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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
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2. Erzählstruktur
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2.1 Kommunikationsmodell 5
2.1.1 Realer Kontext 5
2.1.2 Imaginärer Kontext 6
2.2 Die narrativen Ebenen 7
3. Grenzüberschreitung
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3.1 Erzählebenen 10
3.2 Metafiktion 15
3.3 Spezialfall - mise en abyme 19
4. Fazit
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5. Literatur- und Quellenverzeichnis
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Grafik - Kommunikationsmodell 26
Grafik - Erzählebenen 27
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1. Einleitung
„Die unendliche Geschichte“, veröffentlicht 1979, ist in 26 Kapitel unterteilt, an deren Beginn jeweils eine von Roswitha Quadflieg verzierte Initiale in alphabetischer Reihenfolge steht, mit der das jeweils erste Wort auch beginnt. In den meisten Ausgaben sind die Binnen- und Rahmenhandlung durch farbige Schrift (grün und rot) gekennzeichnet. Durch diese farbliche Kennzeichnung werden zudem die zwei verschiedenen Handlungsräume - Phantásien und die Menschenwelt - voneinander abgegrenzt. „Die unendliche Geschichte“ wurde in über 40 Sprachen übersetzt und erhielt mehrere Preise. In den Jahren 1982 bis 1984 wurde sie von Wolfgang Petersen verfilmt. In filmischer Form gibt es auch einen zweiten und dritten Teil, welche jedoch nicht auf dem Buch basieren und von denen sich Michael Ende auch distanzierte. Des Weiteren gibt es Adaptionen in Form eines Hörspiels, eines Balletts, eines Theaterstückes und einer Oper.
„Die unendliche Geschichte“ 1 erzählt von einem zehn- bzw. elfjährigen Jungen, Bastian Balthasar Bux, der von zu Hause wegläuft, da er sich von seinem Vater unverstanden fühlt und in der Schule nur gehänselt wird. Im Antiquariat von Karl Konrad Koreander stiehlt Bastian ein Buch - „Die unendliche Geschichte“. Er zieht sich damit auf den Schulspeicher zurück und beginnt sie zu lesen.
„Die unendliche Geschichte“ erzählt vom Land Phantásien, das in großer Gefahr schwebt, da es vom 'Nichts' verschlungen wird. Die ‚Kindliche Kaiserin’, die Herrscherin Phantásiens, schickt den Jäger Atréju los, um herauszufinden, wie Phantásien gerettet werden kann und woher das 'Nichts' kommt. Beim Lesen dieses Buches, identifiziert sich Bastian mehr und mehr mit den Figuren, vor allem mit dem Held Atréju, da er genauso mutig und heldenhaft sein möchte. Atréjus Suche führt ihn durch viele Länder Phantásiens und schließlich zum ‚Südlichen Orakel’, wo Atréju durch drei verschiedene Tore gehen muss, um zur ’Uyulála’ zu gelangen, welche ihm eine Antwort auf die Frage der ‚Kindlichen Kaiserin’ geben kann. Von ihr erfährt er, dass einzig ein Menschenkind Phantásien retten könnte, indem es der ‚Kindlichen Kaiserin’ einen neuen Namen gibt, da Phantásien eine fiktive Welt ist, die einzig durch die Fantasie der Menschen Bestand haben kann. Die wachsende Fantasielosigkeit der Menschen ist der Auslöser für das ‚Nichts’, was nun Phantásien bedroht. Bastian wünscht sich, er könnte den Phantásiern helfen, denn er wüsste einen Namen.
1 Alle folgenden Zitate sind entnommen aus: Ende, Michael: Die unendliche Geschichte, Thienemann Verlag, Stuttgart, ©1979 (Keine Jahreszahl der Ausgabe vorhanden), im weiteren Verlauf angegeben als: DuG: Kapitel (in römischen Zahlen), Seitenzahl.
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Atréju berichtet der ‚Kindlichen Kaiserin’, was er erfahren hat, doch diese gibt zu erkennen, dass sie die Lösung bereits wusste. Die Reise Atréjus war lediglich dazu gedacht, dass dieses Menschenkind erkennt, dass es gesucht wird. Bastian fühlt sich angesprochen, will es aber nicht glauben - schließlich liest er nur ein Buch. Dennoch fühlt er sich persönlich angesprochen, als Atréju sagt: „Er will ganz einfach nicht. Es liegt ihm nichts an dir und an Phantásien. Wir sind ihm gleichgültig.“, und reagiert entsetzt: „Nein! Nein!“ [...] „das dürft ihr nicht glauben! Das ist es bestimmt nicht! Ach bitte, bitte denkt nicht so etwas von mir! [...]“ 2 . Bastian scheint zu verstehen, dass er der Retter Phantásiens ist, aber schämt sich, so wie er ist, vor der ‚Kindlichen Kaiserin’ und Atréju zu erscheinen. Die ‚Kindliche Kaiserin’ muss also feststellen, dass sie das Menschenkind auf diese Weise nicht überzeugen kann und macht sich auf die Reise zum ‚Alten vom Wandernden Berge’, der einzige, der noch die Möglichkeit hat dem Menschenkind klar zu machen, dass es als Retter auserkoren ist. Dort angekommen, muss die ‚Kindliche Kaiserin’ auf einer Leiter aus Buchstaben in das Gebäude des ‚Alten vom Wandernden Berge’ hinaufsteigen. Die Sprossen dieser Leiter raten ihr umzukehren, da mit dem Aufeinandertreffen dieser beiden Menschen das Ende und der Anfang aufeinandertreffen, was verboten ist:
Im Innern des Gebäudes sieht sie das Buch „Die unendliche Geschichte“ und einen alten Mann, der in dieses Buch schreibt. Hier zeigt sich „Die unendliche Geschichte“ für Bastian als Verdoppelte, als Buch im Buch. Die ‚Kindliche Kaiserin’ erklärt dem ‚Alten vom Wandernden Berge’ ihren Konflikt und bittet ihn um Hilfe. Die einzige Möglichkeit, den Retter nach Phantásien zu holen, ist es, ihm deutlich zu machen, dass dies seine eigene Geschichte ist. Und so beginnt der ‚Alte vom Wandernden Berge’ „Die unendliche Geschichte“ neu zu erzählen und zu schreiben. Phantásien entpuppt sich hier nun als
2 DuG: XI, 171.
3 DuG: XII, 182.
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Geschichte, die in einem Buch aufgeschrieben steht (vom Chronisten Phantásiens) und zugleich von einem Jungen gelesen wird.
Bastian, der zuerst noch Atréju und seine Abenteuer begeistert lesend mitverfolgte, erkennt nun, dass er der Retter Phantásiens ist. In diesem Moment beginnt er den neuen Namen für die ‚Kindliche Kaiserin’ − ,Mondenkind’ − laut zu rufen. Kurze Zeit später befindet er sich in absoluter Dunkelheit, er hört lediglich die Stimme von Mondenkind. Nun ist er in Phantásien und wird damit auf einmal selbst zum Protagonisten der ‚unendlichen Geschichte’. Mondenkind schenkt ihm ein Samenkorn, welches zu treiben anfängt und neue Samenkörner auswirft, sodass ein Wald von Lichtpflanzen entsteht und Bastian Mondenkind nun auch sehen kann. Sie überreicht ihm ihr Zeichen Auryn, was ihre Macht über ganz Phantásien, seine Naturgesetze und dessen Bewohner darstellt, und ihn nun zu ihrem Stellvertreter macht. In diesem Moment beginnt für Bastian eine lange Reise, in der er Phantásien und auch sein eigenes Selbst nach seinen Vorstellungen und Wünschen umgestalten kann. Auf dieser Reise durch Phantásien und seine eigene Fantasie verändert sich Bastians Selbst und er durchläuft eine Entwicklung, in der die Zunahme der Erfüllung seiner Wünsche der Abnahme der Erinnerungen an seine Identität und Vergangenheit gegenübersteht. Am Ende dieses Prozesses steht der völlige Identitätsverlust Bastians und somit die Unmöglichkeit in die Menschenwelt zurückzukehren. Mit Hilfe des Auryns, Atréjus und Fuchurs gelingt ihm dennoch die Rückkehr zu seinem Vater und Herrn Koreanders Buchladen.
Die vorliegende Hausarbeit analysiert „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende hinsichtlich der enthaltenen Erzählebenenwechsel und einem damit verbundenen Wechsel der Wirklichkeitsebenen. Dies bedingt eine Analyse der vorherrschenden Erzählstruktur, die grundlegend durch die Existenz einer Rahmen- und einer Binnenhandlung determiniert wird und durch ein besonderes Kommunikationsmodell gerahmt wird. Des Weiteren ist speziell das narrative Element der mise en abyme zu untersuchen, welches nicht nur als inhaltlicher Aspekt der Geschichte auftaucht, sondern in der speziellen Form des Buch-im-Buch zudem strukturbildend auf die Erzählung einwirkt und aus diesem Grunde eines der Leitthemen der 'unendlichen Geschichte' darstellt.
„Alle diese Spiele bezeugen durch die Intensität ihrer Wirkungen die Bedeutung der Grenze, die sie mit allen Mitteln und selbst um den Preis der Unglaubwürdigkeit überschreiten möchten [...].“ 4
4 Genette (1998): 168.
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2. Erzählstruktur
Die Analyse der Erzählstruktur der ‚unendlichen Geschichte’ wird einerseits anhand der vorherrschenden Kommunikationssituationen und andererseits hinsichtlich der Erzählebenen der Diegese vorgenommen. Diese Ebenen werden durch ein ihnen übergeordnetes Kommunikationsmodell 5 eingebettet und hierarchisiert. Dieses Modell ist wiederum in verschiedene Ebenen unterteilt, wobei zunächst der reale, fiktionsexterne Kontext und folgend der imaginäre, fiktionsinterne Kontext, welcher eine Besonderheit der Diegese in sich trägt, zu betrachten sind. Des Weiteren werden die Erzählebenen 6 im Hinblick auf ihre Funktion und ihre Beschaffenheit sowie die hieraus entstehende Ordnung der Narration analysiert.
2.1 Kommunikationsmodell
„Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende weist ein besonderes Kommunikationsmodell auf. Dieses bildet die Grundlage der Vermittlung der erzählten Welt und zeichnet sich insbesondere durch die Wiederholungsbeziehung der allgemeinen, fiktionsexternen Kommunikationsstruktur (realer Kontext) innerhalb der fiktionsinternen Welt (imaginärer Kontext), also der Lese-Situation, als eine für diese Diegese spezielle Struktur aus.
2.1.1 Realer Kontext
Dieser Kontext bildet den äußersten Rahmen der Erzählung der ‚unendlichen Geschichte’ und ist nicht Teil der Fiktion. Der reale Kontext umfasst die Kommunikationssituationen zwischen der Position des realen Autors und der des realen Lesers, welche jeweils als historisch existente Personen einzustufen sind, die einerseits die Entstehung der Erzählung und andererseits deren Rezeption zu einer real konkreten, historischen Situation zu verantworten haben. In Zusammenhang mit der ‚unendlichen Geschichte’ wandelt sich die Bedeutung bzw. der Modellcharakter des realen Kontextes von einem allgemeingültigen Konstrukt einer beliebigen Erzählung zu einem für diese Geschichte spezifischen Element der Struktur, da er eine Voraussetzung für den imaginären Kontext darstellt und sich durch ihn erst die Möglichkeit der Wiederholung äußerer Merkmale und der Lesesituation im Innern der (hier vorliegenden) Geschichte ergeben.
Weiterhin ist hier auf das Element des Paratextes 7 einzugehen, welches ebenso einen Teil des äußersten Vermittlerkonstrukts bildet. Mit diesem Begriff sind alle äußeren Erscheinungsmerkmale des Buches „Die unendliche Geschichte“, wie der kupferfarbene,
5 s. S. 26 Grafik - Kommunikationsmodell
6 s. S. 27 Grafik - Erzählebenen
7 Anm. d. Verf.: Auf das Element des Paratextes wird in 3.3 Spezialfall - mise en abyme, noch einmal eingegangen.
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leicht schimmernde Einband und das Symbol der zwei gegenteilig gemusterten Schlangen, die sich in den Schwanz beißen, zu bezeichnen. Weiterhin sind alle textuellen Elemente, wie der Titel und die Nennung des realen Autors innerhalb des Buches betroffen, die keinen Teil der Erzählung darstellen. Diese Elemente sind mit der Erzählung insofern verbunden, dass sie ein Fiktionssignal für die (fiktive) Erzählung sind. Sie haben für den Leser somit informative Funktion und bereiten ihn auf die folgende Erzählung, die Teil des imaginären Kontextes ist, vor.
2.1.2 Imaginärer Kontext
„Die Tatsache, daß wir in einer realen Kommunikationssituation Sätze äußern können, [...] [die] bloß die ikonische Repräsentation von Sätzen aus einer anderen Kommunikationssituation und damit Pseudo-Sätze sind, ermöglicht schließlich auch die Existenz rein imaginärer Sätze innerhalb der Kommunikation. [...] Die ikonisch repräsentierten imaginären Sätze des fiktionalen Werkes bedeuten insofern eine eigene Welt und zugleich ihre eigene Kommunikationssituation.“ 8
Der imaginäre Kontext wird vom realen Kontext eingerahmt und ist Fiktion, er umfasst demnach alles, was Teil der erzählten Welt ist. Hiermit verbunden ist die Existenz zweier fiktiver Positionen bzw. Vermittlungsinstanzen, die als Repräsentanten des realen Autors und des realen Lesers dienen, da diese nur fiktionsextern Gültigkeit besitzen. Einerseits ist hier der fiktive Erzähler und andererseits der fiktive Leser zu nennen. Diese Positionen sind notwendig, da der Verfasser der Erzählung, Michael Ende, nicht mit der erzählenden, also narrativen, hier unbestimmten Instanz identisch ist und sich diese Form der Erzählung nicht an einen bestimmten Adressaten richten kann.
Neben diesen konventionellen Positionen weist der imaginäre Kontext jedoch eine Besonderheit auf, indem sich das gesamte Kommunikationsmodell der ‚unendlichen Geschichte’ in der Weise wiederholt, dass die Hauptfigur, Bastian Balthasar Bux, sich in der gleichen Situation befindet wie der reale Leser. Er besetzt gewissermaßen dessen Position, als er beginnt „Die unendliche Geschichte“ zu lesen. Innerhalb des imaginären Kontextes findet also eine Lese-Situation statt, die die gleichen Positionen wie die Lesesituation des realen Kontextes aufweist. Demnach existiert ein realer Autor, der jedoch nicht weiter benannt wird und ein realer Leser, dessen Position von Bastian eingenommen wird. Um diesen Vorgang zu komplettieren, müssen also auch hier fiktive Repräsentanten für den realen Autor und den Leser, also Bastian, eingesetzt werden. Diese sind der fiktive Erzähler, der „Die unendliche
8 Scheffel (1997): 37f..
Arbeit zitieren:
M.A. Ulrike Hammer, 2006, Metalepsen und mise en abyme in der Erzählung Die Unendliche Geschichte, München, GRIN Verlag GmbH
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