie Urteile auf Basis positivistischer Erkenntnistheorie liefern zu können. Kritische Theorie hält auf zwei Ebenen dagegen. Bereits die erste Ebene der Definition des Forschungsgegenstandes wird dieser Vorgabe nicht gerecht. GMÜNDER schreibt, der bürgerliche Wissenschaftler passe sich nach Einschätzung der Kritischen Theorie unreflektiert in den Forschungsprozess ein und beteilige sich an der Lösung der Probleme, die die herrschende gesellschaftliche Organisation für
6 Horkheimer 1937: S. 217.
7 Behrens 2002: S. 20.
ihn als solche definiere. 8 Die Autonomie der Wissenschaft wird durch ihre Einbindung in die Totalität der Gesellschaft geradezu in eine Totalität der Wissenschaft transformiert. Bestätigt wird dies auch auf der zweiten Ebene, der der Urteilsbildung. Hier formuliert BEHRENS GLH .ULWLN Ä*HUDGH GLH WUDGLWLRQHOle Theorie, die sich auf :HUWIUHLKHLWLP8UWHLOEHUXIWJLEWGHQ1lKUERGHQDEIUUHDNWLRQlUH)RUVFKXQJ>«@ Eine traditionelle Theorie sei von wissenschaftlichen Moden und schließlich vom ökonomischen Markt abhängig, ihre Forschung werde bereitwillig als Ware gehan- GHOW³ 9 Sobaldwissenschaftliche Erkenntnis als Ware gehandelt wird, unterwirft sie sich dem Spiel von Angebot und Nachfrage und schlussendlich der Maximierung von Mehrwert. Ist jedoch Profit statt Wahrheit Ziel der Wissenschaft, weicht eine wertfreie Urteilsbildung einer interessegeleiteten. Ulrich GMÜNDER stellt in diesem Zusammenhang heraus, dass auch die kritische Theorie interessengeleitet sei, nämlich im Sinne der Kritik der politischen Ökonomie. Theorie müsse interessegeleitet sein. Nach Horkheimer habe Theorie im Gegensatz zum Positivismus notwendige übergeordnete Wertentscheidungen zu treffen und nicht bloß Tatsachen zu registrieren und zu systematisieren. Es sei sonst möglich, dass Wissenschaft bloß registriert, aber nicht bemerkt. 10
Diese Ausführung über die Unterschiede kritischer und traditioneller Theorie, insbesondere der Teilaspekt der Totalität der Gesellschaft, machen deutlich, warum das Institut für Sozialforschung von Anfang an interdisziplinär ausgerichtet sein sollte. Die Interdisziplinarität spiegelt sich auch in den theoretischen Grundlagen der kritischen Theorie wider. Ausgangspunkte sind zunächst die Erkenntniskritik Immanuel Kants, die Geschichtsphilosophie Georg Wilhelm Friedrich Hegels, der historische Materialismus und dLH .ULWLNGHUSROLWLVFKHQgNRQRPLH .DUO0DU[µVRZLH6LJPXQG Freuds Psychoanalyse. Im Mittelpunkt der Überlegungen steht dabei, wie sich die heutigen Lebensbedingungen entwickelt haben und wie sich diese Entwicklung mit all ihren Widersprüchen und krisenhaften Tendenzen erklären lässt. 11 Die wissenschaftlichen Untersuchungsgegenstände der kritischen Theorie sind naturgemäß ebenso vielfältig wie ihre inhaltliche Ausrichtung. Einen zentralen Stellenwert nimmt die Untersuchung ein, wie sich der technologische Fortschritt und die einsetzende Industrialisierung im Kapitalismus auf die verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche auswirken. Insbesondere Walter Benjamin und Theodor W. Adorno
8 Vgl. Gmünder 1985: S. 25.
9 Behrens 2002: S. 20.
10 Vgl. Gmünder 1985: S. 25.
11 Vgl. Behrens 2002: S. 22ff.
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Markus Stuntebeck, 2010, Odysseus, Mythos und Aufklärung, München, GRIN Verlag GmbH
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