Inhaltsverzeichnis
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen III
Abk ürzungsverzeichnis IV
Symbolverzeichnis V
1. Einleitung 1
2. Die Regionalpolitik der Europäischen Union und die Neue
Ökonomische Geographie 2
2.1 Ziele und Instrumente der europäischen Regionalpolitik 2
2.2 Konvergenz oder Divergenz - ein empirischer Befund für die EU 5
2.3 Die Aussagen der Neuen Ökonomischen Geographie 7
3. Das Zentrum-Peripherie-Modell 9
3.1 Das Zentrum-Peripherie-Modell mit immobilen
Arbeitskr äften 10
3.2 Verbesserung der Infrastruktur 11
3.3 Erweiterung des Modells und empirische Relevanz 14
3.4 Konsequenzen für die EU-Regionalpolitik 16
4. Endogenes Wachstum im Modellrahmen der Neuen Ökonomischen
Geographie 19
4.1. Der Modellrahmen. 20
4.1.1 Finanzieller Transfer in die arme Region 25
4.1.2 Verbesserung der Infrastruktur 27
4.1.3 Förderung von Forschung und Entwicklung 30
4.2 Empirische Relevanz des Modells 32
4.3 Konsequenzen für die EU-Regionalpolitik 33
I
5. Handlungsempfehlungen für eine zukünftige EU-Regionalpolitik 36
5.1 Investitionen in Humankapital 36
5.2 Förderung regionaler Innovationsnetzwerke 38
5.3 Förderung regionaler Wachstumszentren 39
6. Einige kritische Anmerkungen zur Anwendbarkeit der NEG 40
7. Fazit 42
8. Anhang 44
8.1 Statistischer Anhang 44
8.2 Mathematischer Anhang 51
9. Literaturverzeichnis 52
II
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen
Seite
Abbildung 1: Disparität beim BIP pro Kopf in der EU von 1986-1996…….… 5
Abbildung 2: Die U-Kurve………………………………………………….… 11
Abbildung 3: Das Vier-Quadranten-Diagramm…………………………….… 25
Abbildung 4: Finanzieller Transfer in die arme Region……………………… 26
Abbildung 5: Verbesserung der Infrastruktur………………………………… 28
Abbildung 6: Verbesserung des Wissenstransfers……………………………. 31
Abbildung 7: Die Ziel-1-Regionen……………..…………………………….. 44
Abbildung 8: BIP pro Kopf in der EU, 1987 und 1995………………………. 47
Abbildung 9: Arbeitslosenquoten in der EU, 1986 und 1996…………….….. 49
Abbildung 10: Änderung des BIP pro Kopf in der EU-25, 1995-2000…….... 50
Tabelle 1: Regionalpolitische Fördergelder für die EU-15 von 1989-1999..… 45
Tabelle 2: BIP pro Kopf in den reichsten und ärmsten Regionen der EU, 1986 und 1996………………………………………………………… 46
Tabelle 3: Arbeitslosenquoten in den am stärksten und am wenigsten betroffenen Regionen in der EU, 1987 und 1997….………………..… 48
III
Verzeichnis der Abkürzungen (Abkürzungen in der Reihenfolge ihres Vorkom-mens) EU Europäische Union BIP Bruttoinlandsprodukt NEG Neue Ökonomische Geographie EG Europäische Gemeinschaft Art. Artikel NUTS Nomenclature des Unités Territoriales Statistiques Mrd. Milliarden EFRE Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung ESF Europäischer Sozialfonds E-AGFL Europäischer Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft FIAF Finanzinstrument für die Ausrichtung der Fischerei ECU European Currency Unit USA United States of America KKS Kaufkraftstandards mn Millionen GDP Gross Domestic Product = BIP CES Constant Elasticity of Substitution OECD Organisation of Economic Cooperation and Development PPS Purchasing Power Standards = KKS
IV
Symbolverzeichnis (Symbole in der Reihenfolge ihres Vorkommens)
τ Transportkosten s Industriearbeiteranteil in einer Region L Produktionsfaktor Arbeit K Produktionsfaktor Kapital β Anteil der Arbeit für die Produktion einer Industriegütervariante τ Eisberg-Transportkosten zwischen zwei Regionen
I τ Eisberg-Transportkosten innerhalb des Nordens
D τ * Eisberg-Transportkosten innerhalb des Südens
D U Nutzen eines repräsentativen Haushalts D zusammengesetztes Industriegut t Zeit α Ausgabenanteil für das Industriegut Y homogenes Konsumgut (z.B. Agrargut) ρ Zeitpräferenzrate N Anzahl der Industriegütervarianten σ Substitutionselastizität zwischen den Industriegütervarianten γ Anteil der Firmen im Norden θ Einkommen im Norden
E δ * Ausbaugrad der Infrastruktur im Süden
D δ Ausbaugrad der Infrastruktur zwischen den Regionen
I δ Ausbaugrad der Infrastruktur im Norden
D h Anteil des Nordens am Kapitalstock
V
g gleichgewichtige Wachstumsrate der gesamten Ökonomie η Kosten der Innovation P Preisniveau im Norden P* Preisniveau im Süden
VI
1. Einleitung
Die Europäische Union (EU) ist ein wirtschaftlich sehr heterogenes Gebiet mit großen räumlichen Unterschieden. So betrug laut EU-KOMMISSION [2003a] das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf im Jahre 2000 in der Region Inner-London 266,1% vom Durchschnitt der EU-15, während in der griechischen Region Ipeiros das BIP lediglich 51,9% des EU-Durchschnittes erreichte und somit gerade einmal die Hälfte des durchschnittlichen BIP pro Kopf der EU.
Die reichen Regionen innerhalb der EU sind fast ausnahmslos im Zentrum der EU zu finden, die wirtschaftsschwachen Regionen überwiegend an den Außengrenzen. Es ist somit eine Zentrum-Peripherie-Struktur in der EU erkennbar, und empirische Studien belegen darüber hinaus einen Divergenzprozess auf regionaler Ebene. Viele Jahrzehnte konnte die Bildung dieser räumlichen Strukturen und dieses Divergenzprozesses modelltheoretisch nicht erklärt werden. Erst Anfang der 1990er Jahre gelang dies mit Hilfe der Neuen Ökonomischen Geographie (NEG), allen voran dem amerikanischen Ökonomen PAUL KRUGMAN [1991a,b].
Er zeigt, wie sich bei Berücksichtigung von steigenden Skalenerträgen in der Produktion, durch das Zusammenspiel von zentripetalen und zentrifugalen Kräften in einem Land endogen ein industrielles Zentrum und eine agrarische Peripherie herausbilden, wenn Arbeiter vollkommen mobil sind und die Transportkosten exogen sinken. Die EU-Kommission meint, dass die freien Marktkräfte allein nicht zu einer ökonomischen und sozialen Konvergenz führen und betreibt daher aktive Regionalpolitik. Sie sieht sich durch die Ergebnisse der NEG bestätigt.
Im Rahmen meiner Arbeit studiere ich, wie ausgewählte regionalpolitische Maßnahmen der EU auf der Grundlage einzelner Modelle der NEG beurteilt werden können. Dazu untersuche ich, wie Infrastrukturinvestitionen, finanzielle Transfers und Innovationsförderung auf die Raumstruktur, das Wachstum und die Einkommensverteilung wirken und ob die EU mit diesen Instrumenten die von ihr angestrebten Ziele erreichen kann. Darauf aufbauend werde ich abschließend Empfehlungen für eine zukünftige EU-Regionalpolitik aufzeigen, die sich aus den erzielten Ergebnissen ableiten lassen.
Die Arbeit ist wie folgt gegliedert. Im nächsten Kapitel werde ich die Ziele und Instrumente der EU-Regionalpolitik skizzieren und die wirtschaftliche Situation der EU an-hand von empirischen Untersuchungen darlegen. Indem ich die Grundlagen der NEG
1
kurz darstelle, werde ich zeigen, dass sie geeignet ist, die EU-Regionalpolitik zu bewerten.
Im dritten Kapitel werde ich anhand eines Zentrum-Peripherie-Modells untersuchen, wie eine Verbesserung der Infrastruktur auf die räumliche Struktur und die Einkommensverteilung der Wirtschaftssubjekte wirkt, sowie diese Politikmaßnahme kritisch bewerten.
Im Rahmen eines kombinierten, die Wirklichkeit besser abbildenden Modells aus NEG und neuer Wachstumstheorie, werde ich in Kapitel vier zeigen, wie Transferzahlungen in die arme Region, eine Verbesserung der Infrastruktur und Investitionen in Humankapital wirken und dabei einen möglichen Zielkonflikt zwischen Wirtschaftswachstum und Gleichverteilung in der wirtschaftlichen Aktivität und im Einkommen darlegen. Darauf aufbauend werde ich erarbeiten, was die Modellergebnisse der NEG für die Ausgestaltung regionalpolitischen Handels auf der europäischen Instrumentenebene implizieren.
Im fünften Kapitel werde ich mit Hilfe der erzielten Ergebnisse darstellen, was sich für Handlungsempfehlungen an eine zukünftige EU-Regionalpolitik ergeben können. Anschließend werde ich im sechsten Kapitel kurz einige kritische Anmerkungen zu den Modellen der NEG machen, bevor ich mit einem zusammenfassenden Fazit schließe.
2. Die Regionalpolitik der Europäischen Union und die Neue Ökonomische Geographie
2.1 Ziele und Instrumente der europäischen Regionalpolitik
Im Allgemeinen wird aktive Regionalpolitik aus distributiver und/oder allokativer Sicht begründet. Aus distributiver Sicht soll sowohl die ökonomische Aktivität als auch die Einkommensverteilung zwischen den Regionen und zwischen den Wirtschaftssubjekten möglichst gleich verteilt sein. Aus allokativer Sicht sollten Produktionsfaktoren möglichst Pareto-effizient eingesetzt werden, um die aggregierte Wohlfahrt zu maximieren. Die EU verfolgt laut EG-VERTRAG [1997, ART. 158] insbesondere das Ziel der regionalen Konvergenz, d.h., das „…Ziel, die Unterschiede im Entwicklungsstand der verschiedenen Regionen und den Rückstand der am stärksten benachteiligten Gebiete oder Inseln, einschließlich der ländlichen Gebiete zu verringern.“ Nach EG-VERTRAG [1997,
2
ART. 2] soll aber auch ein „…beständiges, nichtinflationäres Wachstum…“ erzielt werden, um eine „…nachhaltige Entwicklung des Wirtschaftslebens…“ zu erreichen. Die EU-Kommission 1 ist der Ansicht, dass die Marktkräfte allein diese Ziele nicht erreichen und rechtfertigt so Eingriffe einer übergeordneten Gebietskörperschaft in die Märkte.
Die Regionalpolitik basiert auf umverteilender Solidarität: Da die Einlage in den EU-Haushalt proportional zum BIP pro Kopf der einzelnen Länder erfolgt, finanzieren die reichen Regionen innerhalb der EU die armen. Auf diese Weise stehen laut EU-KOMMISSION [2003b] im Haushalt der Jahre 2000-2006 ca. 213 Milliarden (Mrd.) Euro für die Regionalpolitik in verschiedenen Fonds zur Verfügung, das entspricht etwa einem Drittel des Gesamthaushaltes der EU. Für die Regionalpolitik sind die vier Strukturfonds und der Kohäsionsfonds von entscheidender Bedeutung. Die Strukturfonds sind der Fonds für die Regionale Entwicklung (EFRE), der Europäische Sozialfonds (ESF), der Europäische Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL), sowie das Finanzinstrument für die Ausrichtung der Fischerei (FIAF). Von den 213 Mrd. Euro entfallen 195 Mrd. Euro auf die Strukturfonds und 18 Mrd. Euro auf den Kohäsionsfonds. Die Finanzmittel wurden in den letzten Jahren laut MARTIN [1999b] drastisch erhöht. Sie stiegen von 3.7 Mrd. ECU in 1985 auf 18.3 Mrd. ECU in 1992 und auf 33 Mrd. ECU in 1999, letzteres entspricht etwa 0,45 % der gesamten Wertschöpfung der EU in 1999. 2 Die anstehende Erweiterung der EU um die ost- und mitteleuropäischen Länder wird dieses Finanzvolumen noch weiter vergrößern.
Der Ansatz der EU-Regionalpolitik bestimmt sich nach den wirtschaftlichen und sozialen Unterschieden der einzelnen Mitgliedsländer. Dazu wurde das Hoheitsgebiet in Regionen eingeteilt und die Förderwürdigkeit mittels eines Indikators festgesetzt. Für die Regionalpolitik entscheidend sind die NUTS-II-Regionen, 3 die als administrative Einheiten die Empfänger der Fördergelder sind. Innerhalb dieser Regionen wird das BIP pro Kopf der Bevölkerung zu Kaufkraftstandards als Maßstab der Disparität zwischen
1 Die EU-Kommission ist das ausführende Organ der EU. Sie ist unter anderem zuständig für die
Erstellung des Haushaltsentwurfs, den Vollzug des Haushaltsplans sowie die Verwaltung und
Organisation der EU-Regionalpolitik.
2 Eine Länderbilanz der regionalpolitischen Fördergelder der EU-15 der Jahre 1989 bis 1999 findet sich in
Tabelle 1 im Anhang.
3 Die NUTS (Nomenclature des Unités Territoriales Statistiques)-II-Regionen sind die zweitkleinsten
Regionenabgrenzungen innerhalb der EU. Sie entsprechen in Deutschland den Regierungsbezirken.
3
den einzelnen NUTS-II-Regionen gemessen. 4 Gefördert werden die NUTS-II-Regionen, die weniger als 75% des durchschnittlichen BIP pro Kopf in der EU erreichen. Diese befinden sich hauptsächlich in den peripheren Gebieten der EU, wie Griechenland, Spanien, Portugal, Süd-Italien und Ostdeutschland, aber auch Teile von Großbritannien, sowie Irland und das Burgenland in Österreich zählen dazu. Diese Regionen werden im Rahmen des Ziel 1 gefördert. 5 Eine Übersicht über die aktuellen Ziel-1-Förderregionen liefert Abbildung 7 im Anhang.
Die Verbesserung der Infrastruktur (Transportwege, Kommunikationsnetzwerke, Ener-gieversorgung) ist für die EU-Kommission das Hauptwerkzeug, um die Konvergenz der Regionen innerhalb der Länder aber auch auf EU-Ebene zu beschleunigen. Der Anteil der Ausgaben für Infrastrukturverbesserungen stieg in den letzten Jahren stark an. Laut EU-KOMMISSION [1999] wurden in den Jahren 1989 bis 1993 etwa 35% der Gesamtausgaben der Strukturfonds in Ziel-1-Regionen für Investitionen in grundlegende Infrastruktur verwendet. Im Programmzeitraum 1994 bis 1999 stiegen die Investitionen der Strukturfonds in grundlegende Infrastruktur in den Ziel-1-Regionen einschließlich des neuen Kohäsionsfonds auf 41%. Dabei wurde sowohl die Infrastruktur in den armen Regionen als auch die interregionale Infrastruktur gefördert. Darüber hinaus wurden weitere 26% für die Förderung des Humankapitals aufgewendet, z.B. durch Subventionierung von Forschung und Entwicklung oder durch den Ausbau von Universitäten.
Der größte Teil des verbleibenden Rests floss als direkte Transfers in die armen Regionen. Dies waren hauptsächlich Subventionen für Industriefirmen, um ihnen einen Anreiz zu schaffen, ihren Sitz in die peripheren Regionen zu verlagern.
4 Die EU-Kommission verwendet darüber hinaus die Arbeitslosenquoten als Maßstab für Disparität. Da
jedoch noch nicht in allen Ländern harmonisierte Werte für die Regionen vorliegen, sind regionale
Vergleiche schwieriger als beim BIP pro Kopf.
5 Laut EU-KOMMISSION [2003b] sind die Strukturfonds auf genau definierte vorrangige Ziele
ausgerichtet. Es fließen 70% der Mittel in Regionen mit Entwicklungsrückstand, in denen 22% der
Bevölkerung der Union leben (Ziel 1). Weitere 11,5% der Mittel werden eingesetzt für die wirtschaftliche
und soziale Umstellung von Gebieten mit Strukturproblemen, in denen 18% der europäischen
Bevölkerung leben (Ziel 2). Das letzte Ziel ist das Ziel 3, in das 12,3% der Mittel für die Modernisierung
der Bildungs- und Ausbildungssysteme und zur Beschäftigungsförderung außerhalb der Ziel-1-Regionen
fließen.
4
2.2 Konvergenz oder Divergenz - ein empirischer Befund für die EU
Die Mitgliedsländer der EU weisen mehr oder weniger große Unterschiede im Entwicklungsniveau ihrer Regionen und teilweise ein beachtliches regionales Wohlstandsgefälle auf. 22% der EU-Bürger leben in Ziel-1-Regionen, d.h. Regionen, deren BIP pro Kopf unter 75% des EU-Durchschnitts liegt, und sind somit berechtigt, Hilfen aus dem Strukturfonds der EU zu beziehen. Wenn die USA diesen Maßstab anlegen würden, dann wären nach PUGA [1999] lediglich zwei Staaten (Mississippi und West Virginia) berechtigt, Fördergelder zu empfangen; dies sind 2% der US-Bevölkerung. BRAUNERHJELM ET AL. [2000] kommen anhand von empirischen Studien zu dem Schluss, dass in den letzten zwanzig Jahren die Einkommensunterschiede zwischen den Ländern der EU zwar abgenommen, sie aber innerhalb der Regionen zugenommen haben. Auch BRÖCKER [1998] spricht von Konvergenz auf Länderebene, aber Divergenz auf regionaler Ebene.
Abbildung 1 zeigt, dass auf Länderebene die Disparität beim BIP pro Kopf - zu Kauf-kraftstandards (KKS) gemessen in Standardabweichungen - in den Jahren 1986-1996 leicht abgenommen hat, für die Regionen gilt dies jedoch nicht. Außerdem ist zu erkennen, dass die Disparität bei BIP pro Kopf auf regionaler Ebene deutlich größer ist, als auf Ebene der EU-Staaten.
Abbildung 1: Disparität beim BIP pro Kopf in der EU von 1986-1996
Der Aufholprozess der Kohäsionsländer und der Beitrittskandidaten geht ebenfalls einher mit einer sehr deutlichen Zunahme der regionalen Disparitäten. Aufgeholt haben zwar insbesondere die Hauptstadtregionen, zurückgeblieben sind jedoch überwiegend die Grenzregionen, wie LAMMERS [2002] zeigt. Eine Übersicht über das BIP pro Kopf in den reichsten und ärmsten Regionen der Europäischen Union in den Jahren 1986 und 1996 findet sich in Tabelle 2 im Anhang, eine grafische Darstellung des BIP der NUTS-II-Regionen der Jahre 1987 und 1995 liefert Abbildung 7 im Anhang.
Ebenso ausgeprägt sind die Unterscheide in den regionalen Arbeitslosenquoten. Selbst innerhalb der EU-Länder gibt es beträchtliche Arbeitslosigkeitsunterschiede und nach PUGA [2002] war im Jahr 1996 die Arbeitslosenquote der zehn Regionen mit der höchsten Arbeitslosigkeit doppelt so hoch wie der EU-Durchschnitt. Dabei wird die Zahl der Regionen mit Arbeitslosenquoten in der Nähe des EU-Durchschnitts im Zeitverlauf weniger, während die Zahl der Regionen mit überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit, also solcher Regionen, die OVERMAN UND PUGA [1999] als Unemployment Clusters bezeichnen, stetig größer wird. Eine grafische Übersicht der Arbeitslosenzahlen in den NUTS-II-Regionen der Jahre 1986 und 1996 liefert Abbildung 8 im Anhang. Es zeigt sich dabei der Trend, dass die Arbeitslosigkeit generell zugenommen hat, mit Ausnahme von Großbritannien und Irland; in der Peripherie jedoch deutlich stärker als im Zentrum der EU. Diese Entwicklung ist erst seit den späten 1980er Jahren zu beobachten. Bis dahin waren nach LAYARD ET AL. [1991] die Unterschiede in den Arbeitslosenquoten in Europa auf konstantem Niveau. Mit anderen Worten: Es gibt heute mehr Regionen mit entweder hoher oder niedriger Arbeitslosigkeit und weniger, die sich nahe am EU-Durchschnitt befinden - bei der Arbeitslosigkeit zeigt sich eine Divergenz der europäischen Regionen. Die Arbeitslosenquoten in den am stärksten und am wenigsten betroffenen Regionen in der EU in den Jahren 1987 und 1997 finden sich in Tabelle 3 im Anhang.
Versteht man diese beiden Indikatoren als ein Maß für die Wohlfahrt innerhalb der EU, so muss man feststellen, dass die Wohlfahrt sich zwar auf Länderebene angenähert hat, zwischen den Regionen jedoch ein Divergenzprozess stattgefunden hat. Dieser Prozess konnte auch dadurch nicht gestoppt werden, dass die Finanzmittel für die EU-Regionalpolitik der am schnellsten wachsende Posten im EU-Haushalt sind.
6
Arbeit zitieren:
Thorsten Wilke, 2003, Regionalpolitische Implikationen der Neuen Ökonomischen Geographie, München, GRIN Verlag GmbH
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