Inhaltsverzeichnis
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Einleitung 4
1. DashinduistischeFrauenbild 8
1.1. DietraditionellehinduistischeFrau 8
1.1.1. GeschichtederUnterdrückung 10
1.2. DiemoderneFrau 13
1.2.1. GeschichtederAufwertung 13
2. IndischeFrauenbewegungen 16
2.1. AnfängeundgrundsätzlicheKonzepte
16
2.2. KommunistischeFrauenbewegungen
18
2.3. NationalistischeBewegung 19
2.4. HinduistischHreligiöseOrganisationen
23
2.4.1. RamakrishnaBewegung
23
2.4.2. VishvaDharmaBewegung 25
2.5. GegenwärtigeDebatten 27
2.5.1. VorarischeZeit
29
2
2.5.2. SitaundSavriti 29 2.5.3. GöttinKali 30
3. DasVerhältniszwischenStaatundFrauenbewegungen 31
4. TransnationalerfeministischerDiskurs 34
5. Conclusio 41 Bibliographie 46
3
Einleitung
Indienhatindenletzten30JahrenvermehrtdasglobaleInteresseerweckt.EsisteinStaat, derfürsicheineparlamentarischeDemokratieinAnspruchnimmt,unddessenBevölkerung dieMilliardengrenzebereitsüberschrittenhat.LangsamistesausderResignationerwacht, diedemOptimismusderGründerjahregefolgtist.ÖkonomischeundsozialeProzessehaben indenletztenJahrenstarkanDynamikgewonnen.Vorallemeineimmergrößerwerdende Mittelschicht nimmt sich den Lebensstil des sogenannten „Westens“ zum Vorbild: amerikanisch geprägte Fernsehprogramme und Filme wecken das Bedürfnis nach materiellemWohlstand.
UnddochhatsichIndienseineEigentümlichkeitbewahrt.NachwievorspieltimLebeneines Hindu die Religion eine bedeutende Rolle. Gesellschaft und Familie sind eng damit verbunden. Frauen beginnen sich allerdings zunehmend aus den Fesseln zu befreien, die ihnenderHinduismusüberJahrhunderteverabreichthat.
NichtunwesentlichhatdieKolonialherrschaftderEngländerdazubeigetragen.Sozialhöher gestellte Mädchen, die in Indien in englischen Schulen unterrichtet wurden, haben die unterschiedliche Position der westlichen Frauen in der Gesellschaft wahrgenommen.Das Schlagwort„Feminismus“warbereitsim19.Jh.inEuropapräsentundistsodannvorallem inden70Herund80HerJahrenindieDritteWeltundsoauchnachIndienübergeschwappt (MiesM.,1986:90).
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Feminismus
WasverbirgtsichhinterdiesemWort?DerWortteil„ismus“deutetdaraufhin,dassdahinter eine Ideologie steckt, wie z.B. bei Sozialismus, Kommunismus etc. In seiner Begrifflichkeit magessogarstimmen:esistsowohleinepolitischealsaucheinesozialeBewegungmitdem Ziel die Gleichwertigkeit, Menschwürde und Entscheidungsfreiheit von Frauen, sowie die Selbstbestimmung über deren Leben und ihren Körper zu erreichen. Er zielt auf eine Veränderung der jeweiligen Gesellschaft ab, in der eine geschlechtshierarchische Unterdrückung nicht mehr vorkommt. Wesentliches Merkmal ist, dass der Feminismus die bisher vorherrschende Gesellschaftsordnung als androzentrisch sieht, dies als UngerechtigkeitinterpretiertunddarausseineExistenzberechtigungbezieht.Abermankann schwervoneinemFeminismussprechen,dochehervonFeminismen,denneshabensich ausdieserGrundvorstellungzahlreicheStrömungenundAusprägungenentwickelt,diesich teilweise ergänzen, aber auch widersprechen. Daher ist es auch unmöglich von einer einheitlichen,allesumfassendenfeministischenIdeologiezusprechen(VrindaNabar;1995: 16f)
Auch haben sich länderspezifische Theorietraditionen herausgebildet, die stets in einem Spannungsverhältnis stehen zwischen wissenschaftlichem Erkenntnisinteresse und der politischen Praxis (BeckerHSchmidt u.a., 2000: 7f). So findet man in unterschiedlichen LänderneineVielfaltvonpolitischenNuancierungenundNeigungen,wiez.B.liberaleroder radikalerFeminismus. FeminismusinIndien
Feminismus wird in Indien sehr gerne mit „Verwestlichung“ verbunden, und auch mit „Männerhass“DieindischeAntwortdaraufwarseitseinemAufkommeninden20HerJahren eine Kombination von Skepsis und Widerstand, denn die Sprache und der Inhalt des westlichen Feminismus waren fremd und seine Prioritäten weit entfernt vom indischen Verständnis(VrindaNabar;1995:35).
HeutegibteszahlreicheFrauenorganisationen,dieüberganzIndienverstreutsind.Esistein losesNetzwerk,dasaufgrundunterschiedlicherideologischerAnsätze,StrategienundZiele 5
weder auf ein Zentrum noch auf einen starken Zusammenhalt zurückblicken kann (Gandhi Nanditha & Shah Nanditha; 1991: 23). Man spricht von einem „Asian Feminism“ oder „Gandhian Feminism“ und denkt darüber nach, ob Feminismus überhaupt als Ideologie gesehen werden kann. Jedenfalls ist er als Ideologie hervorgegangen, denn er hat systematisch Verbindung aufgebaut zwischen dem Leben der Frauen, ihrer Unterdrückung und eine totale Transformation der Gesellschaft in die Wege geleitet (Gandhi Nanditha & ShahNanditha;1991:331).
Ich versuche nun im Folgenden die Frage zu beantworten, ob und inwieweit in Indien die Durchsetzung des feministischen Gedankens problematischer ist, als in der „westlichen“ Welt.UmsozialeNormenundihrZusammenspielinderGesellschafteinerfremdenKulturzu verstehen, ist es erforderlich nachzugehen, wie diese entstanden sind und welchen Stellenwert sie in dieser Gesellschaft einnehmen. Daher werde ich im ersten Kapitel zunächst versuchen, das hinduistisch religiöse Frauenbild vorzustellen und zwar sowohl in seiner ursprünglichen Bedeutung, als auch in den zeitlichen Veränderungen bis hin zur Gegenwart.EsgibtnachwievorgefestigtetraditionelleVorstellungen,dienichtunbedingt vonallenFrauenabgelehntwerden.FrauenhabeneineMengeüberschneidendeInteressen, einige davon teilen sie mit Männern, andere stehen in Konflikt mit ihnen, oder auch mit anderen Frauen. Das macht die Angelegenheit nicht leichter, eine allumfassende Ideologie zu formulieren. Ich werde versuchen die wichtigsten und hervorstechendsten Aspekte herauszuarbeiten,die,beigenauerBetrachtungdespolitischenundsozialenFeldesjeweils übereinstimmenoderauchnichtübereinstimmen(VrindaNabar1995:17f). ImzweitenKapitelbefasseichmichmitderEntstehungderindischenFrauenbewegungund werde konkret die Konzepte von hinduistischHreligiösen sowie nationalistische Organisationen erörtern. Als Kontrast dazu stelle ich zwei Bewegungen vor, die beide zur kommunistischenParteiIndiensgehören,jedochaufgrundderunterschiedlichenpolitischen Führung in den beiden Megacities Mumbai und Calcutta sich bezüglich ihrer Schwerpunktsetzungentsprechendanpassenmüssen
Das lässt darauf schließen, dass feministische AktivistInnen immer eine ambivalente BeziehungzumStaat,undinIndienganzbesonders,zurregionalenPolitikbesitzen,wasich in Kapitel 3 diskutieren möchte. Es geht hier vor allem, im Sinne von Bourdieu, um das politischeFeld,indemderStaat,politischeParteienundsozialeOrganisationsbewegungen 6
eingebettetsind,wobeiderStaatdiestärksteInstitutioninjedempolitischenFelddarstellt. Innerhalb dieses politischen Feldes können kleinere oder mehrere lokale politische Unterfelder vorhanden sein, z.B. ein ProtestHFeld, indem soziale Bewegungen sich gegen StaatoderdieRegierungwenden(RakaRay;1999:8)
In Kapitel 4 befasse ich mich mit dem transnationalen feministischen Diskurs, unter besondererBeachtungderWeltfrauenkonferenzinBejingundstelledieFrage,obdieseeine BedeutungfürdieindischeFrauenbewegunghat,undwennja,welche.
Im 5. und letzten Kapitel werde ich in einer kurzen Zusammenfassung einen Ausblick über die vermeintliche Zukunft der Frau und ihrer Position in der indischen Gesellschaft darstellen.EineZukunft,dieeinerseitssehrstarkabhängigistvonderjeweiligenPolitikdes Landes, sowie der fortschreitenden weltweiten Globalisierung. Indien lebt in keinem Vakuum, weder die Gesellschaft noch deren Religion. Einerseits ist der Hinduismus eine gelebte Religion, die sich in GeistesH und Lebenserfahrungen niederschlägt, andererseits wurde durch den europäischHamerikanischen Kulturkontakt die Aufmerksamkeit auf die sozioreligiöse Diskriminierung von Frauen gelenkt und damit ein Veränderungsprozess in Ganggesetzt(HellerB.,1999:18).
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1. DashinduistischeFrauenbild
In der „westlichen“ Welt sind mit dem hinduistischen Frauenbild viele Klischees verbunden.MeistsindesnegativeBilderdieunsvermitteltwerden.Medienberichten über Abtreibung weiblicher Föten, neugeborene Mädchen werden erstickt, junge Frauenwerdenverbrannt-ökonomischwirddiesbegründetmitMitgiftforderungender Schwiegereltern.NachwievorherrschtauchdieVorstellungvonWitwenverbrennung. Tatsacheist,dasseskeinhomogenesBildüberFraueninIndiengibt.DieGesellschaftist sehrvielschichtig,injederKastehatdieFraueineanderePosition.Auchgibtesinder hinduistischen Religion Unterschiede zwischen dem Norden und dem Süden Indiens; ebensospieltdieBildungunddiewirtschaftlicheLageeinerGruppeeineRolle,sowieob eineFamilieorthodoxistodernicht.
Im Folgenden befasse ich mich mit dem traditionellen hinduistischen Frauenbild, das ehernegativdargestelltwird,undwieesdazugekommenist.Demgegenüberstelleich diemoderneFrauimunabhängigenIndien,ihrenStatus,unduntersuche,inwieweitdie beruflichundpolitischengagierteFrauheutenochinderTraditionverwurzeltist.
1.1. DietraditionellehinduistischeFrau
HinduismusisteinegelebteReligionunddamitaucheinKonglomeratanverschiedenen Traditionen.DieindischeWeiblichkeitskonzeptionistdaherauchschwerzudefinieren, ist historisch bedingt und wurde stets von Gesellschaft und Religion beeinflusst. Es lassen sich jedoch bestimmte Grundlinien feststellen, wobei diese vor allem durch Literatur und epische Texte, wie Mahabharata, Bhagavadgita, Ramayana etc. geprägt wurden.EinerseitswirddasGöttlichHWeiblicheverehrt:LakshmiundParvatiwerdenals kreativ,wohlwollendgesehen,währendKaliundDurgadestruktivHgefährlichverstanden werden. Sexualität sieht man als einen Aspekt der kosmischen Kraft. Diese Göttinnen dienenalsVorbilderfürirdischeFrauenunddieMetapherdesgöttlichenPaaresprägt dieHingabederFrauandenEhemann(HellerB.,1999:35).
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Das reale Bild sieht die Frau jedoch grundsätzlich verdorben, die stets unter Kontrolle gehaltenwerdenmuss;siewirdreduziertaufdenBereichderSinnlichkeitundSexualität und damit verachtet, denn Sexualität ist im hinduistischen Denken Schwäche. Frauen können nur in Abhängigkeit vom Mann ein gutes und vorbildliches Leben führen. Nur wenn das Frauenbild überlagert wird von einer Mutterrolle, eröffnet sich die Möglichkeit zu einer gewissen Eigenständigkeit und Dominanz. Trotzdem bleibt sie immer untergeordnete Ehefrau. Die Geburt als Frau wird als ein Fehlverhalten im vorangegangenenLebengesehenundistdamiteinweitererBeweisihrerSündhaftigkeit. DahermüssenFrauenbesonderseinerreligiösHsittlichenErziehungunterzogenwerden, da dies aus brahmanischHorthodoxer Sicht der einzige Ausweg aus dem Geburtenkreislauf sei und damit die „heilsnotwendige Wiedergeburt als Mann ermöglicht werde“. Nur wenn die bedrohliche weibliche Sexualität unter männliche Kontrollegebrachtwird,löstsichdieseinbeständigesweiblichesWohlwollenauf(ebd.: 36ff).
Wirkliche Bedeutung hat die Frau nur als Ehefrau und Mutter. Die populärsten FrauengestalteninderLiteratursindvorallemSita,Savitri,undSati.VorallemSitaist einweiblichesLeitbild:dasVorbildunbedingterTreue,Keuschheit,Leidensfähigkeitund Opferbereitschaft.
Die Ehefrau soll ihrem Gatten, ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben, dienen; sie soll seineHandlungenakzeptieren;siesollseinemWillengehorchen,auchwenndieserim WiderspruchzuanderenreligiösenPflichtensteht(Tryambakayajvan.,1995:29).
Die Witwe hat ihren Daseinszweck verloren, sie ist unrein, und bringt Unglück: genau wie der Körper, der des Lebens beraubt und unrein ist, so wird die Frau, die ihres Ehemannesberaubtist,dauerhaftunreinsein.EskamzuderverbreitetenAnschauung, dassdieWitwedenToddesEhemannesselbstverschuldethätte,indemsieihrerPflicht nicht nachgekommen sei, ihrem Ehemann ein langes Leben zu sichern. Die Frauen werdendaherangehaltenzubeten,dasssievorihremEhemannsterbenunrein(ebd.: 303). 9
Wenn der Ehemann früher stirbt hat seine Witwe die Wahl, entweder ihre Schuld in einem asketischen Leben zu büßen, oder gemeinsam mit dem Ehemann verbrannt zu werden.DasistsodanndiehochgeachtetePositionderSati-siewirdzurvergöttlichten Ehefrau. Ihr wird damit nicht nur ein Fortleben mit dem Ehemann in einer der Himmelswelten gewiss,sondern sievermag ihnauch von seinem schlechten Karma zu reinigen(HellerB.,1999:39).
Die Rolle der Mutter wird jener der Ehefrau völlig untergeordnet, andererseits jedoch biszurVergöttlichunggesteigert.DieGebärfähigkeitderFraustehtganzimDienstdes Ehemannes,dernachalterAuffassungdurchsie-inseinemSohn-wiedergeborenwird (Tryambakayajvan., 1995: 31f). Der Status einer Frau hängt bis heute von der Geburt einesSohnesab-siewirdzumsozialenErlöserdesEhemannes.
TöchtersindindenseltenstenFällenwillkommen.DieVerantwortungderElternfürdie Keuschheit und Reinheit der Tochter stellt eine Belastung dar. Heute bedeutet die Geburt einer Tochter mehr denn je ein Unglück aufgrund der übertriebenen Mitgiftforderungen,diebiszueinenfinanziellenRuinderFamiliegehenkönnen. DieFragestelltsichnun,wieistdieseAmbivalenzvondemgöttlichenunddemrealen Frauenbildzuverstehen?
1.1.1. GeschichtederUnterdrückung
Der Status der Frau hat sich ist in den letzten 2000 Jahren verschlechtert. In der vedischen Epoche hatten Frauen einen wesentlich höheren Status als in späteren Perioden.
Etwa 1000 B.C., im sogenannten „goldenen Zeitalter“, dem Zeitalter der vedischen Kultur,warendieFrauendenMännerngleichgestellt.FrauennahmenaktivanOpfern teil,undkanntenwahrscheinlichauchdieheiligenTexte(BumillerE.,1992:20f)
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Arbeit zitieren:
Hannelore Weber, 2009, Indischer Feminismus, München, GRIN Verlag GmbH
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