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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Die dramaturgische Funktion des Bassa Selim 2
2.1 Der Aufbau des Stücks 2
2.2 Der Charakter des Bassa Selim 3
2.2.1 Bassa Selim mit anderen Figuren 3
2.2.1.1 Selim und Osmin 3
2.2.1.2 Selim und Konstanze 4
2.2.1.3 Selim und Pedrillo 6
2.2.1.4 Selim und Belmonte 7
2.2.1.5 Selim und die Janitscharen 8
2.2.2 Bassa Selim allein 8
2.3 Autonomie und Gnade - Der letzte Akt 9
2.4 Die Sprechrolle 11
3 „Entführungsstoff“ immer noch aktuell 11
4 Literaturangaben 14
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1 Einleitung
„Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland“ singen die Deutschen in ihrer Nationalhymne. Damit soll ausgedrückt werden, dass alle Menschen, die in diesem Land leben, gleich und vereint sind. Egal, welcher Rasse sie entstammen, egal, welchen Glauben sie besitzen. Dennoch gibt es Deutsche, denen das nicht gleichgültig ist. Und diese gibt es nicht nur in deutschen Landen, sondern auch weltweit. Der Freimauer Mozart appelliert in seinem Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ an die Humanität der Menschen und lässt diese durch die Figur Bassa Selim verkünden. Die dramaturgische Funktion dieser Herrscherfigur erfüllt die Aufgabe, aufzuklären und zu erziehen. Und zwar dahingehend, dass die Menschen lernen, toleranter zu sein, das heißt Vorurteile gegenüber anderen Religionen, Sitten sowie (Menschen-)Rassen abzubauen. Die Erzieherische Funktion der Bassa-Rolle besteht weiter darin, Menschen „menschlicher“ [III, letzter Auftritt] 1 zu machen.
Um die Figur kennen zu lernen, möchte ich den Charakter des Bassa Selim dessen Charakter analysieren. Dessen Wesenszüge entfalten sich besonders am Schluss des Stücks unerwartet und lassen dem ganzen Singspiel eine außergewöhnliche Bedeutung zukommen. Die Sprechrolle, die dem Bassa zuteil wurde, ist bei der Analyse nicht unwesentlich, verleiht sie ihm sowohl Stärke als auch Anerkennung.
2 Die Dramaturgische Funktion des Bassa Selim
2.1 Der Aufbau des Stücks
Das Singspiel ist - ähnlich wie ein Drama - in drei Akte/Aufzüge gegliedert, in denen sich die Handlung vollzieht. Ort, Umstände, handelnde Personen sowie das weitere Handlungsgeschehen werden im ersten eingeführt.
Im zweiten und längsten Akt steuert das Geschehen dem Höhepunkt entgegen.
1 Zitiert wird im Folgenden aus: Zentner, Wilhelm (Hrsg.) (2000): W. A. Mozart: Die Entführung aus dem Serail. Oper in drei Aufzügen. Text von Chr. F. Bretzner in der Bearbeitung von J. G. Stephanie d. J. Stuttgart.
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Nachdem alle, bis auf Selim ihr Leid geklagt haben, wird die Entführung der drei Sklaven vom Landgut des Bassas geplant. Als alle Vorbereitungen getroffen sind, steht der Flucht nichts mehr im Weg.
Dem klassischen Aufbau eines Dramas folgend, müsste die Handlung im letzten Akt auf die Katastrophe zulaufen. Jedoch bleibt diese aus. Zwar misslingt die Entführung aus dem Serail, dennoch lautet das Urteil Selims anders, als alle erwartet haben.
2.2 Der Charakter des Bassa Selim 2.2.1 Selim mit anderen Figuren
Die Figur des Bassas tritt im ganzen Stück lediglich sechsmal auf. In allen drei Aufzüge je zweimal. Besonders daran ist, dass er dabei nur einmal allein auftritt (siehe Kapitel 2.2.2).
2.2.1.1 Selim und Osmin
Die Beziehung zwischen Selim und Osmin stellt sich nicht als die typische Herrscher-Untertanen-Konstellation heraus. Osmin nimmt die ihm übertragenen Pflichten als Aufseher über den Palast sehr ernst. Als Untertan des Bassas wird von ihm erwartet, dass er sofort gehorcht, wie auch die anderen Unterworfenen und Sklaven. Selim erfährt aber erst, dass die „niederträchtigen Christensklaven“ [III, 6] die Frauen entführen wollten, nachdem sie schon gefangen genommen worden sind. Osmin (be)herrscht und entscheidet selbst. Eine gewisse Eigenständigkeit steht ihm als Aufseher zwar zu, doch besteht seine Funktion auch darin, seinem Herrn (sofort) über wichtige Ereignisse zu informieren.
Das Interesse zwischen Osmin und seinem Herrscher scheint nicht sehr groß. Denn der Bassa „ist weich wie Butter, mit dem könnt ihr machen, was ihr wollt“ [III, 6]. Für Osmin hat sein Herrscher nicht genug Charakterstärke: Wenn es nach ihm ginge, dann wären alle längst gespießt. Deutlich wird die fehlende Sympathie auch daran, dass Osmin und der Bassa nur zweimal im ganzen Stück zusammen auftreten. Und das auch erst im letzten Aufzug (III, 6 und letzter Auftritt) und nie beide allein. Das verstimmte Verhältnis
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ist auch auf deren Glauben und Herkunft bezogen. Während Osmin den Türken und somit den Islam voll verkörpert, ist Selim eher eine religionslose Instanz. Der Aufseher verachtet die Europäer 2 , begegnet ihnen gleich mit Hochmut und Vorurteilen 3 . Er bezeichnet sie als „Galgenschwengel“, „Schurken“, „Schmarotzer“ [I, 2] und bedroht sie mit der Bastonade, alles fortlaufend im ganzen Stück.
Nachdem die Flüchtlinge an Selim ausgeliefert wurden, befiehlt er spontan, sie mit Folter zu bestrafen. Doch sehr zum Bedauern Osmins, ändert sich Selims Urteil: Er entlässt die Gefangenen wieder in die Freiheit. Da hilft auch kein Zureden („Keine Gnade!“ [III, letzter Auftritt]) mehr, die Entscheidung steht für Selim fest. Osmin „möchte bersten“ [III, letzter Auftritt], doch der Bassa beruhigt ihn: „Wen man durch Wohltun nicht für sich gewinnen kann, den muß man sich vom Halse schaffen.“ [III, letzter Auftritt] Damit sind vor allem Konstanze und Blonde gemeint. Denn Selim und Osmin waren sehr um die Frauenherzen bemüht. Konstanze zur Liebe zwingen, wollte Selim nicht, da diese nicht echt gewesen wäre, ganz im Gegensatz zu Osmin, der Blonde gern zwingen möchte. Beide drohen mit Strafe und Gewalt, wenn sie sich nicht fügten, doch Selim denkt nicht im Traum daran, seiner Konstanze weh zu tun. Osmin hingegen kann sich nur schwer zurückhalten und das auch nur, weil er von Blonde mehr Widerstand erfährt als Selim von Konstanze.
Obwohl der Aufpasser so streng die Regeln des Islams beachtet, hat er auch einen Vorzug des Christentums entdeckt: Den Christen ist es, im Gegensatz zu den Muslimen erlaubt, Wein zu trinken. Die Charakterschwäche, die Osmin bei seinem Herrn beklagt, weist er im zweiten Aufzug (7. Auftritt) selbst auf. Er lässt sich von Pedrillo verführen, Wein zu trinken. Zuerst zweifelt Osmin noch („Ob’s wohl Allah sehen kann?“ [II, 7]), aber dann trinkt er und als die alkoholische Wirkung eintritt, verspricht sich Osmin und bezeichnet den Bassa als „Mahomet“ [II, 7], den Propheten. Daran wird das starre System des Islams sichtbar. Allah und seine Propheten stehen an erster Stelle. Und dass gerade Osmin Selim einen Propheten nennt, ist Beweis genug dafür, wie Selim ihn beeinflusst und welche Autorität er für Osmin ist. Durch den Versprecher drückt Osmin auch seine insgeheime Bewunderung, die er seinem Herrn entgegenbringt, aus, würde
2 Nach Osmin sollten alle Europäer „Erst geköpft, dann gehangen / Dann gespießt auf heiße Stangen / Dann verbrannt, dann gebunden / Und getaucht; zuletzt geschunden“ [III, letzter Auftritt] werden.
3 Als Belmonte im ersten Aufzug auftritt und Osmin anspricht, ignoriert dieser ihn einfach.
Arbeit zitieren:
Liane Hein, 2002, Die dramaturgische Rolle der Figur Bassa Selim in Mozarts Oper "Die Entführung aus dem Serail", München, GRIN Verlag GmbH
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