Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Der Gründungsmythos der DDR 2
3. Der Gründungsmythos als politischer Mythos 5
3.1 Der Einfluss der Generationen 5
4. Konsequenzen 7
4.1 „Schwachstellen“ des politischen Mythos 7
4.2 Konsequenzen für die Bevölkerung 10
4.3 Konsequenzen für das DDR Regime 12
Schlussbetrachtung 13
Literaturverzeichnis 15
1
1. Einleitung
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde in der sowjetischen Besatzungszone ein dogmatisches Konzept, dessen Grundzüge ideologisch geprägt waren, verfolgt und etabliert. Mit der Staatsgründung der DDR (07.03.1949) wurde es zum Gründungsmythos des ostdeutschen Staates. Der Gründungsmythos griff im Wesentlichen auf drei Bestandteile zurück. Zunächst sind dies die Bezugnahme auf die Befreiungskriege des Jahres 1813 und der Rückgriff auf die frühbürgerlichen Revolutionen. 1 Zum anderen gehört dazu aber auch der direkte Bezug auf den Antifaschismus und damit auf die nationalsozialistische Vergangenheit des ostdeutschen Staates.
Meine Hausarbeit knüpft hier an und geht der Frage nach, ob und inwiefern der Teil des Gründungsmythos, der sich auf die nationalsozialistische Vergangenheit bezog, Einfluss auf den Legitimationsverlust der DDR nahm. Dazu werden zunächst Grundzüge des Gründungsmythos geschildert, um in einem weiteren Schritt die Auswirkungen auf das gesellschaftliche und politische Leben erkennen zu können.
Von 1945 bis 1957 etablierte sich eine zweite deutsche Geschichtswissenschaft in der DDR. 2 Festzustellen bleibt jedoch, dass die ostdeutsche Geschichtskultur noch nicht hinreichend erforscht wurde (trotz zahlreicher Publikationen zu dem Thema). So konnte die gesamte Tragweite des Problembereichs noch nicht erschlossen werden. 3
2. Der Gründungsmythos der DDR
Das nationalsozialistische Regime verlor mit dem Ende des zweiten Weltkrieges als staatliches Ordnungselement seine Legitimation. 4 Seit 1945 war es das Ziel der sowjetischen Besatzer einen glaubhaften Neubeginn für die ostdeutsche Bevölkerung zu schaffen, der auf entsprechenden Wurzeln in der Vergangenheit fußen sollte. Es galt die Vergangenheit, sowie das mit ihr verknüpfte Unrecht so zu deuten, dass eine ostdeutsche Besatzungszone bzw. ein ostdeutscher Staat nachhaltig legitimiert werden konnte.
Die Ursache des Zweiten Weltkrieges lag nach offizieller Ansicht der UdSSR bei den mächtigen Vertretern des „Monopolkapitals“. Ihr expansiver Drang gipfelte in dem Versuch
1 Weiterführende Informationen:
Cord Arendes, „Mythen und Legenden in der DDR,“ Zeitschrift für Geschichtsdidaktik (2005): 31.
2 Martin Sabrow, „Die DDR-Historie im Rückblick,“ Zeitschrift für Geschichtsdidaktik (2005): 20.
3 Harmut Voit, „Vorüberlegungen zum Umgang mit der Geschichte in der DDR,“ Zeitschrift für Geschichtsdidaktik (2005): 11.
4 M. Rainer Lepsius, „Das Erbe des Nationalsozialismus und die politische Kultur der Nachfolgestaaten des `Großdeutschen Reiches´,“ Kultur und Gesellschaft: Verhandlungen des 24. Soziologentages und des 8.Kongresses der Schweizerischen Gesellschaft für Soziologie in Zürich 1988, ed. Max Haller, Hans Joachim Hoffmann-Nowotny and Wolfgang Zapf (Frankfurt; New York: Campus Verlag, 1989) 352.
2
ökonomische und politische Macht gegen die anderen europäischen Großmächte militärisch durchzusetzen. Die ideologisch eingefärbte Vergangenheitsdarstellung schloss ebenso den ersten Weltkrieg, sowie die Zwischenkriegszeit und die Machtergreifung der Nazis mit ein. Der erste Versuch des deutschen Imperialismus die Weltherrschaft zu erringen scheiterte nach diesem Verständnis mit der Novemberrevolution und infolge der russischen Revolution. In der Weimarer Republik hätten sich dann erneut die Kräfte des deutschen Monopolkapitals gesammelt, um zum zweiten Mal nach der Weltherrschaft zu greifen. Die KPD (unter der Führung von Ernst Thälmann) sei unterdessen zu einer starken Gegenmacht heran gewachsen. „Das Angebot der KPD an die Sozialdemokratie scheitert an der SPD Führung.“ 5 So habe Hitler die deutschen Arbeiter schließlich ein zweites Mal verführen können. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sei letztlich der zweite Griff des deutschen Monopolkapitals nach der Weltherrschaft misslungen. 6 Ausdruck fand dieses Bild der Vergangenheit u.a. in „Dokumentarfilmen“, welche später in der DDR entstanden und deren
Argumentationsstruktur einer platten Kapitalismuskritik folgte. Es fehlte eine differenzierte, historische Betrachtungsweise.
Aufbauend auf diesem ideologisch verklärten Geschichtsverständnis entwickelten sich dogmatisch anmutende Schlussfolgerungen in Bezug auf Gegenwart und Zukunft des ostdeutschen Volkes. So handele es sich mit der Staatsgründung der DDR um eine „Reparatur der Geschichte.“ 7 Die Niederlage des Volkes wurde in einen Sieg umgedeutet. Das deutsche Volk sei demnach durch die Sowjets vom Faschismus befreit worden. Dies impliziert auch, dass die Ostdeutschen nicht Täter, sondern Opfer eines totalitären, barbarischen Regimes gewesen sind. Dieses Volk der Opfer wurde aus kommunistischer Sicht schließlich gar zu Helden, welche aufopferungsbereit im Widerstand aktiv gewesen sind. 8 Der Widerstand gegen das NS Regime wurde jedoch konsequenterweise auf den kommunistischen Anteil reduziert. 9 Die Umdeutung der Niederlage erfolgte bereits während des Krieges durch deutsche Kommunisten im russischen Exil. 10 Der Widerstand habe letztlich sein Ziel in der
5 Tatsächlich stellte die „Sozialismus-These“ der KPD heraus, dass es notwendig war die Sozialdemokratie als Hauptfeind zu bekämpfen.
Thomas Heimann, „Lehren aus der deutschen Geschichte: Wahrheitstreue und Propaganda im DEFA-Dokumentarfilm Du und mancher Kamerad,“ Geschichtswissenschaft und Geschichtskultur im 20. Jahrhundert: Band 1, Verwaltete Vergangenheit, Geschichtskultur und Herrschaftslegitimation in der DDR, ed. Martin Sabrow (Leipzig: Akademische Verlagsanstalt, 1997) 205.
6 Heimann 195-196.
7 Lepsius 249.
8 Monika Flacke and Ulrike Schmiegelt, „Aus dem Dunkel zu den Sternen: Ein Staat im Geiste des Antifaschismus,“ Mythen der Nationen: 1945- Arena der Erinnerungen, ed. Monika Flacke (Berlin: Philipp von Zabern, 2004) 173.
9 Heimann 206.
10 Flacke 174.
3
Befreiung durch die Rote Armee gefunden. (Erst durch den geleisteten Widerstand habe sich das „gepeinigte“ deutsche Volk der „Befreiung“ als würdig erwiesen.) Diese Sichtweise implizierte eine Dankbarkeit, der die moralische Pflicht innewohnte sich der UdSSR in Zukunft erkenntlich zu zeigen und nicht nur Wiedergutmachung materieller Art zu leisten, sondern sich auch loyal gegenüber dem „Befreier“ zu verhalten. 11 Das deutsche Volk jedoch in der Rolle der Opfer und gar Widerstandskämpfer zu sehen, war nicht selbstverständlich. Besonders in den ersten Nachkriegsjahren war die Meinung der Kommunisten, die Deutschen hätten geschichtlich versagt, weit verbreitet. Wer also eine deutsche Volksherrschaft verlange, fordere die Herrschaft eines Tätervolkes, das die Nazis erst möglich gemacht habe. 12 Die Enteignung der Kapitalisten und Großgrundbesitzer sei Voraussetzung, damit ein eigenständiger, ostdeutscher Staat dauerhaft bestand haben könne. Eine sozialistische (Erziehungs-) Diktatur sei nötig, um sicherzustellen, dass die Deutschen kontrolliert werden können. Proteste gegen die kommunistische Herrschaft wurden in diesem Kontext als faschistisch degradiert. 13
Die Bewältigung der NS Vergangenheit war gleichgesetzt mit der Beseitigung des Kapitalismus. Im Ergebnis wurde das deutsche Volk von seiner nationalsozialistischen Schuld frei gesprochen, indem einzelne Vertreter des Kapitalismus als Sündenböcke herhalten mussten. Die Schuldzuweisung entlastete die machtlose Masse und machte sie zu Opfern, die nun an der kommunistischen Zukunft des Landes mitwirken konnten. 14 Der „Antifaschismus“ wurde zu einem festen Bestandteil der Legitimation der DDR. Dadurch gehörte der Nationalsozialismus nicht mehr zur Eigengeschichte der DDR, verlor an Referenzcharakter und wurde auf die BRD projiziert. So prangerte die DDR Regierung beispielsweise an, dass unter der Regierung Adenauer Kriegsverantwortliche geduldet und sogar gefördert wurden. 15 Die Vorwürfe gingen noch weiter: So hätten Vertreter des Monopolkapitalismus wie Friedrich Flick nach dem Ende des Krieges in der BRD noch größere Vermögen anhäufen können. Entsprechend habe die BRD die Ursachen einer nationalsozialistischen Herrschaft nicht beseitigt und stelle eine faschistische Gefahr dar. In der Konsequenz propagierte die UdSSR, dass sich das friedliche Lager des Kommunismus weltweit ausdehnen müsse. Den friedlichen Teil Deutschlands (DDR) galt es gegen den westlichen Imperialismus zu beschützen und die DDR trug die Verantwortung für die Zukunft in Form eines antifaschistischen, sozialen
11 Jeffrey Herf, Zweierlei Erinnerung: Der Genozid im Gedächtnis der Völker (München: Propyläen, 1993) 52.
12 Herf 49.
13 Herf 51.
14 Herf 49.
15 Heimann 195.
4
Arbeit zitieren:
2008, Der Gründungsmythos der DDR - Katalysator für den Legitimationsverlust des Regimes?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Harcourt School Publishers Trophies: 5pk On-LVL the Brd/Plum Tree G1 t...
HSP, Harcourt School Publishers
Öffentliche Meinung im Dienste des Regimes?
Soziale Kontrolle und 'Opposit...
Nicole Weisheit-Zenz
Excellence and Precedence Excellence and Precedence: Medieval Islamic ...
Asma Afsaruddin, A. Afsaruddin
0 Kommentare