Inhalt
1 Einleitung 3
2 Die Herkunft und Begriffsverschiebungen des Theaters 4
3 Die natürliche Darstellung nach Friedrich Schiller 6
4 Exkurs: Die Natur des Publikums und des Schauspielers im 18. Jahrhundert 7
5 Formen der Natur auf der Bühne 8
5.1 Der Schauspieler 8
5.2 Die Rolle 8
5.3 Die dramatische Handlung 9
6 Das Fehlen der Natur auf der Bühne 10
6.1 Der Schauspieler 10
6.2 Die Rolle 10
6.3 Die dramatische Handlung 10
7 Schlusswort 11
8 Anmerkungen 12
9 Bibliographie 13
9.1 Primärliteratur 13
9.2 Sekundärliteratur 13
2
1 Einleitung
Der Erfolg von Friedrich Schillers erstem Drama „Die Räuber“, von der Erstaufführung am 13. Januar 1782 in München bis weit ins 19. Jahrhundert, ist unumstritten. 1 Dies hat weniger mit Schillers neuartiger Vorstellung von der natürlichen Darstellung einer Rolle auf der Bühne zu tun. 2 Vielmehr ist von dem allgemeinen Interesse des Publikums an der dramatischen Handlung, an Recht und Unrecht, an der Ausführung der Gerechtigkeit, und vom Theaterbesuch als einem gesellschaftlichen Ereignis auszugehen. 3 Dennoch sollen hier der Einfluss und die Relevanz bzw. die Möglichkeit der Anwendung von Schillers Naturbegriff, sowohl im Bezug auf den Schauspielenden, als auch auf seine Rolle und die dramatische Handlung auf der Bühne untersucht werden. Es soll ebenfalls versucht werden, auf der Ebene des Schillerschen Begriffs der Nachahmung der Natur auf der Bühne, eine mögliche Verbindung zwischen dem Schauspieler und seiner Rolle, dem Schauspieler und seines Publikums, und des Publikums und des Stückes selbst herzustellen bzw. nachzuvollziehen.
Anhand von Dokumentationen zur Erstaufführung des Stückes und der Buchausgabe des Stückes, sowie Schillers Selbstrezension desselben, soll allenfalls der Versuch einer Rekonstruktion der tatsächlichen Anwendung bzw. Anwendbarkeit von Schillers theoretischer Vorstellung von der natürlichen Darstellung, auf die Aufführung unternommen werden. Auch die zumindest partielle Realisierbarkeit einer solchen Darstellung soll hier untersucht bzw. festgehalten werden.
1 Vgl. Hadamowsky, Franz: Schiller auf der Wiener Bühne 1783-1959. Festausgabe zu Schillers 200.
Geburtstag. Wien: Wiener Bibliophilen-Gesellschaft 1959 S. 33.
2 Vgl. Schiller, Friedrich: Vorrede zu den ‚Räubern’ (1781). Stuttgart: Reclam, 1969, S. 3-6.
3 Vgl. Kapitel 3.
3
2 Die Herkunft und Begriffsverschiebungen des Theaters
Um zu verstehen welches Paradox die von Schiller geforderte natürliche Darstellung eines Menschen auf der Bühne darstellt, müssen zunächst die Rolle des Schauspiels, einst des Spiels, und somit die eigentliche Herkunft des Theaters kurz erläutert werden. Lange vor seiner heutigen Form lebte das Theater im Spiel und in Form von Ritualen. Das Erstere ist so alt wie der Mensch selbst. Wenn wir heute spielen, verstellen wir uns. Nicht weil wir das wollen, sondern weil das Spiel es von uns verlangt. 4 Ganz gleich ob es Kinder sind, die Gut und Böse spielen und so ihren Spaß haben, oder Erwachsene, die sich zu einem bestimmten Zweck, zur Erreichung eines bestimmten Ziels, oder auch aus einem, jedem Anderen unbekannten Grund verstellen, wie jeder Schauspieler, der nur eine bestimmte Rolle spielt, spielen wir im Alltag im allgemeinen alle eine Rolle. Somit spielen wir alle Theater. 5 Diese Art von Theater ist dem Alter von Kulturen, Gemeinschaften gleichzustellen, weshalb in diesem Sinne das Theater auch als etwas schon immer da Gewesenes betrachtet werden kann. Einen ersten Schritt zu der Form des Theaters, wie wir es heute kennen, stellt das Ritual dar. 6 Beispielsweise deuten auch alte ägyptische Zeichnungen und Ausgrabungen auf Rituale hin. Im Antiken Griechenland fanden solche Rituale in Form von Volksfesten und Wettbewerben Gebrauch. Mit dem Bau und der Etablierung des Zuschauerraums wurde hier der Grundstein für das heutige Theater gelegt. 7
Während im Mittelalter das Theater nach dem griechischen Vorbild verstummte, und das Theater erst wieder gegen Ende dieser Epoche, in Form vom Osterspiel und Geistlichen Spielen auftauchte, markierten die Renaissance, die Spanische und die Französische Klassik eine Wiederauferstehung der griechischen Tragödie. Diese stellte in der Form die Basis des Dramas der Neuzeit dar. 8 Das in Bau-, Bühnen und Spielformen international einheitliche Barocktheater 9 umfasste das Ende des 16., das 17., und den Anfang des 18. Jahrhunderts. Das 18. Jahrhundert brachte eine entscheidende Wende für das europäische Theater. So standen nicht mehr die Dichtkunst und die Auseinandersetzung mit derselben im Vordergrund, sondern war vielmehr die Schauspielkunst der Mittelpunkt des Interesses. Theaterschaffende
4 Vgl. Huinzinga, Johan: Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel. Hamburg: Rowohlt 1987.
5 Goffman, Erving: Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. 6. Aufl. München: Piper 2003.
6 Wulf, Christoph: Die Wiederentdeckung der Rituale. In: Ders.: Anthropologie. Geschichte, Kultur,
Philosophie. Reinbek: Rowohlt 2004.
7 Vgl. Sucher, C.Bernd (Hg.): Theatertheorie. In: Ders.: Theater Lexikon. München: Deutscher Taschenbuch
Verlag 1995.
8 Ebda..
9 Vgl. Barocktheater. Ebda.
4
wie Gotthold Ephraim Lessing, Francesco Riccoboni und Denis Diderot setzten sich nun mit dem Schauspieler und seiner Rolle auseinander. Sie entwarfen eine Reihe von Regeln 10 , sowohl für den Schauspieler selbst, als auch für seine Darstellung auf der Bühne. Auch Friedrich Schiller stellte in seiner Vorrede zu den „Räubern“ seine Anforderungen an den Schauspieler. 11
10 Vgl. hierzu Kapitel 4.
11 Vgl. Schiller, Friedrich: Vorrede zu den ‚Räubern’ (1781). Stuttgart: Reclam 1969. S. 3-6.
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Arbeit zitieren:
Selma Alic, 2008, Die Nachahmung der Natur in „Die Räuber“, München, GRIN Verlag GmbH
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