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Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG. 3
2 HAUPTTEIL 4
2.1 PHILOSOPHIEGESCHICHTLICHEHINTERGRÜNDE. 4
2.2 VONDERONTOLOGIEZURTRANSZENDENTALPHILOSOPHIE 5
2.3 DAS„DINGANSICH„ALSÜBERLEITUNGZURPRAKTISCHENVERNUNFT 6
3 ZUSAMMENFASSUNG. 7
4 LITERATURVERZEICHNIS 8
2
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1 Einleitung
Der Begriff „Kopernikanische Wende“ geht auf den polnischen Astronom Nikolaus Kopernikus zurück. Ausgehend von seinen Beobachtungen und Berechnungen erkannte er, dass die bisherige Annahme der Erde als Mittelpunkt der kreisförmigen Planetenbahnen (aristotelisch-ptolemäisch geozentrisches Weltbild) viele Widersprüche hinterließ. Er schlug 1514 ein seinen Berechnungen besser folgendes Modell 1 vor, das den Mittelpunkt der Welt nahe der Sonne fixierte (heliozentrisches Weltbild): „Alle Kreise laufen um die Sonne, als stünde sie in der Mitte von allen, und deshalb liegt der Weltmittelpunkt nahe der Sonne“ 2 .
Diese Änderung der Sichtweise folgend aus den astronomischen Berechnungen des Kopernikus leitet in der Folge eine Abwendung vom bisherigen geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild ein, die weit mehr als einen astronomisch-physikalischen Perspektivenwechsel darstellte - sie bedeutete den Bruch mit einer jahrhundertealten Lehrmeinung und den Neubeginn einer Änderung der Denkart.
Kant selbst vergleicht in der Vorrede zur zweiten Auflage der Kritik der reinen Vernunft (KrV) seine Änderung der Sichtweise in Bezug auf unsere Erkenntnis von Gegenständen mit dem Perspektivenwechsel, den Kopernikus vollzog: „Es ist hiermit eben so, als mit den ersten Gedanken des Copernikus bewandt, der, nachdem es mit den Erklärungen der Himmelsbewegungen nicht gut fort wollte, wenn er annahm, das ganze Sternenheer drehe sich um den Zuschauer, versuchte, ob es nicht besser gelingen möchte, wenn er den Zuschauer sich drehen und dagegen die Sterne in Ruhe ließ. In der Metaphysik kann man nun, was die Anschauung der Gegenstände betrifft, es auf ähnliche Weise versuchen.“ 3
Nun stellt sich die Frage, worauf der Begriff Kopernikanische Wende sich in der KrV bezieht und welche Auswirkungen er, wie im Zitat erwähnt, auf die Metaphysik besitzt.
Kant beschreibt in der KrV den Gang der bisherigen Metaphysik als unwissenschaftlich. Er beschreibt sie als „Kampfplatz … endloser Streitigkeiten“ 4 . „Es ist also kein Zweifel, daß ihr Verfahren bisher ein bloßes Herumtappen, und was das Schlimmste ist, unter bloßen Begriffen
1 Coperncus,Derevolutionibusorbiumcoelestium,LibriVI
2 Copernicus,1990,S.4f.
3 Kant,KrV,BXVIHBXVII
4 KrVAVIII;IV,7
3
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5 gewesen sei.“ Um die Frage zu klären, ob Metaphysik als kritische Wissenschaft möglich ist und sie zu wissenschaftlichen Aussagen über Nicht-Empirisches gelangen kann, ist eine Kritik des menschlichen Erkenntnisvermögens erforderlich. Die bisherige Annahme, dass sich unsere Erkenntnis nach den Gegenständen richte, konnte die Metaphysik nicht entsprechend der Mathematik oder Geometrie, in den Rang einer Wissenschaft erheben. Um zu sicherer Erkenntnis zu gelangen musste ein neuer Weg beschritten werden: „Man versuche es daher einmal, ob wir nicht in den Aufgaben der Metaphysik damit besser fortkommen, daß wir annehmen, die Gegenstände müssen sich nach unserer Erkenntnis richten, welches so schon besser mit den verlangten Möglichkeiten einer Erkenntnis derselben a priori zusammenstimmt, die über Gegenstände , ehe sie uns gegeben werden, etwas festsetzen soll.“ 6
Kant erwartet also, daß erfahrungsunabhängige, notwendige sowie allgemeingültige Wahrheit einem aktiv erkennenden Subjekt und nicht den Gegenständen entstammt.
Es soll gezeigt werden, dass erst ein Perspektivenwechsel bezüglich des Erkenntnisvermögens des Menschen die Voraussetzungen schafft, um der Metaphysik den Rang einer möglichen Wissenschaftlichkeit zu erringen.
2 Hauptteil
2.1 PhilosophiegeschichtlicheHintergründe
Kants Metaphysikkritik richtete sich gegen die im 17. und 18. Jahrhundert praktizierte Schulmetaphysik, die sich im Anschluss an den Rationalismus von R. Descartes und G. W. Leibnitz etablierte. 7 Durch ein System von Definitionen, Axiomen und Begriffen wurde versucht nach dem Vorbild von Mathematik und Geometrie Erkenntnis vom Wesen der Dinge zu erlangen. Ausgehend von der Doppelthese 8 die Welt und alles in ihr Befindliche sei von durchgängiger Rationalität und daher durch die Vernunft vollständig rekonstruierbar, werden unkritisch unter Umgehung jeglicher Erfahrung und Anschauung positive metaphysische Behauptungen aufgestellt, ohne zu fragen, ob die menschliche Vernunft zu solchen Behauptungen berechtigt ist (Dogmatismus). Kritisch wendet sich Kant gegen diese bisherige
5 KrV,BXVI
6 KrV,BXVI
7 Beckmann,„EinführungindieMetaphysik“S.108
8 Vgl.hierzuMaxWundt,DiedeutscheSchulphilosophieimZeitalterderAufklärung,Tübingen1945 4
Arbeit zitieren:
Dr. med. Jürgen Winter, 2009, Kant - Was ist die kopernikanische Wende?, München, GRIN Verlag GmbH
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