Zusammenfassung
Die vorliegende Bachelorarbeit beschäftigt sich anhand einer Analyse der Social Net-working Website „Facebook“ mit den Phänomenen der „Eindrucksbildung“ und der „Selbstdarstellung“.
Eine Studie der Pricewaterhouse Coopers aus dem Jahr 2008 hat ergeben, dass sich soziale Online-Netzwerke wie „YouTube“, „Xing“, „StudiVZ“ und „Facebook“ im Zeitalter des Web 2.0 wachsender Beliebtheit erfreuen. Die meisten der in der Studie untersuchten Netzwerke weisen dabei einen Bekanntheitsgrad von 50 - 96% bei den Befragten auf. Gerade in der Altersgruppe der 20 - 28jährigen ersetzt ein solches soziales Netzwerk häufig die Funktionen von SMS, E-Mail oder Telefon, da 50% der befragten Nutzerinnen und Nutzer den Kontakt zu Personen mit ähnlichen Interessen anstreben und überwiegend solche Online-Plattformen bevorzugen, in denen der eigene Freundeskreis vertreten ist (Pricewaterhouse Coopers, 2008). Bedingt durch unsere Umwelt, die uns bestimmenden Umstände und die uns umgebenden Personen wechselt jeder Mensch jeden Tag sein Erscheinungsbild und/oder sein Verhalten. Dabei steht zumeist nicht im Vordergrund, den besten Eindruck für eine bestimmte Situation zu erzeugen, sondern es geht vielmehr um die Herstellung und Aufrechterhaltung eines strategischen interpersonellen Kontakts. Das Netzwerk „Facebook“ ist mit über fünf Millionen deutschen Nutzern 1 eines der größten Online-Portale und bietet seinen Mitgliedern unzählige Möglichkeiten, ihren Kontakten durch das Aufzeigen und Mitteilen vielfältiger Aspekte des eigenen Lebens ein entsprechendes Bild von sich selbst zu vermitteln (Facebook, 2009). Ziel dieser Arbeit ist nun die Überprüfung, welcher Zusammenhang zwischen der Nutzungsintensität der Plattform „Facebook“, den Persönlichkeitsmerkmalen der Nutzer und dem Grad des „self-monitoring“ der einzelnen Probanden besteht. Auf der Grundlage der Inhalte der Theorien des „Impression Management“ und des „self-monitorings“ wurde hierzu (2009) eine Onlineumfrage mit N= 194 Befragten durchgeführt.
1 Als Nutzer wird im Verlauf dieser Arbeit das Mitglied der Community „Facebook“ verstanden.
Der Einfachheit halber wird hier die männliche Form verwendet, welche die weibliche aber ein-
schließt.
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Abstract
The Bachelor Thesis which you are about to read and enjoy deals with the theory of impression management and profiling of and on the social networking website Facebook.
A 2008 study by Pricewaterhouse Coopers detected a growing trend in popularity amongst social networks such as YouTube, Xing, StudiVZ and Facebook in the era of Web 2.0. Of the studied networks, the majority were known to 50 - 96% of the participants. Especially amongst the age group 20 - 28 year olds, do the aforementioned networks have the opportunity to replace texting, e-mailing and telephoning. This is due to the fact that 50% of the users who were interviewed prefer contact to people with similar interests and of this 50%, the younger users predominantly use the networks in which their peer groups are active (Pricewaterhouse Coopers, 2008). Influenced by our environment, which provides us with dominating and determining factors and people, we are inclined to change our image and appearance as well as our behavior, on a daily basis. Having said that, for the most part it is not our main objective to create the best impression for a particular situation, but moreover to produce and sustain strategic interpersonal contacts.
With over five million German users, the network Facebook is one of the biggest portals and offers its members many opportunities and possibilities to show their contacts an accurate picture of who they are as a person, through depicting and sharing many varying aspects of their lives (Facebook, 2009).
Therefore the aim of this thesis is to verify which, if any, correlation exists between the intensity of usage of the platform Facebook, the personality traits of the user and the degree of the individual “self-monitoring” of participants. On the basis of impression-management-theory and self-monitoring-theory, it was necessary to conduct an onlinesurvey which was completed by 194 participants.
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Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 6
1. Einleitung 8
2. Impression Management in der Interaktion auf Facebook 10
2.1 Der Begriff des Web 2.0 10
2.1.1 Das Web als Plattform 11
2.1.2 Kollektive Intelligenz 11
2.1.3 Daten als „Intel Inside“ 11
2.1.4 Software ohne Lebenszyklus 12
2.1.5 Lightweight Programming Models 12
2.1.6 Software über Gerätegrenzen hinweg 13
2.1.7 Rich User Experiences 13
2.2 Facebook - Daten und Fakten 13
2.2.1 Die Anziehungskraft von Social Networks wie Facebook 14
3. Selbstdarstellung - Die Präsentation der eigenen Person 15
3.1 Selbstbezogene und prosoziale Motive der Selbstdarstellung 16
3.2 Begriffsdefinition Impression Management 17
4. Die Impression-Management-Theorie 18
4.1 Ursprünge der Theorie 18
4.2 Die Impression-Management-Theorie nach Tedeschi 19
4.3 Assertive Taktiken 21
4.3.1 Ingratiation 21
4.3.2 Self-Promotion 22
4.4 Die Theorie des Self-Monitoring 22
4.4.1 Neuere Ansätze der Self-Monitoring-Theorie 23
4.5 Impression Management und die Persönlichkeit 24
4.5.1 Das Modell der „Big Five“-Faktoren 25
4.5.2 Die Persönlichkeitsausprägung „Extraversion“ 25
5. Konzeption und Methode 26
5.1 Objektivität, Reliabilität und Validität 27
5.1.1 Objektivität 27
5.1.2 Reliabilität 28
5.1.3 Validität 29
5.2 Stichprobenwahl und Grundgesamtheit 30
5.3 Forschungsdesign 31
5.3.1 Untersuchungsleitende Fragestellung und Hypothesen 32
5.4 Operationalisierung 33
5.4.1 „Ingratiation“ 33
5.4.2 „Self-Promotion“ 34
5.4.3 Erfüllung der Testgütekriterien 34
5.4.3.1 Objektivität 34
5.4.3.2 Reliabilität 34
5.4.3.3 Validität 34
5.5 Durchführung der Befragung 35
4
6. Auswertung des Fragebogens 35
6.1 Die statistische Auswertung durch Unipark 35
6.2 Auswertung durch SPSS 36
6.3 Repräsentativität der Stichprobe 36
6.3.1 Allgemeine Informationen 36
6.3.2 Deskriptive Statistik 37
6.4 Auswertung der Hypothesen 37
6.4.1 Facebook und Extraversion 37
6.4.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede 39
6.4.3 Extraversion, Self-Monitoring und Self-Promotion 42
6.5 Interpretation der Ergebnisse 43
6.5.1 Facebook und Extraversion 43
6.5.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede 43
6.5.3 Extraversion, Self-Monitoring und Self-Promotion 44
7. Fazit 46
Literaturverzeichnis 48
Anhang 53
5
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Facebook Demographie in Deutschland
Abb. 2: Positive Selbstdarstellungsformen
Abb. 3: Bildung der Persönlichkeit
Abb. 4: Unterschied Self-Monitoring männlich-weiblich
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Abkürzungsverzeichnis bzw. = beziehungsweise usw. = und so weiter HSM = high self-monitorer LSM = low self-monitorer NEO-FFI = NEO - Fünf-Faktoren-Inventar
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1. Einleitung
Im Privat- und Arbeitsleben eines jeden Menschen ist es von zentraler Bedeutung, wirksam mit anderen Personen interagieren und kommunizieren zu können. Die meisten zwischenmenschlichen Interaktionen erfolgen dabei ganz automatisch und ohne eine bewusste Reflexion, wobei die psychischen Prozesse, die auf die Interaktion einwirken, dennoch äußerst komplex sein können (Forgas, 1995). In den letzten Jahren hat auch die Bedeutung von sogenannten „Social Networks“ stark zugenommen. Ihre Anziehungskraft liegt vor allem darin begründet, dass sie die Möglichkeit bieten, Freundschaften und Kontakte auch über große räumliche Distanzen aufrechtzuerhalten (Hass, Walsh & Kilian, 2008). Zugleich scheint die Anonymität des Internets die Nutzer von sozialen Netzwerken jedoch auch dazu zu verführen, in zunehmendem Maße in diesen virtuellen Räumen für sich selber „Werbung zu betreiben“ und sich damit auf eine sehr entblößende und häufig unauthentische Weise seinen Mitnutzern zu präsentieren (Rosenbloom, 2008): „Auf der Suche nach Beachtung und Selbstausdruck stülpen viele im Internet, dieser Öffentlichkeit für jedermann, ihr Innenleben nach außen (…)“ (Simons, 2009, o. S.).
So können bei vielen Individuen Differenzen zwischen dem tatsächlichen Selbst und dem Fremdbild entstehen, die im Alltag zunächst kaum spürbare Auswirkungen auf die Person und ihre Psyche zu haben scheinen, langfristig aber zu Persönlichkeitsstörungen führen können (Leary, 1996).
Die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführte Befragung zielt nun darauf, exemplarisch den Zusammenhang zwischen der Extraversion einer Person, ihrer Affinität zur Selbstüberwachung und dem Betreiben der Impression-Management-Taktiken „Ingratiation“ oder „Self-Promotion“ innerhalb des Netzwerks „Facebook“ zu analysieren. Die Untersuchung wurde dabei mittels eines standardisierten Fragebogens durchgeführt. Der an die Einleitung anschließende Theorieteil beinhaltet sechs zentrale Schwerpunkte: Im ersten Teil wird der Begriff des „Web 2.0“ verdeutlicht, einige Daten und Fakten zu der Online-Community „Facebook“ vorgestellt und der Ursache für die Anziehungskraft von „Social Networks“ nachgegangen. Hieran anschließend wird das Phänomen der Selbstdarstellung beleuchtet, um einen allgemeinen Einstieg in die zentralen Aspekte und Motivationen menschlicher Selbstpräsentation zu bieten. Die Darstellung der „Impression-Management-Theorie“ von Tedeschi mit ihren assertiven Taktiken „Ingratiation“ und „Self-Promotion“ bildet den dritten Teil dieser Arbeit. In diesem Zusammenhang werden auch die Theorie des „Self-Monitorings“ und das Modell der „Big Five“ behandelt.
8
Daraufhin wird mit der Vorstellung der Konzeption und Methode der durchzuführenden Studie zuerst ein Überblick über die Testgütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität geboten, woran sich eine Darstellung des Forschungsdesigns anschließt. Hierauf folgt die Überprüfung der Gültigkeit der Untersuchung.
Der vorletzte Teil der Arbeit liefert schließlich einen kurzen Überblick über die Stichprobe der Untersuchung, deren Ergebnisse dann ausgewertet, diskutiert und abschließend zusammengefasst werden.
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2. Impression Management in der Interaktion auf Facebook
Im Zeitalter der digitalen Kommunikation bieten sich den Nutzern von sozialen Netzwerken im Internet neue Möglichkeiten der zwischenmenschlichen Interaktion. In der Welt der Social Communities existieren heute keine Vorgaben mehr, welche Informationen über die Nutzer in den privaten oder sogar intimen Bereich fallen und welche nicht. Gerade auf der für alle einsehbaren „Pinnwand“ 2 der Networking-Plattform „Facebook“ ist die Definition und Einhaltung der Privatsphäre ganz dem Willen des Einzelnen überlassen. So kann man durch das Ändern seines Beziehungsstatus geradezu in Echtzeit über das Scheitern einer Beziehung berichten, über einen alltäglichen Misserfolg wie einen verpassten Bus informieren, aber auch die Infektion mit einer schweren Krankheit veröffentlichen. Gerade diese vielen kleinen Mitteilungen, die ernst oder trivial sein mögen, vermitteln dem einzelnen Nutzer ein Gefühl der persönlichen Wichtigkeit innerhalb einer Gemeinschaft, in der er eigentlich nur ein winziger „Punkt“ im Netz ist (Simons, 2009, o.S.).
Insgesamt ist es für uns Menschen sehr wichtig, dass „unsere Interaktionen und zwischenmenschlichen Beziehungen gewinnbringend und erfolgreich sind“ (Forgas, 1995, S.1). Daher agieren Individuen normalerweise sehr aktiv und sensibel im Management des Eindrucks, den sie vermitteln wollen (Bromley, 1993). In Social Communities fehlt jedoch die in realer Interaktion so wichtige nonverbale Komponente, also die Mimik, Gestik oder auch Kleidung, so dass die Nutzer bezüglich ihres Eindrucks im virtuellen Raum dieses Manko kompensieren müssen. Sie versuchen deshalb durch das so genannte „Impression Management“, beziehungsweise ihre jeweilige Art der Selbstdarstellung, ihre Außenwirkung zu steuern und dadurch ihr Gegenüber in der Wahrnehmung der eigenen Person zu beeinflussen.
2.1 Der Begriff des Web 2.0
Heutzutage werden wir fast täglich mit dem Begriff des „Web 2.0“ konfrontiert, wobei an den wenigsten Stellen eine genaue Definition dieser Wendung geliefert wird. Der Zusatz des „2.0“ findet seinen Ursprung in der Informatik, in der jeder Weiterentwicklung einer Software nach der Version des Programms aufsteigend Nummern zu-geordnet werden. Während Veränderungen der Zahlen hinter dem Komma meist nur eine Verbesserung des Ursprungsprogramms ausdrücken, deuten neue Nummern vor dem Komma auf eine grundlegende Veränderung des Programms hin (Behrendt & Zeppenfeld, 2008).
2 Die Pinnwand ist das erste Element auf seiner individuellen Startseite. Auf dieser Pinnwand
sieht man sämtliche Aktivitäten seiner Freunde.
10
Geprägt wurde der Begriff Web 2.0 von Tim O’Reilly, der in seinem gleichnamigen Verlag im Jahre 2005 den Artikel „What is Web 2.0“ veröffentlichte. Dabei werden von ihm sieben Merkmale aufgeführt, die für eine Web 2.0 Anwendung ausschlaggebend sind, allerdings nicht alle zwingend von einer Anwendung erfüllt sein müssen. „Eine deutliche Ausprägung eines einzelnen Faktors sei oftmals sehr viel aussagekräftiger, als wenn alle sieben jeweils nur oberflächlich berührt würden“ (Behrendt & Zeppenfeld, 2008, S.11).
Im Folgenden werden diese sieben Merkmale beschrieben.
2.1.1 Das Web als Plattform
Das „Web“ dient in der heutigen Zeit als eine Plattform für eine Vielzahl von Internetapplikationen, die von den Nutzern im Internet abgerufen und benutzt werden können. Hierbei bedarf es meist nur einer „Desktop-Applikation“ wie dem Mozilla Firefox 3 , um diese Internetapplikationen auszuführen (Behrendt & Zeppenfeld, 2008). O’Reilly definiert diese Plattform folgendermaßen: „You can visualize Web 2.0 as a set of principles and practices that tie together a veritable solar system of sites that demonstrate some or all of those principles, at a varying distance from that core.“ (O’Reilly, 2005, o.S.).
2.1.2 Kollektive Intelligenz
„Kollektive Intelligenz“ meint im Zusammenhang mit Technologie „die Kombination aus Verhalten, Vorlieben und Ideen einer Gruppe von Leuten, um neue Einblicke zu erhalten“ (Segaran, 2008, S. 2).
Diese kollektive Intelligenz macht sich das Web 2.0 zu Nutze. Durch Hyperlinks werden neue Inhalte und Seiten von Nutzern unverzüglich in die Struktur des Webs einbezogen. Man kann dieses Phänomen mit den Synapsen im Gehirn vergleichen: Werden Assoziationen durch Wiederholung und Intensität stärker, so wächst auch das Netz der Hyperlinks durch den Input der kollektiven Aktivitäten aller Internetnutzer (Holz, 2008).
2.1.3 Daten als „Intel Inside“
Die Erfolgsvoraussetzung für bedeutende Internetapplikationen sind spezialisierte Datenbanken. So verfügt das Auktionsportal „Ebay“ beispielsweise über eine Produkt-und Verkäuferdatenbank, die Verkaufsplattform „Amazon“ über eine ausgeprägte Pro-
3 MozillaFirefox ist ein Internetbrowser der Firma Mozilla, der Internetnutzern den Zugang zu
Webseiten des World Wide Web ermöglicht.
11
duktdatenbank und die Suchmaschine „Google“ über das Phänomen des „webcrawlings“ (Holz,2008). „Web-crawling“ meint hierbei das Durchstreifen des Internets nach Webseiten, die anhand von Schlüsselbegriffen in einem festgelegten Index katalogisiert werden (Ritter, 2004). Diese Daten sind der spezialisierte Input der Applikationen, meist die einzige Einkommensquelle in diesen Systemen, die sonst auf die eine oder andere Art öffentlich zugänglich sind (Holz, 2008).
2.1.4 Software ohne Lebenszyklus
In der heutigen Zeit zunehmender Internetnutzung besitzt aktuelle Software die Eigenschaft, weniger Produkt als ein Service zu sein, was zu fundamentalen Änderungen im Geschäftsmodell dieser Firmen führt (Holz, 2008):
- Die Betriebsabläufe stehen im Fokus der Unternehmenskompetenz, da eine Software ohne tägliche Pflege schnell an Leistungsfähigkeit verliert.
- Die Überwachung und Beobachtung von „Open-Source-Produkten“ 4 ist zu einer wichtigen Kernkompetenz geworden. Der Grundgedanke von „Open-Source“ hat mit den ewigen Beta-Versionen einer Software seinen Extrempunkt erreicht. Die Software ist so für öffentliche Nutzer und Entwickler zugänglich und erlebt dadurch monatliche, wöchentliche oder sogar tägliche Updates. Hierbei können Echtzeitbeobachtungen des Nutzerverhaltens Aufschluss darüber geben inwiefern neue Features von den Nutzern verwendet werden (Holz, 2008).
2.1.5 Lightweight Programming Models
Mit der Idee des „Web Service“ kamen viele Unternehmen mit komplexen Web Services auf den Markt, die „der Kreation hochverfügbarer Programmierumgebungen für verteilte Anwendungen dienen sollten“ (Holz, 2008, o.S.). Aber mit dem Erfolg des Webs wuchs auch die Nachfrage nach einem Pragmatismus des idealen Designs, wodurch sich „RSS“ durch seine Einfachheit zum bisher erfolgreichsten Internetservice entwickelte. RSS steht für „really simple syndication“ und ist ein Dienst, „der in regelmäßigen Abständen einen Blog auf Aktualisierungen überprüft und den Abonnenten des RSS-Feeds die neuen Einträge anzeigt“ (Kollmann, 2009).
4 „Open Source“ bedeutet, dass der Quellcode eines Softwareprogramms für jeden zugänglich
und damit frei veränderbar ist.
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2.1.6 Software über Gerätegrenzen hinweg
Ein weiterer wichtiger Punkt für das Web 2.0 ist die Geräteunabhängigkeit. Die Entwicklung des Webs führt in eine Richtung, in der synthetische Anwendungen aus verschiedenen Diensten von unterschiedlichen Computern bestehen (Holz, 2008). Das beste Beispiel hierfür liefert die Software „iTunes“. Dieses Programm schafft es als Service, mobile Endgeräte mit einem enormen Web-Backend zu verbinden, wobei der PC als lokaler Speicher fungiert. Es vereinigt einige Kernkompetenzen des Webs 2.0. Obwohl „iTunes“ per se keine reine Webanwendung ist, nutzt es das Web äußerst wirksam als einen Bestandteil seiner Infrastruktur (Holz, 2008).
2.1.7 Rich User Experiences
Mit der Entwicklung der Programmiersprache „JAVA“ im Jahre 1995 von SUN Microsystems konnten sogenannte „Applets“ auf Webseiten eingespeist werden. Dabei sind Applets kleine Programme, die vom Browser auf der jeweiligen Webseite ausgeführt werden können (Kollmann, Siepermann & Lackes, 2009). Sie bildeten die Grundlage für weitere Programmiersprachen, die es den Programmieren ermöglichten, die Benutzerführung auf Webseiten zu verbessern und damit auch die „RUEs“ 5 (Rich User Experiences) zu optimieren.
Anhand dieser Erkenntnisse lässt sich das Phänomen des Web 2.0 am besten folgendermaßen zusammenfassen:
„Der Begriff Web 2.0 beschreibt alle Internetapplikationen, die hohe Gestaltungs-
und Kommunikationsmöglichkeiten für den User bereitstellen. Damit unterschei-
det sich das Web 2.0 vom Web 1.0 durch ein anderes „Selbstverständnis“ des
Internets, durch die intensive Einbindung des Nutzers in die Gestaltung der Inhal-te und durch die Dialoge“ (Haas, Trump, Gerhards & Klingler, 2007, S. 215).
2.2 Facebook - Daten und Fakten
Das Internetportal „Facebook“ gehört zur Familie der sozialen Online-Netzwerke. Diese Art von Networking-Plattformen, die auch als „Social Networks“ oder „Social Network Services“ bezeichnet werden, ermöglichen dem Nutzer Mitglied eines virtuellen Netzwerkes zu werden, über das er sich mit vielen anderen Nutzern verbinden kann. Im weitesten Sinne handelt es sich hierbei um Kommunikationsplattformen, die dem Aufbau und der Pflege persönlicher Kontakte dienen, wobei hier ganz unterschiedliche
5 Als Rich User Experience versteht man den Mehrwert, den die Internetnutzer durch Applets
bekommen.
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Zielgruppen existieren: Verknüpfen sich Berufstätige auf Plattformen wie „Xing“ oder „LinkedIn“, treffen sich Studenten auf „StudiVZ“ und „Facebook“ und Singles probieren ihr Glück auf Partnervermittlungsseiten wie „Parship“, „neu.de“ oder „eDarling“ (Hass, Walsh & Kilian, 2008).
Die Plattform Facebook wurde im Februar 2004 von den Studenten Mark Zuckerberg, Eduardo Saverin, Dustin Moskovitz und Chris Hughes an der Harvard-University gegründet und war anfangs nur als Netzwerk für die dortigen Studenten gedacht (Facebook, 2009). Mittlerweile gehört Facebook mit derzeit über 350 Millionen aktiven Nutzern zu einer der größten Networking-Plattformen der Welt, ist in über 70 Sprachen erreichbar und ist aufgrund der Daten seiner registrierten Nutzer 15 Milliarden Dollar wert (Schmitz, 2008).
Im Durchschnitt hat jeder Nutzer dieser Plattform 130 Freunde, versendet 8 Freundschaftsanfragen im Monat, verbringt täglich mehr als 55 Minuten mit der Nutzung ihrer Angebote und kommuniziert mit mehr als 25 Kommentaren mit seinen Kontakten (Facebook, 2009)
Im November des Jahres 2009 waren erstmals 5,4 Millionen deutsche Nutzer auf Facebook aktiv, wobei die Altersgruppe zwischen 18 und 35 Jahren mit knapp drei Millionen Nutzern den größten Anteil ausmacht. Dies ist in der folgenden Abbildung verdeutlicht:
Abb. 1: Facebook Demographie in Deutschland (Wiese, 2009)
2.2.1 Die Anziehungskraft von Social Networks wie Facebook
Der große Vorteil von Online-Communities wie Facebook liegt in der fast unbegrenzten Reichweite, in der die Nutzer im Gegensatz zum realen Leben Kontakte aufbauen, pflegen und aufrechterhalten können. Durch zusätzliche „multiplexe Kommunikationsmöglichkeiten werden Nachrichten von einer Vielzahl an Mitgliedern wahrgenommen (…)“ (Hass, Walsh & Kilian, 2008, S. 103), was auch zu einem subjektiven Zugehörigkeitsgefühl führen kann (Hass, Walsh & Kilian, 2008).
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Um allerdings in der Masse der Nutzer nicht unterzugehen, sind die Mitglieder dazu gezwungen, ihre Vorzüge zur Schau zu stellen und sich als etwas Besonderes von der Masse abzuheben. Denn mit der stetigen Zunahme an individuellen Websites sinkt das Interesse der Gemeinschaft für den Einzelnen. Um also Aufmerksamkeit und Anerkennung von den anderen Mitgliedern zu erhalten, entwickeln die Nutzer eigene Aufmerksamkeitstechniken und bedienen sich bestimmter Strategien und Techniken um sich in der Öffentlichkeit zu inszenieren. Die scheinbare Anonymität des Internets erleichtert es dabei auch schüchternen Menschen, sich nach außen zu präsentieren. Fast instinktiv werden hierbei immer wieder die Themen gesucht, die seit jeher unter den Menschen für starke Erregung sorgen: Große Gefühle, Skandale und Sex. Dabei handelt es sich um kalkulierte Tabubrüche, die das einzelne Individuum in den Mittelpunkt stellen und letztlich zu einer Art Exhibitionismus führen, durch die auch die letzten Schamgrenzen der Selbstdarstellung gesprengt werden (Bolz, 2006a). Das Individuum kann „so die ganze Welt über [seine] Existenz informieren. (…) Die jungen Medien bieten ein neues Forum: Exhibitionismus - leichtgemacht. Sie können über die körperliche Beschränktheit hinaus Selbstdarstellung betreiben, ein ganz anderes Ich aufbauen“ (Bolz, 2006b, S.68).
Der Mechanismus dahinter ist immer derselbe: Durch das Veröffentlichen von intimen Details erhält man Beachtung, die wiederum Anerkennung suggeriert und dadurch das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert.
Aber auch der Voyeur profitiert: Das menschliche Gehirn hat die Eigenschaft, alles aufsaugen zu müssen, was mit fremden Individuen in Verbindung stehen könnte. Hierbei spielt zum einen Neugier eine große Rolle, zum anderen sucht man zwangsläufig auch den Vergleich mit anderen Menschen, beneidet ihre Stärken und wird zugleich durch ihre Schwächen im eigenen Selbst bestärkt (Mai & Matthes, 2007). Diese moderne Art des „Seelen-Striptease“ hat ihren Ursprung in der Illusion von Intimität: Halten uns in der echten Kommunikation die Gesprächspartner durch ihr unmittelbares verbales oder nonverbales Feedback davon ab, zu viel von sich preiszugeben, verschmilzt die Welt zu Hause auf dem Sofa zu einem 1280 mal 1024 Pixel großen Bildschirm, vor dem zunächst nichts peinlich erscheint. Hierbei wird jedoch oft vergessen, dass der Grat zwischen Selbstvermarktung und Selbstentblößung, auf dem die Menschen virtuell balancieren, nur sehr schmal ist, und sich letztlich doch negative Schamgefühle im Inneren einstellen können (Mai & Matthes, 2007).
3. Selbstdarstellung - Die Präsentation der eigenen Person
Individuen sind in der Lage, von sich selbst ein Konzept zu entwickeln. Auf seiner Basis wird versucht, das Bild der eigenen Person sowohl im Inneren als auch nach außen
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Arbeit zitieren:
Roman Klesper, 2009, Der Vorhang fällt - Eine Studie zur Eindrucksbildung am Beispiel der Social Networking Website Facebook, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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