1.1 Die Frauenfigur
Die Frauenlieder zeigen ein reiches Spektrum weiblicher Typen und Haltungen. So findet sich neben der sehnsüchtig Werbenden, die Enttäuschte, die Klagende, die sich wehmütig Erinnernde, auch die Selbstbewußte und die sich zu ihrHU Ä1HLJXQJ³ %HNHQQHQGH 'LH Gemeinsamkeiten dieser Frauentypen beschreibt Schweikle mit ihren mehr oder weniger offen und bereitwilligen, ausgesprochenen Zuneigungen dem Manne gegenüber. 4 Ein wichtiges Merkmal der Frauenstrophen des frühen Sanges ist, dass die Frauenfiguren GLH 6HKQVXFKW QDFK GHP JHOLHEWHQ 0DQQ GLH (ULQQHUXQJ DQ HLQH ÄHUIOOWH³ /LHEH XQG GHQ Wunsch nach Zuneigung ausdrücken.
Die Frau in den Minneklagen und Werbeliedern des Mannes
In den männlichen Minne-, Werbe- und Klageliedern des frühen Minnesangs sind verschiedene Frauentypen zu sehen. In den vorhöfischen Minneliedern begegnet beispielsweise die Liebende, die als Ziel einer Fernliebe dargestellte Frauenfigur und Dame, welche in der Angst von der ÄKXRWH³ lebt.
Die inneren Werte der Frauengestalten werden wesentlich häufiger gerühmt als ihre äußere Schönheit. Sie erscheinen in den Liedern am häufigsten mit den Begriffen tugende (MF 90,16) oder guot (MF 94,22). 5
1.2 Die Männerfigur
Die verschiedenen Männerrollen erscheinen ebenfalls unter verschiedenen Perspektiven wie die Frauenbilder. Das männliche lyrische Ich stellt im frühen Minnesang den überlegenen Werbenden oder den Selbstbewußten dar.
Der Mann in den Frauenliedern und ± strophen
Der Mann wird in den Frauenliedern des frühen Minnesangs nicht näher charakterisiert. Das Verhältnis zwischen Mann und Frau wird durch den Redeanteil dargestellt. In der Regel erscheint er hier als > der Minne wert<, der beste man, gelegentlich als friunt oder mit Attributen wie guot, liep, saelic etc. 6
4 Schweikle, Günther. Minnesang.1989. Stuttgart. S. 179
5 Ebd. S.182.
6 Ebd. S.190.
II
2. Zu den Liedern von Albrecht von Johansdorf
Ä,FKZLOOJHVHKHQGLHLFKYRQNLQGH0)³
Dieses Minneliedes besteht aus zwei Strophen. Die Stollen sind aus einem Vier- und Sechstakter komponiert. Der Abgesang ist aus den gleichen Bausteinen zusammengesetzt wie der Aufgesang, nämlich aus zwei vier- und zwei sechstaktigen Versen.
Erste Strophe
In der ersten Strophe berichtet das lyrische Ich von einem bevorstehenden Wiedersehen mit seiner Dame.
'HUHUVWH6WROOHQVWHOOWGDV7KHPDÄ:LHGHUVHKHQPLWGHU*HOLHEWHQ³DXIZHOFKHVGHU]ZHLWH Stollen und der Abgesang in zwei Varianten ausführen. Zunächst zieht der Sänger einen glücklichen Ausgang des Wiedersehens in Erwägung. Vielleicht wird er diesmal die lang HUVHKQWH(UK|UXQJGHU'DPHLKUHÄJHQDGH³ finden, und er preist sie schon im voraus: >so gesach ich nie so guoten lip<.
Doch trotzdem stellt sich der Ritter die Frage, was aber wäre, wenn er deU 'DPH ÄYLO JDU XQPDHUH³LVW
Es ist bemerkenswert, dass der Ritter, falls er abgelehnt werden sollte, nicht darüber klagt, ganz im Gegensatz ehrt er sie noch und sagt: >>so ist si doch diu tugende nie verlie <<
Diese Aussage ist schon überraschend, denn man würde eigentlich eine Klage erwarten. Wie immer sich die Dame verhalten wird, trotzdem wird sie weiterhin von dem Ritter gelobt. Mit den vorangehenden Aussagen verbindet sich die hoffnungsfrohe Stimmung, die schon zu Beginn der Strophe angesprochen wurde. Dort war es das bevorstehende Wiedersehen mit der geliebten Frau, jetzt ist es die Freude, welche man über die Sommerzeit empfindet.
Zweite Strophe
Der erste Stollen wendet den Blick in die Vergangenheit und berichtet allgemein, wie ÄWUXUHFliche³GHU5LWWHUELVKHUVHLQ/HEHQYHUEUDFKWH,P]ZHLWHQ6WROOHQ ZHUGHQGLH.ODJHQ fortgesetzt, doch kündet die letzte Zeile des Aufgesangs den unmittelbar bevorstehenden Umschwung an: > dem will ich vil schiere ein ende geben. < Und er fährt im Abgesang weiter fort: > dicke han ich we gesungen, wol mich singe ich gerne<
6RJDQ]VLFKHULVWGHU6lQJHUVHLQHV(UIROJHVQRFKQLFKWVRVHW]WHUYRUVLFKWLJKLQ]XÄVZHQQ LFK] JHOHUQH³ ,Q GHU YRUOHW]WHQ =HLOH IDW GDV O\ULVFKH ,FK ]XVDPPHQ XQG ]LHKW HLQHQ Schlußstrich: >des ist zit, wan ich gesanc so nie.
Der Ritter hat sich hier in der zweiten Strophe eine Änderung vorgenommen, und dies beabsichtigt er damit, indem er seine traurigen Lieder nicht mehr singen möchte. Er mag nicht mehr, wie er es schildert >Wehe< singen, und verbindet es am Ende wie in der ersten Strophe, mit der Freude über die Sommerzeit.
Fazit
Das Lied beginnt mit der Erinnerung des Ritters an seine Kindheit, seitdem liebt und wartet er auf die frouwe. Das Lied ist ganz auf den Gegensatz von Liebeserfüllung und ±Versagen, von trauriger Vergangenheit und glücklicher Zukunft aufgebaut. Zwar dauert der freudlose Zustand bis in die Gegenwart (her gerungen), doch soll ein bevorstehendes Wiedersehen alles zum Guten wenden.
2.1.1 Das Minnelied
Dieses Minnelied wird wie auch andere ausschließliche Minnelieder, durch das ferne Erlebnis des Ritters nach seiner Geliebten bestimmt und ausgelöst. Das hauptsächliche Thema dieses Liedes ist die Hoffnung auf die Belohnung seines Dienstes. Im diesem Lied wird aus der Vorfreude auf ein nahes Wiedersehen mit der Geliebten heraus JHVXQJHQ !!HLQ :LHGHUVHKHQ GDV VFKODJDUWLJ GDV ÄZH VLQJHQ³ LQ HLQ ÄZRO PLFK VLQJHQ³ verkehren und den Sänger endOLFKGDVZLUNOLFKHÄODFKHQ³OHKUHQVROO 7 Den adäquaten Ausdruck für seine hoffnungsfrohe Stimmung findet der Sänger im Vergleich PLWGHU1DWXUÄIU|LGHXQGHVXPHULVWQRFKDOOH]KLH³
Ä:LHVLFKPLQQHKHEWGD]ZHL]LFKZRKO0)³
2.2.1 Das Wechsellied
In diesem Wechsel sind zwei Gattungen kombiniert: eine Frauen- und eine Mannesklage. In Monologen bekennen ein Mann und eine Frau jeweils strophenweise ihre Sehnsucht und Liebesbereitschaft und beklagen die nicht erkennbare Resonanz beim geliebten Gegenüber. Sie sprechen, im Unterschied zum Dialoglied, nicht miteinander, sondern übereinander. Der Wechsel begegnet nur in der mittelhochdeutschen Literatur und hat keine romanischen Vorbilder. 8
In diesem Lied von Johansdorf handelt es sich um ein 4- strophiges Wechsellied. Die Aufgesangsverse bestehen aus Sechstaktern und die Abgesangsverse aus Viertaktern.
7 Bergmann,R. 1963.S.221.
8 Schweikle,G. 1989.S.131.
IV
Erste Strophe
Am Liedbeginn stellt Albrecht in zwei gleichgebauten Versen den Leitgedanken der Frauenstrophe dar: Beginn und Ende einer Liebe >wie sich minne hebt, daz weiz ich wol, wie si ende nimt, des weiz ich niht <.
Es sind zwei allgemeine Feststellungen. Sie kommen daher nicht in Konflikt mit der Aussage des zweiten Stollens, indem die Frau den Beginn ihrer Liebe nur als zukünftige Möglichkeit sieht.
Aus Erzählungen, Beobachtungen konnte sie gut erfahren >wie sich minne hebt<, ohne dabei selbst in Liebe verfallen zu sein. Dieses Schwanken zwischen einer allgemeinen Behauptung und einem Bekenntnis der Möglichkeitsform wiederholt sich in der zweiten und dritten Strophe. Mit ihm charakterisiert Johansdorf sehr gut die zwiespältige Lage der Dame, die den Ritter zur Treue mahnen will und gleichzeitig ihre Liebe verbergen muß. Die Dame wendet sich mit einer indirekten Bitte an Gott: >so bewar mich vor dem scheiden got<.
Nur Gottes Macht, der Tod kann sie scheiden. Wenn die Frau ihren Liebsten verliert, so wird ihr gleichzeitig ihre Lebenslust entzogen, denn sie weiß nicht, wie sie ohne ihn leben soll: > diesen kumber vürhte ich ane spot <.
Zweite Strophe
-RKDQVGRUI IKUW GLH 7KHPDWLN GHV Ägefriundens³ XQG ÄVFKHLGHQV³ IRUW XQG YHUWLHIW VLH Gegenüber der ersten Strophe hat sich der Raum, den dieses Gegensatzpaar einnimmt, vermehrt. Denn in den vier Zeilen beschreibt das lyrische Ich seinen Minnebegriff, der auf gegenseitiger treuer Zuneigung beruht und behandelt aber auch die Thematik der Trennung. %HUJPDQQKDW GLHÄWULXZH³ bei Johansdorf als lebenslange Verbundenheit übersetzt, sie ist wohl der direkte Weg zu Gott. 9 Daher sollte keine andere Macht als der Tod die Geliebten
VFKHLGHQQXUHUGDUILKUHJHJHQVHLWLJHÄtriuwe³EUHFKHQ
Wie in der ersten Strophe verbirgt die Frau ihre Liebe unter der Möglichkeitsform, in der fünften Zeile sagt sie:
>waer diu rede min ich taete also<. Diesmal spricht die Dame nur mehr von dem Kummer, GHPLKUGHU9HUOXVWLKUHVÄIULXQGHV³ bereiten würde, und setzt somit stillschweigend voraus, dass sie schon einen Geliebten besitzt. Auch die hypothetische Redeweise kann nicht über das wirkliche Leid hinweg täuschen, daß die Dame bei der bloßen Vorstellung überfällt, ihr Herzliebster könnte sie je verlassen. So sagt sie in der letzten Zeile: > Seht, so wurde ich niemer mere vro<. Hier kommt wieder die Angst der Frau zum Vordergrund.
9 Bergmann,R. 1963,S.164.
V
Arbeit zitieren:
Nuran Aksoy, 2002, Albrecht von Johansdorf und seine Minnelyrik im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Analyse "Ich vant si âne huote" von Albrecht von Johansdorf ...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 14 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Nuran Aksoy's Text Albrecht von Johansdorf und seine Minnelyrik im Vergleich ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Nuran Aksoy hat den Text Albrecht von Johansdorf und seine Minnelyrik im Vergleich veröffentlicht
Nuran Aksoy hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare