Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite2
2. DasViktorianischeZeitalterunddieRollederFrau Seite2
3. CharlesDickens-EineBiographie Seite7
4. DasFrauenbilddesCharlesDickens Seite9
5. DickensFrauengestalten Seite12
5.1EstherSummerson Seite12
5.2LadyDedlock Seite14
5.3RosaBud Seite16
6. EineabschließendeBemerkung Seite16
Literaturverzeichnis Seite18
1.Einleitung
AlsEdgarEllenPoeseineMadameL’Espanaye,wohnhaftinderRueMorgue Paris, von einem Affen auf bestialische Weise umbringen ließ und daraufhin den ebenso genialen wie exzentrischen Auguste Dupin auf den Fall ansetzte kreiertederenglischeAutorimJahre1841einGenre,dasbisheutenichtsan seinerFaszinationeingebüßthat-denDetektivroman. Alle klassischen Elemente waren Vorhanden: Das LockedRoomPuzzle, der Watson,dieverstecktenClues.
DasRätselumDieMordeinderRueMorgueistsomitVorbildfürjedeweitere ErzählunginderlangenGeschichtederDetektivromane. Auch Poes Zeitgenosse Charles Dickens schrieb Romane, deren zentrales Element ein Mord ist, die sich jedoch stark vom etablierten Schema des Detektivromans abgrenzen: Nicht das Rätsel um die Tat und deren anschließendeAufklärungstehtimVordergrund,sonderndieGeschichtender Personen,die(oftnuramRande)mitdemeigentlichenMordzutunhaben. Oft erstreckt sich die Handlung über Monate, wenn nicht Jahre. Die Figuren sind verstrickt in ein kompliziertes Netz aus Beziehungen, das sich laufend verändert.EsgehtumihreBiographienundihreEntwicklung.DerMordwird zur Randerscheinung. Und immer befinden sich unter den wichtigsten GestaltenauchFrauen.
Genau diese Frauen sollen im Folgenden durchleuchtet werden. Speziell betrachtet werden Rosa Bud aus Der Fall Edwin Drood sowie Esther SummersonundLadyDedlockausBleakHouse.
2.DasViktorianischeZeitalterunddieRollederFrau DieBühne,aufdersichdieRomanevonDickensabspielenistdasLondon(in weiterenKreisendassüdlicheEngland)desViktorianischenZeitalters. AlsdasViktorianischeZeitalterbezeichnetmandieRegierungszeitvonKönigin Victoriavon1837bis1901.
Hervorstechendstes Merkmal dieser Zeit ist die Industrialisierung Europas, speziellEnglands.
Durch den Einsatz von Dampfmaschinen und später Motoren erfuhr die GesellschafteinenniegekanntenWandel. Waren konnten in Mengen produziert und mit Geschwindigkeiten transportiertwerden,diewenigeJahrezuvorunvorstellbarwaren. In England eröffneten hunderte neue Bergwerke, zahllose Fabriken und Veredelungsbetriebe. Innerhalb weniger Jahre war die Insel durchzogen von einem Eisenbahnnetz. Der Bedarf an Arbeitskräften war gewaltig. Menschen ausganzEuropawieauchausdenKoloniendesEmpirezogennachEnglandin derHoffnungaufeinbesseresLeben.
Die Einwohnerzahl des Vereinigten Königreiches verdoppelte sich innerhalb vonfünfzigJahren.LondonwurdezurerstenechtenMetropolederWeltmit übereinerMillionenEinwohnern.
Doch nur wenige fanden ihr Glück. Vielmehr führte die Industrialisierung zu einer neuen Dreiklassengesellschaft, deren Grenzen stark gezogen waren. GanzobenstandennebendemaltenAdeldiewenigeMenschen,diemitder Industrialisierung reich geworden waren: Fabrik und Bergwerkbesitzer, Reeder und erfolgreiche Geschäftsleute. Man sprach zum ersten Mal vom Geldadel.
Darunter kam eine gebildete Mittelschicht, hauptsächlich bestehend aus Beamten und Verwaltungsangestellten in den zahlreichen neuen Betrieben. AuchkleineGeschäftsleutezähltenhierzu.DieseMenschenhatteninderRegel eine gute Schulbildung genossen, die es ihnen ermöglichte, Berufe in mittlerenPositionenzuergreifen.
Ganz unten stand der gemeine Arbeiter. Er war tätig in den Fabriken, in BergwerkenoderandenDocks.ZweiDrittelderBevölkerunggehörtendieser Unterschichtan
DieBedingungenunterdenendieseMenschenarbeitenmusstenwareninder Regel menschenunwürdig. Arbeitstage von zehn Stunden waren die Regel; manarbeitetesechsTagedieWoche.SchulbildungwardieAusnahme,meist besuchtendiearmenMenschenwenigeJahreeineöffentlicheoderkirchliche SchuleumzumindestdieGrundlagendesLesensundRechnenszulernen.So
fingenvieleKinderbereitsimAltervonzehnoderzwölfJahrenanzuarbeiten; meist unter schlimmeren Bedingungen als die Erwachsenen. Aufgrund ihrer geringen Körpergröße wurden sie oft benutzt für den Einsatz in Bergwerken wo sie gezwungen waren in nur wenigen Zentimeter hohen Stollen ohne SchutzkleidungzukriechenumErzundKohleabzubauen.DieArbeiterfamilien lebten in der Regel in unmittelbarer Nähe der Fabriken und Bergwerke und sahensichständigdenvondiesenproduziertenGiftstoffenausgesetzt. HinzukamdervonihnenselbstproduzierteUnrat. WenigeMenschenderUnterschichterlebtenihrenvierzigstenGeburtstag.
ErstgegenEndederÄrastelltesichBesserungein. DiegroßenStädte,zuallererstLondon,erhielteneineeigeneKanalisation. EsentstandenArbeitersiedlungen,dieabseitsderFabrikenlagen.Dazukames zu Reformen im Gesundheitswesen und Arbeitsrecht. Auch das Bildungswesenwurdereformiert.
Dennoch schien die Aufteilung der Gesellschaft in drei Klassen zu Dickens LebzeiteninSteingemeißeltzusein.
DieszeichnetesichauchinderAusgestaltungderFreizeitab. Adel und Oberschicht bevorzugten Beschäftigungen, die ähnlich luxuriös warenwieihrsonstigerLebenswandel:EswurdenrauschendeFestegefeiert auf denen viel gegessen und noch mehr getrunken wurde. Man ging zu Modenschauen und kaufte Kleider deren Preis das Jahresgehalt eines Fabrikarbeiters bei weitem überstieg. Teure Hobbies wir die Pferdezucht warenebensobeliebt.
Die Unterschicht verbrachte ihre wenige Freizeit dagegen vor allem damit, ihre Sorgenin Alkohol zu ertränken. Man besuchte Kneipen und frönte dem Glückspiel.
AngehörigederMittelschichtdagegenversuchtensichvonder‚unzivilisierten‘ UnterschichtunddenAusschweifungendesAdelsabzugrenzen.
Alkohol und Glücksspiel waren verpönt, ebenso wie der übermäßige Exzess, dem sich die Oberschicht gerne hingab.Man führte ein religiöses Leben und hieltmoralischeWertehoch.
Als akzeptierte Freizeitbeschäftigungen galten vor allem der Besuch von Theater,Oper,KonzertenoderanderenkulturellenVeranstaltungen. AuchHobbiesmitnaturwissenschaftlichemHintergrundwarenbeliebt.Esgab zahlreicheFreizeitornithologen,MineralienoderSchmetterlingssammler.
InsgesamtistdasViktorianischeZeitalteralsoeineÄradesWandelsunddes Aufbruchs.
Die Gesellschaft erlebte einen Umbruch, der in der Geschichte der MenschheitohneGleichenist.
Doch vor allem soziale Unterschiede, ihre Nöte, Moralvorstellungen und ihr Lebenswandel sind charakteristisch für das Viktorianische Zeitalter und stets einzentralesMotivindenRomanenvonCharlesDickens.
Das Bild und die Rolle der Frau im Viktorianischen Zeitalter sind direkt zurückzuführen auf die Lehren der Kirche, deren Einfluss vor allem auf das LebenderMenschenderMittelschichtbesondersstarkwar. Lautdieserhatsich„nachdenbiblischenTextendesheiligenPaulusdieFrau dem Mann zu unterwerfen und als religiöse und moralische Leitfigur in der
Dies führte zu einer ambivalenten Position der Frauen in der Gesellschaft. InnerhalbderFamiliehattensieeinestarkeStellung.IhrWortwarGesetzin FragenvonEthik,MoralundErziehung. AußerhalbderFamiliejedochwarihreStellungumsoschwächer. ZurückführendaufihrevonderKirchedefinierteRollekamenihneninnerhalb der Gesellschaft keine anderen Aufgaben zu. So war es nicht üblich, dass FraueneinenBeruferlernten,politischeÄmterbekleidetenoderaufsonstige ArtgesellschaftlichenEinflussausübenkonnten.
1 Levine1987,S.1112
Arbeit zitieren:
Florian Stary, 2010, Frauengestalten in Detektivromanen von Charles Dickens, München, GRIN Verlag GmbH
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