Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
2. (LQH HJULIIVEHVWLPPXQJÄ,QWHUNXOWXUHOOHV/HUQHQ
3. Die Entwicklung hin zum interkulturellen Lernen
4. Die Entwicklung des interkulturellen Lernens im Geographieunterricht
5. Interkulturelles Lernen heute - Ein Auszug aus der Praxis
6. Schlussfolgerungen
7. Literaturverzeichnis
1
1. Einleitung
Interkulturelles Lernen ist ein Thema, das in unserer heutigen Gesellschaft eine wichtige Rolle spielt. Die Welt wächst im Sinne der Globalisierung immer enger zusammen. Expatriates leben auf der ganzen Welt verteilt, um in fremden Ländern für ihre Firmen und Auftraggeber zu arbeiten. Sie müssen dabei mit der ihnen meist fremden Kultur zurecht kommen und mit den Menschen dort arbeiten. Dieses Phänomen wird in Zukunft noch weiter zunehmen und darauf müssen die Schülerinnen und Schüler von heute vorbereitet werden. Doch nicht nur unsere Arbeitswelt und Geschäftspartner befinden sich zunehmend im Ausland. Es kommen auch viele Menschen nach Deutschland, um hier zu arbeiten. Dies ist besonders mit der EU-Osterweiterung augenscheinlich geworden. Die EU sorgt für einen europaweiten Arbeits- und Bildungsmarkt, in dem sich über 400 Millionen Menschen verschiedener Kulturen frei bewegen können. Europapolitik bestimmt mittlerweile einen großen Teil der nationalen Politik und damit unser Leben. Im Europaparlament müssen 27 europäische Länder miteinander verhandeln. Dies bedarf einer interkulturellen Bildung. Außerdem leben in Deutschland auch noch viele andere Menschen mit Migrationshintergrund. Seit den 1960er Jahren hat sich Deutschland zu einem Einwanderungsland gewandelt (vgl. Budke 2008: 13-15) und seit dem ziehen jedes Jahr mehr Menschen nach Deutschland als es Menschen verlassen. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes lebten 2006 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Viele Klassenzimmer in Deutschland sind vom Bild vieler verschiedener Ethnien geprägt und die Schülerinnen und Schüler wachsen zusammen mit anderen als nur der deutschen Kultur wie selbstverständlich auf. Dennoch es ist gerade deshalb wichtig, den Schülerinnen und Schülern ein interkulturelles Verständnis beizubringen, damit sie mit diesen anderen Kulturen besser interagieren können und es zu keinen kulturellen Missverständnissen kommt. Dies gilt natürlich ebenso für die Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund.
In diesem Sinne versucht diese Arbeit die Geschichte des interkulturellen Lernens in Deutschland im Allgemeinen und im Geographieunterricht im Speziellen
2
zu reflektieren. Anschließend wird versucht die heutige Situation des interkulturellen Lernens in der Praxis des Geographieunterrichts widerzuspiegeln.
2. Eine BegrifIVEHVWLPPXQJÄ,QWHUNXOWXUHOOHV/HUQHQ³
Interkulturelles Lernen beschreibt die Interaktion mit einer fremdkulturellen Umwelt. Dies ist als ein Prozess zu verstehen, der eine Veränderung im Erleben und Verhalten zustande bringen soll. In Verbindung mit interkulturellem Lernen ZHUGHQRIWDXFKGLH%HJULIIHÄLQWHUNXOWXUHOOH(U]LHKXQJ³XQGÄLQWHUNXOWXUHOOH%LOGXQJ³ verwendet. Dabei kann der Prozess wie auch das Resultat dieses Prozesses gemeint sein. Das Ergebnis soll eben sein, dass die Lernenden diesen Prozess erfolgreich umsetzen und die andauernde Fähigkeit ausbilden, mit Mitgliedern anderer Kulturen interagieren zu können (Grosch & Leenen 1998: 29).
Eine weitere Definition bringt interkulturelles Lernen noch konkreter mit dem Unterricht in Verbindung und lDXWHW Ä,QWHUNXOWXUHOOHV /HUQHQ LVW HLQ Unterrichtsprinzip, eine besondere Art des Umgangs mit dem Fremden und $QGHUVDUWLJHQGDVQLFKWDXIHLQ]HOQH8QWHUULFKWVHLQKHLWHQEHVFKUlQNWEOHLEHQNDQQ³ (Rother 1995:8). Demnach sollte interkulturelles Lernen fächerübergreifend unterrichtet werden und vielleicht sogar in das Leitbild der Schule integriert werden. Fächer, die sich hier besonders anbieten, sind zum einen die Fremdsprachen, da hier besonders authentisch in der Sprache eines anderen Landes kommuniziert wird und dann die gesellschaftspolitischen Fächer, allen voran die Geographie, die sich mit anderen Ländern und Kulturen befasst. Hier muss allerdings eines beachtet ZHUGHQ ,QWHUNXOWXUHOOH (U]LHKXQJ XQG %LOGXQJ LVW ÄQLFKW JOHLFK]XVHW]HQ PLW NXOWXU- oderlandeskundlicher Bildung im Sinne des Erwerbs von Kenntnissen über die DQGHUHQ /lQGHU XQG .XOWXUHQ³ .UJHU-Potratz 2005:31). Ein klassischer Geographieunterricht führt also nicht automatisch zu interkultureller Bildung. Wie beschrieben sollte interkulturelles Lernen als ein andauernder Prozess verstanden werden, bei dem die erworbenen Kompetenzen ständig erweitert
3
werden. Dieser Prozess des interkulturellen Lernens kann wiederum in verschiedene, meist auf sich aufbauende Stadien unterteilt werden. Zu Anfang steht der Ethnozentrismus, welcher ein natürliches Verhalten von Menschen darstellt. Dies bezeichnet, dass die Menschen sich selbst und ihre Gruppe für mehr Wert halten als andere Menschen, die nicht zu ihrer Gruppe gehören. Dies gilt es zu durchbrechen. Das kann dadurch geschehen, dass auf Fremdes aufmerksam gemacht wird und damit bewusst gemacht wird, was es sonst noch auf der Welt gibt. Gleichzeitig sollte hier nicht nur auf Unterschiede hingewiesen werden, sondern auch auf die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Kulturen aufmerksam gemacht werden. Dabei darf vor allem die eigene Kultur nicht vergessen werden. Ist dies soweit geschehen, besteht das nächste Stadium darin, diese fremde Kultur mit ihren Differenzen und Gemeinsamkeiten zu akzeptieren und zu respektieren. Danach sollten eine Bewertung und eine Beurteilung erfolgen, bei der die oder der Lernende sich die Stärken und Schwächen der anderen, aber auch der eigenen Kultur vor Augen führt und dies in sein Wertesystem einordnet. Das letzte Stadium liegt nun in einer selektiven Aneignung von diesen neu gewonnen Einstellungen. Der oder die Lernende sollte sich nun entsprechend der gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen verhalten (vgl. Rinschede 2005: 196,197). Nach Essinger ist interkulturelle Bildung auch eine Erziehung zu einer Weltzivilisation. Aber um diese zu erreichen, müssen fünf Prinzipien erfüllt werden. Diese Prinzipien beziehen sich auf einzelne Ziele der Erziehung, nämlich die Erziehung zur Empathie in andere Kulturen, Erziehung zur Solidarität, Erziehung zum kulturellen Respekt, zur Wertschätzung der Andersartigkeit und des Fremden, Erziehung zum Universalismus, also gegen das Nationaldenken, Überwindung des Ethnozentrismus und Erziehung gegen Rassismus. Als Ziel steht dann das nach Essinger höchste Ziel der Menschheit, nämlich dass die Lernenden zu humanistischen Erkenntnissen gekommen sind und sich humanistische
Verhaltensweisen angeeignet haben. Dies entspräche einer Weltzivilisation und würde das Überleben der Menschheit sichern (1991: 17). Warum interkulturelles Lernen heute so wichtig ist, zeigen drei verschiedene politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Zum einen ist dies die internationale Migration und hier ist Deutschland als Zuwandererland besonders betroffen. Des
4
Weiteren WUlJWGLHHXURSlLVFKH(LQLJXQJ]XYHUPHKUWHP.RQWDNWPLWÄ)UHPGHQ³EHL und auch hier, als größter Arbeitsmarkt Europas, ist Deutschland wieder sehr gefragt. Als dritter Punkt ist das Zusammenwachsen der Märkte, Länder und Gesellschaften, also die Globalisierung zu nennen (Krüger-Poratz 2005: 15).
Auernheimer sieht dies sehr ähnlich und beschreibt drei Herausforderungen und $QOlVVHIUGLHLQWHUNXOWXUHOOH(U]LHKXQJGLHLP3ULQ]LSGDVVHOEHDXVVDJHQÄ(UVWHQV die innergesellschaftliche, vor allem migrationsbedingte, Multikulturalität, zweitens die Vereinigung Europas mit seinen unterschiedlichen Sprachen, Traditionen und Kollektivgeschichten, drittens die Herausbildung der Weltgesellschaft mit ihrer kulturellen Vielfalt, mit der Tendenz zu kulturellen Grenzziehungen einerseits und GHP=ZDQJ]X.RRSHUDWLRQXQG]XPLQWHUNXOWXUHOOHQ'LDORJDQGHUHUVHLWV³ 9). Er spricht hier die Multikulturalität an, die schon im eigenen Land, im Prinzip vor der Haustür, anzutreffen ist. Interkulturelle Kompetenz ist also nicht nur wichtig, wenn fremde Länder bei Reisen, Arbeits- oder Studienaufenthalten besucht werden, sondern vor allem auch, um zu Hause ein friedliches Miteinander zu ermöglichen.
3. Die Entwicklung hin zum interkulturellen Lernen
Bis sich die Idee des interkulturellen Lernens durchsetzte, war es ein langer Weg. $QIDQJGHUHU-DKUHZDUHUVWPDOVYRQÄLQWHUNXOWXUHOOHU(U]LHKXQJ³GLH5HGH'LHV war die Zeit in der schon die Kindergeneration der Gastarbeiter in die deutschen Schulen ging, aber trotzdem waren die Bemühungen zu einer interkulturellen Erziehung nur halbherzig und wenig effektiv. Ein Problem war, dass die meisten Migranten zu diesem Zeitpunkt in Deutschland, anders als in den USA oder Großbritannien, noch keine staatsbürgerlichen Rechte besaßen und somit es auch nicht riskierten ihrem Unmut über die unzureichende Bildung ihrer Kinder Luft zu machen (vgl. Auernheimer 2007: 34).
W. Nieke hat die Entwicklung des interkulturellen Lernens seit den 1980er Jahren beobachtet und diese in Phasen unterteilt. Im Laufe der Zeit hat er ständig
5
Arbeit zitieren:
Steffen Blatt, 2010, Interkulturelles Lernen im Geographieunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Darstellung postmoderner Aspekte in Christoph Ransmayrs Werk 'Die ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 17 Seiten
Philosophieren mit Schülern über "Das Zeichen in meiner Hand"...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Ferntourismus am Beispiel Tunesiens
Geowissenschaften / Geographie - Didaktik d. Geographie
Unterrichtsentwurf, 23 Seiten
Fontane, Theodor - Effi Briest - Figurenentwurf, Leitmotivik, Bildlich...
Ausarbeitung, 9 Seiten
Eine Analyse zu Gottfried Kellers "Pankraz, der Schmoller"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 19 Seiten
Unterrichtsskizze: Was ist fairer Handel?
Erarbeitung und Gegenüberstell...
Politik - Didaktik, politische Bildung
Unterrichtsentwurf, 12 Seiten
Darstellung von Werbung in verschiedenen Medien
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Verschuldung eines vermeintlichen Helden. Über Wilhelm Raabes Stopfkuc...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Unterrichtsstunde: Handlungsorientierter Umgang mit einem Märchen
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 31 Seiten
Gottfried Kellers "Pankraz der Schmoller"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 26 Seiten
Unterrichtsmodell zu Ernst Jandls Gedicht -im park-
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 16 Seiten
Die Bedeutung der Roten Schanze in Wilhelm Raabes 'Stopfkuchen'...
Hausarbeit, 22 Seiten
Das poetische Konzept von Michael Ende - Eine Gesamtinterpretation von...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 52 Seiten
Unterrichtsstunde: Wo wohnen die Schülerinnen und Schüler meiner Klass...
Unterrichtsentwurf zur Einführ...
Geowissenschaften / Geographie - Didaktik d. Geographie
Unterrichtsentwurf, 18 Seiten
Leben nach dem Tod - Über die Ansichten von Religion und Wissenschaft,...
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Seminararbeit, 28 Seiten
Erzähltextanalyse von Theodor Fontanes Effi Briest
Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik
Hausarbeit, 15 Seiten
Motive für den preußischen Chausseebau in den Jahren 1815 bis 1835
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Traditionelle und moderne Landwirtschaft in Spanien
Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie
Seminararbeit, 25 Seiten
Steffen Blatt's Text Interkulturelles Lernen im Geographieunterricht ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Steffen Blatt hat den Text Interkulturelles Lernen im Geographieunterricht veröffentlicht
Steffen Blatt hat einen neuen Text hochgeladen
Mit Beiträgen zum Deutsch- und...
Petra Meurer, Martina Ölke, Sabine Wilmes
Zu Gast in China. Interkulturelles Lernen in chinesischen Gastfamilien
Eine Längsschnittstudie über d...
Gwendolin Lauterbach
Interkulturelles Lernen in der Grundschule - Wer lernt von wem
Miteinander und übereinander l...
Hans Bühler, Simone Fuoss-Bühler
Interculturele Leerprocessen - Interkulturelles Lernen: Hoe Verandert ...
Dipl -Soz -Wiss Guenter Wiedemann
0 Kommentare