...Danke!...
Ich möchte allen herzlich danken, die direkt und indirekt zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen haben:
Besonderer Dank gilt Herrn Univ.-Prof. Dr. Hannes Haas, der dieses Thema mit Interesse aufgenommen hat, mir wertvolle Tipps in Planung, Durchführung und Gestaltung meiner Arbeit gegeben hat und mich durch seine positive und humorvolle Art immerzu motivieren konnte.
Ich danke auch meiner langjährigen Freundin und Studienkollegin Veronika, denn ohne sie hätte mein Studium und vor allem die Zeit dazwischen nicht annähernd so viel Spaß gemacht.
Außerdem möchte ich Andrea danken, die mir in allen Angelegenheiten meines Lebens mit „kusinlichem“ Rat und Tat zur Seite steht und viel dazu beigetragen hat, dass ich diese Arbeit fertig stellen konnte.
Danke an alle anderen Verwandten und FreundInnen, die immer ein offenes Ohr für mich und diese Arbeit hatten und an alle neu gewonnenen virtuellen Bekanntschaften, besonders Rene und Julia, die mich mit ihrem Fachwissen tatkräftig unterstützten. Danke auch an die Mitarbeiter der Investkredit Bank AG, dass sie mir die Möglichkeit gaben und geben, unschätzbare Erfahrungen in der Praxis zu sammeln.
- I -
INHALT
ABBILDUNGSVERZEICHNIS VI
EINLEITUNG 1
Ziele der theoretischen Überlegungen. 1
Zum Aufbau der Arbeit 3
Ziele der empirischen Datenerhebung, Untersuchungsgegenstände. 6
THEORETISCHER TEIL
1. DIE TECHNISCHE STRUKTUR DES NETZWERKS INTERNET 9
1.1. Netzwerk Internet - eine Vielzahl von lokalen Netzwerken in einem
globalen Metanetzwerk. 9
1.2. Vom ARPANET zum WWW - zur Geschichte des Internet 11
1.3. Zentrale Administration im Metanetzwerk Internet - Adressenzuordnung
der Rechner, IP-Adresse und Domain Name. 14
1.4. Asynchrone Kommunikationsanwendungen im Internet 16
1.4.1. E-Mail - die älteste Kommunikationsanwendung. 17
1.4.2. Das Usenet - eine Vielzahl von Nachrichtenforen, Newsgroups. 18
1.4.2.1. Die Struktur des Usenet. 19
1.4.2.2. Moderierte und unmoderierte Diskussionsgruppen 21
1.5. Die Auswirkungen der technischen Struktur auf die Möglichkeiten und
Grenzen einer Regulierung und Kontrolle der Online-Kommunikation. 23
1.5.1. Die paketvermittelte Kommunikation. 23
1.5.2. Der Zugang zur Kryptografie und zu anonymisierenden Werkzeugen. 24
1.5.3. Die dezentrale Organisation. 25
2. DIE SOZIALE STRUKTUR DES GLOBALEN NETZWERKES INTERNET
- „VIRTUELLE GEMEINSCHAFTEN“? 26
2.1. Die Akteure im Internet 26
- II -
2.1.1. Die Typologie von Internetnutzern nach Döring (1999b) 28
2.1.1.1. Newbie und Oldbie - Neulinge treffen auf bereits Dagewesene. 29
2.1.1.2. Lurker und Poster - passives und aktives Kommunikationsverhalten.
30
2.1.1.3. Light User und Heavy User - vom Gelegenheitsnutzer zum
Computerfreak. 31
2.1.2. Institutionen und Vereinigungen. 32
2.1.2.1. Normative Organisationen: Die Internet Society (ISO)C, die Electronic
Frontier Foundation (EFF) und die Cyberangels. 33
2.1.2.2. Administrative Organisationen: Die Internet Corporation for
Assigned Names and Numbers (ICANN) - eine Regierung für das
Internet?............................................................................................... 35
2.2. Virtuelle Gemeinschaften 36
2.2.1. Definitionen von virtuellen Gemeinschaften. 36
2.2.2. Kritik am virtuellen Gemeinschaftsbegriff - sind „Virtual Communities“
Mythos oder Realität? 40
3. WESEN UND EIGENSCHAFTEN DER COMPUTERVERMITTELTEN
KOMMUNIKATION 42
3.1. Theorien zur computervermittelten Kommunikation 43
3.1.1. Die Theorie der Kanalreduktion - Verarmung und Entleerung der
Kommunikation 43
3.1.2. Informationsverlust durch das Fehlen sozialer Hinweisreize 44
3.1.3. Neue soziale Fertigkeiten - soziale Informationsverarbeitung. 45
3.1.4. Andere Theorien 45
3.2. Formen des expressiven Ausdrucks in der CMC - „schriftlich sprechen“ 46
3.2.1. Emoticons 48
3.2.2. Akronyme 49
3.2.3. Disclaimer. 50
3.2.4. Aktionswörter, Soundwörter. 51
4. SOZIALE KONFLIKTE IN VIRTUELLEN GRUPPEN 51
4.1. CMC- bedingte Konflikte 52
- III -
4.1.1. Das Fehlen von regulierendem Feedback und die dramaturgische
Schw äche. 52
4.1.2. Das Fehlen von sozialen Merkmalen und die soziale Anonymität. 53
4.2. Soziale Dilemmata in der virtuellen Gruppe - das Problem der Kooperation
55
4.2.1. Das Problem der limitierten Bandbreite als sog. „Public Good“ 56
4.2.2. Das Problem der Diskrepanz zwischen passiver Nutzung und aktiver
Partizipation. 57
4.2.3. Das Problem der Relevanz - „Off-Topic“ oder „On-topic“? 57
4.2.4. Das Problem der sozialen Normen in der Gruppe. 57
4.3. Disfunktionales menschliches Verhalten in der CMC 58
4.3.1. Ökonomisch aggressive Disfunktionalität: Spamming, Junk-Mail. 59
4.3.2. Sozial aggressive Disfunktionalität: Flaming 59
5. MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN EINER REGULIERUNG UND
KONTROLLE DER KOMMUNIKATIONSVORGÄNGE IM INTERNET 61
5.1. Regulierung und Kontrolle vs. anarchistische Freiheitsidee: ist das Internet
ein anarchistischer, gesetzloser Freiheitsraum? 61
5.2. Modelle zur Darstellung der vorhandenen Regulierungsmechanismen im
Internet 63
5.3. Rechtliche Regulierungsmechanismen - Kontrolle durch Gesetze 66
5.3.1. Problemfeld: Urheberrecht in digitalen Welten. 67
5.3.2. Lösungsansätze - Ethik, Kryptografie und technische Innovationen. 69
5.4. Politische Regulierungsmechanismen - Kontrolle durch die Regierung. 71
5.4.1. Problemfeld: Meinungsfreiheit versus Zensur. 73
5.4.2. Lösungsansätze: Labellierungs- und Filterungssysteme, ICANN - eine
eigene Regierung für das Internet. 76
5.5. Wirtschaftliche Regulierungsmechanismen - Kontrolle durch die Gesetze
der Privatwirtschaft. 77
5.5.1. Problemfeld: Kommerzialisierung - Internet als Dienstleistung,
Paradigmenwechsel vom „Pull“- zum „Push“-Medium? 80
5.5.2. Lösungsansätze - Regulierungsmix, Wirtschaftsethik. 83
5.6. Soziale Regulierungsmechanismen - Kontrolle durch Verhaltensnormen 84
- IV -
6. DIE NETIQUETTE ALS SELBSTREGULIERENDES INSTRUMENT ZUR
L ÖSUNG SOZIALER KONFLIKTE IN DER COMPUTERVERMITTELTEN
KOMMUNIKATION 86
6.1. Die Netiquette - Definitionen und Begriffserklärungen 86
6.2. Die historische Entwicklung der Netiquette. 90
6.3. Die Regulierungsgegenstände der Netiquette 93
6.3.1. Verhaltensrichtlinien zum richtigen Umgang mit den vorhandenen
technischen Ressourcen. 94
6.3.2. Verhaltensrichtlinien zum richtigen Umgang mit anderen Menschen. 95
6.3.3. Richtiges Verhalten in der E-Mail-Kommunikation 96
6.3.4. Richtiges Verhalten in der Kommunikation in Newsgroups 97
6.3.5. Verhaltensrichtlinien zum Gebrauch der richtigen Sprache und
Ausdrucksweise. 98
6.4. Die Sanktionsmaßnahmen der Netiquette. 99
6.4.1. Die Durchsetzungskraft der Sanktionen anhand des Fallbeispiels „Corsar
Argic “ 101
6.5. Problemfeld: Unverbindliche Verhaltensrichtlinien oder obligatorische
Regeln ? - zur Durchsetzungskraft der Netiquette. 104
EMPIRISCHER TEIL
7. FORSCHUNGSFRAGEN 107
8. METHODE 108
8.1. Aufbau und technische Umsetzung des Online-Fragebogens 109
8.2. Untersuchungsteilnehmer, -durchführung 111
8.2.1. Selektion der Stichprobe, Stichprobenrekrutierung. 112
8.2.2. Beschreibung der Stichprobe. 113
9. PRÄSENTATION UND INTERPRETATION DER ERGEBNISSE 116
9.1. Ergebnisse zum Untersuchungsbereich „Bekanntheit der
Netiquetterichtlinien “ 116
- V -
9.2. Ergebnisse zum Untersuchungsbereich „Stellenwert der
Netiquetterichtlinien “ 119
9.3. Ergebnisse zum Untersuchungsbereich „Alltagsanwendung der
Netiquetterichtlinien “ 123
9.4. Ergebnisse zum Untersuchungsbereich „Konfrontation mit den
Netiquetterichtlinien und Sanktionsmaßnahmen“ 128
9.4.1. Konfrontation und Erlernen der Netiquette 129
9.4.2. Verstöße gegen die Netiquette 133
9.4.3. Hinweise auf die Netiquette. 134
9.4.4. Konfrontation mit Sanktionsmaßnahmen. 135
9.5. Ergebnisse zum Untersuchungsbereich „Werte der Internetnutzer“ 137
9.6. Ergebnisse zum Untersuchungsbereich „Akzeptanz der
Regulierungsmechanismen unter den Internetnutzern“ 138
10. ZUSAMMENFASSUNG 142
GLOSSAR 148
LITERATURVERZEICHNIS 153
- VI - ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Inhalte der vorliegenden Arbeit. .................................................................3 Abbildung 2: Informations- und Kommunikationsanwendungen im Internet
(Eigendarstellung)..................................................................................... 16 Abbildung 3: Die „Big-Seven“ Haupthierarchien des Usenet (Eigendarstellung)......... 20 Abbildung 4: Das Prinzip der Paketvermittlung (Beck 1999, S. 13).............................. 24 Abbildung 5: Sternförmige und verteilte Netzwerktypologie (Musch 1999, S. 18)..... 25 Abbildung 6: Gängige Smilies in der CMC (Husmann, 1998, S. 35ff). ......................... 49 Abbildung 7: Gängige Akronyme in der CMC (Husmann, 1998, S. 37ff)..................... 50 Abbildung 8: Die Regulierungsinstrumente (Gesetze, Verträge, Nutzungsordnungen
Abbildung 9: Customer-Provider und Customer-Customer Beziehungen im Internet in
Abbildung 10: Altersverteilung der Stichprobe in Prozent %. ...................................... 113 Abbildung 11: Verteilung des Ausbildungsgrades der Stichprobe in Prozent %. ........ 113 Abbildung 12: Aufteilung des beruflichen Status der Stichprobe in Prozent %. ......... 114 Abbildung 13: Nutzungsgewohnheiten der Internetnutzer - Gegenüberstellung von E-Mail- und Newsgroup-Nutzung............................................................. 115 Abbildung 14: Welche der folgenden 20 Regeln der Netiquette kennst du?
Abbildung 15: Wie stufst du ganz allgemein die Wichtigkeit folgender 20
Abbildung 16: Stellenwert der Netiquette in der E-Mail-Kommunikation und in der Newsgroup-Kommunikation im Vergleich (Angaben in %).................. 121 Abbildung 17: Durchschnittswerte im Stellenwert der Netiquette in der E-Mail-Kommunikation im Vergleich zur Newsgroup-Kommunikation........... 122 Abbildung 18: ...und gib an, wie oft du dich an die jeweilige Regel hältst, wenn du
Abbildung 19: ... und gib an, wie oft du dich an die jeweilige Regel hältst, wenn du
Abbildung 20: Durchschnittswerte in der Anwendung der Netiquette in der E-Mail-Kommunikation im Vergleich zur Newsgroup-Kommunikation........... 127 Abbildung 21: Wie hast du von der Existenz der Netiquette und ihren Regeln erfahren? (Angaben in Prozent %). ........................................................................ 129 Abbildung 22: In welches der folgenden Dokumente hast du schon einmal Einsicht genommen? (Angaben in Prozent %).................................................... 132 Abbildung 23: Hast du schon einmal gegen eine Regel der Netiquette verstoßen?.... 133 Abbildung 24: Hast du schon einmal einen anderen Internetnutzer auf die Regeln der Netiquette hingewiesen?........................................................................ 134 Abbildung 25: Bist du schon einmal mit Sanktionsmaßnahmen (z.B. Mail Bombing, Kill Files, ...) der Netiquette konfrontiert worden?...................................... 135 Abbildung 26: Hast du schon einmal selbst jemanden sanktioniert, der gegen die Netiquette verstoßen hat? ..................................................................... 136
- VIII - Abbildung27: Die Werte der Internetnutzer (Reihung nach Gewichtung, Häufigkeiten
in der Reihung). ...................................................................................... 137 Abbildung 28: Bitte entscheide, in welchem Ausmaß die Aussage auf dich zutrifft oder
Abbildung 29: Inhalte, Problemfelder und Lösungsansätze der 4
- 1 - EINLEITUNG
Ziele der theoretischen Überlegungen
Das Internet spielt als relativ neues Kommunikationsmedium eine immer größere Rolle im weltweiten Austausch von digitalen Informationen. Immer häufiger läuft der gesamte Kommunikationsprozess zwischen zwei und mehreren Individuen gänzlich über Anwendungen des Internet ab.
Für eine optimale Gestaltung der Kommunikationsabläufe im Internet, gleichgültig, ob es sich dabei lediglich um private, virtuelle Unterhaltungen in der Freizeitgestaltung oder aber um geschäftliche Kommunikationstätigkeiten im Rahmen von z.B. PR- oder Werbeaktionen für ein Unternehmen handelt, ist es notwendig, sich mit den Regeln auseinander zu setzen, welche die Kommunikation im Netzwerk Internet bestimmen. Nur auf diese Weise lässt sich die zwischenmenschliche Kommunikation optimieren und die gewünschten (Kommunikations-)Ziele (z.B. Verständigung, Unterhaltung, Profitmaximierung, usw...) erreichen.
Kommunikation verläuft generell immer nach bestimmten Regeln und ohne das Wissen um diese Regeln ist es nicht möglich, einen erfolgreichen Austausch von Informationen zu gewährleisten. Für jedes neue Medium entstehen in der Kommunikationspraxis medienspezifische Regeln und Verhaltensvorschreibungen, die nach einer Optimierung der Kommunikationsabläufe streben. Diese Regeln, die anfangs explizit gemacht werden müssen, wenn das Medium noch relativ neu und ungewohnt für seine Nutzer ist, werden später in sozialen Prozessen normiert und verinnerlicht. Internalisierte Verhaltensnormen haben das Ziel Verständigungsprobleme und andere Konflikte in der Kommunikation, die durch die Beschaffenheit des Mediums auftreten können, im Vorfeld auszuschließen.
Das Internet bietet seinen Anwendern sehr vielfältige Möglichkeiten Kommunikation zu betreiben. Von einem einfachen Austausch von elektronischen Nachrichten (E-Mail) bis hin zu komplexeren Konferenzsystemen (Mailing Lists, Newsgroups) und virtuellen „Plauderecken“ (Chatrooms), ist im weltweiten Netz alles möglich. Gerade die
- 2 -Vielfältigkeit der Kommunikationsmöglichkeiten und die Tatsache, dass es keine geographische Begrenzung für sie gibt, macht es sehr wichtig, die strukturgebenden Regeln der Internet-Kommunikation zu kennen und zu verstehen. Ein Verhaltenscode ist in virtuellen Räumen, in denen aktiv kommuniziert wird, unumgänglich, da Internetnutzer hier mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und kulturellen Hintergrunds in Kontakt treten. Wenn die ethischen Normen und Verhaltenscodes verschiedenster Gesellschaften aufeinanderprallen, muss es eine informelle, grenzüberschreitende Form der Regelung geben, damit die Gemeinschaft nicht durch ungelöste Konflikte auseinander bricht.
Der Ruf nach regulierenden Eingriffen in die internationale Kommunikation wird nach aktuellen bedrohlichen Ereignissen krimineller Art (Kinderpornografie, Computerviren, usw...) für die Internetnutzer immer lauter. Die Kommunikationsrealität des Internet zeigt, dass sich in Abwehr dieser Bedrohungen bereits Glaubensnetze und Moralvorstellungen gebildet haben, die von unterschiedlichen Kulturen gewoben sind und sich in Form eines übergeordneten Regelwerkes, der „Netzwerk Etikette“ (Netiquette), miteinander verflechten. Die Netiquette ist nichts anderes, als eine schriftliche Zusammenfassung der gesellschaftlichen Umgangsformen und Regeln, die allgemein bei der Benutzung von Computernetzwerken zu beachten sind. Die starke Nachfrage an einer Regulierung und Kontrolle der Kommunikationsabläufe durch Regeln und Verhaltensvorschreibungen ist keine für das Medium Internet spezifische Entwicklung, sondern ein ganz normaler Prozess, der auftritt, wenn sich ein neues Medium zur Vermittlung von Informationen durchsetzt. Als z.B. das Telefon erstmals in der zwischenmenschlichen Kommunikation eingesetzt wurde und für seine Anwender noch neu und ungewohnt war, entstanden ähnliche explizite Regeln zu seiner richtigen Anwendung, die sich bis heute als selbstverständliche Verhaltensrichtlinien bewahrt haben und noch immer in den aktuellen Telekommunikationsgesetzen wiederzufinden sind.
Ziel dieser Arbeit ist nicht eine isolierte Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Netiquette“, sondern eine umfassendere Analyse ihrer Entstehung, Inhalte und Problemfelder als soziales Regulierungsinstrument und ihren weitaus interessanteren
- 3 -Interdependenzen zu anderen regulierenden Mechanismen aus dem rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Bereich. Alle diese Bereiche wirken regulierend und kontrollierend auf die Kommunikationsprozesse im Internet ein. Viele scheitern durch die Beschaffenheit des Mediums Internet schon in ihren Ansätzen, da sie sich weitgehend zu wenig an die spezifischen Kommunikationsbedingungen des Netzes anpassen. Welche Problemfelder in welchen Bereichen auftreten und welche Lösungsansätze rechtliche, politische, wirtschaftliche und soziale Regulierungsmechanismen bieten können, ist ein zentraler Punkt des Erkenntnisinteresses dieser Arbeit.
Zum Aufbau der Arbeit
Abbildung 1: Inhalte der vorliegenden Arbeit.
In Kapitel 1 meiner Arbeit steht eine Analyse des technischen Aufbaus und der administrativen Organisation des globalen Netzwerkes Internet im Vordergrund. Es soll erarbeitet werden, wie das Internet als Metanetzwerk aufgebaut ist, welche Rolle seine historische Entwicklung für die aktuelle Situation des Mediums spielt, welche Chancen
- 4 -sich daraus für die zwischenmenschliche Kommunikation bieten und welche Auswirkungen seine technische Beschaffenheit auf die Möglichkeiten und Grenzen einer Regulierung der computervermittelten Kommunikation hat, d.h. inwieweit eine derartige Administration, wie sie das Internet seinen Nutzern bereitstellt, eine Kontrollmöglichkeit bieten oder eine Regelung durch bestimmte Organe ermöglichen kann.
Die theoretische Auseinandersetzung mit den technischen Strukturen des Internet dient als Basis für eine Untersuchung der sozialen Organisation von virtuellen Gemeinschaften, die in Kapitel 2 dieser Arbeit im Vordergrund steht. In den Kommunikationsräumen des Internet kann man eine Entstehung von sozialen Gefügen beobachten - von Institutionen und Organisationen, deren professionelles Anliegen die Entwicklung und Erhaltung des Internet ist, bis hin zu virtuellen Gemeinschaften, deren Existenz aber zum heutigen wissenschaftlichen Stand noch umstritten ist. Jedes soziale Gefüge wird durch bestimmte Mechanismen kontrolliert und reguliert - diese Mechanismen sollen in späterer Folge herausgearbeitet werden. Im Hinblick auf die sich herausbildenden Regulierungs- und Kontrollmechanismen ist es notwendig, sich zuerst einen Überblick zu verschaffen, wer die Akteure im Internet sind, d.h. welche Menschen welche Rollen und Aufgaben in den weltweiten Kommunikationsprozessen im Netz übernehmen.
In Kapitel 3 dieser Arbeit möchte ich mich mit dem Wesen und Eigenschaften der computervermittelten Kommunikation (kurz: CMC) beschäftigen. Der kommunikative Charakter der CMC spielt in der Debatte um eine Regulierung und Kontrolle der Kommunikationsvorgänge im Internet eine große Rolle, denn durch den eigenen Stil und Rhetorik in der Kommunikation sowie die spezifische Sprache und Ausdrucksformen, die in der CMC von den Nutzern entwickelt werden, entstehen häufig zwischenmenschliche Konflikte, die eine existenzielle Gefährdung für die virtuelle Gruppe darstellen. Die Regelungen der individuellen Umgangsformen und die Festlegung von sozial erwünschtem und unerwünschtem Verhalten in virtuellen Gemeinschaften sind aus den Erfahrungen der Internetnutzer mit computervermittelter Kommunikation entstanden. Um die Verhaltensnormen der Netiquette verstehen zu können, ist es notwendig, sich mit den kommunikationswissenschaftlichen Theorien zur CMC und den spezifischen Formen des expressiven Ausdrucks vertraut zu machen, denn
- 5 -die einzelnen Regeln der Netiquette setzen in den sprachlichen Dispositionen der CMC an.
In Kapitel 4 soll näher untersucht werden, welche sozialen Konflikte in virtuellen Gruppen entstehen können, die einerseits durch das Wesen und die Eigenschaften der CMC verursacht werden, andererseits durch gegebene soziale Dilemmata in der virtuellen Gruppe und durch bewusstes und unbewusstes disfunktionales menschliches Verhalten ausgelöst werden. Diese sozialen Konflikte machen eine Regulierung und Kontrolle erst notwendig.
In Kapitel 5 dieser Arbeit möchte ich der Frage nachgehen, ob es im Internet bereits etablierte Formen der Regulierung gibt, oder ob der weitverbreiteten Idee vom Internet als letzte Freiheitsbastion („the last frontier“) tatsächlich Glauben zu schenken ist. Der Versuch, die komplizierten Regulierungsmechanismen im Internet in wissenschaftlichen Modellen darzustellen, soll nachvollzogen und schließlich 4 Formen der Regulierung gegenübergestellt werden: rechtliche, politische, wirtschaftliche und soziale Regulierungsmechanismen. Alle 4 Mechanismen sollen in ihren Möglichkeiten und Grenzen für eine Regulierung und Kontrolle der Kommunikationsvorgänge im Internet untersucht, konkrete Problemfelder herausgearbeitet und mögliche Lösungsansätze aus jedem Bereich vorgeschlagen werden.
In Kapitel 6 möchte ich die Netiquette als Beispiel für einen bestehenden selbstregulierenden, sozialen Mechanismus näher herausarbeiten. Nach einer Auseinandersetzung mit Definitionen und Begriffserklärungen aus der vorhandenen Literatur, der historischen Entwicklung der Netiquette, ihren tatsächlichen Inhalten (Regulierungsgegenstände) und den Sanktionsmaßnahmen, die sie begleiten, soll es möglich sein, die Vorteile (Medienadäquatheit) und Nachteile (Probleme in der Durchsetzungskraft) dieses Regulierungsmechanismus kritisch aufzuzeigen.
- 6 - Zieleder empirischen Datenerhebung, Untersuchungsgegenstände
Die Netiquette ist ein weit umfassendes Regelwerk und überspannt eine Fülle von sehr unterschiedlichen Kommunikationsanwendungen im Internet. Um dieser Komplexität Rechnung zu tragen, definiert sie eine Vielzahl von allgemeingültigen Universalregeln, dennoch passen sich soziale Verhaltensnormen immer den Gegebenheiten der jeweiligen Anwendung an, d.h. es entwickeln sich spezifische Regeln für jeden Anwendungsbereich.
Um die Komplexität der Netiquette in die Größenordnung einer empirischen Datenerhebung im Rahmen einer Diplomarbeit zu bringen, war es notwendig, sich auf zwei ähnliche Anwendungen zu konzentrieren, einerseits um den Überblick über das gesamte Regelwerk der Netiquette zu behalten, andererseits um eine adäquate Vergleichsbasis der einzelnen Verhaltensregeln untereinander schaffen zu können. Zu diesem Zwecke habe ich 2 Kommunikationsanwendungen aus der Fülle von Möglichkeiten herausgegriffen und gegenübergestellt:
@ die E-Mail, als Beispiel für eine asynchrone Kommunikationsanwendung, die nach dem „one-to-one“-Kommunikationsprinzip verläuft, d.h. nach einem Prinzip, in dem eine Person privat mit einer anderen Person kommuniziert;
@ das Usenet bzw. Newsgroups oder Netnews, als Beispiel für eine asynchrone Kommunikationsanwendung, die nach dem „one-to-many“ bzw. „many-tomany“-Prinzip verläuft, d.h. nach einem Prinzip, in dem eine Person mit vielen Personen oder viele Personen mit Vielen öffentlich kommunizieren. Die technische Funktionsweise und der Verlauf der Kommunikation in diesen beiden Kommunikationsanwendungen folgt ähnlichen Abläufen, deshalb sind auch die Verhaltensrichtlinien der Netiquette, die sich auf diese zwei Bereiche konzentrieren, miteinander vergleichbar.
- 7 -Folgende Untersuchungsbereiche sind im Zusammenhang mit dem theoretischen Rahmen von Relevanz und sollen in Bezug auf die beiden
Kommunikationsanwendungen empirisch herausgearbeitet werden:
@ der Bekanntheitsgrad,
@ der Stellenwert,
@ die Alltagsanwendung und
@ die Art der Konfrontation mit den Verhaltensregeln der Netiquette.
Der erhobene Bekanntheitsgrad soll Aufschluss darüber geben, wie gut bzw. wie schlecht die Internetnutzer die einzelnen Verhaltensregeln der Netiquette kennen. Der erhobene Stellenwert soll angeben, wie wichtig die einzelnen Richtlinien für die Internetnutzer eingestuft werden. Weiters ist die tatsächliche Alltagsanwendung der Netiquette unter den Internetnutzern interessant, d.h. wie oft und ob sich Internetnutzer an die Regeln der Netiquette halten und ob und in welcher Weise sie mit ihr und ihren begleitenden Sanktionsmaßnahmen konfrontiert werden. Die Verhaltensrichtlinien für die zwei Anwendungsbereiche - E-Mail und Usenet - sind sehr umfassend und müssen im Zuge der Operationalisierung in 5 Kategorien zusammengefasst werden (siehe Kapitel 6.3.):
@ Verhaltensrichtlinien zum richtigen Umgang mit den vorhandenen
technischen Ressourcen
@ Allgemeine Verhaltensrichtlinien zum richtigen Umgang mit anderen Menschen
@ Spezifisches Verhalten in der E-Mail-Kommunikation
@ Spezifisches Verhalten in der Kommunikation in Newsgroups
- 8 - @ Verhaltensrichtlinienzum Gebrauch der richtigen Sprache und Ausdrucksweise
Die 4 Forschungsgegenstände Bekanntheitsgrad, Stellenwert, Alltagsanwendung und Konfrontation werden in Bezug auf diese 5 Kategorien herausgearbeitet. Weiters möchte ich im Hinblick auf die unterschiedlichen Möglichkeiten einer Regulierung und Kontrolle der Kommunikation im Internet herausfinden,
@ welche übergeordneten Werte bei den Internetnutzern in der Kommunikation im Netz im Vordergrund stehen und
@ welche Regulierungsmechanismen (rechtliche, politische, wirtschaftliche und soziale) von den Internetnutzer am ehesten akzeptiert werden, welche weniger.
Ziel ist es, empirisch zu erheben, welche Grundtendenz in der Wertehaltung und Einstellung bei den Internetnutzern gegenüber bestehenden Regulierungs- und Kontrollmechanismen zu erkennen ist, d.h. wie weit eine Form der Regulierung und Kontrolle überhaupt akzeptiert wird und wenn ja, aus welchem Bereich eine Regulierung präferiert bzw. abgelehnt wird (aus dem rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Bereich).
- 9 - THEORETISCHERTEIL
1. DIE TECHNISCHE STRUKTUR DES NETZWERKS INTERNET
1.1. Netzwerk Internet - eine Vielzahl von lokalen Netzwerken in einem
globalen Metanetzwerk
Das globale Computer-Netzwerk Internet ist ein disperser und inhomogener Zusammenschluss vieler kleinerer lokaler Rechner-Netzwerke, die sich in ihrem mittlerweile undurchschaubaren Zusammenschluss über die ganze Welt erstrecken. Das Wort „Internet“ steht für eine Zusammensetzung aus der lateinischen Präposition „inter“ (mit der Bedeutung „zwischen“, „inmitten“) und dem englischen Wort „net“ (für Netz), d.h. es beschreibt ein Zwischennetz, dessen Funktion darin besteht, einzelne, voneinander unabhängige Netzwerke so miteinander zu verbinden, dass diese kommunizieren können (Zelger 1999, S. 13). Dabei kann das Internet als ein Verbund von Computern gesehen werden, die entweder permanent oder nur temporär an das Gesamtnetz angeschlossen sind, aber auch als Summe der Daten bzw. Inhalte, die in diesem Verbund gespeichert sind.
Das Internet umfasst derzeit geschätzte 72 Mio. Hosts (Internet Software Consortium 2000, o.P.), d.h. lokale Netzwerke mit eigenem administrativen Aufbau und über 350 Mio. Einzelteilnehmer (Nua Internet Surveys 2000, o.P.), die über diese Netzwerke miteinander kommunizieren. Es ist kein einheitliches Netzwerk, das homogen aufgebaut ist oder einem gemeinsamen übergeordneten Ziel folgt (wie z.B. ein universitäres Netzwerk), sondern ein höchst heterogener und mittlerweile undurchschaubarer Zusammenschluss von vielen kleineren Netzwerken, die alle selbständig organisiert werden, aber dennoch in das Regelsystem des übergeordneten Gesamtnetzwerks eingebunden sind.
Hinter diesen kleineren, lokalen Netzwerken stehen oft Non-Profit-Organisationen, Unternehmen oder Forschungseinrichtungen aber auch Privatpersonen, die über ihr
- 10 -eigenes Computernetzwerk z.B. über ein LAN-Netzwerk (Local Area Network 1 ) mit dem globalen Metanetzwerk Internet verbunden sind.
Die gesamte Netzinfrastruktur, d.h. die technischen Leitungen und die einzelnen angeschlossenen Computer, wird von den Betreibern und Administratoren des jeweiligen Netzwerkes verwaltet, die von der dahinterstehenden organisatorischen Einheit zur Verfügung gestellt werden. Die organisatorische Einheit (Universität, Firma, ...) ist wiederum durch physikalische Leitungen (z.B. über Telefonleitungen, Funk- oder Satellitenverbindungen) mit anderen Netzwerken verbunden und fungiert als Server für seine Benutzer, die über ihr lokales Netzwerk ins globale Metanetzwerk Internet einsteigen können.
Aus dem netzartigen Zusammenschluss von vielen Servern kleinerer lokaler Einheiten bildet sich schließlich das globale Metanetzwerk. Fällt ein Netzwerk aus, trägt das keinen Schaden an der gesamten Funktionsfähigkeit des Internet, da immer die Möglichkeit besteht, über andere Netzwerke auszuweichen. Für den Internetuser besteht nur die Abhängigkeit zu seinem jeweiligen Provider, mit dem er einen Nutzungsvertrag abgeschlossen hat. Der Service Provider stellt seinen Zugang zum Internet her - gibt es technische Probleme im lokalen Netzwerk des Servers von diesem Provider, wirkt sich das direkt auf den User aus. Ein Ausweichen und Umgehen auftretender Schwierigkeiten ist nur bedingt möglich, da der durchschnittliche User meist nur einen Zugang zum Internet hat und auf diesen angewiesen ist. Für die Nutzer, die im Computernetzwerk miteinander kommunizieren, präsentiert sich das Internet in seiner Struktur als typisches Netzwerk, in dem rein theoretisch jeder mit jedem verbunden ist und dadurch jederzeit Kontakt mit den anderen Teilnehmern im Netz aufnehmen kann. Ein Kommunikationssystem, das netzwerkartig aufgebaut ist, bringt viele Vorteile mit sich, z.B. ermöglicht es den gleichzeitigen und unmittelbaren Kontakt zwischen den kommunizierenden Personen.
1 LAN ist nach Zenk (1996) „(...) eine nicht näher festgelegte Infrastruktur an deren Peripherie sich
gleichartige Systeme befinden. Jedes Endgerät sollte dabei in der Lage sein, eine Verbindung zu einem
beliebigen anderen Gerät in diesem Netz herzustellen. Dies bedeutet, daß jede Einheit mit jeder anderen
Einheit in Verbindung treten kann“ (S. 33).
- 11 -Die Netzwerkstruktur hat außerdem einen starken Einfluss auf die Kommunikationsvorgänge, die im Verbund stattfinden. Flusser (1995) schreibt über die Strukturen eines Netzwerkes und die Auswirkungen auf das menschliche Kommunikationsverhalten folgendes:
In seiner Beschreibung charakterisiert Flusser ein Netzwerk als offenes System ohne Grenzen, in dem jeder Teilnehmer zum Mittelpunkt der Kommunikation wird. Auch das globale Netzwerk Internet ist ein offenes System, dennoch wird der Verbund von Rechnern durch eine vorgegebene Organisation strukturiert (administriert) und in eine technische Infrastruktur eingebunden.
1.2. Vom ARPANET zum WWW - zur Geschichte des Internet
Die Wurzeln des heutigen weltumspannenden Netzwerkes Internet lassen sich bis in die 60er Jahre zurückverfolgen, als die Advanced Research Projects Agency (ARPA) des amerikanischen Verteidigungsministeriums eine Studie zur Entwicklung und Testung von Computerkommunikationssystemen ins Leben rief (Hauben 1997, S. 49). Zielsetzung der anfangs von der Öffentlichkeit abgeschirmten Studie war es, ein Kommunikationsnetzwerk aufzubauen, dass durch seinen dezentralen, netzwerkartigen Aufbau jede nationale und internationale Krise oder Krieg unbeschadet überstehen kann. Djordjevic (1996) schreibt über die Entstehung des ARPANET:
Neben dem übergeordneten Ziel, ein Netzwerk zu schaffen, das sich durch besondere Beständigkeit und „Unsterblichkeit“ auszeichnet, waren im Vordergrund der Zielsetzung der ARPA-Studie nach Hauben (1997, S. 49f.) folgende Punkte:
@ neue Technologien zu entwickeln, durch die breit gestreute Interaktionen möglich sind, die vorher in der Form noch nicht möglich waren;
@ Erfahrungen zu sammeln welche Möglichkeiten und Auswirkungen ein in der Form des ARPANET ausgeführter Zusammenschluss von Computern für die menschliche Kommunikation hat;
@ die Produktivität der Computerwissenschaften durch den Austausch von Ressourcen über ein computerbasierendes Netzwerk zu verbessern. Neue Technologien entstehen meist dann, wenn die gebotenen Möglichkeiten nicht mehr den gewünschten Anforderungen entsprechen. So geschah es auch mit ARPANET. Das Computernetzwerk des amerikanischen Verteidigungsministeriums entstand aus der Erkenntnis, dass existierende Telefonleitungen zu langsam und unverlässlich für eine effektive Datenübertragung waren und somit nicht mehr den Anforderungen einer schnellen und sicheren Kommunikation entsprachen. Als neue Technologie bediente sich ARPANET der sogenannten „paketvermittelten Kommunikation“. Dabei werden die Kommunikationsdaten in gleich große Pakete zerlegt, in dieser Weise übermittelt und dann erst wieder beim Empfänger zusammengefügt. So können auch größere Datenmengen ohne größeren Zeitverlust übermittelt werden (Ishii 1995, S. 12). Für die Entwicklung des ARPANET zum heutigen Internet war unter anderm der Versuch des sogenannten internet-working entscheidend, bei dem heterogene Netze zur
- 13 -gemeinsamen Ressourcennutzung und Kommunikation zusammengeschlossen wurden (Musch 1999, S. 24). Dafür war es notwendig, ein einheitliches Datenformat und eine einheitliche Methode der Verbindungsherstellung zu entwickeln. Das neue Netzwerkprotokoll TCP (Transmission Control Protocol) sorgte für den reibungslosen Paketaustausch und machte es möglich, dass verschiedenartigste Netze miteinander kommunizieren konnten, sofern sie diesen Standard verwendeten. Die Strukturen des heutigen Nachfahren des ARPANET - das Internet - bauen auf diese technologischen Grundideen auf, womit auch seine schwere Kontrollier- und Regulierbarkeit verbunden ist. Das Internet ist heute in gleicher Weise dezentral aufgebaut wie damals in seiner Urform und es lässt sich durch die Form der Datenübertragung nicht einfach sabotieren oder zerstören. Ein Netzwerk diesen Aufbaus verkraftet den Ausfall eines oder mehrerer Systeme, ohne jemals vollständig zusammenzubrechen.
In der Form des ARPANET schien der dezentrale Aufbau eines Computernetzwerkes nur Vorteile mit sich zu bringen. Aber mit dem enormen Wachstum des ARPANET bis zu den heutigen Ausmaßen des globalen Metanetzwerkes werden auch immer häufiger die negativen Nebeneffekte deutlich:
Die Vorgänge im Netz sind durch den dezentralen Aufbau nur schwer kontrollierbar, d.h. das Netzwerk ist zwar von äußeren Einflüssen geschützt, wird aber gleichzeitig verwundbar für innere Konflikte (z.B. Computerkriminalität), da kontrollierende oder regulierende Eingriffe von außen fast unmöglich sind. Aus der Beständigkeit und „Unsterblichkeit“ des ARPANET ist heute schließlich die internationale Debatte über die Möglichkeiten und Grenzen einer Regelung und Kontrolle der internationalen Kommunikationsvorgänge im Internet entstanden. Das ARPANET ist durch seine unumstrittenen Vorteile, die es für die zwischenmenschliche Kommunikation und den Austausch von Ressourcen bietet, sehr schnell gewachsen - immer mehr Mitarbeiter der ARPA und externe Interessierte wollten damals an den Vorteilen des Netzwerkes teilhaben.
- 14 -Als das ARPANET immer größer wurde, spaltete es die ARPA (vor allem aus Sicherheitsbedenken gegenüber seinen militärischen Aufgaben) in zwei selbständige Netzwerke: das MILNET für militärischen Datenverkehr und das ARPANET für den restlichen Informationsaustausch. Schließlich wurde auf das zweite Teilnetz ARPANET vom amerikanischen Verteidigungsministerium gänzlich verzichtet und durch verschiedene interne Netzwerke ersetzt. Die netzartigen Verbindungen von Universitäten, Gemeinschaften und regionalen Netzwerken wurden von einem von der NSF (National Science Foundation) gegründeten Netzwerk (NSFNET) übernommen. Dieses Netzwerk bildet heute noch das Rückgrat (Backbone) des globalen Netzwerks Internet.
Das Internet setzte sich zu dem Zeitpunkt der Spaltung (in den 80er Jahren) aus einer sehr homogenen Nutzergruppe aus dem akademischen Forschungsbereich zusammen. Erst mit der Erfindung des WWW (World Wide Web) Mitte der 80er Jahre drangen auch andere Nutzerschichten ins Netz.
Das WWW basiert auf dem Konzept nichtlinearer Hyper-Texte mit einer äußert einfach zu bedienenden grafischen Benutzeroberfläche, mit deren Hilfe es möglich ist, Dokumente von allgemeinem Interesse für alle Nutzer des Netzes zugänglich zu machen. Besonders kennzeichnend für diese Phase ist ein explosionsartiges Wachstum der Zahl der Netzteilnehmer, das unter anderem dazu geführt hat, dass das Internet immer attraktiver für kommerzielle Unternehmen wurde.
1.3. Zentrale Administration im Metanetzwerk Internet -Adressenzuordnung der Rechner, IP-Adresse und Domain Name
Ein Netzwerk ist dadurch charakterisiert, dass es keinen zentralen Ausgangspunkt oder Mittelpunkt gibt, auf den sich die einzelnen Elemente des Netzes beziehen können. Dennoch gibt es im Computernetzwerk Internet eine Form der Administration, die zentral durchgeführt wird und eine Ordnungsfunktion für das gesamte Internet übernimmt.
- 15 -Jeder Rechner, der sich in einem Netzwerk befindet, kann durch bestimmte Attribute eindeutig identifiziert werden. Mit dem Einstieg ins Internet werden jedem Teilnehmer von seinem Server bestimmte IP-Adressen zugewiesen, die durch Punkte getrennte Dezimalzahlen ausgedrückt werden (z.B. 123.456.12.234).
Die Verwaltung der IP-Adressen und die Zuordnung dieser Adressen an die einzelnen lokalen Netzwerke übernimmt größtenteils die ICANN ( Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) eine Institution, die speziell dafür eingerichtet wurde. In Ländern außerhalb der U.S.A., in denen viele lokale und regionale Netzwerke existieren, übernehmen diese Aufgabe nationale Network Information Center (NIC), die mit der ICANN zusammenarbeiten.
Das System der IP-Adressenvergabe folgt einer genauen systematischen Ordnung. Nicht jeder Rechner bekommt wahllos eine Nummer zugewiesen, sondern die IP-Adressen werden durch die einzelnen Organisationen in geordneten Adressbereichen vergeben, d.h. die Adressen werden so eingerichtet, dass man anhand der ersten Dezimalstellen erkennen kann, in welchem Netzwerk sich der einzelne Rechner befindet. Für eine einfachere Identifizierung - die meist zwölfstelligen Dezimalzahlen der IP-Adressen tragen nicht unbedingt zur Übersichtlichkeit bei - wurden neben numerischen IP-Adressen sogenannte „Domain Namen“ eingeführt. In der Namensstruktur des Domain Name Systems (DNS) verweisen die einzelnen Domainnamen jeweils auf eine bestimmte IP-Adresse. Das erleichtert das Adressieren einer Person per E-Mail oder das direkte Ansprechen eines gesamten Netzwerks. Nach den Regeln des DNS wird z.B. die etwas unübersichtliche E-Mail-Adresse somebody@123.345.128.123 zu
somebody@univie.ac.at. Dieses System erlaubt z.B. auch, „daß mehrere Domainnamen auf eine IP-Adresse zeigen, womit bestimmte, mit Anwendungen verknüpfte Namen (wie mail.tu-berlin.de für E-Mail oder www.yahoo.com für das World Wide Web) einer IP-Adresse und somit einem Rechner zugeordnet werden können“ (Ishii 1995, S. 13). Die Domainnamen müssen wie die einzelnen IP-Adressen bei der ICANN oder bei den nationalen NICs angemeldet werden und auch die Vergabe und Verwaltung erfolgt durch diese Institutionen. Die wichtige Funktion der Internetadressen-Vergabe wurde
- 16 -bereits 1993 von der NSF an private Unternehmen übergeben, seitdem werden Domains ausschließlich nach Einhebung von Gebühren vergeben. Die Adressenzuordung durch IP-Adressen und Domain Names stellt die einzige Strukturierung des Gesamtnetzwerkes Internet dar, die durch eine zentrale Stelle verwaltet wird. Die ICANN verfügt in diesem Bereich über eine nicht zu unterschätzende kontrollierende und regulierende Macht, da sie dadurch in den weltweiten Informationsfluss jederzeit eingreifen kann (siehe Kapitel 2.1.2.2. und 5.4.2.). Der Rest der Administration und Organisation - sei es durch Einzelpersonen oder Institutionen -läuft vollständig dezentral ab.
1.4. Asynchrone Kommunikationsanwendungen im Internet
Die Möglichkeit, über das Netzwerk Internet kommunizieren zu können, setzt voraus, dass nicht nur die nötige technische Struktur - die sogenannte „Hardware“ - vorhanden ist, sondern dass sich seine Nutzer bestimmter „Software“ bedienen, über die der Austausch von Informationen abgewickelt wird.
Die Anwendungen zur Kommunikation im Internet lassen sich generell in 2 Kategorien -Informationsanwendungen und Kommunikationsanwendungen - unterscheiden, wobei sich letztere wiederum in synchrone und asynchrone Kommunikationsanwendungen unterteilen lassen (Abbildung 2).
Abbildung 2: Informations- und Kommunikationsanwendungen im Internet (Eigendarstellung).
- 17 -Unter Informationsanwendungen versteht Batinic (1997, S. 268) all jene Instrumente der Online-Kommunikation, mit deren Hilfe Daten (Texte, Bilder, Musik, Programme) aus dem Internet abgerufen und bereitgestellt werden können. Die Nutzer betreiben passives Kommunikationsverhalten, indem sie die Informationen nicht in aktiver Kommunikation austauschen (z.B. in einem Gespräch oder durch elektronischen Briefwechsel) sondern nur zum Abruf bereitstellen oder selbst abrufen (downloaden). In diesem Sinne zählen auch Suchmaschinen im Internet zu Informationsanwendungen. Als Nutzer von Informationsanwendungen benötigt man ein Programm, mit dessen Hilfe man sich mit dem jeweiligen Server verbindet und die Informationen dort ablegt oder abruft (z.B. über das Programm FTP oder über das WWW). In Kommunikationsanwendungen steht der aktive Nachrichtenaustausch zwischen den einzelnen Internetusern im Vordergrund. Mit Hilfe der Anwendungen wird im Internet aktiv kommuniziert, entweder durch synchrone (z.B. IRC, WWW-Chat) oder asynchrone (z.B. E-Mail, Mailing Lists, Usenet) Kommunikationsformen. Unter asynchroner Telekommunikation versteht Husmann (1998, S. 9) den Austausch von Kommunikationsinhalten, der so abläuft, dass die Inhalte zuerst aufgezeichnet werden und später zeitversetzt zum Adressaten transportiert werden. Im Unterschied zur synchronen Telekommunikation, die voraussetzt, dass beide Kommunikationspartner zur gleichen Zeit aktiv sind.
Im folgenden möchte ich auf die Grundzüge und Funktionsweise zweier asynchroner Kommunikationsanwendungen näher eingehen - die E-Mail-Kommunikation und die Kommunikation im Usenet - im Hinblick auf die technischen Strukturen und die administrative Organisation, welche die Rahmenbedingungen für die sozialen Zusammenhänge bereitstellen.
1.4.1. E-Mail - die älteste Kommunikationsanwendung
E-Mail ist eine der ersten Kommunikationsanwendungen, die in der historischen Entwicklung des Internet für die zwischenmenschliche Kommunikation eingesetzt wurden. Ihre Grundfunktion ist sehr einfach zu erklären: eine elektronische Nachricht
- 18 -wird an einen oder mehrere Empfänger gesendet. Die Nachrichten müssen nicht nur textbasierend sein, sondern können auch eine Vielzahl anderer visueller und akustischer Elemente beinhalten (z.B. Bilder, Videos, Klänge, ...).
Der Sender erstellt seine Nachricht mithilfe eines Programms, dem sog. „User Agent“, gibt die E-Mail-Adresse des Empfängers an und schickt sie ab. Die Nachricht wird vom lokalen Mailserver - das ist ein Rechner oder ein ganzes Netzwerk, das die Verwaltung der E-Mails übernimmt, auch Mail Transfer Agent (MTA) genannt - an den MTA der Empfängerseite übermittelt und dieser speichert die Nachricht in der Mailbox, bis die Zielperson sie abruft (Ishii 1995, S. 18).
E-Mail ist nicht nur ein simples Kommunikationsinstrument für Individuen sondern kann auch zur Bildung, Organisation und Koordination von Gemeinschaften beitragen (Conway 1996, S. 143). Mit dem E-Mail-Dienst ist es z.B. auch möglich, eine Nachricht an einen oder mehrere Empfänger zu schicken oder eintreffende Nachrichten an neue Empfänger weiterzuleiten. Mit Hilfe von Verteilerlisten (sogenannter „Mailing Lists“) können auf E-Mail basierende virtuelle Konferenzsysteme entstehen, in denen sich eine eigene Kultur mit spezifischen Verhaltensnormen entwickelt (Musch 1999, S. 22).
1.4.2. Das Usenet - eine Vielzahl von Nachrichtenforen, Newsgroups
Das Wort „Usenet“ hat sich aus den englischen Worten User Network entwickelt, oft wird es nur als Netnews oder schlicht The News bezeichnet. Usenet vereinigt weltweit über 79.000 Nachrichtenforen und viele einzelne lokale Newsgroups unter sich, die alle eine Vielzahl von unterschiedlichen Themen zur interaktiven Diskussion bereitstellen (Smith & Kollock 1999, S. 203). In jeder dieser Newsgroup werden Beiträge (Postings) von ihren Teilnehmern zum jeweiligen Thema verbreitet - jeder kann, wenn er die nötige Software dazu besitzt, diese Beiträge lesen und auch selbst welche verfassen, die er dann entweder an eine bestimmte Person oder an die gesamte Gemeinschaft einer Newsgroup richtet.
Newsgroups bestehen nur aus den Beiträgen ihrer Teilnehmer. Es existiert keine zentrale Instanz oder Institution, welche die Kommunikationsvorgänge innerhalb des Netzwerkes
- 19 -regelt. Vielmehr verwaltet Usenet sich selbst, indem es durch die Beiträge jener Menschen gesteuert wird, von denen es benutzt wird. Das unterscheidet Usenet sehr stark von herkömmlichen Massenmedien. Hauben (1997) beschreibt den Unterschied folgendermaßen:
Im Gegensatz zum klassischen massenmedialen Kommunikationsprozess, in dem ein Kommunikator seine Rezipienten („disperses Publikum“) über ein Massenmedium mit gebündelter Information versorgt, geben im Usenet die Benutzer selbst den Ton an und können die Vorgänge im Prozess auch eigenständig kontrollieren.
1.4.2.1. Die Struktur des Usenet
Auch wenn es keine zentrale Institution gibt, welche den Inhalt der Diskussionen in den Newsgroups steuert und verwaltet, wird das Usenet durch zwei streng vorgegebene Elemente bestimmt, um eine Übersicht in dem komplexen Netzwerk von Postings zu bewahren - durch die hierarchische Namensgebung und die Ordnung der Diskussionsbeiträge in sog. „Threads“ (vgl. Stegbauer & Rausch 1999, S. 202ff.). Im Laufe der Entwicklung des Usenet hat sich eine hierarchische Struktur für die Namensgebung entwickelt, die zentral kontrolliert wird (durch die ICANN). Der Name jeder Newsgroup besteht aus einer Kette von durch Punkten voneinander getrennten Wörtern, die für die jeweilige Hierarchie stehen: z.B. at.univie.publizistik. Die erste Komponente (z.B. at) steht für die höchste Stufe innerhalb der gesamten Newsgroup-
- 20 -Hierarchie als Parent hierarchisch über dem Rest - den Subgroups (z.B. univie und publizistik).
Die Haupthierarchien werden in weiterer Folge durch Angaben in der Namenskette nach thematischen Gesichtspunkten unterteilt und spezifizieren auf diese Weise das behandelte Thema (z.B. at.univie.publizistik). Mit den weiteren Angaben im Namen der jeweiligen Newsgroup wird das Thema grob umrissen oder Hinweise auf den Herkunftsort (z.B. univie für Universität Wien) gegeben. Die hierarchische Einteilung vereinfacht das Suchen nach der passenden Gruppe und dient der Orientierung und dem besseren Zurechtfinden in dem teilweise sehr unübersichtlichen Raum des Usenet. Für die erste Komponente, auch „Top-Level“ oder „Haupthierarchie“ genannt, gab es bis Anfang der 90er Jahre 7 Kategorien (Big Seven) 2 , die nach thematischen Gesichtpunkten entstanden sind (Abbildung 3).
Diskussion kontroverser Themen Diskussion kontroverser Themen
Abbildung 3: Die „Big-Seven“ Haupthierarchien des Usenet (Eigendarstellung).
Dennoch waren mit den Big Seven noch lange nicht alle Interessen abgedeckt, denn kontroverse Themen z.B. über Sex oder Drogen waren in den traditionellen Newsgroups
2 Zusätzlich zu den Big Seven wurde in den 90er Jahren eine weitere Kategorie eingeführt - die Kategorie
„hum.*“ (für „humanities“), in der Themen der Kultur- und Geistesgeschichte behandelt werden. Seit
diesem Zeitpunkt werden die Big Seven in der Literatur oft auch als die Big Eight bezeichnet (Dorfmair
1999, S. 32).
- 21 -nicht zugelassen, obwohl die Nachfrage an diesen Themen sehr groß war. Aus diesem Grund wurde sehr bald eine neue Hierarchie ins Leben gerufen - die alt.* („alternative“) Hierarchie.
Die Kommunikationsabläufe in den Newsgroups der alt.*-Gruppe werden weniger formell gestaltet, als in den traditionellen Big Seven und auch das Kreieren einer neuen Newsgroup unter dieser Hierarchie läuft nach einfacheren Regeln ab. Diese Umstände bewirkten in den späten 80er Jahren einen rapiden Anstieg in der Teilnehmerzahl der alt.* Hierarchie und noch heute beinhalten ihre Newsgroups die größten Datenmengen, obwohl sie - weltweit gesehen - weniger weit verbreitet ist 3 . Die traditionellen Big Seven findet man auf fast allen Newsservern der Welt, nicht aber die alt.* Hierarchien. Eine weitere Strukturierung der Kommunikation im Usenet erfolgt durch eine Einteilung der Beiträge in sog. „Threads“. Thematisch zusammengehörende Postings bilden über den selben Betreff einen Diskussionsfaden (Thread), der die Nachrichtensequenz zum gleichen Thema strukturiert. Über die so verbundenen Beiträge stellen sich die Teilnehmer sinnhaft aufeinander ein und verhalten sich gegenseitig orientiert (Stegbauer & Rausch 1999, S. 202).
1.4.2.2. Moderierte und unmoderierte Diskussionsgruppen
Für eine Analyse der Regulierungs- und Kontrollmechanismen in der Usenet-Kommunikation ist es bedeutend, zwischen moderierten und unmoderierten Newsgroups zu unterscheiden. In unmoderierten Newsgroups gibt es keine Instanz, die eine Leitfunktion in der Kommunikation zwischen den Usern übernimmt - die Kommunikationsvorgänge werden hier lediglich durch Prozesse zwischen den einzelnen Teilnehmern reguliert. In moderierten Newsgroups übernimmt ein Moderator die zentrale Leitfunktion in der Diskussion und entscheidet darüber, welche Artikel veröffentlicht werden und welche nicht.
Moderierte Usenet-Gruppen werden in der Regel von einem Moderator betreut, der seine Funktion unentgeltlich ausübt. Seine Position ist demokratisch gewählt, jeder
3 In der alt.* Hierarchie sind auch binaries-groups erlaubt, d.h. Newsgroups, in denen die Teilnehmer nicht
nur textbasierende Daten, sondern auch Bilder, Ton- , Videodokumente und Programme austauschen.
- 22 -Moderator kann jederzeit durch eine Abstimmung, die auf dem Prinzip der 2/3 Mehrheit beruht, wieder abgewählt werden.
Will ein Teilnehmer einen Artikel in einer moderierten Newsgroup veröffentlichen, so muss er ihn zuerst an den Moderator schicken. Dieser entscheidet schließlich darüber, ob der Artikel veröffentlicht wird, oder nicht.
Die Publikation eines Beitrages ist in moderierten Gruppen von der Willkür einer einzelnen Person abhängig, die nach ihrem persönlichen Ermessen Zensur ausüben kann und darf. Das Problem, das sich hierbei eröffnet, ist, dass zensurierendes Vorgehen dem Usenet zugrundeliegenden Verständnis von uneingeschränkter Rede- und Meinungsfreiheit zuwiderläuft. Argumente gegen eine Zensur und demnach gegen eine Moderierung von virtuellen Diskussionen sind aber nur bedingt haltbar, da jederzeit die Möglichkeit besteht, auf unmoderierte Newsgroups zurückzugreifen, wenn eine Nachricht aus Gründen der Zensur nicht gepostet wird.
Solange das Usenet ein ausgewogenes Verhältnis von moderierten und unmoderierten Newsgroups anbietet, dürfte es nicht in Gefahr laufen, den Grundwerten der Internetgemeinschaft zuwiderzulaufen und die Rede- und Meinungsfreiheit in einem Ausmaß einzuschränken, welches die Qualität der Kommunikation beeinträchtigen könnte.
Der unumstrittene Vorteil von moderierten Gruppen ist, dass durch die Filterung der Artikel über einen Moderator die so oft kritisierte signal-to-noise-ratio 4 verringert und die Qualität der Diskussionen angehoben wird.
4 Signal-to-noise-ratio oder das Signal-Rausch-Verhältnis ist das Verhältnis vom Signal zum Rauschen bei
elektronischen Impulsen. Mit „Rauschen“ ist in der Usenet-Kommunikation das Veröffentlichen von
unbedeutenden und uninteressanten Artikeln gemeint, die als Störfaktor angesehen werden (vgl. Mandel &
Van der Leun 1998, S. 265).
- 23 - 1.5.Die Auswirkungen der technischen Struktur auf die Möglichkeiten und Grenzen einer Regulierung und Kontrolle der Online-Kommunikation
Die technische und administrative Struktur des Internet hat einen großen Einfluss auf die Möglichkeiten und Grenzen einer Regulierung und Kontrolle der
Kommunikationsvorgänge im Netz. Im wesentlichen tragen folgende 3 technologischen Aspekte dazu bei, dass sich Akteure im Internet einer Kontrolle und Regulierung entziehen können (Froomkin 1997, S. 130ff.):
@ die paketvermittelte Kommunikation,
@ der Zugang zur Kryptografie und zu anonymisierenden Werkzeugen,
@ die dezentrale Organisation.
1.5.1. Die paketvermittelte Kommunikation
Die „paketvermittelte Kommunikation“ ist eine Methode der Datenvermittlung, die in der Entstehungsphase des Internet als ARPANET entwickelt wurde, um die Datenübertragung zu optionieren (Hauben 1997, S. 49). Die Daten werden bei dieser Methode in standardisierte Pakete zerlegt und über verschiedene Leitungen an ihr Ziel gebracht, wobei im nachhinein nur schwer nachzuvollziehen ist, welche Wege die Daten zurückgelegt haben, um beim Empfänger anzukommen. Ziel war es, mit dieser Methode ein Kommunikationsnetzwerk zu garantieren, dass auch funktioniert, wenn Teile des Systems ausfallen. Die paketvermittelte Kommunikation macht es schwierig, den Informationsfluss zwischen den Teilnehmern eines Netzwerkes zu blockieren oder zu überwachen (Abbildung 4).
Abbildung 4: Das Prinzip der Paketvermittlung (Beck 1999, S. 13).
1.5.2. Der Zugang zur Kryptografie und zu anonymisierenden Werkzeugen
Jeder Nutzer des weltweiten Netzwerkes Internet hat mehr oder weniger Zugang zu kryptographischen Techniken (z.B. PGP - Pretty Good Privacy) und kann seine Nachrichten und Daten so verschlüsseln, dass sie theoretisch nur der vorgesehene Empfänger wieder entschlüsseln kann.
Außerdem gibt es im Netz eine Fülle von Werkzeugen, mit deren Hilfe sich jeder User vollkommen anonymisiert im Internet bewegen kann. Das Entschlüsseln einer Nachricht, bzw. das Zurückverfolgen einer Nachricht auf einen bestimmten Empfänger wird somit sehr schwierig, kostenintensiv und vor allem zeitaufwendig.
Arbeit zitieren:
Mag. Sigrid Kern, 2001, Die Netiquette als selbstregulierendes Instrument in der computervermittelten Kommunikation - Möglichkeiten und Grenzen einer Regulierung und Kontrolle der Kommunikationsvorgänge im Internet ..., München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
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