I
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
1 Die Rolle kleinerer Flughäfen im Interkontinentalverkehr als
Untersuchungsgegenstand 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Begriffserklärungen und Abgrenzungen 3
1.2.1 Interkontinentalverkehr 3
1.2.2 Kleinere Flughäfen 4
1.3 Ziel und Gang der Untersuchung 5
2 Die Akquisition von Langstreckenverkehren als strategische
Herausforderung für das Marketing kleinerer Verkehrsflughäfen 6
2.1 Die Generierung neuer und Sicherung bestehender Flugver-
bindungen als Hauptaufgabe des Flughafenmarketings 6
2.2 Die besondere Attraktivität interkontinentaler Direktflüge aus
Flughafensicht 8
2.2.1 Vorbemerkung 8
2.2.2 Betriebswirtschaftliche Vorteile interkontinentaler
Flugverbindungen 9
2.2.2.1 Höhere Verkehrseinnahmen 9
2.2.2.2 Höhere kommerzielle Einnahmen 10
2.2.3 Regionalwirtschaftliche Vorteile interkontinentaler
Flugverbindungen 11
2.3 Das aktuelle Interkontinental-Flugangebot kleinerer Flughäfen 13
2.4 Resultierender Handlungsbedarf für das Marketing kleinerer
Flugh äfen 17
II
3 Erklärungsansätze für die Anwendung von Hub-and-Spoke-Netzen
durch internationale Linienfluggesellschaften 18
3.1 Arten von Airline-Netzwerken 18
3.1.1 Liniennetz 18
3.1.2 Rasternetz 20
3.1.3 Hub-and-Spoke-Netz 21
3.2 Beurteilung von Hub-and-Spoke-Netzen aus Sicht der
Fluggesellschaften 24
3.2.1 Betriebswirtschaftliche Vorteile von Hub-and-Spoke-
Verbindungen im Vergleich zu Direktflügen 24
3.2.1.1 Vorbemerkung 24
3.2.1.2 Produktionsbezogene Vorteile 25
3.2.1.2.1 Economies of Density 25
3.2.1.2.2 Economies of Scale 25
3.2.1.2.3 Economies of Scope 26
3.2.1.3 Absatz- und strategiebezogene Vorteile 27
3.2.1.3.1 Angebotserweiterung 27
3.2.1.3.2 Errichtung von Markteintrittsbarrieren 29
3.2.1.3.3 Drehkreuzfunktion in Allianzen 31
3.2.2 Grenzen von Hub-and-Spoke-Netzen 32
3.2.2.1 Höhere operative Kosten 32
3.2.2.2 Höhere Reisedauer 33
3.2.2.3 Kapazitätsengpässe 33
3.2.2.4 Verspätungsanfälligkeit 34
3.2.2.5 Gefahr der Beförderung zu Grenzkosten 35
3.2.3 Zusammenfassende Betrachtung 35
4 Einflussfaktoren auf die Positionierung kleinerer Flughäfen im
Interkontinentalverkehr 37
4.1 Externe Einflussfaktoren 37
4.1.1 Kapazitätsentwicklung an den Hubs 37
4.1.2 Lokale Nachfrage 38
4.1.3 Wettbewerbssituation der Fluggesellschaften und
Reiseveranstalter 41
III
4.1.3.1 Zunahme von Codeshare-Diensten durch Partnerairlines
in Allianzen 41
4.1.3.2 Wegfall potentieller Interline-Partner 42
4.1.3.3 Angebotsstrategien der Reiseveranstalter 43
4.1.4 Politische Mitwirkungsbereitschaft 44
4.2 Unternehmensindividuelle Faktoren 48
4.2.1 Interkontinentaltauglichkeit der Infrastruktur 48
4.2.2 Nachtflugerlaubnis 49
4.2.3 Landseitige Anbindung 50
4.2.4 Gestaltungsmaßnahmen im Rahmen des Marketing 52
4.2.4.1 Die Notwendigkeit eines aktiven Marketings zur
Generierung von Interkontinentalverbindungen 52
4.2.4.2 Gebührensenkungen für Interkontinentalflüge 53
4.3 Zusammenfassende Beurteilung der Einflussfaktoren 56
5 Zusammenfassung und Ausblick 57
Literaturverzeichnis 60
IV
Abkürzungsverzeichnis
ADV Arbeitsgemeinschaft deutscher Verkehrsflughäfen AEA Association of European Airlines BAA British Airports Authority plc BER Berlin (SXF, THF und TXL) BRE Flughafen Bremen CDG Flughafen Paris-Charles de Gaulle CGN Flughafen Köln/Bonn CRS Computer-Reservierungssystem(e) DRS Flughafen Dresden DUS Flughafen Düsseldorf International DVZ Deutsche Verkehrszeitung ERF Flughafen Erfurt EUR Euro ER Extended Reach (engl.; Typenzusatzbezeichnung für Flugzeuge mit erhöhter Reichweite) FMO Flughafen Münster/Osnabrück FRA Flughafen Frankfurt/Main HAJ Flughafen Hannover HAM Flughafen Hamburg ICAO International Civil Aviation Organization JFK Flughafen New York-John F. Kennedy KLM KLM Royal Dutch Airlines LEJ Flughafen Leipzig/Halle LGW Flughafen London-Gatwick LHR Flughafen London-Heathrow LTU LTU International Airways LuftVG Luftverkehrsgesetz LuftVZO Luftverkehrszulassungsordnung LVA Luftverkehrsabkommen MIV Motorisierter Individualverkehr MTOW Maximum Take-Off Weight (Höchstabfluggewicht)
V
MUC Flughafen München NUE Flughafen Nürnberg ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr PKM Passagier-Kilometer (engl. : RPK / Revenue Passenger Kilometers) SAS Scandinavian Airlines System SCN Flughafen Saarbrücken SPNV Schienengebundener Personennahverkehr STR Flughafen Stuttgart SXF Flughafen Berlin-Schönefeld THF Flughafen Berlin- Tempelhof TXL Flughafen Berlin- Tegel
VI
Abbildungsverzeichnis
Abb. 2.1: Verteilung der ab Deutschland im interkontinentalen 14
Abb. 2.2: Verteilung der ab Deutschland im interkontinentalen 15
Abb. 3.1: Liniennetz 18 Abb. 3.2: Rasternetz 20
Abb. 3.3: Hub-and-Spoke-Netz 21
Abb. 3.4: Direkt- und Hub-and-Spoke-Netz im Vergleich 27
Abb. 4.1: Flughafengebühren verschiedener Flughäfen im Ver-54 gleich (Stand: 1995)
Tab. 1.1: Entwicklung der Starts ab deutschen Flughäfen nach 2 Zielregionen
Tab. 2.1: Verteilung der ab Deutschland im interkontinentalen 14
Tab. 2.3: Umsteigeranteil an den deutschen Verkehrsflughäfen 16
1996
Tab. 3.1: Hubs der großen US-amerikanischen Carrier 23
Tab. 3.2: Multiplikatoreffekt von Hub-and-Spoke-Systemen 28
Tab. 3.3: Airline-Allianzen im Überblick 31
Tab. 4.1: Zusammenfassende Be urteilung der internen und 56
1
1 Die Rolle kleinerer Flughäfen im Interkontinentalverkehr
als Untersuchungsgegenstand
1.1 Problemstellung
Der zivile Luftverkehr verzeichnete in den letzten Jahrzehnten weltweit ein starkes Wachstum. Gründe hierfür sind insbesondere die zunehmende globale wir tschaftliche Verflechtung, eine steigende Nachfrage nach privaten Flugreisen in den Industriestaaten sowie ein deregulierungsbedingter Wettbewerb der Anbieter im Luftverkehr und daraus resultierend fallende Flugpreise. 1 Während sich das weltweite Passagieraufkommen im Fluglinienverkehr in den Mitgliedsstaaten der ICAO 2 zwischen 1960 und 2000 von 0,106 auf 1,647 Mrd. Passagiere erhöhte, stieg die Transportleistung im gleichen Zeitraum stärker an, und zwar von 109 auf 3.018 Mrd. Passagierkilometer (PKM). 3 Dies bedeutet, dass immer mehr Passagiere über immer weitere Distanzen transportiert wurden. Für die Zukunft ist mit einem anha ltenden Wachstum zu rechnen: so prognostizieren die Flugzeughersteller Airbus und Boeing bis zum Jahr 2019 bzw. 2020 einen durchschnittlichen jährlichen Anstieg der geflogenen PKM um 4,9% bzw. 4,7%. 4
Der Interkontinentalverkehr 5 ist stärker gewachsen als der Gesamtverkehr, was u.a. die Globalisierung und die größeren Reichweite neuerer Flugzeugtypen zurückzuführen ist. So ist an den deutschen Flughäfen die Zahl der Starts mit einem Streckenziel außerhalb Europas von 38.623 im Jahr 1991 auf 68.816 im Jahr 2000 gestiegen, was einer Zunahme um 78,17% entspricht, während der Gesamtverkehr im gleichen Zeitraum nur um 42,78% gestiegen ist (vgl. Tab.1.1). 6
1 Vgl. Pompl, W. (1998), S. 1 u. 317-319.
2 Die ICAO (International Civil Aviation Organization) ist die öffentlich-rechtliche Vertre-
tung aller am zivilen und internationalen Luftverkehr beteiligten UNO-Staaten und hat die
Förderung und Entwicklung der Zivilluftfahrt zum Ziel. Zur Zeit (Stand: 2001) sind 185
Staaten Mitglied der ICAO. Vgl. Maurer, P. (2001), S. 106.
3 Vgl. ICAO (2001), S. 13; Po mpl, W. (1998), S. 2-4.
4 Vgl. Airbus Industrie (2000), S. 4; Boeing Commercial Airplanes (2001), S. 7.
5 Dieser wird hier auch als Langstreckenverkehr bezeichnet, siehe hierzu Abschnitt 1.2.1.
6 Vgl. Statistisches Bundesamt (1992), S. 190-191 u. 200-209; Statistisches Bundesamt
(2001), S. 15 u. 222-233. Die Werte für Nicht-Europa setzten sich zusammen aus den Starts
nach Afrika, Amerika und Asien/Australien. Hierbei ist zu beachten, dass die Zahlen für
2
Tab. 1.1: Entwicklung der Starts ab deutschen Flughäfen nach Zielregionen
Quellen: Statistisches Bundesamt, Fachserie 8, R. 6, Luftverkehr 1991, S. 190-191 u. 200-209; Statistisches Bundesamt, Fachserie 8, R. 6, Luftverkehr 2000, S. 15 u. 222-233; eigene Berechnungen.
Die einzelnen Flughäfen konnten vom Wachstum des Luftverkehrs im Langstreckenbereich allerdings nicht gleichermaßen stark profitieren. Während Interkontinentalverkehre an Umsteigedrehkreuzen (Hubs 7 ) wie Amsterdam, Frankfurt, London (LGW, LHR) oder Paris-CDG oder stark vertreten sind, verfügen kleinere Flughäfen wie Hannover oder Düsseldorf über keine oder nur wenige Langstreckenflüge. 8 Für die Flughäfen ist der Int erkontinentalverkehr jedoch sehr lukrativ, da tendenziell größere und zu höheren Einnahmen führende Flugzeuge als im Kurz- und Mittelstreckenverkehr eingesetzt werden. 9
Dieses Phänomen, d.h. die schwache Einbindung kleinerer Flughäfen in den Interkontine ntalverkehr aufgrund der Konzentration auf die Drehkreuze der Airlines, wird in dieser Arbeit untersucht. Darauf aufbauend wird analysiert, welche Einflussfaktoren die Marktchancen kleinerer Flughäfen im Interkontinentalverkehr verbessern können. Die Untersuchung erfolgt hauptsächlich aus Sicht des Passagierflugverkehrs an deutschen und europäischen Flughäfen, lässt sich aber auf andere Regionen und den Frachtflugverkehr übertragen, da Drehkreuzsysteme und eine entsprechend schlechte interkontinenta-
„Afrika“und „Asien“ auch die Starts nach den Mittelmeeranrainerstaaten Marokko, Alge-
rien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Israel, Libanon und Syrien beinhalten, welche aufgrund
der Kürze der Flugzeit im weiteren Verlauf dieser Arbeit und auch in vielen weiteren Ve r-
öffentlichungen nicht zu den Interkontinentalzie len zählen.
7 Eine genaue Erklärung des Begriffs „Hub“ erfolgt in Abschnitt 3.1.3.
8 Vgl. OAG Worldwide (Hrsg.) (2000), S. 172-186, 763-773, 813-839, 937-941; OAG
Worldwide (Hrsg.) (2000a), S. 1218-1249, 1743-1764.
9 Vgl. Santin, A. (2000), S. 110.
3
le Anbindung kleinerer Flughäfen weltweit im Passagier- wie Frachtflugverkehr zu beobachten sind.
1.2 Begriffserklärungen und Abgrenzungen
1.2.1 Interkontinentalverkehr
Der Interkontinentalverkehr lässt sich vom Kontinental-, Regional- und Interregionalverkehr abgrenzen und bezeichnet alle Flugverkehre zwischen zwei Kontinenten. 10 Diese enge Abgrenzung ist jedoch im Rahmen dieser Arbeit wenig sinnvoll, da so beispielsweise eine kurze Verbindung zwischen Nordafrika und Südeuropa eine Interkontinentalstrecke, ein wesentlich längerer Flug zwischen Nord- und Südafrika aber ein Kontinentalflug wäre. Zielführender ist eine Verwendung des Begriffs Interkontinentalverkehr im Sinne von Lang- bzw. Fernstreckenverkehr, da gerade auf längeren Strecken größere Flugzeuge eingesetzt werden, welche für Flughäfen und deren R egionen in wirtschaftlicher Hinsicht besonders interessant sind. 11 Jedoch ist auch der Begriff Langstreckenverkehr in der Literatur nicht eindeutig festgelegt. Während Porger als Untergrenze für Fernstrecken bereits eine Distanz von 2000 km akzeptiert 12 , gehören für die Deutsche Lufthansa AG ab Deutschland nur Ziele in Amerika, Asien (außer Nahost), Afrika (außer Nordafrika) und der Pazifikregion zur Langstrecke. 13
Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden die Begriffe Interkontinental-, Fern- und Langstreckenverkehr synonym verwendet und bezeichnen aus europäischer Sicht Flugverbindungen nach Amerika, Asien/Pazifik (mit Ausnahme der nahöstlichen Mittelmeeranrainerstaaten Israel, Libanon und Syrien, aber einschließlich russischer Ziele östlich des Urals) und Afrika (außer der nordafrikanischen Mittelmeeranrainerstaaten Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen und Ägypten).
10 Vgl. Pompl, W. (1998), S. 35-36.
11 Vgl. Santin, A. (2000), S. 110ff.; vgl. auch Abschnitt 2.2.2.
12 Vgl. Porger, V. (1978), S. 107, zitiert nach: Pompl, W. (1998), S. 35.
13 Vgl. Maurer, P. (2001), S. 10.
4
1.2.2 Kleinere Flughäfen
Eine allgemeingültige Definition für „Kleinere Flughäfen“ existiert nicht. Flughäfen 14 lassen sich nach rechtlichen, technischen und operativen Merkmalen abgrenzen. Der Gesetzgeber in Deutschland ordnet Flughäfen zusammen mit Landeplätzen und Segelfluggeländen dem Oberbegriff Flugplatz zu 15 . Ein Flugplatz ist eine ständig für Starts und Landungen von Luftfahrzeugen vorgesehene Fläche. 16 Flughäfen sind Flugplätze, für die ein Bauschutzbereich 17 ausgewiesen ist. 18 Sie werden in für den allgemeinen Verkehr zugelassene Verkehrsflughäfen und nur für bestimmte Nutzergruppen offene Sonderflughäfen unterteilt. 19 Die ICAO klassifiziert Flughäfen ihrer technischen Ausstattung entsprechend anhand der Kriterien Startbahnlänge und -breite, zulässige Druckbelastung pro Radeinheit und Allwetterflugfähigkeit. 20 Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) unterteilt die Flughäfen entsprechend ihrer operativen Bedeutung im Luftverkehrsnetz in Internationale Verkehrsflughäfen, Regionale Verkehrsflughäfen, Sonderflughäfen, Verkehrslandeplätze und Sonderlandeplätze. 21 Besonders große internationale Verkehrsflughäfen mit Drehkreuzfunktion und einem hohen Umsteigeranteil werden als Hubs bezeichnet. 22 Unter kle ineren Flughäfen werden in dieser Arbeit solche internationalen Verkehrsflughäfen verstanden, die keine Hubs sind. In Anlehnung an Ewald sollen diese Flughäfen im folgenden auch als Sekundär- und die Hubs als Primärflughäfen bezeichnet werden. 23
14 Diese werden auch als Airports (engl.) bezeichnet.
15 Siehe §6 LuftVG.
16 Vgl. Schmidt, G.H. (2000), S. 91.
17 Innerhalb des Bauschutzbereiches eines Flughafens sind Bebauungen nur eingeschränkt
zugelassen. Insbesondere wird müssen bei Bebauungen im Anflugsektor Maximalhöhen
eingehalten werden. Vgl. Maurer, P. (2001), S. 62.
18 Siehe §12 LuftVG.
19 Siehe §38 Abs. 2 LuftVZO.
20 Vgl. Pompl, W. (1998), S. 122.
21 Vgl. ADV (1989), S. 5, zitiert nach: Pompl, W. (1998), S. 121.
22 Vgl. Maurer, P. (2001), S. 64 u. 317-320.
23 Vgl. Ewald, R. (1991), S. 10.
5
1.3 Ziel und Gang der Untersuchung
Im Rahmen dieser Arbeit wird die derzeitige Positionierung kleinerer Flughäfen im Interkontinentalverkehr analysiert. Darauf aufb auend soll geklärt werden, ob und wie kleinere Flughäfen ihre Positionierung im Interkontinentalverkehr verbessern können, d.h. ob und wie sie neue Interkontinentalflüge generieren können.
Zunächst wird im zweiten Kapitel die Notwendigkeit der Generierung neuer Flugverbindungen durch das Flughafenmarketing diskutiert. Darauf aufbauend wird insbesondere die Attraktivität von Interkontinentalverbindungen aus Flughafensicht analysiert. Im Rahmen einer Bestandsaufnahme soll anschließend gezeigt werden, in welchem Umfang Sekundärflughäfen zur Zeit über Langstreckenflüge verfügen und inwieweit sich das Marketing kleinerer Airports daher auf die Generierung neuer Interkontinentalflüge konzentrieren sollte. Die Gründe für die aktuelle Rolle kleinerer Flughäfen im Langstreckenbereich werden im dritten Kapitel anhand einer Analyse des Hub-and-Spoke-Systems als führendes Konzept der Streckennetzgestaltung durch internationale Fluggesellschaften 24 untersucht. Im vierten Kapitel schließlich werden externe, d.h. durch die Flughäfen nicht beeinflussbare, und interne, d.h. durch die Airports gestaltbare, Faktoren ermittelt und beurteilt, welche trotz des Interesses der Airlines an Hub-and-Spoke-Verbindungen zu einer Generierung von Interkontinentalflügen ab kleineren Flughäfen führen können. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse sowie ein Ausblick folgen im abschließenden fünften Kapitel.
24 Diese werden in dieser Arbeit auch als Airlines, Carrier und Luftverkehrsgesellschaften
bezeichnet.
6
2 Die Akquisition von Langstreckenverkehren als strategi-
sche Herausforderung für das Marketing kleinerer Verkehrsflughäfen
2.1 Die Generierung neuer und Sicherung bestehender Flugverbindungen als Hauptaufgabe des Flughafenmarketings
Wurde den Flughäfen in der Vergangenheit noch vorrangig die Rolle einer staatlich bereitgestellten Verkehrsstation zugebilligt, entwickeln sie sich heutzutage immer mehr zu gewinnorientierten Wirtschaftsunternehmen. 25 Teilprivatisierungen wie in Düsseldorf 26 und Börsennotierungen international tätiger Flughafenbetreibergesellschaften wie der Fraport AG oder der britischen BAA plc verstärken diesen Trend. Weltweit rechnet die Unternehmensberatung Accenture in den nächsten fünf bis sieben Jahren mit 150 bis 200 weiteren Privatisierungen. 27
Die Einnahmen der Flughafengesellschaften lassen sich in Umsätze im luftverkehrsbezogenen Bereich, dem sogenannten Aviation-Bereich, und im nicht oder nur indirekt luftverkehrsbezogenen Bereich, dem Non-Aviation-Bereich unterteilen. 28 Aviation-Umsätze b zw. Verkehrseinnahmen sind Lande- und Abstellgebühren sowie Entgelte für Bodenverkehrsdienste, d.h. für die Abfertigung von Passagieren und Fracht. Die Umsätze im Non-Aviation-Bereich, auch als kommerzielle Einnahmen bezeichnet, resultieren hauptsächlich a us Mie teinnahmen, Parkgebühren, Werbeeinnahmen und Konzessionen von am Flughafen ansässigen Unternehmen wie Geschäften, Hotels und Restaurants. Einige größere Flughäfen erzielen zudem Erlöse aus Beteiligungen an anderen Airports, aus dem Betrieb von Erlebniswelten wie Besucherterrassen sowie im Bereich des Consulting anderer Flughäfen. 29
25 Vgl. Pompl, W. (1998), S. 125.
26 Vgl. Bundesregierung (2000), S. 57.
27 Vgl. Genger, J. (2002), S. 8.
28 Vgl. Gillen, Hinsch, Mandel u.a. (2001), S. 149-152.
29 Vgl. Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.) (2001), S. 54-55; Pompl, W. (1998), S. 125-126.
7
Aufgrund von Kapazitätsengpässen 30 und der Liberalisierung der bisher von den Flughäfen monopolistisch angebotenen Bodenverkehrsdienste 31 sind die Wachstumsmöglichkeiten im Aviation-Bereich gerade bei größeren Flughäfen unsicher, weshalb diese ihre Marketing- Aktivitäten auf eine verstärkte Bearbeitung von Segmenten im Non-Aviation-Bereich ausrichten. Schon jetzt generieren erfolgreiche Großflughäfen zwischen 40% und 60% i hrer Umsätze im kommerziellen Bereich, während dieser Anteil bei kleineren Airports bei deutlich unter 10% liegen kann. 32
In Anlehnung an die klassische Marketing- Interpretation nach Meffert 33 ist daher unter Flughafenmarketing allgemein die „Planung, Koordination und Kontrolle aller auf die aktuellen und potentiellen Märkte ausgerichteten Aktivitäten des Flughafens“ zu verstehen 34 , also sowohl auf flug- als auch auf nicht flugbezogene Märkte.
Da die kommerziellen Umsätze, wie bereits oben dargestellt, bei kleineren und über freie Kapazitäten verfügenden Flughäfen noch eine untergeordnete Rolle spielen, muss die primäre Aufgabe des Marketings dieser Flughäfen der Ausbau der Flugverbindungen, d.h. eine Erhöhung der Freque nzen auf bestehenden Verbindungen und die Aufnahme von Flügen zu bisher nicht bedienten Zielen durch bereits etablierte und/oder neue Fluggesellschaften sein. Eine solche Erweiterung des Flugangebotes führt wiederum zu höheren Passagierzahlen und zu einer besseren Auslastung der fixkostenintensiven Flughafeninfrastruktur. Wie zudem in Abschnitt 2.2.2 gezeigt wird, resultieren aus höheren Passagierzahlen aufgrund von Ausgaben der Passagiere und sonstigen Besucher wie z.B. Abholer letztlich auch wieder höhere Einna hmen im Non-Aviation-Bereich. 35
30 Vgl. auch Abschnitt 4.1.1.
31 Vgl. Aberle, G. (2000), S. 241-242.
32 Vgl. Genger, J. (2002), S. 8.
33 Die klassische Marketinginterpretation versteht unter Marketing die „Planung, Koordina-
tion und Kontrolle aller auf die aktuellen und potentiellen Märkte ausgerichteten Unter-
nehmensaktivitäten“, siehe Meffert (2000), S. 8.
34 Birkelbach, Terhorst (1991), S. 635; vgl. auch Meffert, H. (Hrsg.) (1989), S. 3.
35 Vgl. Abschnitt 2.2.2.
8
Zielgruppen des Flughafenmarketings sind in diesem Zusammenhang auf der Beschaffungsseite neben den zu akquirierenden Fluggesellschaften 36 auch die Behörden und Kommunen, um gegebenenfalls die Bereitstellung finanzieller Mittel zum Ausbau der Flughafeninfrastruktur zu sichern und die Berücksichtigung des Flughafens in bilateralen Abkommen 37 zu erreichen. Auf der Absatzseite konzentrieren sich die nötigen Marketingaktivitäten auf die Information und Beeinflussung der (potentiellen) Fluggäste als Endverbraucher einer Flugdienstleistung sowie der Reisebüros als Mittler. 38
2.2 Die besondere Attraktivität interkontinentaler Direktflüge aus Flughafensicht
2.2.1 Vorbemerkung
Flughäfen und ihre Regionen sind besonders an der Generierung von Interkontinentalflügen interessiert, da diese im Vergleich zu Kurz- und Mittelstreckenflügen für die angeflogenen Flughäfen und deren Regionen in betriebs- und volkswirtschaftlicher Hinsicht besonders vorteilhaft sind. Das Beschaffungsmarketing interkontinentalverkehrstauglicher 39 Flughä fen sollte sich daher auf die Generierung neuer Langstreckenflüge konzentrieren.
Die betriebswirtschaftlichen Vorteile von Interkontinentalflügen für die angeflogenen Flughäfen drücken sich in Mehreinnahmen im Aviation- wie im Non-Aviation-Bereich aus und resultieren hauptsächlich aus im Vergleich zu kürzeren Flügen größeren Flugzeugtypen, höheren Passagierzahlen pro Flug und einer längeren Verweildauer der Passagiere und Besucher im Flughafen. Die volks- bzw. regionalwirtschaftlichen Vorteile von Interkontinentalflügen schlagen sich in einem tendenziell größeren „Economic Im- 36 ImLinienverkehr entscheiden die Fluggesellschaften selber über ihr Streckennetz und
sind daher Hauptzielgruppe des Beschaffungsmarketings der Flughäfen, während im Char-terflugverkehr die Reiseveranstalter (Passagiercharter) bzw. Speditionen (Frachtcharter)
ihre Abflughäfen auswählen und daher auch als Zielgruppen des Flughafenmarketings zu
sehen sind.
37 Vgl. Ewald, R. (1992), S. 3; siehe auch Abschnitt 4.1.4.
38 Vgl. Birkelbach, Terhorst (1991), S. 637.
39 Für Langstreckenflüge ist eine ausreichende Lände der Start- und Landebahn erforder-
lich. Diese sollte im Idealfall mehr als 3300m betragen. Vgl. Abschnitt 4.2.1.
Arbeit zitieren:
Sven Maertens, 2002, Die Positionierung kleinerer Flughäfen im Interkontinentalverkehr - eine marktstrategische Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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