Vorwort
Seit über 40 Jahren leben nun Türken in Deutschland. Da sie die größte ethnische Minderheit der Ausländer darstellen, fällt diese Gruppe in jeder Relation am meisten auf. Durch den langjährigen Aufenthalt der „Gastarbeiter“ wurden Ehefrauen und Kinder nach und nach aus der Heimat in die Bundesrepublik Deutschland immigriert. Vor allem aber für die Kinder und Jugendlichen brachte dies eine enorme Herausforderung mit sich, sich innerhalb der beiden unterschiedlichen Kulturen zu bewegen. Die daraus resultierenden Kulturkonflikte und Sprachdefizite wurden bisweilen auch sehr intensiv in der Literatur erörtert. Jedoch möchte ich einen spezielleren Einblick in das Sprachverhalten der „Deutschtürken“ geben. Als Deutschtürken bezeichne ich diejenigen Türken, die in Deutschland leben, ob diese Personen die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, erscheint irrelevant, denn die Aneignung des deutschen Passes nimmt weder positiven Einfluss auf die deutsche Kultur, noch stellt sie eine Benachteiligung der ethnischen Herkunft oder der Sprache dar.
Da ich als Deutschtürkin der zweiten Generation in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, bin ich in die kulturellen und sozialen Probleme und vor allem in das Sprachverhalten involviert. Dies stellt für diese Arbeit den Vorteil dar, mich auch auf langjährige eigene Beobachtungen stützen zu können. Dabei werde ich in meinen Untersuchungen ebenfalls die türkische Grammatik heranziehen müssen. So hoffe ich bestimmte Strukturen des „Türkendeutsch“ näher erläutern zu können.
II
Inhaltsverzeichnis
Einleitung - 1 -
1. Die Deutschtürken in Deutschland - 5 -
1.1 Der soziale Hintergrund der Deutschtürken. - 5 -
1.2 Das Leben zwischen den Kulturen´ - 6 -
2. Der soziolinguistische Hintergrund der Deutschtürken - 7 -
2.1 Definition des „Türkendeutsch“ - 8 -
2.2 Stand der Forschung. - 9 -
2.3 Sprachentwicklung der ersten Generation. - 11 -
2.3.1 Das „Gastarbeiterdeutsch“ der Eltern - 12 -
2.3.2 Merkmale des Gastarbeiterdeutschen. - 12 -
2.3.3 Kurzer Sprachüberblick der türkischen Grammatik. - 13 -
2.3.4 Gastarbeiterdeutsch und Pidgin. - 15 -
2.3. 5 Zweitspracherwerbsforschung - 18 -
2.4 Sprachentwicklung der zweiten und dritten Generation der Deutschtürken. - 23 -
2.4.1 Bilingualismus. - 24 -
2.4.2 Sprachentwicklung im Bilingualismus. - 27 -
2.4.3 Sprachwechselverhalten - Codeswitching - 28 -
2.4.4 Formen von Codeswitching - 31 -
2.4.5 Funktionen von Codeswitching. - 32 -
3. Türkendeutsch-Ein Ethnolekt des Deutschen? - 35 -
3.1 Der primäre Ethnolekt. - 36 -
3.2 Merkmale bei bilingualen Diskursen „Deutsch-Türkisch“ - 38 -
3.3 Der sekundäre, mediale Ethnolekt - 38 -
3.4 Zaimoğlus „Kanak- Sprak“ - 39 -
3.5 Der tertiäre Ethnolekt - 41 -
4. Empirische Untersuchung zum „Türkendeutsch“ - 43 -
4.1 Sprachwissenschaftliche Termini. - 43 -
4.2 Gesprochene Sprache - 44 -
4.3 Analyseverfahren - 45 -
4.3.1 Datenerhebung - 45 -
4.3.2 Transkriptionsverfahren - 46 -
4.4 Transkriptionen - B Be ei is sp pi ie el l 1 1. - 48 -
III
4.4.1 Angaben zur Person ................................................................................... - 49 -
4.4.2 Gesprächsanalyse - 49 -
4.5 Beispiel 2. - 51 -
4.5.1 Angaben zur Person - 52 -
4.5.2 Gesprächsanalyse - 53 -
4.6 Beispiel 3. - 55 -
4.6.1 Gesprächsanalyse - 56 -
4.7 Beispiel 4. - 58 -
4.7.1 Angaben zur Person - 58 -
4.7.2 Gesprächsanalyse - 59 -
4.8 Beispiel 5. - 60 -
4.8.1 Gesprächsanalyse - 62 -
4.9 Auswertung - 63 -
4.9.1 Sprachrepertoire - 63 -
4.9.2 Codeswitching in bilingualen Diskursen. - 64 -
4.9.3 Gastarbeiterdeutsch - 65 -
4.9.4 Zusammenfassung der sprachlichen Kennzeichen des „Türkendeutsch“ - 65 -
5. Erklärungsansätze für die Herausbildung des „Türkendeutschs“ - 69 -
5.1 „Türkendeutsch“ - Eine Jugendsprache? - 69 -
5.2 Sprechen als Ausdruck sozialer Identität - 71 -
6. Schlussfolgerung. - 75 -
Literaturverzeichnis. - 77 -
Anhang - 85 -
IV
Einleitung
Wie die beiden Zitate anklingen lassen, gibt es zwei Auffassungen der Sprache der Deutschtürken: zum einen das unbewusste Sprachwechselverhalten und zum anderen die mediengesteuerte Sprache. Gemeinsam sind beiden Ansichten, dass sie das „Türkendeutsch“ als eine Kreation der Eigeninitiative anerkennen. Diese neue „Sprachform“ entwickelte sich durch die massenhafte Migration in der Bundesrepublik Deutschland, denn so entfalteten sich innerhalb der Sprache neue Räume der Mehrsprachigkeit. Die Mehrsprachigkeit lässt erkennen, dass sich Grenzen von Varietäten verschieben und sich das sprachliche Repertoire im Kontakt mit anderen sprachlichen Varietäten verändert. 3
Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Sprachen werden vor allem durch die wachsende interkulturelle Kommunikation von Individuen, Gruppen, Institutionen, Gesellschaften und der Medien stärker bewusst. Es handelt sich bei diesen Sprechern um Einwanderer, die der ersten, zweiten und dritten Generation angehören, und deren sprachliches Repertoire, welches sich aus den kulturellen Ressourcen mehrerer Sprachen zusammensetzt.
1 Küpper, Moritz (09.04.2003): Wie die Kanack Sprack salonfähig wurde.
Zitat entnommen aus: http://www.stern.de/politik/panorama/index.html?id=506409&q=türk
2 Schmidt-Fink, Ekkehart (30.12.2002): Voll krass Alder. Von Türkendeutsch über Kanak Sprak zu Kanakisch, http://www.isoplan.de/aid/2002-4/sprache.htm)
3 vgl. Erfurt, Jürgen (2003): "Multisprech": Migration und Hybridisierung und ihre Folgen für die Sprachwissenschaft OBST - Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie 65. S.2.
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Durch die polyglotte Entwicklung entstand bei den Deutschtürken eine Trendsprache, die mit diversen Namen wie „Türkendeutsch“, „Kanak-Sprak“ oder „New-Pidgin“ tituliert wird. Diese ist in der aktuellen Popkultur kaum übersehbar. Die Aufmerksamkeit erregenden Merkmale dieser Sprache sind sprachliche Mischungen aus Elementen der Herkunftssprache und des Deutschen. Jedoch sind diese Sprachmischungen in Stadtteilen mit hohem Anteil von Populationen nicht deutscher Herkunft auch beobachtbar. Die Jugendlichen türkischer Herkunft fallen in der „Kategorie“ des Sprachwechsels am meisten auf, weil sie diese Formen sehr flüssig und mit hoher Routiniertheit produzieren und anwenden. 4 Welche Sprachformen sich hierbei genau entwickeln, wie sie ihre kommunikative Praxis gestalten, ist heute Gegenstand verschiedener Forschungsansätze. Die Untersuchungen widmen sich aber nicht nur den sprachlichen Kodierungen, sondern auch dem Verhältnis zwischen sprachlich dominanten Gruppen, den Identifikations-, Aufwertungs- und Abwertungsprozessen.
Es gibt unterschiedliche Auffassungen für das „Türkendeutsch“. Während manche Kritiker es als sprachliche Inkompetenz 5 und „doppelte Halbsprachigkeit“ 6 bezeichnen, gibt es auch positive Anschauungen, die eher eine sprachliche Kompetenz und Kreativität 7 im Vordergrund sehen. Ausgehend von diesen Stellungnahmen wird diese Arbeit unter dem soziolinguistischen Aspekt untersucht.
Kann man wirklich von einer doppelten Halbsprachigkeit reden oder handelt es sich eher um phantasiereiche Kreationen der Deutschtürken? Was zeichnet das „Türkendeutsch“ aus? Beruht es auf bestimmten grammatikalischen Gegebenheiten oder ist es situationsbezogen?
4 Keim, Inken/ Cindark, Ibrahim (2003): Deutsch- türkischer Mischcode in einer Migrantinnengruppe: Form von „Jugendsprache“ oder soziolektales Charakteristikum? In: Neuland, Eva (Hg.): Jugendsprache - Spiegel der Zeit Frankfurt. S. 377.
5 Ebd. (2003), S. 378 ff.
6 Aytemiz, Aydin (1990): Zur Sprachkompetenz türkischer Schüler in Türkisch und Deutsch, Frankfurt am Main, Peter Lang.
7 Keim, Inken/ Cindark, Ibrahim (2003): Deutsch- türkischer Mischcode in einer Migrantinnengruppe: Form von „Jugendsprache“ oder soziolektales Charakteristikum? In: Neuland, Eva (Hg.): Jugendsprache - Spiegel der Zeit. Tagungsband der internationalen Fachkonferenz in Wuppertal 2001. Frankfurt. S. 378.
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Was hat es mit der Derivation von „Türken-Deutsch“ auf sich, heißt das zugleich, dass man einen Ethnolekten des Deutschen als Resultat vor sich hat? Der Schwerpunkt dieser Arbeit geht allerdings der Frage nach, warum das „Türkendeutsch“ überhaupt eine populäre Anwendung bei den Deutschtürken findet und welches Ausmaß es für die soziale Identität hat.
Dieser Fragenkomplex beweist, dass dieses Sprachphänomen noch eine sehr wenig erforschte Sprachform ist. Um ihm nachzugehen, werden die bisherigen Untersuchungen erläutert und anhand einer eigenen Sprachuntersuchung wird nach weiteren Erkenntnissen gesucht.
Thematisch ist diese Arbeit so gegliedert, dass zunächst ein kurzer Abriss des geschichtlichen und sozialen Hintergrunds der ersten und folgenden Generation gegeben wird, denn Sprache kann nicht von ihrem sozialen Kontext isoliert betrachtet werden.
Im anschließenden theoretischen Teil der wissenschaftlichen Hausarbeit erfolgen soziolinguistische Informationen zum Thema. Im Anschluss wird die Ausgangslage des Themas bestimmt, somit werden eine allgemeine Definition zum „Türkendeutsch“, der Stand der aktuellen Forschung und schließlich die „deutsche“ Sprachentwicklung der ersten und der zweiten und dritten Generation gegeben. Die Sprachentwicklung ist bei den Generationen unterschiedlich geprägt, während die Elterngeneration Deutsch als Zweitsprache meist ungesteuert erlernte, erwarben die jungen Deutschtürken einen unmittelbar komplexeren Sprachentwicklungsprozess. Aufgrund dessen werden allgemeine Informationen zu den Spracherwerbstheorien deklariert, die aber nicht weiter ausgeführt werden, da die Theorien eine untergeordnete Rolle in dieser Arbeit spielen. Das Phänomen des „Türkendeutsch“ wird im 2. Kapitel somit von seinem Ursprung bis zur aktuellen Entwicklung erläutert werden.
Der nächste Abschnitt beschäftigt sich mit den Kennzeichen des „Türkendeutsch“ vor allem der zweiten und dritten Generation, das unter verschiedenen Aspekten, wie den Sprachmischungen, der Aneignung des „Türkendeutsch“ von deutschen Jugendlichen, der Aggressivität der Sprache und der selbst kreierten Sprache wie der „Kanak-Sprak“, behandelt wird.
In Kapitel 4 werden grundlegende Termini für die empirische Untersuchung erläutert. In der Untersuchung werden Aufnahmen des „Türkendeutsch“ schriftlich anhand von Transkriptionen vorgestellt und segmentiert. Angaben zum Vorgang, zu den Informanten, zur Datenerhebung und zu den Transkriptanalysen werden gegeben. In der folgenden
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Gesprächsanalyse werden vor allem die Formen bilingualen Sprechens und bestimmte Merkmale dieser Sprache hervorgehoben. Besonders relevant erscheinen hier Sprachmischungen, Weglassen von Wortarten wie Artikel, Pronomen und Präpositionen und grammatische Besonderheiten. Anschließend werden Ergebnisse dieser Untersuchung zusammengefasst und wenn möglich Gründe der Anwendung des „Türkendeutsch“ präsentiert.
Schließlich werden nach der Auswertung der empirischen Analyse Erklärungsansätze für die Herausbildung dieser Sprachform gesucht. Es gibt verschiedene Ansätze, die das „Türkendeutsch“ einer sozio-kulturellen Identität 8 zuschreiben. Doch muss hier erstmals die Beziehung von Sprache und Identität dargelegt werden, um diesen Ansatz zu konkretisieren. Ob es noch andere Möglichkeiten der Verwendung des „Türkendeutsch“ gibt, wird Kapitel 5 aufzeigen. Abschließend werden die Ergebnisse dieser Hausarbeit zusammengetragen und expliziert.
1. Die Deutschtürken in Deutschland
1.1 Der soziale Hintergrund der Deutschtürken
Die Türken stellen die größte ethnische Minderheit in Deutschland dar. Die erste Generation der Türken lebt seit mehr als 30 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland. „Die Migration der Türken setzte bereits 1960 ein und wurde ab Oktober 1961, nachdem das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei unterschrieben worden war, von deutscher Seite stark forciert.“ 9 In der Anfangsphase der Anwerbepolitik ging man von einem „Rotationsprinzip“ aus, bei dem die ausländischen Arbeiter nach kurzem Arbeitsaufenthalt wieder in ihre Heimat zurückkehren und durch neue ersetzt werden sollten. So etablierte sich gleichzeitig die Bezeichnung des Gastarbeiters. Jedoch stellte dieses Prinzip für die Wirtschaft einen umständlichen Aufwand dar und scheiterte, da permanent neue Gastarbeiter in den Arbeitsprozess eingearbeitet werden mussten.
Die meisten Gastarbeiter kamen aus Dörfern unterentwickelter Regionen und ihre Ziele waren primär ökonomischer Natur. Sie wollten sich nach einem begrenzten Aufenthalt im Anwerbeland eine Existenz in der Heimat ermöglichen. Eine Familienzusammenführung war anfangs kein Thema, doch je mehr sich eine Dauerhaftigkeit des Aufenthaltes ausländischer Arbeitskräfte abzeichnete, desto mehr wurden v. a. die aus den Hauptanwerbeländern Türkei, Jugoslawien und Griechenland stammenden Ausländer mit ihren Familien zusammengeführt. Anfang der 70er Jahre, nach dem Anwerbestopp im November 1973, entwickelte sich in der Bundesrepublik eine neue Diskussion über Integration, so dass aus Gastarbeitern "ausländische Mitbürger“ wurden.
Die in Deutschland geborenen Kinder bzw. nachgeholten Kinder und ihre Kindeskinder werden als zweite bzw. dritte Generation bezeichnet.
Derzeit leben in Deutschland 1.877.700 10 Türken, dabei bilden die türkischen Kinder und Jugendlichen bis zum Alter von 25 Jahren einen Anteil von etwa 40 Prozent und
9 Şen, Faruk: 1961 bis 1993: Eine kurze Geschichte der Türken in Deutschland. In: Leggewie, Ckaus/ Şenocak, Zafer (1993): Deutsche Türken, Das Ende der Geduld, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, S. 17.
10 Statistisches Bundesamt Deutschland; http://www.destatis.de/allg/d/impr/d_impr.htm; (31.12.2004)
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die deutschen Kinder und Jugendlichen derselben Altersgruppe einen Höchstsatz von etwa 25 Prozent. 11 Dieser Aspekt zeigt, dass die zweite und dritte Generation der Türken zu einem unübersehbaren Bestandteil Deutschlands geworden sind. Bei der zweiten und dritten Generation lassen sich Probleme und Konflikte in verschiedenen Teilbereichen feststellen, dazu zählen größtenteils Schulprobleme, soziale Abgrenzungen und kriminelle Tendenzen.
1.2 Das Leben zwischen den Kulturen´
Einwandererkinder der ersten Generation sind in Deutschland geboren oder sind im frühen Alter nach Deutschland immigriert. Dabei erfuhren sie intensiv den Zusammenprall unterschiedlicher Sprachen und Kulturen. Aufgrund dessen wurde im Hinblick der Sozialisation türkischer Jugendlicher vielfach die Metapher des Kulturkonflikts bzw. des „Lebens zwischen zwei Kulturen“ herangezogen. 12 Man ging von einem so genannten ´Kulturkonflikt´ aus, da die jüngere Generation in Deutschland zwei sich teilweise widersprechende Lebensweisen mit ihren spezifischen Wertorientierungen und Rollenerwartungen erlebte. Das ´Leben zwischen den Kulturen´ bzw. der ´Kulturkonflikt´ meint demnach die Widersprüche zwischen familiären Traditionen und modernen, jugendspezifischen Lebensweisen, die als Ausdruck von Spannungen zwischen Herkunfts-und Aufnahmegesellschaft entstehen. Jedoch stellte sich heraus, dass die Jugendlichen der zweiten und dritten türkischen Generation mit ihrer Lebenssituation in Deutschland eher zufrieden sind. 13
Die jüngere Generation zeichnet sich mittlerweile im Gegensatz zur Elterngeneration durch eine verbesserte Schul- und Ausbildung, eine höhere berufliche Stellung und ein besseres Sprachniveau aus. Durch diese Entwicklungen sind sie besser oder ´überhaupt´ in die deutsche Gesellschaft integriert. Gegenüber der ersten Generation, die fast ausschließlich aus bildungsschwachen Arbeitern bestand, zeigt sich heute ein ganz anderes Bild, denn die Türken sind in fast allen gesellschaftlichen Schichten vertreten.
11 Ebd (2004); vgl. Füglein (2000) S. 13.
12 Wilhelm Heitmeyer/Joachim Müller/Helmut Schröder (1997): Verlockender Fundamentalismus. Türkische Jugendliche in Deutschland, Frankfurt am Main, S. 24.
13 Werth (1983) S.107 zitiert nach Banaz (2002): Bilingualismus und Code- Switching bei der zweiten türkischen Generation in der Bundesrepublik Deutschland. Sprachverhalten und Identitätsentwicklung. Redaktion Linse S.44.
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Neben Schriftstellern, Schauspielern, Abgeordneten, Medizinern, Musikern, Sportlern u. Ä. hat sich eine heterogene türkische Gesellschaft in Deutschland etabliert. Aber dennoch sind die Sprecher durch ihre Herkunft und Sprache zusätzlich stigmatisiert, denn manche Deutsche haben viel dagegen, dass „Spaghettifresser“, „Kameltreiber“, „Kümmeltürken“ oder auch „Kanaken“ ihnen in der Bahn die Sitze wegnehmen oder sogar ihre Arbeitsplätze. 14
2. Der soziolinguistische Hintergrund der Deutschtürken
Das „Türkendeutsch“ wird in dieser Arbeit unter dem soziolinguistischen Aspekt untersucht und dargestellt. Die Soziolinguistik, die sich seit den 60er Jahren zunehmend etablierte und eine weit verzweigte Wissenschaftsdisziplin ist, überschneidet sich mit der Linguistik, der Soziologie, der Anthropologie, der Sozialpsychologie und der Erziehungswissenschaft. Die Sprache wird hierbei konsequent als soziales Phänomen aufgefasst. Sie untersucht das wechselseitige Bedingungsgefüge von Sprach- und Sozialstruktur bzw. die soziale Bedeutung des Sprachsystems und des Sprachgebrauchs. 15 Halwachs stell hierzu fest, dass
„(…) allen der bisher behandelten soziolinguistischen Studien die Einbeziehung des Handlungsaspekts in die Sprachbeschreibung gemeinsam ist und die Tatsache, dass aufgezeigt wird, dass Sprechergemeinschaften nicht eine homogene `Sprache` verwenden, sondern mehrere soziokulturell determinierte Sprach(gebrauchs)formen oder Varietäten, die sich auf 16 unterschiedlichen sprachlichen Ebenen voneinander unterscheiden.“
Unter diesem Aspekt kann man die Soziolinguistik auch als Varietätenlinguistik bezeichnen, die den Einfluss soziokultureller Variablen des Sprachverhaltens einzelner Sprechergemeinschaften analysiert.
14 Glück, Helmut/ Werner- Sauer, Wolfgang: (1997) Gegenwartsdeutsch, J. B. Metzler Verlag, Stuttgart-Weimar, S. 94.
15 Bußmann, H. (1983): Lexikon der Sprachwissenschaft, Stuttgart. S.608.
16 Hallwachs, Dieter (2001): Soziolinguistik; aus: http://www-gewi.kfunigraz.ac.at/ling/sozio/sozio.html
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Der Spracherwerbsprozess der Türken in Deutschland steht in unmittelbarer Relation zum sozialen Hintergrund. Aufgrund dessen werden in dieser Arbeit grundlegende Aussagen zur sprachlichen und sozialen Situation der Sprecher kenntlich gemacht, um das Sprachverhalten der Deutschtürken unter Berücksichtigung verschiedener Aspekte zu begründen.
2.1 Definition des „Türkendeutsch“
Der Sprache der Deutschtürken wurden mehrere Bezeichnungen zugrunde gelegt, als Beispiele sind hier einige anzugeben wie „Türkendeutsch“, „Türkenslang“, „Kanaksprak“, „Ausländisch“, „Ausländerslang“, „Streetslang“, „Ghettoslang“, „Stadtteilsprache“, „Mischsprache“ , „Lansprache“ usw. „Diese Bezeichnungen deuten darauf hin, dass sich eine Varietätenfamiele als eine homogene Varietät gebildet hat.“ 17
Um nicht auf diese diversen Begriffe zurückzugreifen, wird „Türkendeutsch“ in dieser Arbeit als Oberbegriff verwendet.
Eine einheitliche Definition des „Türkendeutsch“ existiert nicht. Androutsopoulos erklärt das „Türkendeutsch“ im medialen Ansatz „als ein Produkt von miteinander verbundenen Entwicklungen, die in den letzten Jahren in Deutschland zu beobachten waren“. 18 Dem Begriff des „Türkendeutsch“ begegnet man auch bei Keim 19 und Hinnenkamp 20 , wobei es im Zusammenhang mit der Sprachalternation und einigen unterschiedlichen sprachlichen Merkmalen erläutert wird.
17 Androutsopoulos, Jannis (2000): Ultra korregd Alder! Zur medialen Stilisierung und Popularisierung von „Türkendeutsch“, Linguistik Server Essen, S.3.
18 Ebd. S. 2.
19 Keim, Inken (2001): Die Powergirls. Aspekte des kommunikativen Stils einer Migrantinnengruppe aus Mannheim. In: Jakobs, Eva/ Rothkegel, Annely (Hg.): Perspektiven auf Stil. Akten des Kolloquiums zum 60. Geburtstag von Barbara Sandig. S. 376.
20 Hinnenkamp, Volker (2000): „Gemischt sprechen“ von Migrantenjugendlichen als Ausdruck ihrer Identität. In: Der Deutschunterricht, Heft 5/ 2000, S. 96.
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Diese Sprachform setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen. Zu diesen Bausteinen gehören Entstehungen neuer Ethnolekte von türkischen und türkischstämmigen Jugendlichen der zweiten und dritten Generation. Diese Ethnolekte werden im 3. Kapitel näher beschrieben. „`Ethnolekt` wird hier als Sammelbegriff für Varietäten oder Sprechstile verwendet, die von den Sprechern selbst und/ oder von anderen mit einer oder mehreren nicht-deutschen ethnischen Gruppen assoziiert werden.“ 21
2.2 Stand der Forschung
Das „Türkendeutsch“ ist ein besonders von Inken Keim untersuchtes Sprachphänomen. Dabei beschränken sich unter diesem Aspekt ihre Analysen auf das sprachliche Repertoire der von ihr untersuchten Mädchengruppe „der türkischstämmigen Powergirls“ 22 . Es umfasst die Stadtteil-Sprache, standardorientiertes Deutsch, einen türkisch-deutschen Mischstil, einige Formen des Mannheimer Stadtdialekts und das stilisierte Gastarbeiterdeutsch. Aus dem Projekt der „Powergirls“ fasst Keim folgende Merkmale zusammen, die sie beobachten konnte:
„Die deutschsprachigen Anteile haben besondere grammatische und lexikalische Eigenschaften wie Ausfall von Präposition und Artikel z. B. isch geh schule, Generalisierung des neutralen Genus, Bevorzugung bestimmter deutscher und türkischer Wörter (z. B. lan) und Formeln (z. B. isch schwör, isch hass des, siktir lan= „verpiss dich“). Dabei werden prosodische und phonetische Eigenschaften aus dem Türkischen übernommen und das Deutsche wird dabei 23 verfremdet, der Sprechrhythmus hat einen `stampfenden` Charakter.“
21 Auer, Peter: (2000) 'Türkenslang' - ein jugendsprachlicher Ethnolekt des Deutschen und seine Transformationen". In: A. Häcki Buhofer (Hrsg.), Spracherwerb und Lebensalter. Tübingen/Basel: Francke, S. 256..
22 Keim, Inken (2001): Sprachvariation und kommunikativer Stil in einer jugendlichen Migrantinnengruppe in Mannheim. In: List, Gudula/ List, Günther (Hg.): Quersprachigkeit- Zum transkulturellen Registergebrauch in Laut- und Gebärdensprachen. Tübingen. S. 65-87. 23 Keim, Inken (2001): Die Powergirls. Aspekte des kommunikativen Stils einer Migrantinnengruppe aus Mannheim. In: Jakobs, Eva/ Rothkegel, Annely (Hg.): Perspektiven auf Stil. Akten des Kolloquiums zum 60. Geburtstag von Barbara Sandig. S. 381.
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Keim geht der Annahme nach, dass das „Türkendeutsch“: „(…) mehr als eine vorübergehende Sprachmode ist. Bei der deutsch-türkischen Sprachmischung handele es sich zwar um eine reduzierte Sprache, aber das hat nichts mit Unsicherheiten oder grammatikalischen Fehlern zu tun. Die türkischstämmigen Jugendlichen sprechen in der Regel Deutsch und Türkisch sehr gut. Indem sie im `Türkendeutsch` Artikel und Präpositionen wegfallen lassen, zeigen sie, dass sie sich weder zur deutschen noch zur türkischen Gruppe zugehörig fühlen.“ 24
Neben Keim hat auch Volker Hinnenkamp 25 „das Türkendeutsch“ näher analysiert. Dabei stellt er ähnlich wie Keim fest, dass das „Türkendeutschs“ als Ausdruck der sozio- kulturellen Identität angewendet wird.
In Bezug zu den Sprachmischungen im „Türkendeutsch“ gibt es unterschiedliche Ansichten, „Lehrer und Betreuer von Jugendlichen türkischer Herkunft beispielsweise betrachten die Herausbildung ´misch-sprachlicher´ Formen eher mit Besorgnis“ 26 . Aytemiz unterstützt diese Auffassung und fügt hinzu, dass bei den Jugendlichen türkischer Herkunft eher die Rede von einer „doppelten Halbsprachigkeit“ 27 ist. Er behauptet, dass Kinder türkischer Herkunft, die ausschließlich das Schulsystem in Deutschland durchlaufen haben, weder über gute Türkischnoch Deutschkenntnisse verfügen. 28 Das Gegenteil belegen Hepsöyler/ Liebe-Harkort, so Banaz, die die Ansicht vertreten, dass man bei der zweiten türkischen Generation nicht von einer Halbsprachigkeit, sondern von dem Wechsel der Sprachdominanz sprechen kann. 29
24 Schmidt-Fink, Ekkehart (30.12.2002): Voll krass Alder. Von Türkendeutsch über Kanak Sprak zu Kanakisch (http://www.isoplan.de/aid/2002-4/sprache.htm).
25 Marszk, Doris: Kanak Sprak als Ausdruck sozialer Identität.
26 Keim, Inken/ Cindark, Ibrahim (2003): Deutsch- türkischer Mischcode in einer Migrantinnengruppe: Form von „Jugendsprache“ oder soziolektales Charakteristikum? In: Neuland, Eva (Hg.): Jugendsprache - Spiegel der Zeit. Tagungsband der internationalen Fachkonferenz in Wuppertal 2001. Frankfurt. S. 377.
27 Aytemiz, Aydin (1990): Zur Sprachkompetenz türkischer Schüler in Türkisch und Deutsch, Frankfurt am Main, Peter Lang GmbH, Seite 241.
28 Ebd. S. 241 zitiert nach Banaz, Halime (2002): Bilingualismus und Code- Switching bei der zweiten türkischen Generation in der Bundesrepublik Deutschland, S. 48.
29 Hepsöyler, E./ Liebe-Harkort, K.L. (1991): Muttersprache und Zweisprache, Frankfurt am Main, Peter Lang GmbH, S. 169 zitiert nach Banaz, Halime (2002): Bilingualismus und Code- Switching bei der zweiten türkischen Generation in der Bundesrepublik Deutschland, S. 48
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Sprachwissenschaftler dagegen treten Sprachmischungen eher als Ergebnis sprachlicher Kreativität und als Ausdruck einer eigenständigen sozial-kulturellen Identität entgegen. 30
„Diese Sprache hat zwei Aufgaben (…) zum einen soll sie den Jugendlichen Prestige verschaffen,
31 zum anderen dient sie als einfaches Kommunikationsmittel.“
2.3 Sprachentwicklung der ersten Generation
Die erste Generation der Einwanderer hat zu 90 % keinen organisierten Deutschunterricht genossen. 32 Am Arbeitsplatz und im Wohnviertel haben sie sich recht und schlecht gebrochene, als ausländisch erkennbare Varianten des Deutschen angeeignet. Dieses „Gastarbeiterdeutsch“ reicht dazu aus, elementare Kommunikation zu ermöglichen. Ein wichtiger Bestandteil bei der schlechten Sprachentwicklung ist, dass in vielen Großstädten Deutschlands ziemlich schnell nationale Infrastrukturen entstanden: Lebensmittelgeschäfte, Gaststätten, Reisebüros, Versicherungsagenturen usw., in denen Waren und Dienstleistungen in den Sprachen der Einwanderer angeboten werden.
Anfangs wurden an mehreren Arbeitsplätzen Dolmetscher für die Gastarbeiter eingesetzt bzw. angeboten. Diese Entwicklungen haben den Druck, Deutsch zu lernen, erheblich abgeschwächt und dazu beigetragen, dass nach wie vor viele Einwanderer nur schlecht und mit vielen Fehlern Deutsch sprechen. Hinzu kommt, dass die meisten Einwanderer mit der Rückkehrabsicht nach Deutschland kamen und somit die Motivation, die deutsche Sprache für einen kurzen Zeitraum zu lernen, nicht existierte.
30 Hinnenkamp, Volker (2002): Deutsch-türkisches Code-Mixing und Fragen der Hybridität. In: Hartung, W./Shethar, A. ( Hrsg): Kulturen und ihre Sprachen, S. 134 & Keim, Inken (2001): Die Powergirls. Aspekte des kommunikativen Stils einer Migrantinnengruppe aus Mannheim. In: Jakobs, Eva/ Rothkegel, Annely (Hg.): Perspektiven auf Stil. Akten des Kolloquiums zum 60. Geburtstag von Barbara Sandig. S. 376.
31 vgl. Hinnenkamp (2002).
32 Glück, Helmut/ Werner- Sauer, Wolfgang: (1997) Gegenwartsdeutsch, J. B. Metzler Verlag, Stuttgart-Weimar, 2. Auflage, S. 93
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2.3.1 Das „Gastarbeiterdeutsch“ der Eltern
„Unter Gastarbeiterdeutsch wird in der Spracherwerbsforschung das ungesteuert erworbene Deutsch von Migranten verstanden, die von Mitte der 50er bis Anfang der 70er Jahre als Gastarbeiter nach Deutschland kamen.“ 33 Diese meisten Gastarbeiter erwarben ihre Deutschkenntnisse in ihrer Arbeitswelt, so dass das beschränkte Sprachwissen auch in ihrem Alltag ausreichte.
Dieses Deutsch ist keine homogene Sprachform. Es besteht aus mehr oder weniger vereinfachten und pidginisierten Varietäten des Deutschen. Ähnlich wie bei Pidginsprachen ist das Lexikon beschränkt, einzelne Sprachformen werden übergeneralisiert und es werden nur einfache syntaktische Strukturen verwendet. „Die Gastarbeiterdeutsch-Varietäten reichen von sehr rudimentären deutschsprachigen Strukturen (mit starken Interferenzen im phonetischen und lexikalischen Bereich) bis zu weit entwickelten und bereits gut ausgebauten Strukturen, die der Zielvarietät „Regionaldeutsch“ sehr nahe kommen.“ 34 Zwischen diesen beiden Kontrasten nimmt man eine Reihe von Varietäten an, die sich in spezifischer Weise voneinander unterscheiden. Keim stellt fest, dass
„ (…) zum einen eine zunehmende Komplexität in verschiedenen morphosyntaktischen Bereichen erfolgt, wie beispielsweise bei der Bildung der Nominalphrase, die zunächst nur durch das Nomen gebildet werden kann, später aber auch durch ein Nomen, zu dem Determinativ, Adjektiv oder auch Attributsatz treten. Zum anderen erfolgt eine zunehmende Erweiterung und semantische Ausdifferenzierung der Lexik.“ 35
2.3.2 Merkmale des Gastarbeiterdeutschen
Das Gastarbeiterdeutsch der Türken unterscheidet sich im Gegensatz zu anderen Nationalitäten, da beim Gastarbeiterdeutsch die Ausgangssprache einen zentralen Aspekt bildet und der Sprecher sich auf diese stützt. Folgende Merkmale wurden beim
33 Keim, Inken (2002): Sprachvariation und Bedeutungskonstitution. Die Verwendung von Gastarbeiterdeutsch in Gesprächen junger Türkinnen. In: Deppermann, Arnulf/ Spranz- Fogasy, Thomas (Hg.): be-deuten. Wie Bedeutung im Gespräch entsteht. Tübingen. S. 138.
34 Keim. Inken (1984) : Untersuchungen zum Deutsch türkischer Arbeiter, Tübingen: Narr, S. 25
35 Ebd. (1984) S. 25
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Gastarbeiterdeutsch der Türken beobachtet: 36
-Verbendstellung im Hauptsatz: Bsp.: „Ich nach Hause gehen.“
-Ausfall des Artikels, der Präposition, der Kopula, des Substantivs, des Subjekts; Bsp.: „Ich gehe (nach) Hause.“, „ Ich kaufe (ein) Auto.“, „(Ich) gehe zur Arbeit.“
-Ausfall von Tempus-, Numerus- und Personenmarkierung; Bsp.: „ Der Mann laufen zur Arbeit.“
-Stellung der Negation vor dem Verb. (Beispiele) Bsp.: „Ich nichts wissen.“
2.3.3 Kurzer Sprachüberblick der türkischen Grammatik
Die türkische Sprache steht vor allem mit ihrer Satzstellung im Kontrast zum Deutschen, Spanischen u. Ä., denn im Türkischen steht das Prädikat in der Regel am Ende des Satzes. Aber auch grammatische Beziehungen stehen im Gegensatz zu anderen Sprachen, denn diese werden durch Aneinanderreihung (Agglutination) bestimmter grammatischer Morpheme an unveränderlich bleibende Wortstämme gekennzeichnet Das Bezugswort ändert dabei durch die Suffixe Inhalt oder Funktion. Wortbildung, Grammatik und Syntax sind nach diesem Prinzip organisiert, d. h., an den Wortstamm wird zum Ausdruck jeder grammatischen Kategorie ein formal eindeutiges und in fester Reihenfolge stehendes Suffix angehängt.
36 Ebd., S.26.
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Beispiel: masa masa + lar masa +lar + ımız Wortstamm (Wst) Wst + Plural (Pl) Ws t+ Pl + Possesivpronomen 1. Pers. Pl der Tisch die Tische unsere Tische
Das Türkische kennt keine Artikel.
Das pronominale Subjekt (ich, du etc.) kann im Türkischen entfallen, gesetzt wird es lediglich dann, wenn es betont wird.
Ich liebte. Statt: ben (ich) sevdim Ich liebte. Beispiel: sev- di-m
Wst-Vergangenheitsform - Possesivpronomen/ 1. Person (Pers.) Singular (Sg)
Wst - Vergangenheitsform- 2. Pers. Sg.
Daneben können auch Prädikat und Objekt weggelassen werden, wenn es sich um Strukturwörter ohne größere Relevanz für die Satzaussage handelt und die Bedeutung des Satzes eindeutig ist.
Die Kopula ist: okul çok güzel die Schule ist sehr schön (Schule) (sehr) (schön) Das unbetonte Pronomen als Objekt: -um ich weiß es nicht bil -mi -yor
Verbstamm-Negation Präsens- 1.Pers.Sing.
Einer der weiteren Besonderheiten des Türkischen ist, dass es durch Vokalharmonie gekennzeichnet ist, d. h. durch die Angleichung von Stuffixvokalen an den vorangegangen Vokal des Stammwortes. Nach dem Lautgesetz enthalten alle Wörter echt türkischen Ursprungs entweder helle (e, i, ö, ü) oder nur dunkle (a,ı ,o, u) Vokale, d. h., nur Vokale einer dieser beiden Gruppen können sich in einem Wort befinden, aber nicht gemischt. In einem türkischen Wort folgt nach dem dunklen Vokal ein dunkler, nach einem hellen Vokal ein heller. Diese Eigenschaft der türkischen Sprache nennt man „große Vokalharmonie“, zum Beispiel: oda (Zimmer)
Die kleine Vokalharmonie zeichnet sich anders aus.
Nach dem Zungenabstand sind die Vokale a, ı,o,u dunkel a,i,ö,ü hell
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Arbeit zitieren:
Nuran Aksoy, 2005, Türkendeutsch. Ein Ethnolekt des Deutschen?, München, GRIN Verlag GmbH
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