Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Die Entwicklung der Institution des Areopags bis zu den Reformen des
Ephialtes 462/1 v. Chr. 4
2.1 Die Blutgerichtsbarkeit und ihre Institutionen 4
2.2 Die Blutgesetze des Drakon 5
2.3 Entspricht der Ephetenhof dem Areopag? 6
2.4 Die Entwicklung der athenischen Lebensweise 6
3. Die Reformen des Ephialtes 7
3.1 Ereignisse um 462/1 v. Chr. 7
3.2 Welche Machtbefugnisse wurden dem Areopag genommen? 9
3.3 Gründe für die Wichtigkeit der Reformen 10
3.4 Interpretationsansätze 10
4. Eine zeitgenössische literarische Verarbeitung des Sturzes des Areopags
am Beispiel der Eumeniden des Aischylos 11
5. Demokratische Wende oder lediglich ein Meilenstein auf dem Weg zur
Demokratie ? Ein Fazit 12
6. Quellen- und Literaturverzeichnis 14
2
1. Einleitung
Einer von diesen soll Ephialtes gewesen sein, der die Macht des Rates auf dem Areopag brach und den Bürgern nach Platons Wort den Becher der Freiheit voll bis zur Berauschung einschenkte. 1
Gab Plutarch, von dem dieses Zitat stammt, in seiner Perikles- Biographie den Folgen des Ereignisses des Sturzes des Areopags eine negative Konnotation? Ist ein Rauschzustand nicht ebenso schädlich, wie im Feuer des Augenblicks beglückend? Deutet dieses Zitat auf ein temporäres Vergessen des athenischen Volkes gegenüber der Gesamtsituation hin, in der sie sich befanden und die mit umfassenden Spannungen mit Sparta nicht gerade erfreulich gewesen ist? Der zentrale Gesichtspunkt dabei ist wie die oben bereits von Plutarch tradierte Macht des Areopags ausgesehen hat. Welche Befugnisse hatte der Rat, bevor Ephialtes ihn 462/1 v. Chr. stürzte? Inwiefern soll das in Bezug auf die bereits keimende Pflanze der Demokratie wichtig gewesen sein? Die folgende Arbeit versucht diesen Fragen in drei Teilen nachzugehen. Zunächst soll die Frage beantwortet werden, wie sich der Areopag bis zum Zeitpunkt seiner Entmachtung entwickelt hat. Dabei spielen die Blutgesetze des Drakon sowie die Gesetzgebungen des Solon eine entscheidende Rolle. Zudem soll ein kurzer Überblick über die Entwicklung der athenischen Lebensweise und der Institutionen der Blutgerichtsbarkeit in Athen gegeben werden. Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit den Ereignissen der Jahre 462/1 v. Chr., den Gründen für diese und ihren Folgen für Athen und seine einflussreichsten Machthaber.
Im dritten Teil soll eine Verbindung zu einer zeitgenössischen literarischen Verarbeitung gezogen werden. Dabei sollen insbesondere die Eumeniden des Aischylos auf ihren historischen Hintergrund untersucht werden. Die wichtigsten Quellen, die berücksichtigt werden sollen, sind die Vitae des Plutarch über Kimon und Perikles, Die Eumeniden des Aischylos, die Untersuchungen zum Areopag von Charlotte Schubert, Kurt A. Raaflaub und Maximilian Braun, wobei letzterer in seiner Dissertation auf den Bezug der Eumeniden des Aischylos zum Areopag eingeht.
Ein abschließendes Fazit soll versuchen zu klären, ob die Entmachtung des Areopags eine demokratische Wende oder lediglich ein Meilenstein auf dem Weg zur Demokratie gewesen ist.
1 Plut. Perik. 7
3
2. Die Entwicklung der Institution des Areopags bis zu
den Reformen des Ephialtes 462/1 v. Chr.
2.1 Die Blutgerichtsbarkeit und ihre Institutionen
Der Name Areopag (Ares-Hügel) basiert vermutlich auf einem Mythos der klassischen Zeit. Das erste Blutgericht soll demnach eine Verhandlung vor einem Gericht von Göttern über die Schuld des Kriegsgottes Ares in einem Mordprozess gewesen sein. Dieser soll Halirrhothios, den Sohn des Poseidon, getötet haben, weil dieser Ares¶ Tochter Alkippe vergewaltigt hat. Ares wird in diesem Prozess freigesprochen. 2
Dies ist nicht der einzige Mythos, der sich um den ersten Blutprozess rankt. Maximilian Braun nennt in seiner Monographie drei weitere, die für dieses Ereignis in Betracht kommen könnten. Neben dem oben genannten Prozess des Ares könnte der erste Blutprozess der des Kephalos, der aus Versehen seine Frau Prokris tötet, der des Daidalos, der seinen Neffen Talos aus Neid auf seine Fähigkeiten umbringt oder der des Orest, der seine Mutter Klytämnestra tötet, sein. 3
Dabei wird weder auf die Zuständigkeiten der Gerichte 4 , auf die ich im Folgenden noch eingehen werde, noch auf die Geschichte der Namensgebung des Areopag geachtet.
Es gab fünf Orte, an denen Blutprozesse abgehalten wurden, mit jeweils unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen.
Am Palladion wurden Tötungen wider Willen, Tötungen von Sklaven oder Metöken sowie die mittelbare Tötung, die für einen ausschlaggebenden Plan oder die Absicht zum Mord verurteilt, behandelt.
Die zweite Gerichtsstätte war das Delphinion, wo Tötung im Einklang mit den Gesetzen, wie bei Ehebruch, der in flagranti erwischt wird, oder Tod in Wettkämpfen verhandelt wurden.
2 Vgl. Schubert, C., Der Areopag: Ein Gerichtshof zwischen Politik und Recht, in: Burckhardt, Leonhard/von Ungern- Sternberg (Hrsg.): Große Prozesse im antiken Athen, München 2000, 50-65, Hier: 50.; Vgl. Braun, M., Die Eumeniden des Aischylos und der Areopag, Tübingen 1998, 18.
3 Vgl. Braun (1998), 18.
4 Vgl. Braun (1998), 19.
4
Am Areopag wurden Fälle von vorsätzlicher Tötung, Giftmord oder Brandstiftung (bouleusis) behandelt.
Der Gerichtshof in Phreato war zuständig für die Verurteilung von Exilierten, und als letztes ist das Prytaneion zu nennen, in dem über Tiere und Gegenstände, durch die Menschen zu Tode gekommen waren, verhandelt wurde. 5 Diese Aufzählung macht deutlich, dass von den oben genannten Mythen nur die des Daidalos als vorsätzliche Tötung und somit als vor dem Areopag verhandelbar, eingestuft werden kann. Dies legt den Schluss nahe, dass die Mythen noch keine Trennung nach Gerichtshöfen vornehmen und somit wahrscheinlich zu deren Zeit auch noch keine solche vorgelegen haben kann. 6
2.2 Die Blutgesetze des Drakon
Das Blutgesetz des Drakon, das aus dem Jahr 409/8 v. Chr. in bereits überarbeiteter Fassung vorliegt, bildet das älteste Zeugnis von Blutgerichtsbarkeit. Es ist nicht vollständig erhalten und durch Zitate aus zwei Reden des Politikers und Gerichtsredners Demosthenes ergänzt worden. Trotzdem seien zwei Quintessenzen nach Meinung Charlotte Schuberts zu erkennen. Erstens nehme Drakon eine Regelung von unbeabsichtigter Tötung oder Tötung wider Willen (akon) vor, zweitens eine Regelung über das Verfahren und die Zuständigkeit. Konsequenz einer nachgewiesenen Blutschuld sei das Exil, das zum damaligen Zeitpunkt noch nicht mit der Verbannung im heutigen Sinne gleichzusetzen gewesen sei.
Die Polis übernehme die Verantwortung für die vorsätzliche Tötung und eine Rückkehr aus dem Exil wird ohne Verunreinigung derselben im kultischen Sinne möglich, wenn der betroffene Geschlechterverband (Phratrie) dem Exilierten Verzeihung (aidesis) gewähre. 7
Das Verfahren wurde von 51 Richtern (Epheten) durchgeführt, die nach dem Spruch der Magistrate (Basileis) ihr Urteil fällten und die für die Wahl der Phratriegenossen zuständig waren. Dabei bleibt unklar, ob bei diesem Gerichtsprozess auch Zeugenaussagen gemacht wurden.
5 Vgl. Schubert (2000), 50/51.
6 Vgl. Braun (1998), 19.
7 Vgl. Schubert (2000), 51.
5
Arbeit zitieren:
Kiara Kötz, 2009, Die Entmachtung des Areopags unter Ephialtes: Eine demokratische Wende?, München, GRIN Verlag GmbH
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