2.1 Gegenüberstellung Deutsche und Eingeborene
Timm leistet durch seinen 5RPDQ HLQH ³*HJHQEHUVWHOOXQJ GHU NRORQLDOLVWLVFK LQVWUXPHQWLHUWHQ +HUUVFKDIWVJHVWHQ >«@ PLW HLQHP Ã$QGHUHQ¶³ +LHOVFKHU ZREHL GDV Ä$QGHUH³ YRU DOOHP GDV +DQGHOQ XQG 'HQNHQ GHU (LQJHERUHQHQ VRZLH DQGHUH $VSHNWH GHV Landes an sich bezeichnet. Diese Gegenüberstellung erfasst die Deutschen auf den ersten Blick als die Kolonisatoren, die meist abhängig von Hierarchieverhältnissen und langen Dienstwegen sind. Die Eingeborenen dagegen sind in ihren Stämmen meist gleichberechtigt, abgesehen vielleicht von Stammesführern. Auch Frauen haben bei ihnen Rechte, wie den 'HXWVFKHQ DXIIlOOW :lKUHQG GLH 'HXWVFKHQ .RQNXUUHQ]YHUKDOWHQ DOV ÄGH>Q@ $QWULHE MHGHU ZLUWVFKDIWOLFKHQ(QWZLFNOXQJ³7LPPEH]HLFKQHQNHQQHQGLH1DPDVRHWZDVQLFKWXQG verlassen sich stattdessen auf das Prinzip der gegenseitigen Hilfe und Nächstenliebe. Auch in der Kriegsführung sind die Deutschen und die Eingeborenen oppositioniert. Die Deutschen zählen auf große Manöver, die vorher lange geplant werden und mit großer Maschinerie und Menscheneinsatz ausgeführt werden. Fast immer sind sie dabei aber kleinen Gruppen von Eingeborenen unterlegen, die sich in der Landschaft auskennen und durch ihre Guerilla-Kriegsführung erfolgreicher sind. Zudem scheinen die Nama das Land, in dem sie leben, mehr zu achten und dadurch offen zu sein für ein fast schon magisches Verhältnis zum Land, Tieren und anderem Übernatürlichen. So können sie an den Wolken das Wetter ablesen, aber auch mit Ochsen reden und Geister beschwören (zumindest eine ältere Frau ist dazu in der /DJH+LHOVFKHUJHKWLQVHLQHP(VVD\LQVJHVDPWVRZHLW]XVDJHQGDVVGHUÄ&RGH³GHU1DPD IUHLQHÄDQGHUH(U]lKOWUDGLWLRQXQGHLQHVLQQOLFKJHSUlJWH:HOWDXIIDVVXQJVWHKW³'LHVHUXQG der rationalistische Code der Kolonisation kreuzten sich in Gottschalk, der als der wichtigste Charakter der Romans eine Entwicklung durchmacht bei der er sich immer weiter von seinen Landsleuten und deren Kultur entfernt und sich immer mehr zu den Eingeborenen hingezogen fühlt. Er möchte die beiden Diskurse jedoch nicht austauschen, sondern den eigenen durch den neuen, anderen erweitern. Am Ende gelingt ihm dies laut Hielscher aber nicht. Dafür hat er seinen eigenen Diskurs verändert (vgl. Hielscher, 464 f.). Trotz dieser, auf den ersten Blick eindeutigen Gegensätzlichkeit von Invasierenden und Invasierten muss jedoch betont werden, dass die Rollen in diesem Buch nicht ganz so klar verteilt sind, wie man es vielleicht von einem kritischen Roman erwarten würde. Timm macht ]ZDU GHXWOLFK GDVV HV VLFK XP HLQHQ ÄXQEDUPKHrzige[n] Raub- und Vernichtungskrieg der ZHLHQ(LQGULQJOLQJH³VRZLHXPHLQHQEHZXVVWLQV]HQLHUWHQ.ULHJKDQGHOWÄXPHQGOLFKLKUHQ 6LHGOHUQ PHKU /DQG ]X YHUVFKDIIHQ³ +HUPDQG KDQGHOW 7URW]GHP ZLUG GLHV QLFKW VR radikal dargestellt, wie es hätte erwartet werden können, sondern vielmehr im Sinne eines
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ÄNULWLVFKHQ5HDOLVPXV³HEGGHUGLH/HVHU]X(LJHQHQJDJHPHQWDXIIRUGHUQVROO6RKDW der Roman also trotz aller Sympathien für die eingeborene Bevölkerung nichts wirklich Appellatives (vgl. ebd., 55). Stattdessen kann man bei näherer Betrachtung feststellen, dass die Grenzen zwischen den beiden verschiedenen Gemeinschaften nicht so eng sind, wie man annahm. So sind die Eingeborenen nicht fehlerfrei, sondern verfallen immer wieder dem Alkohol, beuten für Geld auch ihr eigenes Land aus (töten sogar den letzten Vogel Strauss für seine Federn, nur um vom Erlös wieder Branntwein kaufen zu können) und missachten das Eigentum anderer. Zudem können sie auch sehr hinterhältig sein und auch wenn Hielscher behaXSWHW GDVV GLH .RORQLVDWRUHQ EHL GHU .ULHJVIKUXQJ DOV ÄGLH GHXWOLFK %DUEDULVFKHUHQ³ erscheinen, gibt es auch Situationen, in denen die Schwarzen im Krieg nicht gerade vor Niedertracht zurückschrecken; so z.B. bei der ersten Großoffensive, bei der die Deutschen in einem Tal eingekreist werden und die Hottentotten sie durch Versprechungen ins Feuer locken (vgl. Timm, 93). Die Deutschen sind im Gegenzug auch nicht ausnahmslos niederträchtig. Viele von ihnen finden zwar nur Spott für die Sprache der Eingeborenen, doch dienen gerade Figuren wie Gottschalk und Wenstrup dem Beweis, dass es auch andere Ansichten gibt. Beide geben sich Mühe, die Sprache der Nama zu lernen (wenn auch aus verschiedenen Beweggründen) und gerade Gottschalk bemüht sich immer wieder, den Eingeborenen zu helfen. Viele der anderen Deutschen verfallen wie auch die Eingeborenen dem Alkohol, da sie mit den neuen Lebensumständen nicht zurecht kommen. Insgesamt herrscht also eine Hybridität, durch die die Grenzen zwischen Invasierenden und Invasierten immer unklarer werden. Dem Leser wird also vermittelt, dass reines Schwarzweiß-Sehen nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen muss.
2.2 Das Verhältnis der Menschen zu ihrer Umgebung
Die eingeborene Bevölkerung scheint bis auf wenige Ausnahmen im Einklang mit ihrer Umgebung zu leben. Sie sind glücklich mit ihrer Art des Lebens, bei der sie nur dann arbeiten, wenn es nötig ist und ansonsten lieber gar nichts tun. Die Weißen sehen das zwar als ÄIDXO³DQVLHVHOEHUPHLQHQGDVVVLHVFKOLFKWLKU/HEHQJenießen wollen anstatt immer nur zu arbeiten. An mehreren Stellen im Roman gibt es Situationen, in denen der Einklang zwischen Mensch und Kultur besonders deutlich wird. So kann Petrus im Gegensatz zu Gorth intuitiv spüren, dass bald Regen kommen wird (vgl. ebd., 128). Auch können sie ohne Probleme mit den Ochsen reden und wundern sich sogar, dass die Deutschen es nicht können (Rolfs zu *RWWVFKDONÄ'XZLOOVW$U]WGHU5LQGHUVHLQDEHUNDQQVWVLHQLFKWHLQPDOYHUVWHKHQ³6
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Timm selber macht interessanterweise auch deutlich, dass nichts komisches dabei ist, mit diesen Tieren reden zu können. Zum einen kommen die Ochsen selber zu Wort, wodurch jede Vermutung, dass es sich bloß um Lügen oder Halluzinationen der Nama handeln könnte, ausgeschlossen wird. Zudem sind genau die Kapitel, in denen die sprechenden Ochsen DXIWUHWHQ LURQLVFKHUZHLVH ZLH +LHOVFKHU VDJW PLW Ä/DQGHVNXQGH³ EHWLWHOW YJO +LHOVFKHU 466). Auch gibt es kaum einen Zweifel daran, dass die alte Greisin, die mit ihrem Voodoo Zauber versucht die Landgesellschaft zu töten tatsächlich magische Fähigkeiten hat. Ihr Zauber wirkt leider erst verspätet, aber dann muss sich die Landgesellschaft tatsächlich nur wenige Tage nach der Zerstörung der angefertigten Puppe auflösen. Timm stellt der Greisin, die für ihre aus Pflanzen- und Tierpartikeln angerührten Tränke berühmt ist, sowie allen anderen auf ihre Intuition oder Aberglauben vertrauenden Eingeborenen die deutschen Missionare gegenüber, die versuchen den christlichen Glauben auch in Afrika zu verbreiten.
3. Das Scheitern der Einzelnen
Die erste deutsche Person, die in einem Landeskunde-Kapitel vorkommt und den Kampf gegen das Land aufnimmt, ist Missionar Gorth. Schon seine Mutter war Mitglied der 5KHLQLVFKHQ 0LVVLRQ XQG ÄKlNHOWH ELV ]X LKUHP 7RGe jedes Jahr siebenundzwanzig :ROOPW]FKHQ GLH GHQ 0LVVLRQVVWDWLRQHQ LQ *U|QODQG XQG 6GDIULND ]XJHVFKLFNW ZXUGHQ³ (Timm, 123), der erste ironische Hinweis darauf, dass man in dieser Familie wohl nicht wirklich zu bedenken scheint, was für Umstände in dem Land herrschen, sondern es für der deutschen Kultur sehr ähnlich hält. Auch Gorths Verlobte, die ihm nach Afrika hinterher reist, fällt durch ihre den Umständen nicht angepasste Mode auf (Kleid mit Rüschen, hochhackige, geknöpfte Lackstiefel, vgl. ebd., S. 141).
Auch zeichnet sich Gort schon bei seiner Einreise dadurch aus, dass er versucht, die ihm bekannte deutsche Kultur mit nach Afrika zu bringen. So bringt er nicht nur ein Klavier mit, sondern auch eine Sau, die er sogar auf eigene Kosten transportieren lässt (vgl. ebd., 120). Nur kurz nach seiner Ankunft versucht er dann, einen Gemüsegarten anzulegen, muss aber kurz darauf schon feststellen, dass der Salzgehalt der Erde seine Pläne zunichte macht. Auch hört er nicht auf Petrus, der ihn vor einem nachenden Gewitter warnen will, sondern scheint die Wetterverhältnisse von Deutschland und Afrika zu vergleichen; er geht also davon aus, dass wenn er nur blauen Himmel sieht, es in der nächsten Zeit auch nicht regnen wird. Er scheint seinen Fehler später tatsächlich einzusehen, denn als er später in der Werft ist und sich kaum von den ihn anbetenden Menschen losreißen kann, bricht er schließlich nur auf, weil
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Arbeit zitieren:
Ilona Sontag, 2010, The Genius of Place – Landeskunde in Uwe Timms “Morenga”, München, GRIN Verlag GmbH
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